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Niven, John: Kill Your Friends. Rezensiert von Wolfgang Körner
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British Psycho in Music Business

Es gibt noch immer Romane, die am Beispiel der Verhältnisse in einer Branche aufzeigen, wie heruntergekommen und korrupt eine Gesellschaft unter dem Glücksrad eines dem Primat des Profits verpflichteten Turbokapitalismus zu werden vermag. Kill Your Friends ist so einer.

Von Wolfgang Körner (2012-05-07)

Kein Zweifel, es trägt immer erheblich zur Qualität eines Romans bei, wenn dessen Autor das Milieu, in dem er seine Geschichte ansiedelt, nicht nur durch Recherchen, sondern auch aus eigener Erfahrung kennt. Dies ist bei dem hier besprochenen Roman erfreulicherweise der Fall.

John Niven arbeitete zehn Jahre bei verschiedenen Musikproduzenten im Bereich A&R dessen Manager für das Aufspüren neuer Talente und ihre Vermarktung zuständig sind. Offensichtlich eine Schlangengrube, in der jeder Erfolg viele Väter hat und der Misserfolg zum schnellen Verlust des Arbeitsplatzes führt.

 Steven Stelfox, noch keine dreißig Jahre alt, arbeitet im London Ende des 20.Jahrhunderts für ein großes Unternehmen der Musikindustrie - sofern man seine Tätigkeiten als Arbeit bezeichnen kann. Er ernährt sich von Whisky, Fast Food und Kokain und schläft wahllos mit jeder Frau, die nicht schneller laufen kann als er. Er torkelt durch die Clubs des Britpop in der Ära und auf dem Höhepunkt der Regierung Tony Blairs.

Der Leser erfährt Details aus dem Geschäft mit Popmusik, wie man sie in jüngerer Zeit anderswo bisher nicht annähernd so schonungslos geschildert fand. Das Ganze in rasantem Pacing, erzählt im Perfekt und der ersten Person Singular. Mit hinreißenden Dialogen und Figuren, die - auch wenn der Autor oft satirisch überspitzt - durchaus glaubhaft erscheinen.

Steven lebt mit seinen Kollegen in mörderischer Konkurrenz. Immer auf der Suche nach dem nächsten Hit jagt er durch die Szene, behandelt seine Sekretärin schlimmer als Dreck und bringt schließlich einen Freund aus der Firma mit einem Baseballschläger um. Dieser Mord bleibt nicht der einzige.

Die rassistische, sexistische und skrupellose Zentralfigur erinnert vielfach an den Protagonisten Patrick Bateman in Bret Easton Ellis Roman American Psycho (1991), den der Autor sichtlich genau studiert zu haben scheint. Das reduziert den Wert des hier besprochenen Romans nicht im Geringsten. Ganz im Gegenteil!

Die Methoden, mit der die Musik-Manager Hoffnungen in den für die Industrie geeignet erscheinenden Talenten wecken, wie sie für Künstler höchst nachteilige Verträge schließen, wie sich Geschäftsleute in künstlerische Produkte einmischen, ohne viel Ahnung von musikalischer Qualität zu haben, sollte jedem Musiker, der vom großen Erfolg träumt, die Augen öffnen.

Etwa 300 Demo-Bänder erhält die A&R-Abteilung des Musikproduzenten jede Woche. Sie stapeln sich unbeachtet in den Büros, sofern nicht jemand eine glatte Unterlage braucht, auf der er seine nächste Kokainlinie ziehen kann. Selbst Künstler, die bei einem Live-Auftritt „entdeckt“ werden, seien gewarnt: Falls sich das Produkt (er, sie, sie) auf dem Markt nicht durchsetzt, können sie wie zuvor mit Gigs vor kleinem Publikum spielen, um die Schulden abzuarbeiten, die sie während ihres Traums von der großen Karriere anhäuften.

Allerdings, und das ändert nichts an der Qualität dieses ausgezeichneten Romans, hat das Internet das Musikgeschäft längst grundlegend verändert. Wo im Roman noch Tonträger verkauft werden, wird heute Popmusik meist per Download konsumiert. Die Musikindustrie hat diese Entwicklung zu spät erkannt, und wer sich als Musikproduzent vor fünfzehn Jahren noch die Nase mit Koka pudern konnte, ist heute vielfach arbeitslos.

 Niven, der 2005 mit Music From The Big Pink reüssierte, dann The Amateurs (dt.: Coma) veröffentlichte und im vergangenen Jahr mit The Second Coming (dt.: Gott bewahre) einen Roman nachgelegt hat, in dem Gottes kiffender Sohnemann auf die durchgeknallte, verlotterte und von Dummen geplagte Erde zurückkehrt, um mal für Ordnung zu sorgen, dann aber ins Showbiz gerät, gilt inzwischen als Kultautor.

Hatte er sich mit Kill Your Friends kaum Freunde in der Pop-Branche gemacht, ist es durch The Second Coming noch heftiger geworden. Blasphemie warf man ihm vor und sein US-Verleger lehnte das Buch ab. Klare Furcht vor dem Bible Belt. Eigener Aussage zufolge ist Niven nicht gläubig.

Der hier rezensierte Titel, Nivens Durchbruchsroman, in dem viele bekannte Namen auftauchen und der nun verfilmt wird, erschien - wie auch The Second Coming und die vorherigen - in deutscher Lizenzausgabe, übersetzt von Stephan Glietsch, im Heyne Verlag. An der Übersetzung ist nichts auszusetzen, aber das vom Britpop-Jargon lebende Buch ist im Original deutlich prickelnder.

© Wolfgang Körner

© GeoWis (2012-05-07)

John Niven: Kill Your Friends. Vintage Books, London, 2008.

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