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Thomas Pynchon lesen (Teil 1)

Thomas Pynchon lesen

Editorial von Xiang Chen (2006-12-18)

Nachdem der Autor Tom Geddis vor sieben Wochen sich die Vergabe des Nobelpreises für Literatur an Thomas Pynchon wünschte und einen Überblick zu dessen neuem Roman Against the Day lieferte, hatte GeoWis einige seiner Redakteure und Rezensenten gebeten, ihre Meinung und Empfindung zu Pynchons früheren Romanen in Worte zu fassen. Geplant war, diese Art Werkschau am Samstag, 23. Dezember 2006, bei GeoWis zu publizieren.

Da Pynchons neues Buch - ein Wälzer von knapp 1100 eng beschriebenen Seiten (US-Ausgabe) -, das es nach Angaben des Rowohlt Verlages wahrscheinlich erst 2008 auf Deutsch geben wird, nun (endlich) auch in den Rezensionsabteilungen deutscher Leitmedien besprochen wird, wobei sich beim Spiegel mehrere Rezensenten das Buch teilten, zieht GeoWis die Publikation der Werkschau vor.

Wer noch niemals etwas von diesem Autor gehört haben sollte, mag sich hier einstimmen. Bis 2008 bliebe ausreichend Zeit, all dessen Romane und Erzählungen zu lesen und sich dann Against the Day vorzunehmen. Die ersten Meinungen und Eindrücke nachfolgend in diesem ersten Teil, auf den, wie sollte es anders sein, ein zweiter folgt, in dem Die Enden der Parabel und Mason & Dixon thematisiert werden.

 

Hajo Kost zu V.

Thomas Pynchen, V. Rowohlt-Ausgabe in der Reihe Das Neue Buch.Als ich mich Mitte 1981 in der Baedeker-Buchhandlung, die in Essens Fuβgängerzone liegt und inzwischen komplett umgestaltet ist, bei einer dunkelblonden Buchhändlerin, die etwa Ende 20 war, nach einem angesagten Roman erkundigte, wurde ich von ihr in etwa gefragt: "Deutscher oder ausländischer Autor? Einfache Unterhaltung oder Literatur?" Was die Herkunft des Autors betraf, war es mir einerlei.

In Bezug auf den Anspruch fragte ich, ob es eine Mischung aus beidem gebe. Sie empfahl Thomas Pynchons Roman V., eilte zu einem Taschenbücherregal und sagte: "Vielleicht werden Sie ihn zweimal lesen müssen, aber glauben Sie mir, es lohnt sich." Ich schlug Seite 7 auf und las den ersten Satz: "Heiligabend 1955 verschlug es Benny Profane - schwarze Jeans, Lederjacke, Segeltuchschuhe, groβer Cowboyhut - nach Norfolk, Virginia." Ich klappte das Buch zu, ging schnurstracks zur Kasse und bezahlte 22 D-Mark.

Zu Hause angekommen, griff ich mir eine Packung Salzletten aus dem Küchenschrank - ich war 17 und wohnte bei meinen Eltern -, sagte meiner Freundin ab, flezte mich auf die Couch meines Zimmers und las los. In den folgenden Tagen und Wochen verwünschte ich die Buchhändlerin mehrfach - meine Freundin trennte sich während dieser Zeit von mir - , konnte ich mir doch auβer Benny Profane viele der Namen in V. nicht merken. Ploy, Morris Teflon, Pappy Hod, Pig Bodine, Abdul Sahib, Raoul, Slab, Melvin, Geronimo, Shale Shoenmaker, Miss Owlglass, Stencil, Vera Meroving - ich dachte, der Autor höre nicht auf, Figuren mit kuriosen Namen einzuführen.

Noch weniger stieg ich durch, worum es in dem Roman ging. Vielleicht werden sie ihn zweimal lesen müssen, hatte die Buchhändlerin gesagt. Das hatte damals nicht ausgereicht, aber schon nach dem erstenmal wuβte ich, es mit groβartiger Literatur und Unterhaltung zu tun zu haben, fuhr danach zu Baedeker und kaufte sieben Exemplare von V., die ich an Freunde verschenkte. Dazu hatte ich zwar mein Sparbuch angreifen müssen, doch war es mir das damals wert. Sie sollten sich gefälligst genauso quälen, ohne durchzusteigen. Als ich zwanzig war, wurde mir endlich klar, worum es in diesem Roman ging. Jedesmal, wenn ich ihn gelesen hatte, dachte ich: Was für ein geniales Buch! Wie kann einer so schreiben? Wer, verdammt noch mal, verstand ihn 20 Jahre zuvor?

