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Sicherheit im Stadion: Rote Karte für Krawallos - Mehrheit der Bundesliga-Klubs akzeptiert das Sicherheitskonzept, gegen das Fangruppen sturmliefen. Somit wird es Zeit, dass die Klubs ihrer Rhetorik Taten folgen lassen
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Prosa reicht nicht

Das von Fangruppierungen heftig kritisierte Sicherheitskonzept für den Bundesligafußball wurde von der Mehrheit der Klubs angenommen. Nun müssen die Verantwortlichen umdenken, aber auch die Fans.

Von Roman Siertes (2012-12-13)

Wären doch nur alle so gelassen wie der ehemalige Nationalspieler Sigi Held, der 230 seiner 570 Ligaspiele für den BVB absolvierte und dabei 44 Tore - von 107 in der Liga - erzielte. Held, im August 70 geworden, wurde auf der diesjährigen BVB-Mitgliederversammlung die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Die von BVB-Präsident Reinhard Rauball gehaltene Laudatio nahm er ohne ein Anzeichen von Überschwänglichkeit zur Kenntnis. Ein wortkarger Held.

sigi_held_ehrenmitgliedschaft_bvbDas Kontrastprogramm lieferten andere. Etwa Marco Blumberg, dem ein denkwürdiger Auftritt in Halle 3B der Westfaslenhalle gelang. Blumberg ist Vorsitzender der Fanabteilung des BVB und ebenso wie der gesamte BVB-Vorstand einer derjenigen, die sich zum Promo-Konzept "Abpfiff für Rechts" bekennen. Artig berichtete der Fan-Chef vor knapp 1300 anwesenden Mitgliedern von seiner Arbeit, zu der auch das Organisieren von Reisen zu Auswärtsspielen gehört. Kein anerkennendes Wort indes zum Sicherheitskonzept.

Gegen Rassismus und Diskriminierung von Minderheiten zu sein, ist hierzulande demokratische Bürgerpflicht, wird allerdings - nicht nur beim BVB - geradezu prosaisch proklamiert. "Die Fanabteilung stellt sich den gesellschaftlichen Problemen und zeigt Flagge für Toleranz, Respekt, gegenseitige Anerkennung und ein friedvolles Zusammenleben", so der BVB in seiner Mitgliederzeitschrift.¹ Noch inbrünstiger äußerte sich BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim 'Aki' Watzke, indem er sagte, Rassismus (...) habe keinen Platz in der BVB-Familie.

Hört sich gut an, ist aber nicht konkret und darf getrost in die Sprechblasenschublade gelegt werden. Denn Aki Watzke sagte nicht, mit welchem Konzept er dem Rassismus begegnen will. Im Mitgliedermagazin, das auf Grund des Zulaufs inzwischen mit einer Auflage von 75.000+ erscheint und 64 Seiten stark ist, findet man darüber auch nicht viel, obwohl sich das Medium am besten dazu eignete, die Problematik regelmäßig zu thematisieren.

Einer kleinen Textbox in Heft 44 (15.09.2012), etikettiert mit "Nein zu Nazis" und überschrieben mit "Null Toleranz für rechtsextreme Tendenzen", folgt in Heft 47 (3.11.2012) zum Thema Sicherheit im Stadion ein vergleichsweise kurzer zweispaltiger Bericht mit der Überschrift "Watzke: Harte Linie, aber Besonnenheit in der Sache", und in Heft 49 (27.11.2012) schafft man es, in einem zweispaltigen Fünfzeiler unter dem Titel "Sicherheit: Ligavorstand bewegt sich auf die Fans zu", mitzuteilen, dass das "Arbeitspapier 'Sicheres Stadionerlebnis* kontrovers und konstruktiv" diskutiert werde.

