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Demographie: Que sera, sera. The future's not ours to see. Die BBR-Bevölkerungsprognose in Konfrontation mit der Realität. Von Hansjörg Bucher und Claus Schlömer

Stefan Z. Dmochowski - The Olowo of Owo

Klaus von Bröckel - Djibouti: 18. März 1987

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Feng, Hao/Uwe Goerlitz: Der chinesische Traum (1)
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Der chinesische Traum (1)

Nach gelungenem take-off befindet sich China seit Beginn des 21. Jahrhunderts auf einem Flug um den Globus. GeoWis bringt eine Einschätzung des 'Chinesischen Traums' in drei Teilen

Von Hao Feng und Uwe Goerlitz (2007-01-15)

Das zuverlässige China zeigt sich im Kleinen, wenn Postzustellerin Luo Xiying in den Bergen der Provinz Jiangxi in akurrat sitzender grauer Uniform mit dem Fahrrad unterwegs ist, um zu den Adressaten zu gelangen. So wie sie sind täglich tausende Zusteller in unwirtlichem Gelände unterwegs. Luo Xiying meistert einen Fluss (2006)getreu Deng Xiaopings MethapherFrau Luo hat in den vergangenen elf Jahren gut 180.000 Kilometer mit dem Fahrrad zurückgelegt, wie die Nachrichtenagentur Xinhua kürzlich berichtete, und ist stolz darauf, niemals zu spät gekommen zu sein oder je etwas verloren zu haben. Frau Luo trägt Verantwortung an der Basis. Sie kennt ihren Zustellungsbezirk, der sich in seinen Flächenmaβen dem einer deutschen Groβstadt wie Essen oder Stuttgart nähert.

So wie Frau Luo denkt nicht jeder Chinese. Schon gar nicht, wenn er als Unternehmer oder Kader etwas zu sagen hat. Die Justiz greift inzwischen drastisch durch, wenn wieder einmal ein Kommunal-, Regional- oder Provinzfürst die Hand zu weit offen gehalten hat. So wurde letzte Woche der ehemalige Vize-Governeur und stellvertrende KP-Chef der armen Provinz Anhui, Wang Zhaoyao (62) zum Tode verurteilt, weil er in den vergangenen 14 Jahren sieben Millionen Yuan (ca. 700.000 Euro) an Schmiergeldern kassiert habe, wie die Zeitung Procuratorial Daily letzten Samstag schrieb. Innerhalb der kommenden zwei Jahre kann er mit begründeten Einlassungen darauf hinwirken, dass daraus lebenslange Haft wird.

Seit dem Amtsantritt Hu Jintaos ist es nicht wenigen Kadern im bevölkerungsreichsten und drittgröβten Land der Erde so oder ähnlich ergangen. Doch im Unterschied zu den Schauprozessen und den zur öffentlichen Demütigung freigegebenen Straftätern unter der Kuomintang und unter Mao, wo tausende jeweils politisch Andersdenke enthauptet oder stranguliert wurden, eruiert die Justiz die Sachverhalte inzwischen vermehrt unabhängig von der politischen Einstellung der Angeklagten.

Lohn nach gewonnenem Prozess (2006)Das zeigt sich auch daran, dass selbst Wanderarbeiter, die über Jahrzehnte herumgeschubste und rechtlose Gruppe marginalisierter Bevölkerungsschichten, zu ihrem Recht kommen - wenn sie sich wagen, es in Anspruch zu nehmen und die Dauer bis zur Entscheidung durchzuhalten. Prozessgewinner (Hangzhou) mit 100-Yuan-ScheinenIn Hangzhou, Hauptstadt der Provinz Zhejiang, siegten Arbeiter vor Gericht, nachdem ihnen ihr Chef mehr als zwei Jahre lang den Lohn schuldig geblieben war. Die Auszahlungsstelle wurde nach Verkündung des Urteils kurzerhand ins Gerichtsgebäude verlagert.

Anderswo, etwa im aus westlicher Perspektive verstandenen neuen El Dorado Chongqing, der mal mit vier, mal mit sieben oder neun, und von es sich einfach machenden Buch-Geographen mit 30 Millionen Einwohnern bezifferten, ehemals zur Provinz Sichuan gehörenden Metropole in der gewaltigen Yangtze-Kurve, nimmt man sich schon mal Zeit, den Lohnschuldner selbst ausfindig zu machen. Gesetzestreu wurde die Polizei gerufen, nachdem Arbeiter den Verbleib ihres Chefs ermittelt hatten. Die Karosse des unternehmerischen Ganoven wurde von der Polizei konfisziert und das Pfandgut - in diesem Fall ein Mittelklasse-BMW - sodann in Wechselschicht von Lohngläubigern bewacht, wie die Chongqing Times berichtete.Aufschrift auf der Motorhaube des BMWs:

Kleine, doch für die Marginalisierten wichtige Erfolge im Kampf um ihre Rechte. Auch wenn geglaubt wird, gerade unter den vom Land in die Städte Migrierenden herrschte überproportional viel Analphabetismus - was partiell stimmen mag -, so funktioniert der Flurfunk. Mindestens einer kann eine Zeitung lesen und trägt die Neuigkeiten und gewonnenen Erkenntnisse weiter.

