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Im Namen des Chaos

Im syrischen Bürgerkrieg soll von Assads Regierungstruppen Giftgas einsetzt worden sein, behaupten die so genannten Rebellen. Regierungskonforme westliche Medien nahmen die Behauptung recht kritiklos auf und Hardliner der US- und der UK-Administration wollen den großen Knüppel gegen Assad anwenden.

Von Nina Brenthäuser (2013-08-27)

Chaos zu stiften, gehört zum Handwerkszeug von für Auslandsoperationen zuständigen Geheimdiensten. Geübt darin sind insbesondere der US-Auslandsgeheimdienst CIA und der britische MI 6 (Secret Intelligence Service/SIS). Jüngst wurde bekannt, dass die CIA maßgeblich daran beteiligt gewesen war, den einst demokratisch gewählten Premier des Irans, Mossadegh, vor 60 Jahren aus dem Amt entfernt zu haben. Politikwissenschaftlern und Historikern mit einschlägiger Ausrichtung war dies seit Jahrzehnten bekannt. Der Staatsstreich hat die Weltordnung verändert.

Aus den freigegebenen CIA-Akten, aus denen in Deutschland jüngst Thomas Latschan (Deutsche Welle) berichtete, gehe hervor, dass ehemalige - noch lebende - CIA-Agenten heute bereuten, was sie damals angestellt hatten. Kern: Sie hätten einen demokratisch gewählten Präsidenten auf Grund von Öl-Interessen gestürzt und einen korrupten Monarchen, Schah Reza Pahlawi, als ihren Interessensverwalter eingesetzt.

Der wiederum wurde 1979 vom Volk aus dem Land gejagt. Übernommen hatte Ajatollah Chomeini, der aus dem französischen Exil einflog und einen islamischen Gottesstaat Iran ausrief. Das war der Iran zuvor gar nicht. Seit dem Sturz Mossadeghs aber haben die Iraner ein stetig größer gewordenes Hassgefühl gegenüber den USA entwickelt, das bis heute nachwirkt.

Was werden wir in 50 Jahren über das Chaos in Syrien, was über die Hintergründe des Regimewechsels in Tunesien und den angeblichen Arabischen Frühling erfahren? Was über die wirklichen Gründe des Einmarsches der USA und seiner Kalfakter in Afghanistan? Was über die drei Kriege am Golf (Irak vs. Iran, 1980-88; Irak vs. Kuweit/USA und Verbündete vs. Irak, 1991; USA und Verbündete vs. Irak, 2003)?¹ 

totes kind giftgasangriff halabdscha irak kurden 1988In der jüngeren Geschichte zur Region, gab es den bislang schwersten Giftgaseinsatz (Sarin, Tabun, Senfgas) im irakischen Halabdscha im Frühjahr 1988, der irakischen Kurden galt und mehrere tausend Tote und Entstellte zur Folge hatte.

Er wurde dem damaligen irakischen Herrscher und US-Protegeé Saddam Hussein zugerechnet, der am 30. Dezember 2006 wie der ehemalige rumänische Staatschef Ceausescu an Weihnachten 1989 vor laufender Kamera kurzerhand ermordet wurde.

Die Gefahr, dass Saddam - oder zuvor Ceausescu - reinen Tisch machen würden, um mit dem Leben davonzukommen, also der Weltöffentlichkeit zu Protokoll hätten geben können, wie sehr die im Weltsicherheitsrat vertretenen und untergeordneten Mächte ihre Finger im schmutzigen Spiel von Kapitalismus versus Kommunismus, von hegemonialen Interessen und - das vor allem - im Spiel um den Kampf von Ressourcen hatten, war zu groß. Kopfschuss für Ceausescu, Strang für Saddam.

Nun Syrien. Mehr als 3.500 Patienten mit durch Toxine verursachten Syndromen oder Krankheitsbildern seien in Krankenhäuser im Raum Damaskus eingeliefert worden, ließen die so genannten Rebellen Anfang vergangener Woche international verbreiten. Dies war von den Rebellen mit dem Hinweis verbunden, der Giftgasangriff sei von Assads Regierungstruppen verübt worden.

US-Präsident Obama, für den der Einsatz von Giftgas "durch die Regierung Assad" als ein Überschreiten einer "roten Linie" gilt, äußerte sich noch vor einigen Tagen zurückhaltend. Das ist eingeübte Taktik zur rhetorischen Dominanz des Westens. Um ein paar tausend Tote durch Giftgas geht es nicht, legt man die Kriterien internationaler Interventionspolitik zugrunde, bei der der jeweilige UN-Generalsekretär oft mahnender Gehilfe war, und meist ein Papiertiger mit unbegrenztem Reisebudget. Beim gegenwärtigen ist es nicht anders.

Noch ist nicht endgültig bewiesen, dass es einen Einsatz von Giftgas in Syrien gab. Die internationale Organisation Ärzte ohne Grenzen, deren Unabhängigkeit im Vergleich zu UN-Inspektoren bislang noch außer Frage steht, glaubt zwar, Hinweise auf den Einsatz von Giftgas in diesem Bürgerkrieg zu sehen. Wer allerdings verantwortlich für den mutmaßlichen Angriff ist, kann diese Organisation nicht sagen.

