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Cardoso, Bill: Rummel im Dschungel. Eine Reportage aus Kinshasa. Muhammad Ali gegen George Foreman. Rezenziert von Hubertus Molln
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Journos im Sumpf von Zaire

1974 wurde Bill Cardoso von seiner Zeitung, dem US-Blatt New Times, nach Zaire entsandt, um über den Boxkampf des Jahrhunderts zu berichten. Es kam alles anders, wie sich in Rummel im Dschungel nachlesen lässt.

Von Hubertus Molln (2014-09-03)

Bill Cardoso war von seiner Zeitung, dem US-Blatt New Times, nach Zaire entsandt worden, um über das als Rumble in the Jungle in die Boxkampf-Geschichte eingegangene Großereignis zwischen dem damals 32-jährigen Muhammad Ali und dem sieben Jahre jüngeren George Foreman zu schreiben. Was einem  Journalisten normalerweise nicht schwerfallen sollte, bereitete Bill Cardoso, der den Begriff Gonzo geprägt hatte, einige Probleme.

Seine Reportage Zaire, verfasst im Gonzo-Stil, also subjektiv, rau und deutlich erzählt, flott und unterhaltsam geschrieben, gespickt mit Redewendungen, scheinbaren und absoluten Nebensächlichkeiten, teils drastischer Wortwahl und durchzogen von einer entschieden ablehnenden Haltung gegenüber dem damaligen Mobutu-Regime, zählt zum Besten, was bisher zu diesem Kampf geschrieben wurde.

bill_cardoso-zaire_rumble_in_the_jungle_german_version_rummel_im_dschungelAllerdings hat diese Reportage erst zehn Jahre nach dem Kampf in der Anthologie The Maltese Sangweech and other Heroes die - englischsprachige - Öffentlichkeit erreicht. Denn Cardosos Chefredakteur, der ihm freie Hand gelassen hatte, kam mit dem Text nicht klar. Und Cardoso muss angesichts der Umstände, die dieser mit einer Zehn-Millionen-Dollar-Börse versehene Kampf mit sich gebracht hatte, offenbar keine Lust verspürt haben, lediglich über den sportlichen Akt zu schreiben.

Cardoso hätte salopp über Alis Rope-a-Dope-Taktik schreiben können, die Foreman sein Pulver hatte verschießen lassen und Ali in die Lage versetzte, den amtierenden Weltmeister im Schwergewicht durch ein paar schnelle Links-Rechts-Hiebe und neun gegen den Kopf in der 8. Runde auf die Bretter zu befördern. Wäre da nicht der Cut gewesen, den Foreman sich am 16. September im Training gegen seinen Sparringspartner Bill McMurray zugezogen hatte. Der Kampf musste um fünf Wochen verschoben werden. Cardoso war unvermittelt zum Zwangsaufenthalt in Zaire verdonnert, weil ihm "die Regierung", so Cardoso, sein Rückflugticket konfisziert hatte und sein Blatt ihm kein neues bezahlen wollte.

Also sah er sich um im Mobutu-Land, wurde vom Geheimdienst gegängelt und eingeschüchtert, seines Passes entledigt, rauchte viel Kinshasa-Gras und soff. Er tauchte ein in die Realität Kinshasas, in die Geschichte des Kongos, der 1971 auf Betreiben Mobutus in Zaire umbenannt worden war (und nach des Diktators Tod 1997 in Demokratische Republik Kongo). Ständig klebten ihm Mobutus Spitzel an den Fersen, verwanzten sein Hotelzimmer und mahnten ihn an, er sei hier, um über den Kampf zu berichten, nicht über das Volk.

Cardoso hing mit den Ali-Leuten ab, ließ sich vom Hauptveranstalter (und Haupt-Profiteur) Don King drücken, über den er süffisant schreibt, in ihm erkenne er "nicht einfach nur einen Schläger und Zahlenverdreher und schwarzen Rassisten aus Ohio, nicht nur einen 193 cm großen Mann, der hier auffällig fehl am Platz ist, mit seinem dreistöckigen Afro und seinen westafrikanischen Roben (…), sondern auch einen verletzlichen Mann (…)".

Bill Cardoso, 2006 verstorben, bringt in seine Reportage ein Element ein, was gute Reportagen ausmacht: Authentizität. Er vermengt und veranschaulicht auf intensive Weise das bevorstehende sportliche Großereignis, das er als Propagandaveranstaltung für Mobutu einstuft - mitfinanziert vom Diktator -, mit den desolaten Zuständen in diesem Land, Gesprächsinhalten mit Presseleuten, Boxer-Tross und seiner jeweiligen Stimmungslage.

In jenen "50 Tagen und 50 Nächten im Kongo" habe er "alles gesehen", wie er im Vorspann der Reportage schreibt. Für jemanden, der zuvor aus Box-Arenen der westlichen Welt oder vom McCarthy-Wahlkampf 1968¹ berichtete und für Harper’s Weekly, den Boston Globe und den Rolling Stone schrieb, musste Kinshasa ein Kulturschock gewesen sein.

