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Ski-Unfall von Michael Schumacher - Ein Kommentar
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Mehr Respekt!

Die Formel-1-Gemeinde und die Anhänger von Michael Schumacher sind geschockt vom Ski-Unfall des siebenfachen Weltmeisters. Noch ist unklar, wie es zu dem Crash kam.

Von Silke Reinhardt (2013-12-30)

307 Mal ist er in der Formel eins gestartet, errang 91, nicht immer sauber eingefahrene GP-Siege, hatte 77 Mal die schnellste Runde und stand 68 Mal auf der Pole-Position. Jetzt liegt der bislang erfolgreichste Formel-1-Pilot nach einem Ski-Unfall in den französischen Alpen im Koma in der Uni-Klinik von Grenoble. Seine Fan-Gemeinde und alle, die ihn persönlich kennen gelernt haben, sind entsetzt, schockiert, traurig, fassungslos.

Schumacher ging immer volles Risiko, schon im Kart. Das brachte ihn bis in die Königsklasse des vierrädrigen Rennsports, in dem viele Gleichgestrickte ums Leben kamen: Jochen Rindt (1970), Rolf Stommelen (1983), Stefan Bellof (1985), Ayrton Senna (1994) und weitere mehr als 50 Fahrer. Schumacher hat diesen milliardenschweren Werbe-Zirkus überlebt.

Statt dies als gutes Omen zu begreifen und sich weisen Rat zur Selbstreflexion anzulesen - oder einzukaufen, zum Beispiel bei einem asiatischen Philosophiegelehrten -, um einen Gang zurückzuschalten, hat er sich offenbar auf der Schneepiste ausgetobt und in einem standhaften Felsen seinen Meister gefunden. Trotz aller Bestürztheit, die dieses Unglück hervorruft, stellt sich die Frage, wie realitätsfern man sein muss, um zu glauben, mir geschehe nichts.

michael schumach world champion 2000Jeden Winter krachen verantwortungslose Skifahrer gegen im Weg stehende fixe Hindernisse oder andere Skifahrer. Vor fast genau fünf Jahren raste der ehemalige thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus in eine tschechische Skifahrerin, die dabei ums Leben kam. Althaus verletzte sich schwer. Seine politische Karriere war beendet.

Im Februar 2012 erwischte es den niederländischen Prinz Friso, der abseits der Piste unterwegs war und nach Abbrechen eines Schneebretts von einer Lawine begraben wurde. Nach 18 Monaten im Koma verstarb er im August 2013.

Rund 150.000 Wintersportunfälle ereignen sich gemäß Statistiken von Versicherungen, etwa der schweizer SUVA, jährlich allein in den Alpenländern. Die wenigsten davon mit tödlichem Ausgang, viele indes mit bleibenden Schäden bei den Betroffenen.

Sie fahren erst fröhlich beschwipst oder total besoffen die Pisten hinab; sie wollen zeigen, was sie können, sich zutrauen, sind übermütig und wundern sich dann, wenn sie querschnittsgelähmt sind oder nach Jahren aus dem Koma aufwachen und die Welt nicht mehr verstehen.

Die nun angerollten Betroffenheitselogen nützen Michael Schumacher nichts. Er bekommt sie gar nicht mit. Freunde des risikofreudigen Rennfahrers müssen sich fragen, weshalb sie ihn nicht längst gebremst hatten. Nun trauern sie über Twitter - Basketballer Dirk Nowitztki, Fußballer Lukas Podolski, Tennisspielerin Sabine Lisicki, die Rennfahrer Nick Heidfeld und Felipe Massa.

Ein Tweet dümmer als der andere. Tennis-Legende Boris Becker ruft zum gemeinsamen Gebet auf und verwendet ein an Schumachers Welt angelehntes Adjektiv: "Let us all pray for a full and speedy recovery." Ob Becker tatsächlich für Schumacher betet? Sprinterin Sabrina Mockenhaupt legt da schon nachdenklichere Töne im Tweet an den Tag. "Manchmal denken wir Menschen immer (sic!), die großen Sporthelden wären unverwundbar. Eine Illusion."

Angesichts der bisherigen Meldungen der Schumacher behandelnden französischen Ärzte, die heute Vormittag eine Pressekonferenz abhielten und ihre Diagnose abgaben (Schädel-Hirn-Trauma), sieht es ganz und gar nicht gut aus um den geborenen Hürther. Es steht zu befürchten, dass er nie wieder physisch oder geistig auf die Beine kommt, womöglich stirbt.

Man kann gegen das eigene Unvermögen, sein Handeln zu reflektieren, nichts tun, solange man nicht bereit ist, erwachsen zu werden. Michael Schumacher hat dies bedauernswerterweise so gehalten. Ob Andere aus seinem risikohaften Verhalten lernen werden, darf bezweifelt werden. Schnee, das dürfte klar sein, ist ein anderer Belag als Teer. Man muss ihm mehr Respekt zollen.

© Silke Reinhardt

© GeoWis (2013-12-30)

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