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Auf dem FDP-Parteitag in Berlin bediente sich Rainer Brüderle zeitweise einer Sprache, die an Demagogen des Dritten Reichs erinnert
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Sprache entlarvt

Auf dem am Sonntag zu Ende gegangenen Parteitag der FDP hat Fraktionschef Rainer Brüderle die demagogische Keule geschwungen und sich einer Phraseologie bedient, die an schwärzeste Stunden deutscher Geschichte erinnert.

Von Nina Brenthäuser (2013-03-12)

"Wir überlassen diesen Fuzzies, diesen fehlprogrammierten Typen nicht unser Land", schrie Brüderle im Hotel Estrel zu Berlin am vergangenen Sonntag auf dem vorgezogenen Bundesparteitag der ums politische Überleben kämpfenden FDP seinen Parteimitgliedern im Saal zu.

Der sechs Wochen nach dem in Europa zu Ende gegangenen Zweiten Weltkriegs geborene Meister des Schlüpfrigen trat zeitweise auf wie ein politischer Derwisch, der gerade die Wirkung Goebbelscher Demagogie für sich als Option entdeckt zu haben schien. Seine Claqueure dankten es ihm mit zwischenzeitlich logisch nicht nachvollziehbarem Applaus.

Sechs Monate vor der Bundestagswahl eröffnet die FDP den Wahlkampf auf beeindruckend peinliche Weise, indem sie sich auf dem Parteitag des Kritikers Dirk Niebel entledigt, dem bisher lediglich als Zäpfchen der CDU- und FDP-nahen Arbeitgeber aufgefallenen Parteichef Rösler das erneute Vertrauen ausspricht und den so gut wie jeden Weinkeller zwischen Ingelheim und Cochem kennenden Haudrauf Brüderle als "Spitzenkandidat" in den Ring schickt.

Der teilte gehörig aus. Den gerne Klartext verbreitenden Kanzlerkandidaten der SPD, Peer Steinbrück, zieh Brüderle eine "Fettnapfsuchmaschine", was angesichts der Ungeschicklichkeiten Steinbrücks nicht allzu weit von der Realität entfernt ist, aus dem Munde eines Wirtschaftsliberalen dann doch eine Nuance zu daneben klingt.

"Uns hat der Himmel geschickt", sagt der nuschelnde, fast jedes Präfix und jede Endung verschluckende Brüderle dann alles Ernstes. So, als hätte es die Partei zuvor nicht gegeben und als sei sie erleuchtet auf irdischem Boden angekommen. Dabei war die FDP bundespolitisch nie so schlecht dran, gar verhasst, wie seit 2009, als sie in die Regierungsverantwortung mit der CDU/CSU geriet.

Nach etlichen personalpolitischen Eskapaden und Günstlingswirtschaft fiel sie deutlich unter die Fünf-Prozent-Marke, lag zeitweise unter zwei Prozent und krebst Umfragen zufolge immer noch zwischen vier und knapp fünf Prozent. Die Liberalen stehen demnach am Abgrund, und mit ihr die Regierung Merkel.

Unter diesem Aspekt ist verständlich, dass die verbale Keule gegenüber den Oppositionsparteien herausgeholt wird, nicht aber, dass in einen Ton verfallen wird, der - etwas modernisiert - den Anfängen des Dritten Reiches vergleichbar ist. "Fuzzies", "Typen", "unser Land"? Wie kann Brüderle für seine von der Wählergunst vernachlässigte Partei von "unser Land" sprechen? Ist der Mann noch bei Trost?

In der Süddeutschen Zeitung (SZ, Online-Ausgabe) werden Brüderles sprachliche Entgleisungen von Autor Thorsten Denkler lapidar als "kalauernde Bierzeltrhetorik" abgetan, was dem Ganzen nicht annähernd gerecht wird. Dass die Brüderleschen Entgleisungen vom Mainstream bisher nicht umfassend thematisiert werden, ist ebenso wenig nachvollziehbar.

Als Individuum darf man sicher davon sprechen, es sei mein Land, für das ich eintrete, weil ich in ihm geboren bin oder in es eingebürgert wurde, ihm zugehöre. Im Allgemeinen spricht man dann von Patriotismus. Die Art und Weise, in der Rainer Brüderle vorträgt und agitiert, gehört in die 1930er und 1940er Jahre.

© Nina Brenthäuser

© GeoWis (2013-03-12)

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