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einzlkind: Gretchen. Rezensiert von Wolfgang Körner
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Dante auf dem Bauch

Ein Papageientaucher leidet an Heringsallergie, ein Kater namens Stalin wird kastriert und einem ungewöhnlichen Autor gelingt sein zweiter faszinierender Roman.

Von Wolfgang Körner (2013-05-06)

Es sei einmal mehr beklagt: was an deutschsprachiger Literatur derzeit veröffentlicht wird, wirkt auf mich so einschläfernd wie Propofol, jenes Narkosemittel, durch das Michael Jackson in die ewigen Jagdgründe gebeamt wurde und mit dem sich in diesem Text der Veterinär auf der Insel Gwynfoer dem Alltag zeitweilig entzieht. Alles eine Frage der Dosierung.

Seit 2010 der Autor mit dem schönen Pseudonym einzlkind die deutsche Literaturszene verblüffte, befürchtete ich, dieses Kunststück würde nur einmal gelingen. Wenig ist schwieriger, als einem derart ungewöhnlichen Werk, das sich nahezu sämtlichen üblichen Kriterien entzieht, ein weiteres in vergleichbarer Qualität folgen zu lassen. Diesem Autor ist es gelungen.

einzlkind - gretchen - rezension - wolfgang koernerDer Plot ist schnell erzählt. Gretchen Morgenthau, eine emeritierte Prinzipalin des deutschen sowie österreichischen Theaters, lebt in komfortablen Verhältnissen und beschränkt sich weitgehend darauf, ihr eigenes Erscheinungsbild zu inszenieren.

Mit raffiniertem Make-up sowie souverän durchgestylter Kleidung führender Modedesigner (der Autor karikiert die gehobenen Magazine der Frau von Welt einmal sogar mit seitenlanger Aufzählung von Marken wie etwa Donna Karan, Prada, Ferregamo), erteilt sie nur noch gelegentlich Schauspielunterricht, zum Beispiel wenn sie einem kleinen Jungen beibringt, dass ein Straßenraub kaum gelingt, wenn der Räuber seine Spielzeugpistole ungeschickt handhabt und noch Reste der Marmelade seines Frühstücksbrötchens an seinen Lippen kleben.

Die vergleichsweise geordnete Bürgerwelt der Theatergöttin gerät aus den Fugen, als ein britischer Richter sie zu einer unverhältnismäßig hohen Strafe verurteilt. Nur weil sie mit ihrem Jaguar MK II nach einer Alkoholkontrolle ein Fahrzeug der Polizei in Schrott verwandelte, soll sie auf einer Insel nahe Islands mit dem schönen Namen Gwynfoer mit einer Gruppe Laienschauspieler ein Drama ihrer Wahl inszenieren. Das führt zu erheblichen Schwierigkeiten.

Die kulturell hoch gebildete, wenn nicht hoch eingebildete Orchidee aus dem subventionierten Gewächshaus des Theaters gerät in die harte, nur mit Alkoholkonsum halbwegs erträgliche Szene minimal alphabetisierter Heringsfischer. Lediglich der halbwüchsige junge Mann, der ihr als Regieassistent zugeteilt wird, trieft so sehr von Theatererfahrung, dass er sogar ein T-Shirt mit der Aufschrift "Ich fickte Heiner Müller" am schmächtigen Körper trägt.

Literatur, die diese Bezeichnung verdient, nutzt Plot-Linien, aber damit hört sie nicht auf. Dort fängt sie erst an. Der Autor dieses Romans erzählt souverän, mit Freude am Detail und einer Fülle überraschender Ideen, mit raffinierten Anspielungen auf die Theaterszene. Er schafft es dabei auch noch, in eleganten Rückblenden in die wilden Jugendjahre seiner Protagonistin die Szene der 68er Jahre zu beschwören: Den Traum vom freieren Leben und total freier Sexualität in großspurig als Kommune bezeichneten kleinbürgerlichen Wohngemeinschaften.

Der mit 239 Seiten vergleichsweise schmale Roman ist ein höchst lesenswertes Meisterstück, dessen für mich verblüffendste Leistung darin besteht, dem grässlichen Monster eines höheren Lebensalters den Zahn zu ziehen. Gretchen ist mehr als siebzig Jahre alt. Der Leser wird sich dessen kaum gewahr. Keine Spur von den Gebrechen des Alters, ganz zu schweigen von Geriatrie.

Die schräge Heldin meistert gekonnt schwierige Situationen und bestätigt die in unserer Gesellschaft allerdings wenig verbreitete Auffassung, dass Alter eine Frage der Geisteshaltung ist. Nicht eine des Kalenders.

© Wolfgang Körner

© GeoWis (2013-05-06)

Einzlkind: Gretchen. Hardcover mit Schutzumschlag, 239 S., ISBN 978-3-89320-176-1; 1. Aufl., Edition Tiamat, Berlin, April 2013.

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