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Pressefreiheit: Die Organisation Reporter ohne Grenzen stuft Deutschland auf Rang 17 ein. Eine Klatsche. Doch was sagt das Ranking aus?
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Obacht!

Die renommierte Organisation Reporter ohne Grenzen hat Deutschland im Hinblick auf seine Pressefreiheit auf Rang 17 eingestuft. Was ist davon zu halten?

Von Hubertus Molln (2013-01-30)

Rang 17 ist so ziemlich das Letzte. Zwar liegen noch 162 Staaten hinsichtlich der Pressefreiheit hinter Deutschland - aber Rang 17? Es klingt beschämend und muss zu denken geben. Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) führt einige Parameter an, die Deutschland auf diesen Rang heben.

Zum Einen ist da die Konzentration von Presseerzeugnissen in den Händen weniger Verlagshäuser, die bedingt, dass die Meinungsvielfalt und kritische Berichterstattung eingeebnet wird. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Bereits vor zwei Jahrzehnten begann etwa die Essener WAZ-Gruppe mit Aufkäufen regionaler und überregionaler Blätter und setzte in der Folge so manchen kritischen Chefredakteur ab. Zuletzt etwa Sergej Lochthofen, der der Thüringer Allgemeinen fast 20 Jahre diente.

Auch die Stuttgarter Holtzbrinck-Gruppe (Die Zeit/Hamburg, Tagesspiegel/Berlin, Handelsblatt/Düsseldorf) gehört zu den meinungsbildenden Verlagshäusern, genauso wie Gruner & Jahr (Hamburg; Stern) und der Spiegel (Hamburg), der teils genossenschaftlich organisiert ist, sowie die Offenburger Burda-Gruppe (Bunte, Chip), der Hamburger Bauer-Verlag (Bravo, TV Movie) und die Berliner Axel Springer AG (Die Welt, BZ, Bild). Nicht zu vergessen die Gütersloher Bertelsmann-Gruppe.

Zum Anderen sind da die Strafverfolgungsbehörden, die auf Grund allzu forscher Richter, die Durchsuchungsbeschlüsse in Redaktionen anordnen - wie jüngst bei der Augsburger Allgemeinen und zuvor im "Sachsensumpf"-Skandal -, und Artikel 5 Grundgesetz mitunter zunächst einmal rechts liegen lassen. Rang 17 geht auf die Melange aus Pressekonzentration, Artikel-5-GG-ferner Staatsanwaltschaften und Richter und auf willfährige Mainstream-Journos zurück.

Einen Schönheitsfehler allerdings hat die Bewertung der von den Reportern ohne Grenzen publizierten Rangliste: Sie spiegelt lediglich das Geschehen im Print-Markt wider, bezieht seltsamerweise die Einstellung von Zeitungen (z. B. Financial Times Deutschland) mit ein, vernachlässigt aber das Internet, in dem vielfach unabhängige Blogs und Magazine eine wachsende Leserschaft haben. 

Insofern ist die Analyse von ROG mit deren Ranking mit Obacht zu betrachten. Zumal dann, wenn die vielen die Pressefreiheit behindernden Behörden und Klagen von Privatpersonen und Unternehmen bestenfalls marginal aufgeführt werden

Laut ROG-Karte zählt Deutschland pressemäßig trotz Rang 17 zu den Guten, wie auch Namibia, und liegt vor den USA. Wer hätte das gedacht?

© Hubertus Molln

© GeoWis (2013-01-30)

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