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Körner, Wolfgang: Nowack. Rezensiert von Jochen Henke
[1136]
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Normalo unter Dynalektikern

Wolfgang Körners Roman Nowack ist nach Jahrzehnten neu aufgelegt worden.

Von Jochen Henke (2014-09-05)

Harry S. Nowack ist Fotograf und streift mit seiner Leica durchs Ruhrgebiet, um den Niedergang des Kohlebergbaus und der Stahlindustrie zu dokumentieren. Es sind die späten 1960er Jahre, die in Westdeutschland von Medienberichten über den Vietnamkrieg, den Prager Frühling und der Außerparlamentarischen Opposition (APO), dem Minirock, sexueller Befreiung (!), politischen Morden weltweit und postkolonialen Konflikten in Afrika dominiert werden. Für das Ruhrgebiet interessieren sich höchstens regionale Medien und Dokumentarfilmer. Und Nowack.

Nowack kifft, treibt es reichlich mit Frauen und geht ansonsten seiner Arbeit als freiberuflicher Fotograf nach. Nicht immer mit Lust. Die verspürt er lediglich, wenn er die wegbrechenden Lebensgrundlagen der Ruhris auf Zelluloid bannt - Zechenschließungen, Massenentlassungen, Kneipensterben -, wofür es den in den Regionalwissenschaften seit fast vier Jahrzehnten verankerten Begriff Strukturwandel und seitdem zigtausende Seminar-, Diplom- und Doktorarbeiten gibt. Wow! Was für ein Aufwand! Nowack zu lesen, hätte doch gereicht.

Körners Roman erschien vor 45 Jahren, war also Gegenwartsliteratur. Anders als viele seiner Autoren-Kollegen aus der sich der Arbeiterliteratur verschriebenen Dortmunder Gruppe 61, zu der Körner gehörte, verzichtete er in Nowack auf das seinerzeit angesagte klassische Agit-Prop - wie schon in seinem Erstling Die Versetzung (1966). Mehr noch: Körner konterkariert, obwohl den Anliegen der Arbeiterklasse zugeneigt, den Common sense der Gruppe 61, indem er das intellektuelle und pseudointellektuelle Sendungsbewusstsein etwa der APO-Generation mittels seines Protagonisten Harry Nowack süffisant ad absurdum führt.

Laissez-faire-Verfechter Nowack macht das, was ihm Spaß macht, und Körner auch. "Dynalektiker" nennt er die APO-Protagonisten, ihre Unterstützer und Mitläufer. Auf diesen Begriff hob auch der Spiegel in seiner Rezension vom 27.10.1969 ab. Was zeigt, das Körners Roman wichtig genug war, um in dem damals noch ernstgenommenen Blatt besprochen zu werden. Nowacks gab es ja viele, wahrscheinlich mehr als sich mit der Arbeiterklasse als Forschungs- und Rhetorikgegenstand beschäftigende Akademiker und Rhetoriker.

Wer jemals eine Rede von Rudi Dutschke (1940-79), einem - frei nach Nowack/Körner - der Ober-Dynalektiker, der die Arbeiterklasse von ihrem Joch theoretisch zu befreien gedachte, in Gänze gehört hat, müsste eine Ahnung davon bekommen haben, weshalb das Anliegen gescheitert ist. Dutschke besaß die Gabe, so lange zu reden, bis auch der in der letzten Reihe Stehende vor Erschöpfung umzufallen drohte. Um Redner wie Dutschke zu verstehen, hätte es nicht lediglich irgend einer Habilitation bedurft. Es hätte einer Habilitation in Soziologie oder Germanistik oder Politikwissenschaft bedurft.

Die Arbeiterklasse hatte nicht verstanden, wovon Dutschke und Konsorten geredet hatten. Das lag an Dutschke und Konsorten. Sich klar auszudrücken, gelang ihnen nicht. Aus Gimma Mottek! Mach ma hinne!¹ hätte er wohl ein dreistündiges Referat beispielsweise über die strukturelle Gewalt postfordistischer Linguistik in Zeiten des gesellschaftlichen Umbruchs im Ruhrgebiet unter exploitatorischen Präferenzen aus dem Stehgreif fabriziert. Nun ja, kleiner Scherz.

So mancher, auch akademisch vorgebildete Autor, der sich der Arbeiterliteratur verschrieben hatte oder für die Anliegen der Arbeiterklasse eingetreten war, machte auf intellektuell und stolperte, weil er die Dinge nicht auf den Punkt zu bringen imstande war. Körner, damals um die 30, präsentierte ihnen Nowack, einen Typen, der sich zwar einigermaßen romantisch verhält, wenn er mit seiner Leica unterwegs ist, sich ansonsten aber am liebsten Sex, Drogen und der Entwicklung seiner Aufnahmen widmet.

Körners Roman wurde mit einer Reihe an Attributen versehen: frühe deutsche Pop-Literatur, kapitalismuskritisch, neuer Realismus … . Tatsächlich ist Nowack ein literarisches Roadmovie, das in die Zeitlosigkeit permanenten Wandels gepackt ist. Strukturwandel? Ist doch immer, könnte Harry Nowack durchaus gesagt haben. So what?

Für die Neuauflage, ermöglicht mit Mitteln der Nyland-Stiftung, Köln, hat Steffen Stadthaus ein Nachwort verfasst, in dem er sich dem Roman und dessen Autor literaturwissenschaftlich nähert und Nowack etwa als "popliterarische Krisengroteske" bezeichnet. Ganz gleich, was gesagt oder geschrieben wird: Zu Anfang muss der Pudding schmecken. Nowack schmeckt auch 45 Jahre nach Erscheinen noch ausgesprochen gut.

¹ Gimma Mottek in elegantem Hochdeutsch lautete etwa so: Sei bitte so freundlich und reiche mir den Vorschlaghammer. Mach ma hinne: Bitte beeile dich.

© Jochen Henke

© GeoWis (2014-09-05)

Wolfgang Körner: Nowack. Nachwort von Steffen Stadthaus. Hg.: Walter Gödden (Nyland-Stiftung). Tradecover, 176 S.; ISBN 978-3-8498-1067-2; Aisthesis Verlag, Bielefeld, Juni 2014.

Portrait zu Wolfgang Körner: "Bekennder Macho" >>

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