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Portrait: Vanessa Bauche - Die starke, mutige Mexikanerin


Portrait: Vanessa Bauche - Die starke, mutige Mexikanerin
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Die starke, mutige Mexikanerin

Aus der einstigen Telenovela-Aktress Vanessa Bauche ist schon lange eine engagierte Schauspielerin, Produzentin und Regisseurin geworden.

Von Tom Geddis (2007-02-19)

In deutschen Kinos war sie vor neun Jahren in einer kleinen Rolle in The Mask of Zorro (1998) als junge Indianerin zu sehen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sie in unzähligen mexikanischen Fernsehproduktionen gespielt. 1991 kam das Kino. Im Kurzfilm La Flor Negra (Die schwarze Blume) hatte sie ihre erste Hauptrolle auf Zelluloid. Seitdem ziehen sich dramaturgisch anspruchsvolle Figuren wie ein roter Faden durch ihre Filmkarriere.

Alma Vanessa BaucheKaum eine Schauspielerin ihrer Generation hat das mexikanische Kino seit den vergangenen zehn Jahren mehr geprägt als Vanessa Bauche, Absolventin der Schauspielschule Centro de Educación Artística in Mexico City, wo sie auch Regie und Schnitt gelernt hat. Der Grund ist recht einfach: Bauche dreht vorzugsweise in Mexiko mit mexikanischen Regisseuren. Sanfte Seitenhiebe auf international bekannte Landsleute aus der Branche verkneift sie sich daher nicht.

So sagte sie über Regisseur Alfonso Cuarón (Y Tu Mamá También/Lust For Life/Und Deine Mutter auch), der habe seit mehr als zehn Jahren nicht mehr in Mexiko gelebt. Damit spielte sie darauf an, dass sich in Mexiko die Filmindustrie nicht nachhaltig entwickeln kann, wenn sich im Ausland erfolgreiche Filmschaffende nicht aufs Heimatland besinnen.

Auch Alejandro González Iñárritu, in dessen Film Amores Perros (2000) sie sich als Susana von Schauspielerkollege und Berlinale-2007-Jury-Mitglied Gael García Bernal auf die Schnelle flachlegen lassen musste, bekommt sein Fett weg. Amores Perros sei der einzige Film, den er in Mexiko gedreht habe. Und selbst zu Bernal, neben Benicio del Toro (Puertoricaner) und Diego Luna mexikanischer Superstar, hat sie ein Statement: er komme ja jetzt wieder nach Mexiko.

DVD-Cover 'Amores Perros'Mit Amores Perros wurde sie auch in Deutschland einem breiteren Publikum bekannt, doch zuvor hatte sie starke Rollen als Magda in Un Embrujo (1998; Ein Zauber), als Flor in El Batallón de San Patricio (1999), in der US-Produktion Un Dulce Olor a Muerte (1999; Der süβe Duft des Todes) oder in Un Ojo al Gato y Otro al Garabato (2000; Ein Blick auf den Kater, ein anderer auf den Haken).

Schon bevor das Kino sie entdeckte, war Bauche erfolgreich, weshalb sie sich zunehmend aussuchen konnte, worin sie mitspielte. Ihren Ausflügen ins Hollywood-Kino folgten stets mexikanische Produktionen. Anders als etwa ihre aus Coatzacoalcos stammende Kollegin Salma Hayek hat Bauche bisher jedoch kein Interesse gehabt, in den USA ihren Lebensmittelpunkt zu sehen.

Und ebenfalls anders als die dralle Hayek, die hauptsächlich ihre Oberweite zu Markte trägt und bis auf wenige Ausnahmen (z. B. Frida, 2001) Mexiko, mexikanische Themen und mexikanische Probleme von auβerhalb des Landes zu betrachten scheint, nimmt Bauche diese von innen auf. Sie ist näher dran, schlieβlich lebt sie in Mexiko.

