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Des Dichters neue Kleider

Zur Neuausgabe der Grass-Parodie von Günter Ratte

Von Klaus Berthold (2006-11-17)

Vor zwanzig Jahren verblüffte Vito von Eichborn, damals noch uneingeschränkter Herr im gleichnamigen Verlag, die literarisch interessierte Öffentlichkeit mit einer Sensation, wie sie sich zuvor so noch niemals ereignet hatte. Schien hierzulande die Kunstform der Parodie, in England und den USA hoch geschätzt, nach dem Tode Robert Neumanns nahezu ausgestorben, veröffentlichte von Eichborn nicht nur eine glänzende Parodie des Grass-Romans Die Rättin, sondern diese lag bereits in Stapeln in den Buchhandlungen, bevor das Grasswerk aus dem Luchterhand Verlag auch nur ausgeliefert war.

Die literarische Öffentlichkeit, in Deutschland stets geschickt darin, totzuschweigen, was den etablierten Kanon in Frage stellt, versuchte das auch mit diesem Büchlein, aber räusperte sich schließlich unwillig. 25.000 blitzschnell verkaufte Exemplare ließen sich schlecht ignorieren. So rührte sich denn zuerst der Spiegel, dessen Rezensent sich maßlos darüber aufregte, daß die Autoren der Parodie (einer allein dürfte das kaum geschafft haben) dem Mâitre Grass auf die Pelle rückten. Das forderte den Stern heraus, die Parodie in den höchsten Tönen zu loben, wenn nicht zu preisen. Die sachkundigste Buchbesprechung lieferte der Literaturkritiker Hans Jansen von der in Essen erscheinenden WAZ ab, der mit dem in Vergessenheit geratenen Genre offensichtlich noch bestens vertraut war.

Jetzt hat Vito von Eichborn diese Parodie, an der er offensichtlich noch immer die Verwertungsrechte hält, in seiner Edition BOD erneut veröffentlicht. Dabei mag der von der Sache her unverständliche Skandal über die Zugehörigkeit des jungen Grass zur Waffen-SS mitgespielt haben. Es überrascht, wie wenig der Zahn der Zeit der Parodie anhaben konnte. Auch wer den vor Altersdepressionen triefenden Grass-Roman Die Rättin nicht zu Ende gelesen hat, wird von der spielerischen Leichtigkeit und Eleganz, mit der in der Parodie das Instrumentarium des Großschriftstellers gehandhabt wird, überrascht.

Von Eichborn hat die Neuausgabe um einen Anhang mit einer Grass-Biographie sowie einer Inhaltsangabe der Grass`schen Rättin bereichert, aber beides erscheint überflüssig. Die fröhliche Geschichte des Autors Günter Ratte, der mit seiner jungen sexbesessenen Freundin Tulla (einer Figur aus dem Grass-Roman Die Blechtrommel) in einem Kreuzberger Keller zusammenlebt, sich zum Weihnachtsfest einen Dichter wünscht und einen 30 cm großen Grass bekommt, mit ihm und Rumpelstiltken durch Berlin geistert und dabei den Dichter, die SPD, bekannte Feministinnen, Adorno, die Gruppe 47, den Autor Günter Wallraff, Federico Fellini, viele andere und sogar die damalige Große Koalition leicht und locker veralbert, liest man heute mit ebensoviel Vergnügen wie vor zwanzig Jahren.

Nachdenklich wird der Rezensent allerdings bei der Überlegung, was von mit kultureller Wichtigkeit aufgeladener Hochliteratur zu halten ist, wenn es ein paar völlig unbekannten, offensichtlich jungen Leuten möglich war, sie nicht nur sichtlich mühelos zu parodieren, sondern in den besten Passagen auch noch zu übertreffen.

Der Herausgeber berichtet in seinem Vorwort, daß man im Luchterhand Verlag den aufgeregten Günter Grass nur mit Mühe von dem angesichts der Rechtslage völlig aussichtlosen Versuch abbringen konnte, gegen diese Parodie gerichtlich vorzugehen.

Sehr verständlich! Der Nobelpreisträger muβ sich gefühlt haben wie Maria Callas, wenn eine Teilnehmerin des Fernsehwettbewerbs Deutschland sucht den Superstar die Schmerzensarie der Madame Butterfly ähnlich gekonnt gesungen hätte, wie die Primadonna.

© Klaus Berthold

© GeoWis (2006-11-17)

Günter Ratte, Der Grass. Das literarische Bubenstück. Eine geheimnisvolle Parodie, die unter die Gürtellinie greift - und ihre Hintergründe. Edition BOD. Herausgegeben von Vito von Eichborn. 134 S., ISBN: 3-8334-6550-6, Norderstedt, November 2006.

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