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Auto-Legenden: Karmann-Ghia Typ 14
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Karmann_Ghia_Blau_weiss_big.jpg

Geliebtes Schnuckelchen

Knapp 20 Jahre lang baute die Volkswagen AG den Karmann-Ghia vom Typ 14. Nur noch wenige Exemplare fahren auf Deutschlands Straßen. Häufig sind es Re-Importe aus den USA.

Von Ralf Tenhagen (2014-06-29)

Von 1955 bis Ende Juli 1974 ließ Volkswagen das Coupé Karmann-Ghia in Brasilien und Osnabrück von der Firma Karmann produzieren, wobei die Produktion in Brasilien bereits 1972 eingestellt worden war. Ausgestattet mit einem luftgekühlten Vier-Zylinder-Boxer-Motor damaliger VW-Käfer, zunächst mit einer Leistung von 30 PS, die das Auto auf bis zu 118 km/h antrieben, konnte es keine Konkurrenz zu den damaligen Sport-Coupés aus britischer, italienischer oder Porsches Produktion sein.

Eine Konkurrenz zu den State-of-the-Art-Sportcoupés jener Epoche zu bilden, hatte VW mit seinem flachgedrückten Karmann-Ghia auch gar nicht im Sinn. Dagegen sprach schon der Preis. 7.500 DM (ca. 3.830 €) kostete der Wagen zur Markteinführung im Jahre 1955. Nicht wenig für Ottonormalverbraucher, weshalb der Preis nach einem Hoch (1957) von 8250 DM (ca. 4.220 €) auf knapp unter 7.000 Mark gesenkt wurde.

Karmann_Ghia_Blau_weiss_geowis_deutschland_germanyEs sollte einen Volkswagen in abgewandelter Form geben: sportlich, aufreizend, bezahlbar für Normalverdiener. Zehn Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs hatte Karmann - mit Blick auf die substantielle Konkurrenz aus dem oberen Preissegment - im Auftrag von VW einen Sportwagen für vergleichsweise kleines Geld erschaffen, ein Volks-Coupé, sozusagen. Jetzt brauchte man nur noch reichlich Käufer.

Die fanden sich nicht mehrheitlich auf dem deutschen Markt. 60 Prozent der rund 467.000 (inklusive rund 81.000 Cabriolets) produzierten Schnuckelchen wurden nach den USA exportiert. Vor allem in die Sonnenstaaten. In den USA machte VW keinen Hehl daraus, dass der Karmann-Ghia ein Volkswagen war, der nur anders aussah als der Käfer, der auch Beetle oder Herbie genannt wurde. In Westdeutschland bekam das Auto schnell die Bezeichnungen Sekretärinnen-Ferrari und Hausfrauen-Porsche.

Dabei waren es nicht nur Sekretärinnen und Hausfrauen, die sich das Auto anschafften oder fuhren. Auch Männer quetschten sich in das Gefährt. In deutschen Filmen der 1950er und 1960er Jahre aber, die ein traditionelles Frauenbild vermittelten, saßen meist Frauen am Steuer dieses Autos, in Cabrios meist mit Kopftuch.

Der kleine Flitzer, ab 1970 mit 50 PS - das Cabriolet sogar mit 60 PS - ausgestattet und auf 1,6 Liter Hubraum aufgemotzt, wodurch eine Geschwindigkeit von bis zu 140 km/h möglich wurde. Es gab ihn in mehr als 20 Farbtönen ab Werk und in Zweifarbenlackierungen, mit Schlafaugenscheinwerfern und Weißwandreifen. In Ermangelung ausreichenden Stauraums gab es ihn auch mit Heckgepäckträger, auf den man einen Koffer schnallen konnte.

Und es gibt ihn immer noch. Als Oldtimer, oft re-importiert aus den USA, versehen mit den so genannten Export-Stoßstangen. Wie so mancher Oldtimer ist auch der Karman-Ghia zu einem Kultobjekt avanciert. Dabei war dessen Ausstattung schon immer recht dürftig. Anfangs mit einem Lenkrad vom Käfer ausgestattet und lange Jahre mit Sitzüberzügen aus Finnlandpappe (im Volksmund: Skai) versehen, die den Insassen auf längerer Reise Schweißjucken an Gesäß und Rücken bescherten, gab es selbst in seiner luxoriösesten Variante keine Lederbezüge.

1962_US_Karmann_Ghia_VW_advertising_geowisEs fehlten zudem Kopfstützen an Fahrer- und Beifahrersitzen und in der Standardausführung war nicht einmal ein Radio vorhanden. Im Fond hatten bestenfalls zwei Kleinkinder Platz. Dennoch hatte Karmann viele Jahre, vor allem in den ersten zehn, das Coupé in entsprechenden Werbekampagnen als Urlaubsgefährt propagiert. Im Vergleich zur Knutschkugel war es sicherlich bequemer, verglichen mit einem Opel Kapitän sicherlich nicht.