Vanessa Bauche in 'Piedras Verdes'Zwar gab es auch leichte Flops, etwa Piedras Verdes (2001; Grüne Steine), ein Drama, aber die Highlights überwiegen. Bei La Historia de la Historia que no se dejó contar (2001; etwa: Die Geschichte der Geschichte, die nicht erlaubt wird, sie zu erzählen), ein Kurzfilm, in dem eine Gruppe Jugendlicher nach Acapulco reist und Unvorhergesehenes erlebt, tritt Bauche als Produzentin auf. In De La Calle (2001), der die Welt mexikanischer Straβenkinder beleuchtet, überzeugt sie als Amparo.

Danach folgten weitere respektable Rollen in TV-Dramen, dann wieder Film, etwa Amor Silencioso (2004; A Silent Love) und Al Otro Lado (2004; Auf der anderen Seite). Letzterer, der die Süd-Nord-Immigration zum Thema hat, wurde 2006 mit dem Preis der Jury des Lateinamerika Filmfestivals Bremen ausgezeichnet. Und immer wieder Kurzfilme.

Vanessa/Vanesa Bauche in 'Silent Love'Mit Femicidio, hecho en México (2003; etwa: Frauenmord, produziert in Mexiko), ihrem sechsten Film als Regie-Chefin, fand sie landesweit enorme Beachtung, griff sie doch ein Thema auf, das seit den 1970er Jahren in Mexiko evident ist.

Es ist ein wichtiger Film, der allerdings wenig eingespielt hatte. Doch das Thema, einigermaβen vom Berlinale-2007-Beitrag Bordertown mit Jennifer Lopez gestreift, gilt Bauche keineswegs abgearbeitet. Deutlicher und mutiger als die Amerikanerin beschäftigt Bauche sich seit Jahren damit.

Vanessa Bauche ist innerhalb der mexikanischen Filmbranche gut vernetzt. Bereits 1999 gründete sie mit Gleichgesinnten die Movimiento Cultural Techo Blanco (MCTB; etwa: Kulturbewegung Weiβes Dach). Das Künstlerkollektiv produziert seitdem ausgesprochen anspruchsvolle Kurzfilm-Dramen.

Movimiento Cultural Techo Blanco-Mitglied Laura HidalgoGemeinsam mit ihren Kolleginnen Carmen Huete, Hilda Nájera, Laura Hidalgo, Catalina López und Laura de Ita trat sie im März 2003 im Teatro Coyoacán in Mexico City mit dem von Humberto Robles nach der Idee von Laura de Ita inszenierten Stück Mujeres de Polvo (Staubfrauen) auf, das das Verschwinden und die Ermordung von Frauen und Mädchen in Ciudad Juárez thematisiert. Das Stück ist strukturell angelehnt an Los Monóloges de la Vagina - textintensiv.

Ohne Umschweife machten die Schauspielerinnen die Drogenkartelle und korrupte Staatsdiener vom Polizisten bis zum Bürgermeister der Grenzstadt für die Morde verantwortlich. Mit dem proklamatorischen Stück trat das Ensemble auch zum Internationalen Frauentag (2003) auf Mexico Citys Zócalo auf. Mujeres de Polvo auf dem Zocalo (2003)Eines von Bauches resoluten Statements lautete denn auch, es seien nicht schlicht "Tote (Frauen) in Juárez, sondern vom Organisierten Verbrechen Ermordete".

Mut hat sie, und sie weiβ nicht nur Intellektuelle hinter sich, sondern auch einen Groβteil der mexikanischen Jugend und Benachteiligten. Die Theatervorführungen der Movimiento Cultural Techo Blanco und Mujeres de Polvo sind stets ausverkauft, für deren Kurzfilme muss Schlange gestanden werden.

Vanessa Bauche und die MCTB-Truppe haben in Mexiko ein Standing. Anders als viele berühmte und erfolgreiche Mexikaner, wie etwa der Schlagersänger Juan Gabriel, der nach wie vor verehrt wird, sich aber politischem Engagement gern entzogen hat. Gabriel, beispielsweise, erfreut sich lieber auf der Terrasse seines Anwesens oberhalb der Bucht von Acapulco.

