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Feng, Hao/Uwe Goerlitz: Der chinesische Traum (3)
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Der chinesische Traum (3)

Im letzten Teil unserer Mini-Serie stehen die jüngste Provinz Chinas - die Insel Hainan - und eine Bergregion in Südchina im Mittelpunkt.

Von Hao Feng und Uwe Goerlitz (2007-02-03)

Philippinische Chanseusen, russische Köche, internationales Flair und rund zwölf Millionen chinesische und eine knappe Million ausländischer Touristen tummeln sich auf Hainan, Chinas Perle im Südchinesischen Meer. Etwa so groβ wie Nordrhein-Westfalen, aber mit nur knapp halb so vielen Einwohnern und nur wenig mehr als drei Flugstunden von Beijing (zwei von Shanghai, eine von Hong Kong) ist das Eiland, das 1988 von der Administration Guangdongs abgekoppelt und chinesische Provinz mit Sonderwirtschaftsstatus wurde, das beliebteste Touristenziel der Chinesen.

Hainan, Yalong Bai, ChinaWährend Kreti und Pleti noch immer mit Billigfliegern auf die Balearen, auf die Dominikanische Republik oder ins mexikanische Cancún fliegen und sich im Zweifel über eine Kakerlake im Zimmer mit Entschädigungsansprüchen gegenüber dem Reiseveranstalter tragen, entdecken andere Europäer zunehmend Hainan Dao, an vorderster Front die Franzosen. Balearen, Karibik und Quintana Roo sind mega-out.

Hainan, das ehemalige Exil von Chiang Kai-Shek, der gegen Mao kämpfte und später auf Chinas gröβte Insel Taiwan Dao floh, ist in. Vor allem Sibirer haben die Insel bereits vor mehreren Jahren entdeckt. Sechs Stunden Flug sind es von Chabarowsk bis Sanya, der an der Südspitze der Insel gelegenen zweitgröβten Stadt, in der sich inzwischen bald 600.000 Chinesen niedergelassen haben. Von Sanyas Flughafen dauert es im Auto weniger als eine Stunde bis in die Hotels und Resorts, die - so sie mindestens vier Sterne haben - unweit einladender weiβsandiger Strände liegen.

'End of the Ocean' und 'End of the Earth' in TianjahaijiaoZwischen 2002 und 2005 fanden auf der Insel, in Yalong Bay, unter groβer Begeisterung von urlaubenden Chinesen die Endausscheidungen zur Miss World statt. Regelmäβig werden in den besten Häusern am Platz Meetings und Konferenzen abgehalten, etwa zwischen der Citibank und der China Construction Bank.

Chinesische Unternehmen, die auf sich halten, treffen sich nicht ungern mit ihren ausländischen Geschäftspartnern auf der Insel. Auch Incentives - Belohnungen - für verdienstvolle Mitarbeiter oder Unternehmensabteilungen werden gern mit einem 7-Tage-Trip nach Hainan gewürdigt. Gemeinsames Plantschen im groβzügig angelegten Pool, der selten tiefer als 1,5 Meter ist - viele Chinesen können nicht schwimmen -, gehört dazu.

Ganz gleich ob von Unternehmen oder aus eigener Tasche bezahlt, sind Besuche der touristischen Highlights für die aus allen Teilen Chinas Kommenden obligatorisch. Ausländische Touristen sind willkommen, vor allem russische, aber den meisten Umsatz bringen Chinesen.

Citibank-CCB-Meeting, Golden Palm, HainanYao, 24, der als Chauffeur und Touristenführer für Hotels arbeitet, auch für jene mit ein oder zwei Sternen bedachten, ist vor fünf Jahren aus einem Dorf bei Harbin, Provinz Heilongjiang, nach Hainan gekommen. Er chauffiert in seinem schwarzen, stark abgenutzten VW-Jetta Touristen bei Bedarf über die ganze Insel. Gegen die Limousinendienste, die Wirtschaftsführern zur Verfügung stehen, kommt er mit seiner Knatterkiste nicht an. Es stört ihn wenig. Die Dinge sind nun mal so. Er komme zurecht. Yao wohnt nicht in Yalong Bay. Wohnungen gibt es dort nicht. Er wohnt in einem unfertigen Neubaugebiet Sanyas.