 

Mariam Backes zu Slow Learner und Spätzünder

Thomas Pynchon. Cover der dt Ausg. 1994, Rowohlt VerlagIm Englischen Seminar an der Ruhr-Uni Bochum galt es, die Klassiker des 20. Jahrhunderts nicht nur gelesen zu haben, sondern einige von ihnen auch zitieren zu können. Tennessee Williams, T. S. Elliot, Shakespeare - Gymnasialliteratur, jedenfalls damals, und, von Professoren der Anglistik oder Amerikanischen Literatur vorausgesetzt, die wichtigsten Werke dieser Autoren gelesen zu haben. Hemingway, Joyce, Updike, Wolfe waren einige der Lieblinge der Profs, zu denen sie Referate vergaben.

Ich entschied mich in freiem Vorschlag für Thomas Pynchon, genauer gesagt, für einen Vergleich zwischen der deutschen und der amerikanischen Ausgabe seiner frühen Erzählungen, die erst spät zwischen Buchdeckel gepreβt wurden. Ich erinnere mich noch gut daran, wie seltsam mich mein Prof damals ansah - ich war im 7. Semester - und nach einer mir wie eine Weile vorgekommenen Zeitspanne sagte, er schätze diesen Autor nicht, er schätze grundsätzlich keine Autoren, die sich der Öffentlichkeit entzögen. Im übrigen sei er gespannt, wie das Referat ausgehe.

Vorweggenommen: ich bekam ein Ausreichend. Weshalb? Er hat es nie begründet. Thomas Pynchon, Slow Learner - Buchcover, 1998Ich glaube aber, daβ es darauf zurückzuführen ist, daβ ich die englischsprachige Version - Slow Learner - einfach als die magerere klassifizierte und die deutsche Übersetzung von Thomas Piltz und Jürg Laederach - Spätzünder - als die schnittigere.

Das Adjektiv schnittig sei komplett unwissenschaftlich, und daβ eine deutsche Übersetzung besser als das Original sei, komme erstens selten, schon gar nicht aber bei Pynchon vor, meinte er. Auf die Thematik der fünf Geschichten (Der kleine Regen/The Small Rain; Tiefland/Low-lands; Entropie/Entropy; Unter dem Siegel/Under the Rost; Die heimliche Integration/The Secret Integration), die ich angerissen hatte, ging der Prof nicht ein. So etwas kann passieren. Nun ja. Pynchon war eben kein Spezi von ihm. Kann gut sein, daβ der arme Prof nie etwas von TePe gelesen hatte. Ich danach alles, und ich bleibe dabei: die deutsche Übersetzung von Slow Learner ist besser als das Original.

 

Jonas Littfers zu Vineland

Thomas Pynchon: Vineland""Aber warum?" Ja. Selbst im Nachmittagsschatten waren Prairies Augen halb geschlossen, als sie, so voller Unschuld, so voller blinder töchterlicher Sehnsucht, an jedem Wort und jedem Zwischenraum zwischen den Worten hing.", schreibt Thomas Pynchon auf Seite 127. Ich gestehe, daβ mir der Autor bis vor zwei Monaten unbekannt war. Der Name Prairie nicht.

Den hatte ich in Tom Geddis Roman Coahuila schon registriert und konnte damit nicht viel anfangen, weil Geddis ihn schlicht als Frauenname erwähnte. Nun, nach der Lektüre von Vineland, schwant mir, auf wen Geddis anspielte. In der Wissenschaft nennt man das etwas abschätzig Name-dropping, in der Literatur betrachtet man es je nach voran- oder hintangestelltem Adverb oder Adjektiv eher als Ehrerbietung.

Vineland, um zum Thema zu kommen, ist ein Roman in flotter Schreibe, der mir keine Pause gegönnt hat. Ich habe ihn binnen zwei Tagen durchgelesen. Danach setzte ich mich an den PC und verfaβte eine Rezension. Zwei Stunden später zeigte ich sie meiner Frau und bat sie um ein Urteil. "Vergiβ es!", killte sie sie. "Das ist eine der dämlichsten Rezensionen, die ich je gelesen habe. Weshalb erzählst du die Geschichte? Schreib doch lieber, weshalb dir das Buch gefällt. Bei Filmen machst du das doch auch."

