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In einer anderen Welt

Abseits des mediterranen Massentourismusses in Frankreich gibt es einen beschaulichen Ort, der unter Franzosen sehr geschätzt wird: Saint-Jean-de-Luz.

Von Antonio Morales (2012-06-22)

Berühmtheit erlangte Saint-Jean-de-Luz im 17. Jahrhundert, als König Louis XIV in der Kirche Saint-Jean-Baptiste die Infantin Maria Theresa von Österreich am 9. Juni 1660 ehelichte. Erwähnung und Bedeutung hatte der am Rande der Pyrenäen und unweit der heutigen spanischen Grenze am Atlantik liegende Ort jedoch viel früher erfahren, nachdem die erste große europäische Pest, die Saint-Jean-de-Luz 1348 erreichte, überstanden war.

 Bereits im 15. Jahrhundert diente der Ort baskischen Walfängern, Korsaren und Piraten auf Grund seiner Bucht als Hafen und Rückzugsort. Nachdem im April 1518 erneut die Pest ausgebrochen war, verwaiste er vorübergehend.

Dann kamen die Korsaren, Wal- und Fischfänger zurück und nahmen von der geschützten Bucht aus ihre Beutezüge wieder auf. Das missfiel besonders den spanischen und französischen Kaufleuten, dem Adel und den royalen Flotten.

König Heinrich von Navarra (Heinrich IV, auch Henri le Grand/H. d. Große) wollte den Freibeutern den Garaus machen und ließ an der südlichen Landzunge der Bucht die monströse Zitadelle Fort de Castille erbauen, später umbenannt in Festung von Socoa (Fort de Socoa), die erst 26 Jahre nach seiner Ermordung - sein Sohn Ludwig XIII riss dann nach inneraristokratischen Machtkämpfen nach seiner Volljährigkeit die Herrschaft an sich - fertiggestellt war (1636).

Gleichzeitig sollte sie ein Bollwerk gegen die spanischen Habsburger sein, mit denen Heinrich IV schon während seiner Herrschaft im Clinch lag. Kurz vor der Vollendung der Festung begann der Fränzösisch-Spanische Krieg (1635-49), der mit dem Pyrenäenfriede zum Abschluss gebracht wurde. Auch die Ära der Piraten war weitgehend zu Ende. Heute erinnern Tafeln auf dem Pier an die frühen Zeiten.

 Mit der Französischen Revolution brachen auch für Saint-Jean-de-Luz neue Zeiten an. 1793, vier Jahre nach der Revolution, ergab die Volkszählung für den Fischerort eine Population von 3323 Personen. 80 Jahre lang veränderte sich diese Zahl nur geringfügig, war mal um 15% höher, mal um den gleichen Faktor niedriger.

Während des Zweiten Weltkriegs, als Teile der polnischen Exil-Armee hier stationiert waren und 1940 nach England ausgeschifft wurden, belief sie sich auf zirka 8.000. Danach wuchs sie langsam und stetig an und überschritt kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die 10.000er Marke. Heute leben in dem Ort fast 15.000 Menschen, deren Haupteinnahmen sich aus dem Tourismus speisen.

Dennoch beträgt das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen lediglich rund 24.000 Euro (Frankreich: 44.000 €, 2010), was zum Teil daran liegt, dass der Tourismus nur saisonal Geld in die Kassen spült, abseits der Saisons hingegen von Fischerei, Weinbau, Käserei, Gastro-Kleingewerbe und kaum Industrie Einkommen erzielt werden müssen. Einer der wenigen größeren Arbeitgeber ist das auf Kühltransporte spezialisierte Unternehmen Groupe Olano.

Saint-Jean-de-Luz wirkt selbst in der Hauptsaison nicht überfüllt, obwohl dort viele, meist französische Touristen urlauben. Das immer noch an einen Fischerort erinnernde Städtchen mit seinen pittoresken Häuserfassaden, häufig in den traditionellen Farbkombinationen weiß-rot und weiß-grün gehalten, gilt als familienfreundlich.

 Das zeigt sich in Restaurants, die häufig mehrere Kinderstühle bereithalten und auf der Karte stets für die Kleinen Menüs im Angebot haben, wie auch an den Stränden, an denen allerlei für den Nachwuchs aufgeboten wird.

Die Betreuung der kleinen Schreihälse wird den Eltern durch erfahrenes pädagogisches Personal zudem gerne abgenommen. Dabei fällt auf, dass die Kids nicht einfach nur bespaßt werden. Vielmehr müssen sie sich in Gruppenverhalten und Geduld üben.