Im Karmann-Ghia gab es stilistische Sünden, die der Zeit geschuldet sind. Beispielsweise furnierartige Klebefolie im Armaturen- und Frontbereich. Mitte der 1960er Jahre der letzte Schrei im Interieur-Design von Volksautos. Wer in jener Zeit aufgewachsen ist, kennt das vielleicht auch aus seinem Kinder- oder Jugendzimmer. Klebefolie im Holz-Design war zum Schreien, oder? Andernorts flog man bereits zum Mond.

Mit dem Karmann-Ghia kam man immerhin bis nach Italien oder an die spanische Mittelmeerküste, und weil man mangels ausreichenden Autobahnnetzes meist über Bundesstraßen fahren musste, sah man viel von der Landschaft und den am Wegesrand liegenden Dörfern und Städten. Heutzutage wirken Oldtimer dieser Art wie eine Verkehrsbehinderung, wenn sie auf Autobahnen unterwegs sind.

Wie die meisten Oldtimer, zumal wenn sie einen gewissen Kultstatus erreicht haben, wird auch der Karmann-Ghia teuer gehandelt. Das Coupé kostete selbst im letzten Produktionsjahr nicht über 10.000 Mark, das Cabriolet blieb unter 11.000. Heute kann man sich glücklich schätzen, wenn man für 5.-6.000 Euro eines dieser Modelle in noch restaurierbarem Zustand erhält.

Von Privat kann man sie in ordentlich restauriertem Frack gelegentlich für unter 20.000 Euro erstehen, das Vierfache des einstigen Höchstverkaufspreises. Es gibt jedoch auch Anbieter, die Mondpreise veranschlagen. So das Autohaus Wolfsburg Holz und Heitmann GmbH & CO, das im April 2014 einen Typ 14 für 44.900 € auf mobile.de einstellte. Das Fahrzeug seie lediglich 5.435 km gelaufen.

Dass Karmann-Ghia -Anbieter offenbar den Bezug zur Realität verlieren können, mag auch daran liegen, dass die Karre neuerdings wieder in Filmen und im Fernsehen vorgekommen ist. 2004 hat Quentin Tarantino sie in der Fortsetzung seines Splatters Kill Bill Volume 2a auffahren lassen. Regisseurin Neele Vollmar setzte sie 2008 in ihrem Film Maria, ihm schmeckt’s nicht! Prominent in Szene.

Liebhaber von Oldtimern mögen sich über solche Prominenz ihrer Vehikel freuen, sie aber nach Abklingen der Freude zwiespältig sehen. Leuten, die sich ein Karmann-Ghia als Wertanlage angeschafft haben, nutzt derartige Prominenz natürlich. Doch bei genauer Betrachtung ist dieses Kultauto außen Hui und innen Pfui. Zu spartanisch, zu billig, zu unsicher. Dazu noch, was allerdings auch für deutsche Mittelklassewagen der 1950er und 1960er galt, zum Beispiel bei BMW, der Kaltstartzug (Choke).

Karmann_Ghia_Idylle_werbung_1966_vacation_geowisAuf wen das Design der Karosserie zurückgeht, ist nicht ganz klar. Angeblich war der US-Amerikaner Virgil Exner von Chrysler der Erst-Gestalter. Luigi Segre von der Turiner Karosserie-Desgin-Schmiede Carrozzeria Ghia und Felice Mario Boano mit Sohn Gian Paolo werden ebenso als Designer kolportiert. Man darf davon ausgehen, dass das Design aus dem Hause Ghia stammt, denn sonst hieße das Automobil wohl kaum Karmann-Ghia.

Mit der Konstruktion wurde damals die in Osnabrück ansässige Firma Wilhelm Karmann GmbH beauftragt, die über Jahrzehnte Coupés und Cabriolets im Unter- und Mittelklasse-Segment für eine Reihe von Automobilgiganten komplett produziert hatte. Für VW etwa den VW Porsche und den Scirroco I, dem Nachfolger des Karmann-Ghia.

Die Osnabrücker Firma war 1901 gegründet worden und machte trotz jahrzehntelanger innovativer Entwicklungen 2010 dicht. Offensichtlich hatte sich die Abhängigkeit als Auftragsfertiger für VW und andere schlussendlich als nachteilig erwiesen. Die Automobilkonzerne erwiesen sich für Automobilschmieden wie Karmann als Schwarze Löcher, indem sie viele derer Fertigungsbereiche in ihre Konzerne integrierten und standardisierten. Deshalb arbeitet heute im Skoda Oktavia ein Passat-Motor.

Die Firma Karmann ist tot, der Karmann-Ghia nicht. Er ist lediglich im Altersheim und wird von Liebhabern am Leben und in Erinnerung gehalten.

© Ralf Tenhagen

© GeoWis (2014-06-29)

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