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Es war einmal ein PRINZ - Zum Niedergang eines einst erfolgreichen Magazin-Projekts. Eine Rückschau
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Es war einmal ein PRINZ ...

Die zum Jahresende geplante Einstellung des - gedruckten - Stadtmagazins PRINZ ist das Resultat eines Niedergangs, der prognostizierbar war. Dabei war das Blatt mal richtig gut.

Von Jochen Henke (2012-11-14)

Etwas mehr als 23 Jahre hat der Jahreszeitenverlag (Jalag) gebraucht, seit er 1989 erst Anteile, dann dann die ganze PRINZ-Verlags KG E. Marcinowski & Co. und PRINZ-Kommunikation Verwaltungs-GmbH & Co. Verlags KG gekauft hatte, um den PRINZ herunterzuwirtschaften.

Solange die Gebrüder Edmund und Werner Marcinowski das Sagen hatten, die das Magazin drei Jahre zuvor vom 1978 in Herne gegründeten Guckloch zum PRINZ transformierten, lief der PRINZ erfolgreich. 1989 gab es Ausgaben für Frankfurt/M., Düsseldorf, München und Hamburg und entsprechend, wenn auch kleine, Redaktionen in diesen Städten.

prinz_raus_ohne_auto_nov_1989Die Zentralredaktion für alle und das Ruhrgebietsheft war in der Kortumstraße 16 in Bochums Bermuda-Dreieck untergebracht. In dem fünfstöckigen Haus waren gleichwohl Verwaltung, Technik und Atelier zu Hause. Für 18 Mitarbeiter gab es sogar reservierte PKW-Stellplätze im nahegelegenen Parkhaus.

Seinerzeit trug das Heft noch den Untertitel Die Illustrierte der Stadt, hatte das Format 225x300 mm, war klammergeheftet und wies mitunter bis zu 200 Seiten Umfang auf.

Für die Inhalte standen zehn feste und über 30 freie Redakteure und Autoren regelmäßig zur Verfügung. Hinzu kamen die Art Direktorin, der fürs Layout zuständige Atelierleiter nebst bis zu zehn Mitarbeitern, die Repro- und Lithographie-Abteilung mit vier Leuten, sieben Fotosetzer, ein Herstellungsleiter, ein Verlagsleiter, eine Kaufmännische Leiterin, Anzeigenleitung und Anzeigenredaktion. Auch zwei Korrektoren leistete man sich in Bochum. Allmonatlich waren 80 Leute und mehr mit dem PRINZen beschäftigt.

Was dabei herauskam, konnte sich sehen lassen und sich am jeweils umkämpften regionalen Magazinmarkt für junge Leute erfolgreich behaupten, was schließlich für Verleger Thomas Ganske, Gründer des Jalag, Grund genug gewesen war, beim PRINZen einzusteigen. In Bochum traf er auf gute Leute.

Neben ordentlichem Kaufmannstum unter den Marcinowskis und Cornelia Murschall, die im Verbund mit dem Herstellungsleiter aufwändige Reportagen und Bilderstrecken von überregionalem Interesse für alle PRINZen von Bochum aus einheitlich produzieren ließen - etwa eine wunderbare Strecke zu Batman II oder ein den Automobil-Lobbyisten vom ADAC Kotzreiz verursachenden Beitrag Mobil ohne Auto? (beide im Novemberheft 1989) -, war der PRINZ redaktionell vergleichsweise stimmig.

Es wurde Geld für Umfragen ausgegeben, die als Basis für substantielle Beiträge dienten. Redakteure und Reporter schwärmten aus, um für Themen zu recherchieren, die junge Leute abseits von Party und Partnersuche betrafen, beispielsweise die Wohnungssuche. Cineastische Leckerbissen fernab des Mainstreams erhielten viel redaktionellen Raum (z. B. Sex, Lügen und Video; Heft 11/89; Text: Heike Melba-Fendel).

prinz_batman_november_89Wie auch Band-Portraits, Tanztheater und andere Bühnengenres, Buchbesprechungen und weitere Kulturthemen. Der PRINZ bot Lesenswertes und wurde vorzugsweise deswegen gekauft. Nebenbei auch auf Grund seines Veranstaltungskalenders und Kleinanzeigenteils, die zusammengenommen jedoch bestenfalls ein Drittel des Heftumfangs ausmachten und alles brachten, was am Start war.