Für den Leser ist Rummel im Dschungel, so der etwas schlichte Titel der deutschen Übersetzung von Zaire, in vielfacher Hinsicht eine Zeitreise in die Geschichte. Cardoso gewährt tiefe Einblicke in das soziale Gefüge westlicher Sport- und sonstiger Journalisten und deren Mit- und Untereinander in einem Land, das von einem übergeschnappten Diktator beherrscht wurde.

"Das ist krank; der Mann ist überall. Er ist auf der Währung, auf dem Zaire-Geldschein (…). Alles in Zaire heißt Zaire; Währung, Zigaretten, Benzin … wird alles unter dem Namen Zaire gemacht. Was für eine Superidee! Ich schätze, dass Mobutu Medien-Manipulation und Propagandatechnik bei Sears & Roebuck studiert hat." Der Leser wird mit einer schwarzafrikanischen Realität konfrontiert, mit der sich zu damaliger Zeit vorwiegend Wissenschaftler befassten.

bill_cardoso_muhammad_ali_rummel_im_dschungel_kinshasa_tiamat_geowis40 Jahre nach dem berühmtesten Boxkampf der Nachkriegszeit des 20. Jahrhunderts und Norman Mailers Buch darüber (The Fight) erscheint Bill Cardosos Reportage also endlich auf Deutsch. Das ist gut so. Denn dadurch erfahren auch deutschsprachige Leser viel über das Drumherum dieses mystifizierten Boxkampfs, lernen, dass Hunter S. Thompson und Norman Mailer auch in Kinshasa mächtig soffen und Drogen nahmen und häufig bräsig die Tage verbrachten oder verschliefen, weil sie am Nachtleben Kinshasas teilnahmen oder in zur Verfügung gestellten Villen einen drauf machten. Sie, die Leser, jedenfalls die, die nicht selbst an der Flasche, Nadel oder am Joint hängen, dürften mit dem Kopf schütteln, wenn sie sich die seinerzeit vor Ort herrschenden Zustände vor Augen führen.

Cardoso nennt eine Menge Namen dieses Geschäfts. Mal reißt er ihre Funktionen und Verflechtungen nur an, mal lässt er sich etwas mehr über sie aus. So zu WBA/WBC-Schwergewichtsweltmeister Sonny Liston, der 1964 in seiner ersten Begegnung mit dem zu jener Zeit noch den Namen Cassius Clay tragenden Ali nach 28 Siegen seine erste Niederlage beigebracht bekam. Ein Jahr später kassierte er seine zweite gegen Ali durch K.O. in der 7. Runde. Auch zum schon vor 40 Jahren international wahrgenommenen und renommierten Autor Norman Mailer², der Teil des Pressekorps war, schreibt der damals 37-jährige Cardoso und lässt durchblicken, dass der vierzehn Jahre ältere Mailer nicht zu seinen Freunden gehörte, er den meist besoffenen Narziss aber schätzte.

Weitaus interessanter als das Name-dropping mit Kausalitäten sind die Einsichten in das Soziotop, in dem sich das Pressekorps befindet, und die Geschichte des temporären journalistischen Daseinskampfes Cardosos. Am Ende musste der Autor hoffen, irgendwie aus Zaire herauszukommen. Dass er es schaffte, verdankte er John Daly, den er in seinem - einer oral history gleichkommenden - Text ausreichend berücksichtigt.

Die 98 Seiten starke Reportage, zu der Verleger Klaus Bittermann ein zehnseitiges Nachwort beigesteuert hat, ist überwiegend ein spannender Erlebnisbericht, der sich ganz und gar nicht nach einem angenehmen Aufenthalt Cardosos im ehemaligen Zaire liest. Sie lässt sich binnen zwei, drei Stunden verschlingen und hallt nach.

¹ Wahlkampf von Eugene McCarthy (Demokratische Partei).

² Norman Mailer erlangte Weltruhm mit seinem 1959 erschienenen Roman The Naked and the Dead (dt.: Die Nackten und die Toten), in dem die Rückereroberung der Philippinen durch die USA während des 2. Weltkriegs thematisiert wird, die von den Japanern besetzt waren.

© Hubertus Molln

© GeoWis (2014-09-03)

Bill Cardoso: Rummel im Dschungel. Ein Reportage aus Kinshasa. Muhammad Ali gegen George Foreman. Deutsch von Franz Dobler. Mit einem Nachwort von Klaus Bittermann. 110 Seiten, Tradecover; ISBN 978-3-89320-193-8. Deutsche Erstveröffentlichung, 1. Aufl.; Reihe Critica Diabolis, Nr. 220, Edition Tiamat, Verlag Klaus Bittermann. Berlin, 2014.

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