Die Betreuer, deren Belastungsgrenze irgendwo im Unendlichen zu liegen scheint, veranstalten mit ihnen sportive Wettbewerbe, lassen sie sich auf Hüpfburgen austoben, achten auf sie, wenn sie im Wasser plantschen, bringen ihnen - falls notwendig - das Schwimmen bei und erzählen ihnen nicht selten etwas zur Geschichte des Ortes.

Bezahlt werden die meist saisonalen, mitunter auch hauptberuflich unbefristet tätigen Kräfte von der Kommune. In französischen Urlaubsorten ist das schon lange ein Angebot, das von Touristen mit Kindern im Schlepp zu einem Auswahlkriterium avanciert ist. Wird ein solches Angebot nicht bereitgestellt, bucht man anderswo.

 Es ist keiner der klassischen Touristenorte, wie es sie mit Arcachon, Mimizan, Biscarrosse, Hosseger/Capbreton oder Biarritz an der südwest-französischen Atlantikküste vielfach gibt, und er ist auch nicht dominiert von Bungalow-Anlagen. Eher ein Kleinod abseits des vielen Trubels, der etwa an Frankreichs Mittelmeerküste herrscht. Trotzdem ist er nicht preiswert.

Für ein Zimmer in einem Drei-Sterne-Hotel werden während der Saison inklusive Frühstück um 120 Euro verlangt, manchmal etwas mehr, gelegentlich - je nach Lage - auch etwas weniger.

Preisaktionen übers Internet werden von fast allen Hotelbetreibern vorgenommen. Vier Sterne können dennoch bis zu 250 Euro kosten, fünf bis zu 600. Châteaux befinden sich dazwischen. Je nach Wahl weht einem zuweilen die Historie durchs Zimmer. Bei fast allen Anbieten kann man gegen geringen Aufschlag Familienzimmer buchen.

Wer nach Saint-Jean-de-Luz zum Urlauben reist, will normalerweise seine Ruhe haben - Kinder stören hierbei niemanden -, will über den alten Pier spazieren, der als Wall gegen die Brandungswellen des Atlantiks erbaut wurde und von dem aus Stege zu den Wohnimmobilien führen. Es geht um Gelassenheit, auch unter den Einheimischen.

 Beobachten lässt sich das auf dem Markt, wo - wie noch verbreitet in Frankreichs äußerstem Südwesten und Südosten - bei Fisch und anderen Meeresbeuten um den Preis gefeilscht werden kann.

Man sieht es auch an der Ruhe, mit denen die Fischer ihre Netze im Hafen ausbreiten, um sie dann sachgerecht für die nächste Fangfahrt zusammenzufalten. Und man erlebt es in der kleinen Innenstadt, die nicht von Anbietern an Badeartikeln und Tinnef asiatischer Herkunft geprägt ist.

Kleine wie feine Cafés, die die ganze Bandbreite des Kaffeeaufbrühens darbieten, Bars, die hervorragend mundende Weine aus der Gegend kandieren, traditionelle Bäckereien, die mehrfach am Tag die flûte aus dem Backofen holen, örtliches und regionales Kunsthandwerk, das in teils winzigen Ladenlokalen zum Verkauf angeboten wird, und Malereien, die den Flanierenden in der Altstadt zur Ansicht - und zum Kauf - gereicht werden, tragen dazu bei, Saint-Jean-de-Luz als einen Ort wahrzunehmen, der Flair hat.

Klar, es gibt auch Dependancen einschlägiger Fast-Food-Ketten und Geschäfte von Luxusmarken aus Mode, Schuhwerk, Schmuck und Chronographen. Der Ort wäre nicht nahezu perfekt, gäbe es diese Auswahl nicht. Doch wer dorthin gelangen will, muss mitunter Strapazen auf sich nehmen, besonders dann, wenn man aus Deutschland anreisen möchte.

 Offizielle Direktflüge von deutschen Flughäfen aus gibt es nicht, zumal Saint-Jean-de-Luz keinen Flughafen besitzt, sondern nur ein Aerodrôme, auf dem hauptsächlich Privatflieger landen (und starten).

Deutsche Airlines bedienen auch den nächstliegenden Flughafen Biarritz nicht selbst oder direkt. Hierzu muss man bei Air France buchen und generell in Paris umsteigen.

Die niederländische KLM fliegt Biarritz zwar auch von Deutschland aus an, stoppt aber stets in Amsterdam. Da kann es bis zu 23 Stunden dauern, bis man am Ziel ankommt.

