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Am Abgrund: Die Steuerhinterziehung von FCB-Präsident Uli Hoeneß wirft erneut ein Schlaglicht auf die Gier manch deutscher Prominenter. Bei Hoeneß wirkt sie geradezu schizophren
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Der totale Absturz

Uli Hoeneß hat sich selbst wegen Steuerhinterziehung angezeigt. Dass er jetzt die Hosen runter lassen muss, steht außer Frage.

Von Hubertus Molln (2013-04-22)

Beim Ex-Postchef Klaus Zumwinkel hatte die Große Strafkammer des Landgerichts Bochum im Januar 2009 noch Fünfe gerade sein lassen müssen. Obwohl Zumwinkel damals gestanden hatte, von 2001 bis 2007 Steuern in Höhe von mindestens 1,2 Millionen Euro hinterzogen zu haben, war er mit einer Bewährungsstrafe und Zahlung von einer Million Euro aus dem Gerichtssaal entlassen worden.

Zu Gute kam ihm dabei der Umstand, dass für das Jahr 2001 Verjährung eingetreten war, weil die Justiz es versäumt hatte, diese rechtzeitig zu unterbrechen. Es handelte sich um eine Verspätung von zwölf Stunden. Zumwinkel, der inzwischen am Gardasee wohnt, hatte nach seiner Verurteilung wenig Verständnis für den Richterspruch gezeigt.

Steuerhinterziehung gilt unter Großverdienern und Prominenten offenbar immer noch als Kavaliersdelikt, obschon es reichlich Beispiele gibt, in denen die Justiz deutlich wurde. So beim Vater der ehemaligen Tennis-Göttin Steffi Graf, der zu drei Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt worden war; bei Boris Becker (Bewährung), Tatjana Patitz (Geldstrafe), Patrick Lindner (Geldstrafe).

Nun also der untrennbar mit dem FC Bayern München verbundene Uli Hoeneß, jahrzehntelang Manager und heute Präsident des Klubs. Ausgerechnet jener Hoeneß, der einst dem BVB ein Darlehen zu dessen Überleben gewährt hatte; der, der auch anderen Klubs aus der Patsche half, mal mit direkten Zuwendungen (als Darlehen), mal mit Benefizspielen.

Ausgerechnet jener Mann, der als fleischgewordene soziale Kompetenz des FCB gilt, hat er doch vor Jahren den damals für 20 Millionen Euro eingekauften, kurz danach an Depression erkrankten Berliner Sebastian Deisler lange unterstützt und vor nicht allzu langer Zeit den wegen Brandstiftung verurteilten Brasilianer Breno.

Im Januar 2013 habe Uli Hoeneß über seine Anwälte eine Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung vollzogen, wie seit Ende vergangener Woche in nahezu allen deutschen Medien verbreitet wird. Zunächst war die Rede von einem dreistelligen Millionenbetrag, der auf einem ihm zuzuordnenden Konto bei der schweizerischen Vontobel-Bank liege. Hoeneß habe die Selbstanzeige mit der Zahlung von mehreren Millionen Euro verbunden. Nun heißt es laut Süddeutscher Zeitung (SZ), die Steuerhinterziehung betreffe die Zinsen aus Kapitalerträgen.

Bevor es zur Selbstanzeige kam, habe Hoeneß auf das von der CDU/CSU/FDP-Bundesregierung geplante Steuerabkommen mit der Schweiz gehofft, das es ihm ermöglicht hätte, anonym einen Abgeltungsbetrag zu entrichten. Das Abkommen scheiterte im Bundesrat, nicht zuletzt am für den Ankauf von Steuerdaten-CDs vorgepreschten und berüchtigt gewordenen Nordrhein-Westfalen. Dem Bundesland, in dem die unnachgiebigsten Steuerfahnder sitzen, etwa in Bochum und Wuppertal.

Allein dieses Hoffen auf ein Abkommen, dass Steuerhinterziehern in die Karten gespielt hätte, spricht Bände. Auch im Fall Hoeneß. In der Talkshow Günther Jauch (21.04.2013), in der eine illustre Runde zum Thema debattierte (Komödiant Oliver Pocher, Ex-Sportstudio-Moderator Dieter Kürten, FDP-Mann und Rechtsanwalt Wolfgang Kubicki, Ex-Steuerfahnder Dieter Ondracek, NRW-Finanzminister Norbert-Walter Borjans und Focus-Chefredakteur Jörg Quoos), wurde offenbar, wie schwierig es ist, einen König zu entkleiden, selbst wenn es sich nur um einen des Fußballs handelt.

Dieter Kürten etwa gab den langjährigen butterweichen Moderator, der lediglich phrasierte und Fassungslosigkeit äußerte. Pocher schien die ganze Zeit über darauf zu warten, ob und wann er Pointen setzen konnte und blamierte sich vor allem durch seine Ahnungslosigkeit zum Thema. Quoos, der kaum von Jauch in die Debatte einbezogen wurde, wirkte blass, wenn er doch was sagen sollte. Von einem Chefredakteur eines umsatzstarken Wochenmagazins darf man mehr erwarten.

