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Apocalypto - Hingeguckt und wenig gesehen

Apocalypto - Hingeguckt und wenig gesehen

Deutsche Leitmedien entdeckten Mel Gibsons neuen Film nur langsam, dann aber gewaltig - daneben

Von Silke Reinhardt (2006-12-20)

Die Filmkritiker von FAZ, SZ, Spiegel, Stern, Welt und einigen weiteren Medien huldigten beinahe unisono Mel Gibsons Blutorgie über den 'Untergang der Maya'. Man fragt sich, welchen Film diese Leute gesehen haben, und wenn sie sich tatsächlich Gibsons Apocalypto angeschaut haben, stellt sich die Frage, was sie darin entdeckten?

Action, klar. Blut auch. Sowieso, bei der Reputation dieses überschätzten Regisseurs. Die Kritik von Jonas Littfers, die am 2. Dezember 2006 in diesem Portal erschien, scheint jedenfalls keiner der den Film promotenden Enthusiasten zuvor gelesen zu haben.

So hangelten sich die Kritiker in mehr oder weniger ausgeprägten Superlativen zum bisher erfolgreichsten geschichtsklitternden Film über die Maya an die Spitze der Schlagzeilen. Und jazzten ihn hoch. Auffällig ist, daβ die saturierten Filmkritiker offenbar ihr Gehirn mit Aufgehen des Vorhangs ausgeschaltet hatten. Daβ es ein Film über die Maya ohne tragende Rollen von Maya ist - nicht erwähnenswert. Daβ die Kämpfe zwischen rivalisierenden Mayastämmen zum vermeintlichen Untergang der Maya stilisiert werden, dies aber in der Kritik gar nicht vorkommt? Gut nicht hingeguckt.

Daβ Gibsons Film ein ziemlicher Mischmasch aus fehlgeschlagener Interpretation der unter Ethnologen und Historikern anderslautenden Sichtweisen zu dieser Thematik ist, störte die renommierte Kritik nicht.

Solange der erklärte australische Antisemit Gibson seine Filme in blutgetränkte Spektakel verwandelt, gegen den Hollywood-Trend filmt - doch ohne Hollywood nicht auskommt - und sich Schauplätze aussucht, in die die deutsche Filmkritik nicht mal auf Einladung reiste, sei ihm das Lob aus heimeligen oder auch faden Redaktionsstuben im deutschen Herbst offenbar sicher.

Es gibt bessere Filme als Apocalypto, vor allem bessere Actionfilme, und noch bessere Filme zu historischen Themen. Es wirkt beschämend, daβ die geballte deutsche Filmkritik sich nicht über ihren 70-Millimeter-Horizont hinauswagte, um Gibsons Schlachtwerk in Relation zu setzen. Dazu bedürfte es natürlich auch des Lesens einiger wissenschaftlicher Standardwerke. Ich empfehle zum Einsteigen Hanns J. Prem und Frauke Sachse, Uni Bonn. Und dann noch mal in Apocalypto gehen.

© Silke Reinhardt

© GeoWis (2006-12-20; 17:30:52)

© Fotos: culturefotos.com


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