GEOWIS Logo
GeoWis ONLINE-MAGAZIN
22. September 2017
Home |  Login | Kontakt | Verlag | Links   
Download-Archiv
eBook/eText Downloads
Science & Technology
Selected Portraits
Artikel & Reportagen
Deutsche Sprache
Meinungen
Musik
Rezensionen
Film
Interviews
Schnellsuche
 
Verwenden Sie Stichworte, um einen Beitrag zu finden.
Erweiterte Suche
Ankündigung

Kostenlose Downloads (Auswahl)

Demographie: Que sera, sera. The future's not ours to see. Die BBR-Bevölkerungsprognose in Konfrontation mit der Realität. Von Hansjörg Bucher und Claus Schlömer

Stefan Z. Dmochowski - The Olowo of Owo

Klaus von Bröckel - Djibouti: 18. März 1987

Lesetipps

Tourismus

Wohin geht die Reise? >>

Reisen im Geburtsland Makesis >>

China-Reportagen

Chongqing - Stadt im Nebel >>

Chongqings Altstadt Ciqikou >>

Carrefour in China >>

Diaoyucheng, Hechuan >>

Beijing by Bike >>

Der chinesische Traum 1 >>

Der chinesische Traum 2 >>

Der chinesische Traum 3 >>

Spanien-Reportagen

Paxe Ryanair, Iberia! >>

High Speed Tag und Nacht >>

Der Tod kommt zweimal >>

Tarragona - Baila conmigo >>

Málaga - Glut des Südens >>

Japan-Reportagen

Hakone >>

Hakone Open Air Museum - Im Reich der Skulpturen >>

Frankreich-Reportagen

Nizza - Zwischen Arm und Reich >>

Vence - Kultort der Kultur ... >>

Nizza - Champagner muss sein >>

Côte Basque - Saint-Jean-de-Luz >>

Mauerfall-Reportagen

"Ich werd' bekloppt!" >>

"Keine Ahnung, wie die lebten" >>

"Wir wollen die D-Mark!" >>

Weitere Beiträge:
Portrait: Fielding's The World's Most Dangerous Places - Robert Young Pelton, Coşkun Aral, Wink Dulles und andere haben einen Reiseführer verfasst, der bislang alle anderen in den Schatten stellt
Portrait: Blind Pilot
Portrait: Airbag - Die norwegische Band wird als erstklassiger Nachfolger von Pink Floyd gehandelt
Portrait: Tame Impala - Psychedelischer Nostalgie-Rock updated
Portrait: Der Mann aus Martinique - Frantz Fanon, Protagonist aller Kolonisierten, Unterdrückten und Marginalisierten
Portrait: Köln 78 - Ein ehemaliger Verlag und sein Macher Joachim von Mengershausen
Portrait: Tina Modotti - Tragische Revolutionärin und grandiose Fotografin. Teil 4
Portrait: Tina Modotti - Tragische Revolutionärin und grandiose Fotografin. Teil 3
Portrait: Tina Modotti - Tragische Revolutionärin und grandiose Fotografin. Teil 2
Portrait: Tina Modotti - Tragische Revolutionärin und grandiose Fotografin. Teil 1
Portrait: Der Telök - Seit 25 Jahren Deutschlands Antwort auf Monty Python, Benny Hill und Jango Edwards mit Dadarett pur
Portrait: Camila Morgado. Ob Olga, Malu, May oder Cacilda - die brasilianische Schauspielerin ist eine der vielseitigsten ihres Fachs
Portrait: Yu Onoe - A Woman in full. Teil 2
Portrait: Yu Onoe - A Woman in full. Teil 1
Portrait: Der polnische Architekt Zbigniew Roman Dmochowski hat Nigerias traditionelle Bauweisen festgehalten. Hinter ihm lag bereits ein bewegtes Leben. Es sollte ein noch bewegteres folgen
Portrait: Hape Kerkeling - Weltstar aus Recklinghausen
Portrait: Johnny Depp - Hunters bester Freund
Portrait: Berufsförderungswerk Dortmund in neuem Anzug
Portrait: Teresa Saponangelo - Italiens erotischste Komödiantin
Portrait: Wolfgang Körner - Bekennender Macho
Portrait: Elena Poniatowska - 75 und kein bisschen leise
Portrait: Ashley Judd - "Ich trage keine Pelze"
Portrait: Vanessa Bauche - Die starke, mutige Mexikanerin
Portrait: Anne Hathaway - Die Konsequente


Portrait: Tina Modotti - Tragische Revolutionärin und grandiose Fotografin. Teil 3
[911]
vvidali_edam_big.gif

Die Internationalistin

Mit 17 verließ sie als nahezu mittelloser Teenager mit ihrer Mutter ihre italienische Heimat und schiffte nach den USA ein; mit 45 starb sie an nie zweifelsfrei geklärter Ursache als Revolutionärin in Mexico City. Dazwischen hatte sie ein bewegtes Leben. Teil 3

Von Tom Geddis (2012-04-30)

In Havana verbreitete Vittorio Vidali, Tina Modotti, Mellas Lebensgefährtin, sei an Bord der Edam, dürfe das Schiff aber nicht verlassen, weil sie von Mexiko abgeschoben wurde. Anhänger Mellas und der Kommunistischen Partei Kubas (PCC) huldigen ihr im Hafen. Drei Tage ankert die Edam dort. Dann beginnt die Überquerung des Atlantiks mit Ziel La Coruña. Modotti wird vorübergehend seekrank, findet aber endlich Zeit, um Mella zu trauern, wie ihre Chronistin Elena Poniatowska schreibt. Sie möchte "immer Passagier sein und nie an Land gehen", vertraut sie Vidali an.

