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Gibler, John: Sterben in Mexiko - Berichte aus dem Inneren des Drogenkriegs. Rezensiert von Tom Geddis
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Gekaperte Nation

In den vergangenen Jahren berichteten deutsche Medien nahezu regelmäßig vom so genannten Drogenkrieg und mit ihm in Zusammenhang stehenden Verbrechen. John Gibler gibt in seinem Buch Sterben in Mexiko einen tieferen Einblick.

Von Tom Geddis (2012-10-07)

"Im Drogenkrieg ist Schweigen nicht die bloße Abwesenheit des Redens, sondern vielmehr die Fähigkeit, nichts zu sagen. Man kann so viel reden, wie man will, solange man Fakten meidet", sagt Gibler in Bezug auf die geradezu als unantastbar geltenden Drogenbosse und ihrer politisch-militärischen Schutzpatrone. Ganz ohne Zynismus: Diese Aussage lässt sich mühelos auch auf deutsche und europäische Konzernmedien-Journos übertragen.

Gibler, der abwechselnd in Mexiko und den USA lebt, legt faktenreich und mit teils erschreckenden Details dar, wie sehr das 112-Millionen-Einwohner-Land von mafiösen Strukturen bis in höchste politische und militärische Ebenen durchsetzt ist und stranguliert wird; wie die Drogenkartelle sich gegenseitig bekämpfen; welche Taktiken sie anwenden; inwieweit sie mit ihren jährlichen Milliarden-Netto-Umsätzen bereits Teile und Stützen des realen Wirtschafts- und Finanzmarktkreislaufs sind und das Land gekapert haben.

Hierbei gilt Giblers Augenmerk im Kern den vergangenen zehn Jahren, doch er versäumt es nicht, einige wesentliche Ausgangsbedingungen für die sich wie Dermatophyten über Mexiko ausgebreiteten Mafiastrukturen anzureißen, die mit der Präsidentschaft von Carlos Salinas de Gortari (1988-94) eng verbunden sind und durch den Tod des kolumbianischen Drogenpapstes Pablo Escobar (1993) an Dynamik gewannen. Escobar hinterließ eine Lücke, die die mexikanischen Kartelle als Chance begriffen.

Salinas de Gortaris Unterzeichnung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens NAFTA, inkraftgetreten am 1. Januar 1994, erleichterte es den mexikanischen Kartellen, ihre schier unglaublichen Tonnagen an Drogen illegal nach den USA zu exportieren. Gelangten Drogen aus Süd- und Mittelamerika, wie auch aus Mexiko, vorzugsweise mit Schnellbooten und Flugzeugen in die USA, dem größten Absatzmarkt, bieten sich - wie auch Gibler schreibt - durch das NAFTA neue Möglichkeiten.

Im gut 3.000 Kilometer langen Grenzkorridor zwischen Mexiko und den USA konnten sich neben den offiziellen Maquiladora-Betrieben aus den USA, Asien und Europa, die Teile ihrer Produktion und Zusammenschraubindustrie (assembly industry) dorthin verlagerten, auch Drogenhersteller und -weiterverarbeiter ansiedeln. Die Kartelle gruben Tunnel, nutzten den Río Bravo del Norte (Río Grande) und den kleinen Grenzverkehr, um tonnenweise Drogen und Geld und zigtausende an Armutsflüchtlingen in die USA zu verbringen.

john gibler - sterben in mexiko - to die in mexicoNeben dem großen Rahmen, der notwendig und wichtig ist, um zu verstehen, weshalb der nahezu ungehinderte Zustrom an Drogen und Drogengeldern nach den USA im Prinzip bislang nicht zu stoppen ist, schildert Gibler das alltägliche Grauen. Morde an Journalisten und Ermittlern, die den Kartellen und ihren Schutzpatronen zu sehr auf die Pelle rückten; Morde an Unbeteiligten; Morde an Mitgliedern konkurrierender Kartelle; Morde auch, die von Inhaftierten begangen wurden, die von der Gefängnisleitung nachts auf Freigang gesetzt wurden und rechtzeitig zum Morgen-Appell wieder aus ihren Zellen treten konnten.

Giblers Buch ist kein Insider-Bericht - er war kein Undercover-Agent oder Mitglied eines Kartells. Es ist eine mutige, detaillierte wie kohärente und Zusammengenhänge erläuternde Entlarvungsschrift, wie es sie im Vergleich bisher nur auf Mexikanisch in Auflagen von 500 bis 1.000 Exemplaren, geschrieben von im Exil lebenden oder unter Pseudonym publizierenden Autoren, an mexikanischen Kiosken und in verwegenen Antiquariaten unter der Hand zu kaufen gab und gibt.

Sterben in Mexiko ist gleichwohl eine berechtigte Anklage gegen die offenbar vollkommen degenerierte politische Klasse Mexikos mit Verweis auf die der USA, und eine Denkschrift zur Legalisierung von Drogen. Letztere, argumentiert Gibler, entzöge den Kartellen die Geschäftsgrundlage, denn nur die Illegalität des Drogenhandels und –konsums ermögliche allen Beteiligten gigantische Gewinne und sorge für staats- und demokratiezersetzende Strukturen und Morde ohne Ende.

Dass es jedoch in absehbarer Zeit zu einer Legalisierung kommt, ist unwahrscheinlich. Zu viele Akteure in Nadelstreifen profitieren von der Illegalität von Drogen. Die US-amerikanische DEA (Department of Drug Administration) und viele andere mexikanische und US-Behörden mit tausenden von Mitarbeitern könnten praktisch dicht machen.

© Tom Geddis

© GeoWis (2012-10-07)

John Gibler: Sterben in Mexiko. Berichte aus dem Inneren des Drogenkriegs. Aus dem Englischen von Norbert Hofmann. Taschenbuch, 200 S., ISBN 978-3-89320-167-9; 1. Auflage, Edition Tiamat, Berlin, 2012.

Tom Geddis, Geograph, ist Autor des 2005 als E-Book bei GeoWis erschienenen Romans Coahuila (auf Grund einer Überarbeitung derzeit nicht mehr verfügbar), in dem es - auch - um das Zurstreckebringen des Kartellchefs von Sinaloa geht. Geddis lebt abwechselnd in Mexiko und Deutschland. Er schreibt regelmäßig für GeoWis.

Links zu Beiträgen des Autors zu Mexiko:

NAFTA: Ugly Big Deal, Teil 1 >>

NAFTA: Ugly Big Deal, Teil 2 >>

Das Massaker von Tlatelolco >>

Angst vor dem Bürgerkrieg >>

Gefährliches Spiel >>

Kein Ende von Gewalt und Armut >>

Tödliche Illusionen >>

Interview mit Tom Geddis >>

Links zu Mexiko-Beiträgen weiterer GeoWis-Autoren:

Eine Tonne Cash >>

Die letzte Bastion >>

Mexico City - Dynamische Suburbanisierung und Stagnation >>

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