Ansonsten sind die Seiten - wie bei anderen Mitgliedermagazinen ähnlich - mit reichlich Heldenverehrung, Statistiken, Reflexionen auf vergangene Spiele und künftige Gegner und Informationen aus den anderen Abteilungen des Vereins bedruckt - und jeder Menge Kauf-mich-Anreize. In Heft 50 (8.12.2012) leistet man sich wieder ein - gelb unterlegte - Textbox mit der Überschrift "Fanabteilung fühlt sich sicher!" und wirft Nebelbomben, die nach Verabschiedung des Sicherheitskonzepts anachronistisch wirken.

bvb_mitgliedermagazin_heft_50_marcel_schmelzer"Um dem medial und politisch geprägten Zerrbild der vermeintlichen Gewaltexzesse (...) entgegenzuwirken, bittet die BVB-Fan- und Förderabteilung ihre Mitglieder sich (...) unter www.ich-fuehl-mich-sicher.de einzutragen und somit zu bezeugen: 'Wir fühlen uns sicher!'." Für Vereine sind derartige Hilferufe natürlich preiswerter als das seinerzeit noch in Rede gestandene Sicherheitskonzept umzusetzen.

Um die Sicherheit in Stadien zu belegen, führt der BVB auf, dass von 17,6 Millionen Stadiongästen (1. und 2- Liga) in der Saison 2011/12 "gerade mal 6061" Personen "vorläufig fest- oder in Gewahrsam genommen" wurden, "Tendenz in den letzten zwei Jahren: fallend!" Statistisch sind das laut BVB-Mathematikern 0,035%. Doch Statistik ist relativ. 889 Morde wurden 2011 in Deutschland verübt, bei knapp über 81,9 Millionen Einwohnern. Quote: 0,0011%. 

So betrachtet liegt die vorläufige Fest- und In-Gewahrsamnahme von angeblichen Fußballfans der 1. und 2. Liga ums 32-Fache höher als die Mordrate. Und was ist mit den vielen Getränkebecher-Werfern, die nur selten erwischt werden? Was ist mit den unerkannt davonkommenden Blödmännern, die Gegenstände aufs Spielfeld oder gezielt auf Spieler werfen? Was ist mit all jenen, die nach dem Spiel aus Frust die Innenstadtkneipen zerlegen und im Suff Körperverletzungen und sogar auf dem Nachhauseweg noch Sachbeschädigungen verüben? HIerüber gibt es bestenfalls eine Polizeistatistik.

Ihre rechte Gesinnung lässt sich den Karteninhabern an den Lesegeräten der Eingänge zum Stadionbereich nicht ablesen. Jeder Karteninhaber muss sein Ticket aufs Lesegerät legen. Mehr nicht. Schon diese Einlassvariante sorgt - auch auf Grund zu schmal bemessener Einlass-Schranken und -korridore - für enorme Pulks und Staus, wie jüngst beim Heimspiel gegen Manchester City (4.12.2012). Kommt noch eine vollständige Körperkontrolle hinzu - wie es das nun von der Mehrheit der 36 BL-Klubs angenommene Sicherheitskonzept von DFL und DFB vorsieht² - müsste man den Einlass möglicherweise um Stunden vorverlegen. 

Im Winter wäre das ein Problem, wenn sich die Fußballfans nicht warm genug anzögen und vielleicht warmsaufen müssten; zu wärmeren Jahreszeiten - in denen auch nicht weniger gesoffen wird - bestünde wohl Gefahr, sich noch vor Anpfiff einen Kreislaufkollaps oder Hitzschlag einzufangen. Aus Sicht der Veranstalter wäre es vielleicht sogar ein Geschäft, wenn sie ein attraktives Vorprogramm - Beispiel: American Football - lieferten. Es würde mehr konsumiert, selbst wenn es sich - wie beim BVB - um Miniaturausgaben von Bratwurst im Brötchen (3,50 €), laffes Döner fernab des vertikalen Drehspießes (4,50 €) und Kola(5 €/Becher) handelt. Noch ist wenigstens die Erbesensuppe mit Mettwurst auf der Mitgliederversammlung umsonst, wenn auch nur mit Löffel.

Fußballfans ertragen vieles und sammeln ob der Abzocke Frust an. Doch statt sich gegen die Abzocke bei Essen & Trinken im Stadion zu wehren, liefen - und laufen - die Fangruppen und ihre darin Organisierten Sturm gegen das von den Innenministerien geforderte und von DFL und DFB nun angenommene Sicherheitskonzept in Stadien, das vor allem die Gewalt und Pyrotechnik im und ums Stadion einzudämmen helfen soll. Was soll das?