Sachlich korrekt und in gebotener Prägnanz klärten Borjans, Kubicki und Ondracek das Publikum auf. Die Selbstanzeige von Hoeneß zeige, dass Steuerhinterziehung vorliege (Borjans). Die im März erfolgte Hausdurchsuchung beim FCB-Präsidenten lege den Schluss nahe, dass die Selbstanzeige möglicherweise mängelbehaftet sei (Kubicki; Ondracek).

Uli Hoeneß soll sich im Jahr 2000 Geld für Spekulationen am Aktienmarkt von Ex-Adidas-Chef Dreyfuß geborgt haben, die mutmaßlich erfolgreich verliefen. Geld geliehen? Hoeneß, damals noch Geschäftsführender Gesellschafter seiner Wurstfabrik und Bezieher eines 7-stelligen Jahresgehalts als Manager des FCBs, soll also gegen die jedem BWL-Studenten gereichte Weisheit, sich niemals Geld für Spekulationen zu borgen, verstoßen haben? Uli Hoeneß hat einen Abschluss als Betriebswirt.

Möglicherweise greift bei Uli Hoeneß‘ Steuerstraftaten wie bei denen Zumwinkels zum Teil die Verjährung. Dazu ist bislang noch nichts bekannt. Ungeachtet dessen greift seit dem vergangenen Wochenende etwas völlig Anderes, für Hoeneß momentan schmerzlicher als eine eventuelle Verurteilung Wirkendes: der Verlust seiner Reputation.

Denn anders als bei einem für ein Unternehmen wie der Post oder Siemens verantwortlichen, lediglich eingekauften betriebswirtschaftlichen Söldner, handelt es sich bei Hoeneß und dem FCB um eine Seelenverwandtschaft, fast schon um eine Vater-Sohn-Beziehung, wobei Hoeneß - nach seiner frühen Sportinvalidität in den 1970ern aufgefangenes Kind des FCBs - inzwischen der Vater ist. Er hat seinen Sohn, den FCB, auf die Erfolgsspur gebracht und ihn zur globalen Nummer vier der Fußballklubs befördert.

Als moralische Instanz ist Uli Hoeneß nun durch. Vieles, was er unter diesem Schirm in der Öffentlichkeit von sich gegeben hat, bedarf einer Neubewertung. Konnte er sich als soziale Kompetenz lediglich deshalb so weit nach außen wagen, weil er reichlich Mittel in der Hinterhand hatte? Wenn er so sozial eingestellt war, warum hat er die Mittel nicht in eine Stiftung eingebracht, die ihm steuerlich genutzt hätte?

Es sieht danach aus, als wohnten in Uli Hoeneß zwei Persönlichkeiten. Hier der sozial engagierte Fußballfanatiker mit Hang zur diesbezüglich totalen Exponierung; dort der von seinem öffentlich zur Schau getragenen Gutmenschentum konterkarierte, auf Reibach versessene Entrückte. Freunde und Fans von Hoeneß und dem FCB lassen zurzeit noch Milde walten. Das ist verständlich.

Jedoch gilt in einer Demokratie das Gleichheitsprinzip vor der Justiz. Ob jemand sich sozial engagiert hat, spielt nach Lesart unserer Gesetze keine allzu große Rolle, wenn der Delinquent nebenbei bewusst Straftaten begangen hat. Spielte das zur Schau getragene soziale Engagement eine diesbezüglich herausragende Rolle bei der Bewertung einer Straftat, wäre das ein Zeichen, das den Glauben an die Justiz unterminierte.

Uli Hoeneß reichte es offenbar nicht, mit den Einkommen aus seiner Wurstfabrik und seiner Funktion als Bayern-Manager auszukommen. Er schätzte sich gemäß eigener Aussage als "glücklichen Menschen" ein, wenn er von seinem Domizil aus sorgenfrei auf den Tegernsee blickte. Wer täte das nicht? Jetzt, nachdem auf Grund seiner Selbstanzeige ans Licht kam, dass er sich steuerlich asozial verhalten hat, unterliegt seine moralische Integrität der Überprüfung.

Wie einige namhafte Steuerhinterzieher vor ihm - etwa Zumwinkel -, die darauf pochten, Privates und Berufliches zu trennen, will Uli Hoeneß bislang an seinem Posten als FCB-Präsident festhalten. Dass das dem FCB schadete, nimmt er offenbar in Kauf. Sein Ego geht wohl vor. Ein Rücktritt von seinen Funktionen beim FCB ist frühestens nach einem Ausscheiden im Halbfinale der Champions League gegen den FC Barcelona zu erwarten. Spätestens aber nach dem Finale in Wembley, wenn der FCB es erreichen sollte. Danach kann die Erdung einsetzen.

© Hubertus Molln

© GeoWis (2013-04-22)

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