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Cenotes auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán gelten als Attraktion für Taucher. Den fragilen Ökosystemen tut das nicht gut
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In süß-saurem Wasser

Jahrtausendelang dienten sie vornehmlich der Wasserversorgung, nun zählen sie zu den Tauchattraktionen des Planeten: Cenotes.

Von Uwe Goerlitz (2013-05-02)

Kaum eine Region in Mexiko wird von Urlaubern aller sozialen Schichten so oft besucht wie die Halbinsel Yucatán. Gut ein Fünftel aller knapp 100 Millionen Mexiko-Touristen tummelten sich 2012 in den auf der Halbinsel liegenden Bundesstaaten Campeche, Quintana Roo und Yucatán, die meisten an der so genannten Riviera Maya, die von Cancún bis in die Nähe von Chetumal reicht.

xel-ha sweetwater meets saltwater mexicoNeben den vielen historischen Maya-Städten wie Chichen Itza, Uxmal, Labna, Edzna, Cobá oder Tulum, den endlosen feinsandigen Stränden, den Abenteuer- und Spa-Ressorts wie Xcaret und Xel-há und den Inseln Cozumel und Isla de Mujeres (Fraueninsel), sind längst auch die unterirdischen Süßwasserreservoirs, die Cenotes, zur touristischen Attraktion geworden.

Cenotes sind trichter- oder andere geometrische Formen aufzeigende, mit Süßwasser angefüllte Senken (Doliten) im Karstgestein, die häufig von oben einsehbar sind. Das Süßwasser entstammt vorwiegend dem tropischen Regen, der das weiche Karstgestein stetig ausfällt und so für ein unterirdisches, wasserführendes Höhlensystem sorgt.

Einschlägige Archäologen, Biologen und Geoökologen sind sich darüber einig, dass die zu den Höhlensystemen gehörenden Cenotes auf der Yucatán-Halbinsel und im benachbarten Guatemala die Grundpfeiler zur Entstehung der Maya-Zivilisation waren und des zwar nicht hohen, indes artenreichen Regenwaldes beitrugen.

Bis Mitte der 1990er Jahre galten die bis dahin entdeckten und erforschten Cenotes als Geheimtipp zum Tauchen und Schwimmen. Man musste sich durch dichtes Buschwerk und manchen Vorgarten von Familien mit Kleintierzucht bewegen. Mitunter benötigte man einen Führer, der einen durch noch nicht ausgetretene Pfade leitete. Organisierte Übernachtungsmöglichkeiten gab es kaum, weshalb entweder ein Zelt mitzuführen war oder man sich den Ausflug als Tagestour vornahm.

fische - fish in mexican cenoteMit üppiger Tauchausrüstung kamen nur Wenige. Meist waren es Wissenschaftler mit studentischem Anhang. Zum Schwimmen und Tauchen reichten Badehose oder Bikini, Schnorchel, Brille und Gummiflossen.

Einheimische, die vor Jahrzehnten Pfade anlegten und mit örtlich zur Verfügung stehendem Material Treppen, Geländer und Stege bauten, um aus den Cenotes Wasser zu holen oder sich darin zu erfrischen, machten darauf aufmerksam, dass man sich dem Cenote erfürchtig nähern möge und diese Ehrfurcht ja nicht vergesse, wenn man in ihm schwimme.

Wie viel von dieser Erfurcht noch übrig geblieben ist, lässt sich kaum sagen, seit mexikanische und internationale Wissenschaftler ab 1996 zur großen Erschließung der Süßwassersysteme in den Karstgebieten der Halbinsel aufbrachen, zu deren größten bislang bekannten die von Ox Bel Há, 60 Kilometer südwestlich von Tulum, und Sac Actun, fünf Kilometer westlich von dieser Ruinenstätte, gehören. Sie machen fast die Hälfte der inzwischen erschlossenen knapp 1100 Kilometer betragenden unterirdischen Süßwasserreservoirs aus und warten mit etwas mehr als 300 Cenotes auf, von denen es 954 (Stand: 2011) gibt.

Von der Entdeckung und Erschließung der Cenotes profitiert vor allem der organisierte Tourismus in Quintana Roo und Yucatán, weniger die autochthone Maya-Bevölkerung, die in der Mehrzahl zu Niedriglöhnen arbeitet. Längst können Touristen Pauschalen mit Cenote-Tauchgängen buchen und rücken in Gruppen an, um die einst jungfräulichen Naturgebilde, unter deren Höhlendecken sich nicht selten Fledermauskolonien an Kalktropfstein klammern, zu besichtigen.

treppe zu cenoteWo noch vor wenigen Jahren anrainende Subsistenzwirtschaftler wohnten, die von ein paar Hektarn Maisbau, vereinzelten Obstbäumen, Kleinviehwirtschaft und Geflügelaufzucht lebten, sind inzwischen kleine und mittlere Hotels gebaut worden. Das aus dem Tourismus stammende große Geld fließt an ihnen vorbei. Es landet im regionalen- und Staatshaushalt. Allein für Quintana Roo im Jahr 2011 laut dem mexikanischen Amt für Statistik gut zwei Milliarden Pesos (ca. 480 Mio. US-$ zu Preisen von 2003).

Was ökonomisch in Ordnung zu sein scheint, hinterlässt in den fragilen Ökosystemen negative Spuren. Die Touristen pinkeln ins Süßwasser, das sich angesichts gemächlicher Fließgeschwindigkeit nur über Jahre davon erholen kann; sie beschädigen Stalagtiten und Stalagmiten durch Gummiflossenschlag - oder bewusstes Abbrechen, um ein Souvenir mit nach Hause zu nehmen; und sie verstören die in den Höhlensystemen lebenden Arten.

Seitens der mexikanischen Tourismusbehörde FONATUR und den regionalen Administrationen wird dem touristischen Gehabe kaum Einhalt geboten. So ist es - überspitzt ausgedrückt - unvermeidbar, dass in manchem Cenote Touristen bald Tauchgänge in Urin-belastetem Wasser begehen. Süß-sauer, sozusagen.

Wie in vielen anderen Regionen Mexikos, aber auch Asiens und Afrikas, überlagert der ökonomische Gedanke den ökologischen, oft auch den kulturellen. Das Eintauchen -hier wörtlich zu nehmen - in eine faszinierende Unterwasserwelt, auf der sich eine bis heute nicht vollständig erforschte Kultur gründete, kommt angesichts der Brachialität des heimischen wie internationalen Tourismusses einer ökologischen Vergewaltigung gleich.

kalkstein bei Tulum - coastMexiko, ein Land, dass ähnlich wie China mit einer Fülle an kulturellem Reichtum gesegnet ist, gibt seine lange makellosen Schätze für einen Haufen Pauschaltouristen her und nimmt dabei Kollateralschäden an seinem Kulturgut in Kauf.

Ein Gegenmittel wäre, die Preise fulminant anzuheben. Dann müssten auch Anbieter von Cenote-Besichtigungen und -Tauchgängen neu kalkulieren.

Auf jeden Fall führe eine kolossale Erhöhung der Preise wohl zu einer Verringerung des Massentourismusses. Denn eines dürfte klar sein: Massentourismus hat noch jeder kulturellen Stätte nachhaltig geschadet. Während anderswo, etwa in China, diesbezüglich mancherorts bereits kontingentiert wird, befindet sich Mexiko noch weit davon entfernt.

© Uwe Goerlitz

© GeoWis (2013-05-02)

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