Im Prinzip hatte sie recht. Bei Filmen kein Problem. Aber Buch... ? Ich verwarf die Rezension und war mir danach nicht mehr sicher, ob mir Vineland gefallen hatte. Sicher war ich mir nur um drei Dinge: Daβ meine geliebte Gattin mich ob meiner Rezension hart an die Kandarre genommen hatte zu einem Autor, von dem ich - wie gesagt - zuvor nichts gelesen hatte; daβ ich den Roman um der Sprache Willen genossen hatte; und daβ ich keine Lust hatte, Bettverbot zu bekommen. Eine derartige private Erfahrung mögen auch andere Leser mit Vineland machen. Vineland hat mir - um aus dem Bauch heraus zu sprechen - gut gefallen.

 

Hubertus Molln zu Die Versteigerung von No. 49

Der unaufhaltsame Niedergang des Imperialismus wird im knappen Vorwort dieser Ausgabe des von Westdeutschland inzwischen territorial eingemeindeten, ehemals in der DDR beheimateten Verlags Volk und Welt in der Reihe Spektrum, Nummer 206, proklamiert. Fraglich, was genau dieser Deutung zugrundelag. The Crying of Lot 49, so der Originaltitel dieses Romans aus dem Jahr 1966, ist fürwahr, gemessen an der Zeit, in der er geschrieben wurde, ein provokatives Stück Literatur, nicht nur im Hinblick auf die vor dem Mauerfall existierende Epoche. Im Nachwort von Eva Manske kommt dies sogar noch mehr zum Tragen als in dem knapp 200seitigen Taschenbuch. Vergleicht man die westdeutsche Ausgabe mit der ostdeutschen, so beiβen sie sich textlich nicht.
Thomas Pynchon, Die Versteigerung von Nr. 49, Ostdeutsche Ausgabe

Der Interpretation Manskes kann ich allerdings auch heute noch nicht viel abgewinnen. Zwar anerkennt sie, Pynchon sei ein "anspruchsvoller Schriftsteller" und stellt ihn in eine Reihe mit Kurt Vonnegut, Robert Coover, Jorge Luis Borges oder Gabriel García Márquez, versäumt es aber, in ihrer Interpretation un-klassenkämpferisch zu bleiben.

In Nachbetrachtung lag sie damit richtig. Nr. 49 ist eine krasse, auch ironische schriftstellerische Leistung gegen das kapitalistische Establishment. Um das herauszulesen, muβ man nicht in der ehemaligen DDR angekettet gewesen sein. Oedipa Maas, die virile, offenherzige Protagonistin des Romans, die sich auch mit Tupperware-Veranstaltungen über Wasser hält - wie gesagt: auch -, mischt die Szene, in der sie sich befindet, auf. Wow! Oedipa ist cool. Und sie ist geradeheraus (EN: straight) und dem Anarchistentum nicht abgeneigt.

Untergrundpost? Aber klar! Apokalypitische Heimkehrung? Well done. Was geht morgen ab? D.E.A.T.H. Auch in Ordnung. Der Roman, immerhin schon uralt und doch ewig lebend und lebendig, ist im besten Sinne des Wortes anarchistisch. Genauso ist er groβe Literatur. Das hatte Eva Manske trotz aller kulturministeriellen Zensur in der untergegangenen DDR wohlwollend erkannt.

© GeoWis nebst Autoren (2006-12-18; 19:23:53)

© Fotos/Abbildungen: Umschlagfotos der Verlags-Ausgaben

Zu Teil 2 >>

Informationen zu den hier abgebildeten Ausgaben: Thomas Pynchon, V. (© 1961 u. 1963), Deutsches © Karl Rauch Verlag, Düsseldorf; das neue buch, Rowohlt Taschenbuch-Verlag, 1976; Thomas Pynchon, Die Versteigerung von No. 49 (The Crying of Lot 49), Thomas Pynchon (© 1965 u. 1966); Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1973; Lizenzausausgabe Verlag Volk und Welt, Berlin (Ost), 1985; Thomas Pynchon, Slow Learner (© 1984; Stories: 1959-1964), Little, Brown and Company, Deutsch: Spätzünder, Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1985/1994; Thomas Pynchon, Vineland (© 1990), Deutsches © Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1993.

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