In seiner dreizimmrigen 80-qm-Wohnung steht in einem Zimmer ein Kühlschrank, in einem anderen liegt eine Matratze auf dem Boden, darüber an der Wand ist die Nationalflagge mit Reiβzwecken befestigt. Im dritten Zimmer steht ein Plastiktisch, um ihn zwei Plastikstühle, in einer Ecke ein durchgesessenes Zweisitzersofa. Sämtliche Wände der Wohnung sind schwach in Hellblau gekälkt. Auf dem Balkon steht ein Klappstuhl aus Holz und eine durstige Topfpalme.

Wintersmog in Harbin. Foto: newsphotoWeshalb er seine Provinz verlassen habe und nach Sanya gekommen sei, fragen wir ihn. In Heilongjiang sei es ihm im Sommer zu trocken und im Winter zu kalt. Hainan Dao sei genau das Richtige, 30 Grad im Dezember. In Heilongjiang seien es minus 20 oder 30. Demnächst wolle er seine Freundin nachholen und sie heiraten, doch erst müsse er sparen. Viel Trinkgeld bekomme er nicht, sagt er nach einigem Zögern auf Nachfrage. Meistens chauffiere er ja Landsleute, die ihm zwar von anderen Regionen Chinas erzählten, aber kaum Trinkgeld gäben. Das sei normal. Russen und Amerikaner seien groβzügiger. An der Welt auβerhalb von Zhongguo, wie das Riesenreich auf Mandarin heiβt, sei er auch interessiert, weshalb er sich bald einen Fernseher kaufen werde.

Hainan hat viel zu bieten. Das hat auch der deutsche Touristiker TUI vor Jahren bemerkt und mit der staatlichen chinesischen Touristikagentur in Shanghai im Jahr 2002 einen Vertrag abgeschlossen. Warum auch nicht? Man muss ja nicht alles den Russen oder Australiern überlassen, die in Konsortien mit anderen, etwa Franzosen, in die Infrastruktur investieren, zum Beispiel in Energieanlagen, Offshore-Gasförderung, Telekommunikation.

Touristisches Entwicklungsprojekt bei Tianya (2002)Die meisten Investitionen werden jedoch von Chinesen vorgenommen. Vor allem, wenn es um Tourismus geht. Zugute kommt Investoren, dass die neun Städte und zehn Landkreise weitgehend autonom Entscheidungen treffen können. Aus Haikou, der Hauptstadt mit gut drei Millionen Einwohnern, kommen wenig Einwände, solange sich an Vorgaben und Gesetze gehalten wird.

In den als spezielle Entwicklungszonen definierten Gebieten, etwa der Yangpu Economic Development Zone, werden Investoren Steuervorteile gewährt, wenn sie ihre Produkte in Hainan absetzen. So können Mehrwert- und Gewerbesteuer beispielsweise zu reduzierten Sätzen erhoben werden oder entfallen.

Pfeffer-Plantage, Hainan. Foto: IOHPPGNeben 344 Vogel- und 516 weiteren Tierarten, darunter Schwarzkragen-Gibbon, Wasserhirsch, Schwarzbär und eine Leopardenart, sind auch 77 Reptilienspezies auf Hainan heimisch. Pfeffer, Tee, Kaffee, Kakao, Cashew- und Kokosnüsse, tropische Früchte, Gummibaum und Ginseng werden in Plantagen angebaut.

Von den gut 2000 Kräuterpflanzen haben ein Viertel pharmakologischen Nutzwert. 137 werden laut Publikationen der Provinzregierung für die Krebsheilkunde verwendet. Auf 25.000 Hektar werden Hummer, Schellfisch und 20 weitere Fisch- und Krabbenarten gezüchtet, und knapp 300.000 Tonnen Rohsalz bringen die natürlichen Salzpfannen pro Jahr.

Blick auf den Strand von Tianya, HainanNeben den vorwiegend weiβen Sandstränden entlang der 1530 Kilometer Küstenlinie locken im Süden die Ausflugsziele Luhuitou, die Luobi-Höhlenanlage, das buddhistische Tempel- und mit Öko-Auszeichnungen bedachte Gartenareal Nanshan, die von der See glatt und rund geschliffenen Felsbrocken Tianyahaijiao bei Tianya oder die Mini-Eilande Ximaozhou und Dongmaozhou. Zu den Inselchen wird zum kollektiven Tauchen mit dem Motorboot übergesetzt.