Auch die USA und Großbritannien wissen es nicht, rasseln aber nun mit den Säbeln. Insbesondere der unter Großbritanniens fragwürdigem Premier David Cameron - der gegen die britische Zeitung The Guardian in Sachen Edward Snowden massiv vorgehen ließ - dienende Außenminister William Hague entpuppte sich als Hardliner und Vorverurteiler. Für ihn, wie inzwischen auch für Obama, scheint klar, dass Bashir al-Assad der Verantwortliche ist.

Dabei ist noch gar nichts klar. Der ehemalige deutsche UN-Chemiewaffeninspekteur Jan van Aken (Die Linke) plädiert auf seiner Webseite dafür, dass "eine Schuldzuweisung unbedingt vermieden werden müsse, bis echte Beweise" vorlägen. Im ARD-Morgenmagazin führte er seine Auffassung dazu ebenfalls aus.² Immerhin: Jan van Aken lebt noch. Einer seiner Vorgänger, David Kelly, ist Käferfutter geworden.

Am ehesten kommt man der Sache auf die Spur, wenn man in Augenschein nimmt, wer an einem Giftgasangriff auf die Zivilbevölkerung Interesse hat. Dabei stellen sich zum Beispiel die Fragen, wer die Rebellen sind, wer sie finanziert, wer ihnen Waffen liefert und wer Interesse daran hegt, das Assad-Regime zu stürzen?

Russland sagt, dass es sich bei den Rebellen um von al-Qaida unterwanderte islamistische Gruppen handele, die instrumentalisiert würden. Unter den Umstürzlern sollen sich auch die lange in Syrien unterdrückten Muslimbrüder befinden. Aber worum geht es eigentlich? Eine politische Forderung oder ein politisches Konzept dieser Rebellen ist nicht formuliert worden. Ihr einziges Ziel scheint zu sein: Assad muss weg.

giftgasopfer in halabdscha 1988Bettet man den bislang noch innersyrischen Konflikt in in einen größeren regionalen Rahmen, fällt auf, dass Syrien seit der Machtübernahme des Assads-Clans vor 50 Jahren eine nationalistische, demnach dem syrischen Volk zugewandte Politik mittels sozialistischer, teils autokratischer Gesellschaftsform verfolgt. Das Land unterhält gute Beziehungen zum Iran, zu Russland und zu den Baath-Parteien anderer Länder der Region, etwa dem Libanon.

Bashir al-Assad scheint nicht in der Stimmung zu sein, Syrien einer Horde von Extremisten wie den Muslimbrüdern oder al-Qaida kampflos zu überlassen, und auch nicht, sich von der US-Administration oder der auf Kleinformat geschrumpften einstigen Weltmacht Großbritannien bevormunden zu lassen.

Und Deutschland? Kanzlerin Merkel weht noch im Wind und bildet sich eine Meinung. Ein klares Bekenntnis gegen einen Angriff des Westens, sei es durch die USA und Briten, sei es durch die NATO, liefert die personifizierte Untätigkeit vom Dienst (noch) nicht. Es ist Wahlkampf in Deutschland. Merkel mag keine Fehler machen. Ein deutlicheres Armutszeugnis für Unkenntnis in internationaler Politik gab es von jemandem, der Deutschland regiert, seit 1949 noch nie.

Mit gezielten ("chirurgischen") Bombardements wollen die Briten und US-Amerikaner Assad beeindrucken. Zwei Tage sollen sie nach gegenwärtigem Informationsstand dauern. Die beiden westlichen Kriegstreiber tun so, als sei Syrien in der Fläche oder hinsichtlich seiner militärischen Stärke vergleichbar mit Luxemburg oder Dänemark.

Sie versuchen der Öffentlichkeit dazu noch zu verkaufen, dass sich danach in Syrien etwas ändern könnte. Das Gegenteil würde geschehen. Assad ginge bei einer Bombardierung durch die USA und Briten oder durch die NATO gestärkt hervor, während die syrische Bevölkerung weiter litte. So erhält man sich Feinde und Israels Hardliner als Freunde.

Chaos, das wussten schon die Pioniere der Chaostheorie - Edward Norton Lorenz, Harvard University; Benoit Mandelbrot³, Yale; Mitch Feigenbaum, Massachusetts Institute of Technology/MIT -, die sie mathematisch begründeten bzw. ihr Jahre ihres Forscherlebens schenkten, ist eine logische Angelegenheit. Wer Chaos abseits wissenschaftlicher Kirchtürme inszeniert, hat die Chance, daraus Nutzen zu ziehen.

© Nina Brenthäuser

© GeoWis (2013-08-27)

¹ An diesem Krieg beteiligte sich Deutschland indirekt, indem es außerhalb des Kriegsgebietes Aufklärungs- und Sicherheitsarbeit leistete sowie seine Brieftasche öffnete.

² Live-Interview im ARD-Morgenmagazin vom 26.08.2013

³ In der Öffentlichkeit ist Mandelbrot durch die visualisierten Mandelbrot-Fraktale und die Apfelmännchen-Fraktale bekannt geworden.

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