Schon viel zu lange pudert man die Fanabteilungen, die sich zu Hausherren aufzuschwingen versuchen. Dabei müsste man sie mal dahingehend ins Gebet zu nehmen, dass sie den Bogen nicht überspannen sollten. Die Webseite 12doppelpunkt12.de, die zwar kein Impressum aufweist, dafür aber um so deutlicher gegen eine rigorose Einlasskontrolle agitiert, versucht - ganz unprosaisch - die Drecksarbeit für die Vereine zu erledigen.

bvb_mitgliederversammlung_erbsensuppeMitunter kommt ihnen unerwartete Hilfe von außen zuteil. So gab der Ex-DFB-Berater und Jurist Thomas Feltes Spiegel Online ein Interview, in dem er zu Protokoll gibt, "die derzeitige Macht der Fans" werde von "den Verbänden völlig unterschätzt." Feltes, von seiner Beratungsfunktion bei der DFL unfreiwillig entbunden ("Ich bin nicht freiwillig ausgeschieden, ich bin rausgeworfen worden. Man kann sagen, dass ich den Rauswurf mit meiner pointierten Kritik - vor allem am DFB - selbst provoziert habe."), hatte sich für eine eher wissenschaftliche Untermauerung von der Wirksamkeit von Stadionverboten ausgesprochen und eine Analyse über den Fan an sich präferiert. Das ist legitim, gehört aber in den Bereich der sozialwissenschaftlichen Fakultäten an Hochschulen.

Ein unsubstantiiertes Plädoyer für die Fans zu halten, ohne dabei zu berücksichtigen, dass es kein Grundrecht auf Laissez-faire bei Einlasskontrollen gibt und die Klubs das Hausrecht haben, erscheint zumindest unter juristischer Betrachtung einigermaßen fragwürdig. Das Spiegel Online gegebene Interview lässt ungeachtet von Feltes' Argumentation vor allem den Schluss zu, dass er mächtig sauer auf den DFL - und den DFB - ist.

Was spricht eigentlich gegen das Sicherheitskonzept, das Fans so in Rage bringt? Jene Fußballfans, die zu Auswärtsspielen oder in den Urlaub fliegen, lassen sich an Flughäfen durchkontrollieren, ohne zu murren, und als Bürger, die einen Reisepass beantragen, legen sie ihre Zeigefinger auf den Fingerabdruck-Scanner, ohne ein Plakat hochzuhalten. Holla die Waldfee! Welch Ambivalenz.

Seit mehr als drei Wochen äußern die massiven Ablehner zum Sicherheitskonzept - die meisten von ihnen haben Dauerkarten und stehen oder sitzen in Kurven oder auf Kompass-Tribünen (in Dortmund: Südtribüne) - ihren Protest 12 Minuten und 12 Sekunden lang still. Danach grölen sie. Wie doof ist das denn? Für Genießer des Spiels ist diese Ruhephase viel zu kurz. 

Jeder Veranstalter, sei es ein Theater, ein Konzert, eine Parteitagsversammlung oder ein Party-Event, hat Hausrecht und seine Einlass- und Benimmregeln. Gehen etwa Kinofans auf die Barrikaden, wenn in der Essener Lichtburg eine Premiere stattfindet und jeder durchkontrolliert wird? Zumal noch im Vorfeld vom Verfassungsschutz oder Bundeskriminalamt? 

Sie, die Fußballfans, von denen viele Geld genug haben, zu Auswärtsspielen zu fliegen oder drei Mal im Jahr Urlaub auf Malle zu machen - und wenn's nur zum Abfeiern ist -, und sich dabei jedesmals filzen lassen, lehnen die Körperkontrolle plötzlich ab? Nur weil sie - wie sie meinen - ein Monopol hätten, im Stadion für zu Stimmung sorgen? Völliger Blödsinn! Die Stimmung der Hardcore-Fans darf man getrost unter den Rubren Vollproll-Gegröle, Hassgesang und Hosianna verbuchen.