Dass der PRINZ in einigen Städten auch intellektuelle Konkurrenz hatte - so im Ruhrgebiet durch Marabo, in Düsseldorf durch Überblick, in Frankfurt/M. durchs Journal Frankfurt, in Hamburg durch Oxmox und Szene Hamburg -, führte zu teils klassischem Magazin-Journalismus beim PRINZen, der auch mit den damals bundesweit erschienenen Hedonismus- und Zeitgeist-Zeitschriften TEMPO (Jalag) und WIENER mithalten konnte und auf regionaler Ebene nicht selten bevorzugt wurde.

Einige Jahre lang war der PRINZ in seinen Erscheinungsgebieten gar König. Je mehr allerdings der Jalag die Marschrichtung von PRINZ bestimmte, desto schwächer wurde das Heft. Zunächst ging es um Kostensenkung, was beispielsweise Einschränkungen im redaktionellen und im gestalterischen Bereich zur Folge hatte. Einige Redakteure verließen die Bochumer Zentrale damals von sich aus.

Der Atelierleiter schmiss zum Jahreswechsel 1990 hin, wenige Monate später die Art Direktorin. Mit der Einführung neuer Technik und Umstrukturierungsmaßnahmen verließ dann so manche fitte Fotosetzerin den Laden. Als Clou änderte der Jalag schließlich das Format, stutzte es auf DIN-A-4 und verpasste dem Magazin eine Klebe-Leimbindung (Hotmelt mit Nut) mit flachem Rücken. Die Zentrale in Bochum wurde zu allen Neuerungen auch noch aufgelöst.

Noch funktionierte das Anzeigengeschäft, zumal das Internet noch nicht am Start war und das Umsonst-Magazin coolibri (Bochum) bis dato keine ernstzunehmende Konkurrenz bedeutete. Doch mit dem Weggang vieler Redakteure, der Einsparung an freien Autoren und dem Zusammenschrumpfen der Realisierungsabteilungen war ein Mechanismus in Gang gesetzt worden, der - befördert durch die Kurzsichtigkeit und das reine Profitstreben des Jalag - kaum noch aufzuhalten war.

prinz_novemerausgaben_89_nena_und_2012Umfangreiche Reportagen, gewohnter Raum für Besprechungen aus den unterschiedlichen Kulturgenres und an der Zielgruppe vorbeiformulierte oder schlicht aus den PR-Abteilungen von Anzeigenkunden übernommene Texte sorgten für einen schleichenden, hingegen sich verstetigenden Leser- und Käuferschwund. Und für Mitarbeiter-Fluktuation.

Im Laufe der Zeit dünkte die abnehmende verkaufte Auflage auch Anzeigenkunden. Sie begannen, ihre Budgets zu verlagern - ins Internet und in kostenlose Magazine, die mittlerweile redaktionell aufgerüstet hatten (im Ruhrgebiet etwa coolibri und HEINZ).

Während das Redaktionelle beim PRINZen weiter zu Gunsten von Auflistungen zum Partymachen und anderen Veranstaltungen verflachte, verschliefen die Macher das Internet so kolossal, dass man darüber sogar heute noch nur den Kopf schütteln kann. In der kaufmännischen Abteilung bemerkte man das allerdings beizeiten.

Folglich senkte man die Anzeigenpreise. Kostete bis Ende 2004 eine vierfarbige Seite (4c, Standard, ohne Rabatte) für die Gesamtauflage laut Jalag noch 40.880 Euro, waren ab 1. Januar 2005 nur noch 29.950 Euro veranschlagt. Mithin eine Reduzierung um knapp 27 Prozent. 2012 kostete sie noch 20.440 Euro, somit 50 Prozent weniger als 2005.

Dass selbst dieser Preis kaum noch Mediaplaner aus der Ofenecke hervorlockte, ist vor allem der Konzeptionslosigkeit der PRINZ-Macher geschuldet. Die über Jahre sukzessiv betriebene redaktionelle Inhaltsleere fand ihren Höhepunkt, als man sich vor wenigen Monaten dazu entschied, das Heft auf ein Format von 168x223 mm zu verkleinern, gewissermaßen als gedruckte App, haptisch wie optisch allerdings wie eine aufwändige Postwurfsendung daherkommend. Offenbar hat man Praktikanten an Layout und Art Direktion gelassen und die Kaffeefee zum Verfassen der knappen Beiträge verdonnert.