Schneller geht es mit dem Auto. Ab Düsseldorf sind es auf der schnellsten Strecke bei Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzungen um 14 Stunden (1300 km). Ähnlich schnell, zumindest bei entsprechender Vorbereitung, reist man mit dem Zug (Beispiel siehe unten). Wer vor Ort ein Fahrrad oder motorisiertes Zweirad benötigt, kann es sich gegen geringe Gebühr leihen und die unmittelbar höchste Erhebung, La Rhune (905 m), erkunden.

Ein- oder mehrtägige Ausflüge in die nähere und etwas weitere Umgebung bieten sich ebenfalls an. So nach San Sebastian/Donostia (33 km), Pamplona (110 km), Bilbao/Bilbo (128 km), Biarritz (19 km), Bordeaux (211 km) oder Cambo-les-Bains/Bas Cambo (33 km), einem kleinen Kurort westlich von Saint-Jean-de-Luz, der für sein neoklassizistisches Thermalbad und die Gärten der Villa Arnaga bekannt ist. Letztere wurden vom Erbauer der Villa, dem Dichter Edmond Rostand (Cyrano de Bergerac) zwischen 1900 und 1906 angelegt.

 Für reine Sonnenhungrige, die sich nichts als braunbrezeln lassen möchten, ist Saint-Jean-de-Luz wahrscheinlich nicht das richtige Urlaubsziel, wenngleich die Intensität der solaren Strahlung auch hier nicht zu unterschätzen ist.

Die Region ist mit einem Jahresmittel von 1480 mm bei vorwiegend mildem Atlantikklima niederschlagsreich. Im Juli und August belaufen sich die mittleren Tagestemperaturen zwischen 16° und 24° C, wobei gelegentlich Werte über 30° C erreicht werden (bisheriger Rekordwert: 40,6° C).

Der unschätzbare Vorteil von Saint-Jean-de-Luz gegenüber - beispielsweise - dem alten, einst grandios mondänen Seebad Biarritz ist dessen Ausstrahlung von Ruhe, Gelassenheit und Gemütlichkeit und dass der Ort für jene, die es brauchen, nicht weit entfernt vom Trubel und Nachtleben liegt. Er bietet zudem Einblicke in die Normalität der französischen Urlauber und die ortsansässigen Basken.

Hier - wie überwiegend an der südfranzösischen Atlantikküste - geben sich die Französinnen zwar ähnlich freizügig wie an der Côte d'Azur, allerdings nicht exaltiert oder um der Freizügigkeit willen. So sieht man nicht nur Frauen in bunten oder geblümten Sommerkleidern über den Brandungswall spazieren gehen, sondern auch Mütter oben ohne mit ihrem Nachwuchs Muscheln am Strand sammeln oder mit Käschern Krebse zwischen den Felsen fangen.

 Im Ort hingegen findet man keine touristischen Unarten wie Männer oder Frauen in Badekleidung. Es schickt sich nicht, denn Stadt ist Stadt und Strand ist Strand. Das wird auch von der Jugend so gesehen, die sich mühelos während der Saisons an Konventionen und Tradition hält. Denn wenn der Sommer vorbei ist, geht das Leben weiter.

Wer als Franzose in Saint-Jean-de-Luz Station macht, weiß, dass er sich in einem anderen Kulturkreis befindet. Unter Basken, denen Bilbo näher als Paris liegt. Er findet nahezu alles zweisprachig vor (Französisch und Baskisch), und manchmal wollen ihn die Basken, die auch als stur gelten, nicht verstehen.

Doch das wird eher sportlich genommen. Man kommt gut miteinander aus, selbst wenn viele parisiennes ihren Urlaub in dem ehemaligen Korsarenort verbringen. 

Anreise mit dem Zug ab Beispiel Düsseldorf:

1. mit Thalys ab Düsseldorf HBF: 05.45 h, an Paris-Nord (Gare du Nord) 09.59 h; von dort mit der Metro (Linie 4) Richtung Ports d'Orléans, umsteigen in Montparnasse Bienvenue (Linie 13) in Richtung Châtillon Montrouge, nach einer Station Ankunft in Paris-Montparnasse (Gare Montparnasse), Dauer ca.: 35 Minuten; mit TGV ab Gare Montparnasse: 14.26 h, an Saint-Jean-de-Luz 20.10 h.

2. bis Paris-Montparnasse wie vor, dann mit TGV nach Bordeaux (ab: 11.19 h), an Bordeaux (Gare St. Jean) 15.14 h; mit TER (ab: 16.35 h) nach Saint-Jean-de-Luz (an: 18.57).

 

© Antonio Morales

© GeoWis (2012-06-22)

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