Ein Viertel (z. B. Südtribüne BVB) der ablehnenden Mitgliedermeinung zum Sicherheitskonzept kann nicht Entscheidungsmaßstab für mehr oder weniger Sicherheit im und ums Stadion sein. Wenn diese Leute ihren Verein und den Fußball als einzigen Lebensinhalt betrachten und daraus ableiten, dass ihnen schon am Eingang zum Stadion niemand zu Kontrollzwecken zu nahe treten dürfe, muss es für sie die Rote Karte geben.

bvb_:wir_sind_alle_ein_bisschen_verrueckt_plakatGleiches sollte für jene Fanbeauftragte gelten, die sich als überfordert damit erweisen, ihrer Klientel klarzumachen, dass Radikalismus, Rassismus, Gewalt und Pyrotechniik vorm und im Stadion nichts zu suchen haben. Insofern stellt sich auch die Frage, ob die Anforderungsprofile für Fanbeauftragte erweitert werden müssen. Denn Selbstbeweihräucherung und Bally-hoo führen erwiesenermaßen nicht weiter.

Gerade die jüngsten Ereignisse der Gewaltausbrüche in den Ligen - Bengalos in Düsseldorf im Relegationsspiel gegen Hertha, Bengalos in Frankfurt, Bengalos in Dortmund, Prügeleien nach dem BVB-Schalke-Spiel, Totprügeln eines Schiedsrichters in Holland - stellen die Proteste gegen das Sicherheitskonzept in den Stadien ad absurdum. Aber auch die bisher nur relative Konsequenz der Vereine, die Krawallos unter den Fans für immer vom Stadionbesuch auszuschließen und ihnen die Mitgliedschaft zu entziehen.

Die Klubs gehen bisher viel zu harmlos gegenüber Krawallos vor, weshalb sie an den Kosten der von Steuerzahlern getragenen Polizeieinsätze so empfindlich beteiligt werden müssten, dass es sich für sie lohnte, ihre schwarzen Schafe unter den Fans auszusortieren und ihre Sicherheitsvorschriften und -maßnahmen zu verbessern. Prosa reicht nicht. Den Klubs muss verdeutlicht werden, dass Sicherheit Geld kostet und die Bereitstellung von Polizeien nicht weiter für Lulu zu haben ist.

Man muss sich auch von gewaltbereiten und gewalttätigen Bekloppten trennen können, und wenn man es bisher nicht konnte, wird es Zeit, das zu lernen. Das Friede-Freude-Eierkuchen-Prinzip - hier exemplarisch am BVB aufgehängt - ist kein Konzept, um der Gewalt im und ums Stadion Herr zu werden. Wer Zugang zu einer Massenveranstaltung von bis zu 80.000 Teilnehmern erlangen möchte, sollte umfassend kontrolliert werden.

Das geschieht seit Jahren bei Pop-Konzert-Veranstaltungen, ist an Flughäfen der Normalfall und wird selbst in kleinerem Rahmen, etwa bei den Zuschauern von Talkshows, so gehandhabt. Dass ausgerechnet der Fußball, insbesondere in der 1. und 2. Liga, von rigorosen Einlasskontrollen und totaler Videoüberwachung ausgenommen bleiben soll, ist ein Unding und zeugt von geradezu gefährlicher Verblendung.

Dass das von den Innenministerien geforderte Sicherheitskonzept von der Mehrheit der BL-Klubs angenommen wurde, dürfte eine deutliche Ansage auch an DFL-Präsident Rauball sein. Es könnte zudem für Läuterung bei BVB-Geschäftsführer Watzke sorgen, der auf der Mitgliederversammmlung auf die Frage einer altgedienten BVB-lerin, die den Ausschank nach alkoholfreiem Bier (im Stadion) einforderte, weil sie Medikamente nehme, antwortete, sie könne ihre Medikamente doch auch mit Mineralwasser einnehmen.

Es gibt für die Verantwortlichen in den Vereinen, zu denen auch die Übungsleiter gehören, noch viel zu lernen und Wahrnehmungsdefizite aufzuarbeiten. Am schnellsten lernen sie, wenn es ans Portmonnaie geht. Lapidare Antworten, wie sie der Sauerländer Watzke zum Antrag 'alkoholfreies Bier' von sich gab, dürften künftig nur noch für mäßigen Beifall sorgen.

¹ Borussia Dortmund Mitgliedermagazin, Heft 50, 8.12.2012.

² Der 1. FC Union Berlin und der FC St. Pauli haben dagegen gestimmt.

© Roman Siertes

© GeoWis (2012-12-13)

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