Im Südosten ist die Affeninsel Nanwen beliebtes Ziel und im Osten die Felsformation Dongshanling. Weiter oben, bei Qinglan, liegt der Kokosnusswald, und dazwischen finden sich mehrere Golfparcours, die europäischen und amerikanischen in nichts nachstehen. Exklusivmitgliedschaften kosten schon mal 100.000 Yuan (ca. 10.000 Euro) und mehr. Locker das 200-Fache des Lohns einer Sweatshop-Näherin, wie es etwa in Micha Peleds Film China Blue dokumentiert ist.

Golden Palm Resort, Hainan

Abseits der Küste, am Wanquan-Fluss bei Qionghai, vergnügt man sich in den Heiβwasserquellen von Guantang oder in einem der Parks. Übernachtet wird im Gold Hibiscus (4*) oder Boao Golden Coast (5*). Tiefer im Landesinnern reizt das meistens von Nebel umgebene Wuzhi-Gebirge, dessen Gipfel der Wuzhi mit 1867 Metern bildet.

Im Innern Hainans. Foto: IOHPPGDas Auge des Betrachters fällt hingegen auch auf die ärmlichen Verhältnisse der Landbevölkerung, die meistenteils im Agrarsektor tätig ist. Im Innern der Insel ist von der Dominanz der Han-Chinesen, die 85 Prozent der Gesamt-Bevölkerung stellen, nicht viel zu sehen. Stattdessen begegnet man den eher scheuen ethnischen Minderheiten, von denen es 36 gibt, wobei die Li mit 14 Prozent die gröβte ist. Wie auch Miao und Hui, partizipieren die Li nur bedingt am Wohlstand der Insel.

Mitunter herrschen auch massive Verständigungsprobleme mit den Dialekten der Han, die Linggao-, Jun-, Danzhou-, Ya- oder Danjia-gefärbt sind, während seitens der Minderheiten, Huihui, Li oder Miao gesprochen wird. Ressentiments gegenüber den Hui erschweren ihnen den Zugang zum Aufstieg. Die Hui sind Muslime.

So wird ein Teil des Chinesischen Traums - Wohlstand, soziale Absicherung, Familie, geringstmögliche Abhängigkeit von Ausländern, Leben im Einklang mit den Verhältnissen - auch in absehbarer Zeit nicht für jeden Wirklichkeit werden.

Die Last des Alltags. Foto aus: The Folcloric Heritage of DongzugulouVöllig anders stellt sich das Leben im mittig zwischen den Provinzen Yunnan, Sichuan, Chongqing, Hunan und Guangxi gelegenen Guizhou dar. Die Provinz, knapp halb so groβ wie Deutschland, mit rund 40 Millionen Einwohnern, hat viele touristische Spots, ist aber abseits der Hauptstadt Guiyang und der Groβstädte Zunyi, Liupanshui oder Anshun ländlich geprägt und vielerorts rückständig. Der Tag dort beginnt mit dem Hahnenschrei und endet bei Sonnenuntergang, zu allen Jahreszeiten.

Wie viele Provinzen ist auch Guizhou polyethnisch. Miao, Buyi, Dong, Tujia, Yi, Gelao, Hui, Bai, Shui bevölkern die Dörfer und ruralen Regionen, während in der Hauptstadt Han den Ton angeben. Abseits der Städte und touristischen hervorgehobenen Ziele, im Provinzgrenzendreieck Guizhou, Hunan und Guangxi, pflegen die Bewohner einiger Bergregionen eine Tradition, die es kaum sonst in China gibt. Seit Jahrhunderten setzen sie konsequent auf Holzarchitektur.

Manzhouli, Beijing, Shanghai, Hainan scheinen von ihnen aus etwa so weit entfernt zu liegen wie der Mond. Hotels gibt es nicht. Zeltplätze oder anderweitige Möglichkeiten zum Übernachten: Fehlanzeige. Wer sich überhaupt in die Regionen vorwagt, sollte Schlafsack und Zelt im Rucksack haben, um wild zu kampieren; wer dies nicht vorhat, muss auf die Gastfreundschaft der Leute hoffen, die prinzipiell gegeben ist. Gastgeschenke mitzubringen, entspricht der Höflichkeit und zeugt von Respekt.