Im Hafen von Rotterdam erhalten Modotti, Vidali und der mitgereiste Isaac Rosenblum von der dortigen Roten Hilfe von der antifaschistischen niederländischen Regierung ausgestellte Passierscheine und eine Aufenthaltsgenehmigung für 48 Stunden. Der italienische Generalkonsul, im Auftrag Mussolinis angereist, will die "Deportierte" in Empfang nehmen, doch die niederländischen Beamten verweigern ihm diesen Wunsch.

Stattdessen erhalten die drei Fahrkarten für den Zug nach Berlin. Hitler ist noch nicht an der Macht, weshalb sie am 4. April 1930 unbehelligt ihre Fahrt durch das Deutsche Reich antreten können. Ernüchtert stellt Modotti nach ihrer Ankunft in Berlin fest, dass es den Kommunisten dort mindestens genauso schlecht ergeht wie den Genossen in Mexico City. Verfolgung, Verprügelung und Zuchthaus inklusive.

In Berlin ist vieles moderner als in Mexiko City, besonders in der Kamera- und Fototechnik. Modotti erlebt erstmals, dass "Amateure ihre Filme zum Entwickeln" abgeben können (Poniatowska) und kommt sich mit ihrer Graflex "vorsintflutlich" vor. Noch glaubt sie an einen Neuanfang in Deutschland, glaubt an die Fotografie, und lehnt deshalb Vidalis Angebot ab, mit ihm und Rosenblum nach Moskau weiterzureisen.

Kommunisten- und Judenverfolgung sind in Berlin bereits alltäglich, aber auch das Burlesque, Frivole und Pulsierende dieser mit 4,3 Millionen Einwohnern viermal größer als Mexico City rastlosen Metropole. Dennoch findet sie anfangs keine Arbeit. Sie kommt in der Pension Schulz in der im Westen gelegenen Tauentzienstraße unter und fristet ein äußerst sparsames Tagein-Tagaus. Sie hat Heimweh nach Mexiko, nach ihren Freunden, nach ihrer Arbeit und fragt sich, was "ein Fotograf in einer Stadt anfangen" könne, in der es "mehr als 550 Fotoateliere" gebe?

Vergeblich sucht sie Kontakt zu Verleger Willi Münzenberg, der bereits einige ihrer Fotos - als sie noch in Mexiko ansässig war - in seiner auflagenstarken Zeitschrift AIZ veröffentlicht hatte, doch der ist "ständig auf Reisen" (Poniatowska). Sie ist deprimiert und schreibt es auf. Sie sei allein, habe kein Geld, sei im Exil, habe keine Kinder, niemand brauche sie, Mexiko habe sie verstoßen und sie wisse nicht, was sie fotografieren solle.

Mit ihrer Fotomappe rennt sie sich die Hacken ab, bis sie bei der Union Bild landet und dort auf den einflussreichen Arbeiterfotografen Heinz Albrecht trifft. Albrecht kritisiert ihre Mappe, nimmt Modotti ins Rigorosum und macht ihr klar, dass es nicht um den Fotografen gehe, sondern ums Foto und dessen politische Aussagekraft. Albrechts radikales Verständnis von Arbeiterfotografie trifft auf Modottis Hervorhebung des Ästhetischen.

Während er den journalistisch-politischen Aspekt eines Fotos für das Wichtigste hält, ist sie der Auffassung, dass ihre Art zu fotografieren den mexikanischen Bauern und Arbeitern Würde verleihe und daher ebenso politisch sei. Aber sie spürt auch, dass Albrecht "nicht ihr Feind" ist und erhält von Union Bild eine Leica, mit der sie fotojournalistisch loslegen solle.

Modotti ist froh, Geld verdienen zu können. Sie lernt die unweit von ihrer Bleibe, in der Joachimsthaler Straße wohnende Promi-Fotografin Lotte Jacobi kennen, die Kurt Weill und dessen Frau Lotte Lenya, Bertolt Brecht, Thomas Mann und andere prominente Künstler und Intellektuelle fotografiert. Fast ist sie wieder dort, wo sie in Mexico City war: im Zentrum der Bohéme und Intellektualität.

Doch nur fast. Zwar kennt sie binnen kurzer Zeit viele Leute, hat Arbeit und verdient etwas Geld, aber sie fühlt sich im immer faschistischer werdenden Berlin, in dem die Konkurrenz so groß ist, nicht wohl, zumal sie zwischen Beruf und Berufung schwankt. Soll sie weiterhin fotografieren oder sich politisch betätigen? Ein Besuch Vidalis in Berlin wird für ihren weiteren Lebensweg entscheidend sein.

© Tom Geddis

© GeoWis (2012-04-30)

Teil 1 >>

Teil 2 >>

Teil 4 >>

Anzeige