Wie rigoros chinesische Behörden gegen Korruption inzwischen vorgehen - nicht stets kommt es zu derart drastischen Urteilen wie im Fall Wang -, lässt sich auch daran ablesen, dass illegal errichtete Wohn- oder Bürogebäude kurzerhand niedergerissen werden. Illegales Bauen lohnt in China nichtIm Riesenreich glauben noch so manche Kader und Platzhirsche, Beijing sei weit weg - und werden recht schnell eines besseren belehrt.

Wenig Verständnis zeigt Beijing auch, wenn Umweltsünder es allzu weit treiben oder Bodenschätze illegal abgebaut werden. Zum einen sind dies krasse Verstöβe gegen die kommunistische Basisdoktrin, zum anderen widersprechen Illegalitäten dieses Ausmaβes volkswirtschaftlicher Sinnhaftigkeit und schaden zudem dem Ruf der chinesischen KP.

Und nicht nur diesem. Zwar wird der Osten Chinas ob seiner marktwirtschaftlichen Dynamik in westlichen Industrieländern inzwischen nicht mehr nur registriert, sondern von entspannten Gemütern auch mit Erstaunen hinsichtlich investorischer Chancen mehr als wohlwollend zur auβerordentlichen Kenntnis genommen, von weniger entspannten sogar erregt bewundert, längst auch in Deutschland, indes fehlt der emotionale Zugang der Westler zum Reich der Mitte.

Mit Kinderaugen war schon die mit dem ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder zu Transrapid-Zeiten nach China gekommene deutsche Entourage in Shanghai und Beijing staunend herumgeirrt. Der sichtbar gewordene Vergleich mit Berlin, Hamburg, München, Köln oder Düsseldorf sollte Erkenntnisgewinn pur gewesen sein. Doch verkennen viele bundesdeutsche Vorstandsvorsitzende noch, dass Business in China weit mehr bedeutet als Produktionsstätten dorthin zu verlagern und Profite mit nach Hause zu nehmen.

Zwei WeltenEs geht dem Land um mehr. Es geht um Entwicklung. Es scheint, als verblende das westliche Machogehabe den Sinn für das Gegebene. Als sei China noch eine Jungfrau, die man mit althergebrachten, eingeübten Floskeln bezirzen könne. Weit gefehlt wohl. Meta-historisch und -philosophisch lieβe sich das Phänomen des feuerspeienden Drachen sicherlich leicht zerreden. Fakt jedoch ist China heute.

Ein konstantes Wirtschaftswachstum von mehr als neun Prozent in den vergangenen sieben Jahren ist keine Schimäre, sondern Realität - und teils mit Erstaunen, teils als Bedrohung aufgenommen worden. Mit allem, was dazugehört. Dennoch kann es nicht darüber hinwegtäuschen, dass im Land der historisch verbrieften Kardinalerfindungen noch viele Dinge im Argen liegen. So wurde illegal und professionell Kohle in Xianghualing in der Region Taiyüan abgebaut. Derartige Machenschaften gibt es zwar auch in anderen Ländern, nur reichen dort noch Dollarpakete aus, diese laufen zu lassen. In China, das von manchen noch unbilligerweise als Rot-China oder gar als Rotchina AG beichnet wird, schwindet diese Option rasant.

Durchschnittlich 13 Tote Bergleute pro Tag, mehr als 4700 in 2006, wie die Zeitung China Daily berichtete, gilt es denn auch statistisch zu reduzieren. Eines der schwersten unter den vielen Bergbau-Desastern fand im Mai letzten Jahres in Otog Banner in der Autonomen Republik Innere Mongolei statt. 18 Tote in Otog Banner, Ordos, Innere Mongolei18 Tote waren zu beklagen. Diesen - kollektiven - Preis für den Fortschritt haben bisher alle heute wirtschaftlich gut dastehenden Nationen bezahlt.

Komparation sei demnach durchaus angebracht. In Deutschland war es Lengede Anfang der 1960er Jahre; in den USA fanden in den vergangenen Jahrzehnten mehrere Bergwerksunglücke vor allem im Bundesstaat Pennsylvania statt; Japan, Südafrika, Südkorea haben Bergmannswitwen zu verzeichnen.

Chinas mit dem Turbo im Hintern nachzuholende Entwicklung macht vielen Angst, am wenigsten aber den Chinesen. Das Bild, das bisher im politischen Westen vermittelt wird, bedarf durchaus der Differenzierung. Postzustellerin Luo XiyangEs gibt das hypermoderne China, allgegenwärtig in den Metropolen, wo kaum eine Weltmarke nicht plakatiert oder ihre Produkte anbietet, wo junge Chinesen stets das state-of-the-art-Handy am Ohr haben und schicke, teure Markenkleidung am Körper tragen; und es gibt das geographisch westliche China, in das niemand mehr als China selbst investiert, um es zu entwickeln. Es gibt aber auch Menschen wie Frau Luo, eine Konstante, ohne die es jedes Land schwer hätte, zu funktionieren. Am Ende ihres Tagwerks erreicht sie ihre Empfänger.

© Hao Feng und Uwe Goerlitz

© GeoWis (2007-01-15)

© Fotos: Xinhua; Zhao Huo/Chongqing Times; Inner Mongolia Morning News; Gu Wei/Modern Express

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