Minju, Giuzhou. Foto aus: The Folkloric Heritage of DongzugulouFest- oder Handynetz? Nichts zu machen. Strom? In manchen Dörfern. Gas, um kochen zu können? Kommt vor. Trotz vieler Entbehrungen, von denen nicht selten viele Einwohner gar nicht realisieren, dass es Entbehrungen sind, herrscht Eintracht und wird sorgsam darauf geachtet, dass die Regeln eingehalten werden, das Wort der Alten beachtet und gewürdigt und die Tradition beibehalten wird. Dazu gehören allererst Bau- und Wohnweise. Anders als in vielen Regionen Chinas üblich, vor allem in den südlichen, wo Bambus ein verlässliches Bau- und Konstruktionsmaterial ist, wird Hartholz benutzt.

Offene, für gute Durchlüftung sorgende Bauweisen und arbeitsaufwendige Ornamentierungen sind Standard. Unvorstellbar, dass jemand auf die Idee käme, etwas anderes, zum Beispiel den Bau von gemauerten Häusern, auch nur vorzuschlagen.

Ob in Shanghai der Transrapid mit 400 Kilometern pro Stunde schwebt oder nicht funktioniert, ist in dieser Gegend nicht relevant. Was ist ein Transrapid? Ob das chinesische Wirtschaftswachstum im Jahr 2006 im Mittel bald zehn Prozent aufweist, ist ebenso uninteressant. Was ist ein Wirtschaftswachstum? Oder ob in Deutschland im Zuge von Anti-Terror-Maβnahmen Politiker in die Bredouille geraten, interessiert nicht. Wo liegt Deutschland? Was ist Anti-Terror? Wichtig ist, ob die Ernte rechtzeitig eingebracht werden kann und dass der Reis nicht anfault. Letzteres wäre fatal. Insofern macht die Bauweise Sinn.

Typische Ornamentierung: Foto aus: The Folkloric Heritage of DongzulugouWie auch das Geerdete. Zwar verlassen auch aus den ländlichen Regionen Guizhous vor allem junge Frauen ihre Familien, um sich in den Industriezentren Südchinas als Akkordschufter zu verdingen, in der Hoffnung auf ein einkommensreicheres Dasein und in der Absicht, ihren Familien ein paar hundert Yuan schicken zu können, doch bleiben auch einige dort, wo sie geboren sind. Eindemographisches Ausbluten, das den Niedergang der Gemeinschaft zur Folge hätte, wird dadurch einstweilen verhindert.

Was der Boden hergibt und wie gut es gedeiht, steht unter dem Wohlwollen Buddhas. Wenn von den Bergen das Wasser jahreszeitlich bedingt in hohem Maβe abflieβt und durch die Siedlungen schieβt, ist das rein rational betrachtet vielleicht erhöhter Gletscherschmelze und vermehrtem Regen zuzuschreiben, aber nicht zu ändern. Weshalb damit umgegangen werden muss.

Also baut man seit Jahrhunderten die Häuser an den Abflusswegen nur so dicht aneinander, dass das Wasser, das aus den im Schnitt 2000 Meter hohen Leigong-, Jiuwan Da- und Xuefeng-Bergen kommt, sie nicht mitreiβen kann. Foto aus: The Folkloric Heritage of DongzugulouDenn den Weg des Wassers könne man nicht aufhalten, wie ein Dorfvorsteher, Lin, sagt.

Was karg und einfach aussieht, ist kluge, an die Umgebungsverhältnisse angepasste funktionale Bauweise, die ihren Zweck erfüllt. Doch die mitunter drastischen Witterungsverhältnisse nagen auch am härtesten Holz, decken Dächer ab oder schwemmen Ackerkrume fort. So manche der mit viel Mühe geschnitzen Figuren an den fächerartig spitz nach oben verlaufenden Dächern der Gulous, den Holztempeln, von denen es in jedem Dorf mindestens einen gibt, muss dann erneuert werden.

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© Hao Feng und Uwe Goerlitz

© GeoWis (2007-02-03)

© Fotos: GeoWis; Information Office Hainan; Guizhou Culture Department

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