Auf den PRINZ-Webseiten sieht es nicht besser aus.  Dort heißt es wörtlich: "Das neue PRINZ-Konzept bietet geballten Mehrwert in einem kompakten Cityformat: Der Guide durch alle Bereiche des modernen Großstadtlebens. In Kombination mit einem zeitgemäßen journalistischen Konzept steht PRINZ für eine Serviceorientierung, die 20- bis 40-jährige Städter nicht nur inhaltlich, sondern auch emotional überzeugt." Betrachtet man die Text-Häppchen jedoch, darf man sich straflos fragen, was das soll? Und auch fragen, was ein "Cityformat" ist? Mamma!

Vergleicht man gar das Novemberheft von 1989 mit dem von 2012, kann beim Betrachter/Leser durchaus Ratlosigkeit aufkommen. Oder Wut. Denn so viel Ignoranz und Unverstand gegenüber der Zielgruppe, die gemäß Alterskohorte noch die gleiche wie 1989 ist, erscheint zuweilen unerträglich. Sie leistet der Verblödung Vorschub. Die (nachgewachsene) PRINZ-Zielgruppe hatte das längst gemerkt und am Kiosk abgestimmt. Ganske junior hat das mittlerweile auch festgestellt. Nun ist’s bald vorbei mit einem PRINZen, den kaum noch jemand kaufen wollte.

"Der JAHRESZEITEN VERLAG stellt seine Marke PRINZ für die Zukunft multimedial neu auf. Das bisherige Monatsmagazin mit seinem Kalender für Partys, Events und alle anderen Terminen (sic!) soll zum letzten Mal im Dezember 2012 erscheinen. Stattdessen wird PRINZ im kommenden Jahr als tagesaktuelles Online Magazin weiter intensiv ausgebaut", heißt es in der Verlagspressemeldung vom 13.11.2012. Gutem Deutsch braucht man nicht zur verbessern.

prinz_novemberheft_2012Es wird viel schöngeredet in der Branche, vor allem dann, wenn es um fulminante Misserfolge geht. Jalag-Gründer Thomas Ganske machte denn auch geschäftsmäßig gute Miene und brachte löbliche Worte für die mitverantwortlichen Versager zum Niedergang des PRINZen:

"Persönlich und auch im Namen der Geschäftsführung möchte ich Chefredakteur Jörg Schumacher und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Redaktion und allen anderen Verlagsbereichen meinen Dank aussprechen. Herr Schumacher und die Redaktion haben neue konzeptionelle Wege beschritten und sind gemeinsam mit dem Verlag auch immer wieder mutig Wagnisse eingegangen. Unsere wirtschaftlichen Erwartungen wurden leider nicht erfüllt, aber es war richtig und wichtig, die finanziellen und ideellen Investitionen zu tätigen und Erfahrungen zu sammeln, denn beides ist auch Basis der jetzigen Neuausrichtung von PRINZ."

Dass es beim Verlegerprofi Ganske noch um "Erfahrungen sammeln" geht, ist erstaunlich, in der Branche aber nicht unüblich. Man darf seine Aussagen daher getrost als wohlwollende Prosa verstehen, die euphemistisch davon ablenken soll, dass der PRINZ nicht mehr in dem Maße geküsst wird, wie er es jahrelang gewohnt war.

Ob der angekündigte Online-Relaunch 2013 gelingt, hängt davon ab, ob sich die PRINZen auch redaktionell besser aufstellen. Ein Blick in die Historie könnte hilfreich sein, wie auch eine rationale Analyse, was die jungen Leute heutzutage goutieren. Allein auf Social Networks und Apps zu setzen, bringt es nicht. Listen kann jeder, aber redaktionelle Inhalte bringen, die das A und O eines jeden Magazins und einer jeden Zeitschrift abseits von eingekauften Meldungen sind, kann nicht jeder.

Erst recht nicht, wenn man spart wie der Jalag, und trotzdem Ansprüche formuliert, die auf Grund seiner strukturellen Aufstellung zu PRINZ kaum realisierbar sind. Vielleicht bietet die Verhaltensweise von Frauen beim Schuhkauf einen Hinweis: Sie kaufen die Dinger nur, wenn sie passen, ganz gleich, wie schön sie sind.

© Jochen Henke

© GeoWis (2012-11-14)

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