Die'Staubfrauen', Mujeres de Polvo'Eine Herzensangelegenheit war Bauche Digna: Hasta El Último Aliento (2004; Digna - Bis zum letzten Atemzug). Vanessa Bauche verkörpert in dieser Dokumentation die im Oktober 2001 mit zwei Kugeln in Mexico Citys Ortsteil Roma ermordete (Menschenrechts-) Anwältin Digna Ochoa y Plácido. Mexiko von innen.

Das deutsche Fernsehen hatte ein Jahr nach der Ermordung in einer Dokumentation das Leben und Wirken Ochoas nachgezeichnet. Mit Digna, der 2004 auf der Berlinale gezeigt wurde, ist Bauche ein Meisterwerk an Doku-Drama gelungen. Und sie nutzt weiterhin ihre Popularität aktiv, um auf die Realität in ihrem Land hinzuweisen.

Kaum ein Film, in dem sie mitgewirkt hat oder als Produzentin oder Regisseurin auftrat, der nicht auf renommierten Festivals gezeigt wurde. Ob Berlin, Shanghai, Sundance, Valladolid, Montréal oder San Juan. Einen Oskar hat sie noch nicht, indes jede Menge andere wichtige Auszeichnungen, etwa den Ariel gleich im Dreierpack.

Vanessa/Vanesa Bauche in 'La Soledad' (Die Einsamkeit)Sie ist gefragt, sagt aber vor allem bei schwachen Drehbüchern oder aus ihrer Sicht irrelevanten Rollen gerne ab, vor allem, wenn es sich dabei um US-Produktionen handelt. Das hat sich inzwischen herumgesprochen, weshalb ihre Schauspielkunst von manchen US-Kollegen sehr geschätzt wird, etwa von Tommy Lee Jones, der sie in The Three Burials of Melquiades Estrada (2005) besetzte.

Und sie ist geschichtsbewusst, was in dem Drama Tlatelolco: Mexico 68 (2007) einmal mehr zum Ausdruck kommt. Doch die alltäglichen Dramen in Mexiko, die sich im Zwischenmenschlichen, Sozialen und Politischen abspielen, sind Bauche neben allen internationalen Erfolgen das Wichtigste.

Vanessa/Vanesa Bauch im Kurzfilm 'La Que Vuela'In Kurzfilmen und auf der Theaterbühne lebt sie sich aus, in der MCTB hat sie eine künstlerische Heimat, aus der heraus mal sie, mal Hidalgo, mal de Ita, mal Robles oder ein anderes Mitglied Regie führt oder in eine Rolle schlüpft.

Bauche bekennt sich zu Mexiko, in dem es mitunter grausam zugeht. Sie investiert viel Geld in Projekte, unterstützt eine Reihe von Nicht-Regierungsorganisationen und stellt ihr schauspielerisches Können gelegentlich auch ohne Gage zur Verfügung, wenn die filmische oder theatrische Botschaft stimmt, macht aber kein Aufheben darum.

Fragt man unter Film- oder manch fachfremden Studenten nach, was sie von ihr halten, bekommt man nicht selten die Antwort, sie sei mutig, und wichtig. Hört man sich unter weniger Gebildeten um, sind die Kernattribute "Engel", "Heldin", "Die Mutige".

Die aparte Schauspielerin scheut sich nicht, einen Underdog, eine Schlampe, eine am Rande der Gesellschaft Stehende, eine Killerin, eine Prostituierte oder eine Gedemütigte zu spielen. Film erscheint ihr mehr als die Summe von aneinandergereihten Szenen zu sein. Vor allem mehr als nur Ruhm und Reichtum zu generieren.

Vanessa/Vanesa BaucheKein Wunder also, dass die 1973 geborene Schauspielerin Kritik übt an mexikanischen Kollegen, die im Ausland mit zwar guten, aber doch eher unpolitischen Filmen erfolgreich sind.

Da bekommt das zum Film Ché vor Studenten in Berlin abgegebene Statement ihres Schauspielerkollegen aus Amores Perros, García Bernal, er habe den Film gerne gemacht, weil er mit dem Motorrad an Originalschauplätzen unterwegs sein durfte, doch eine ganz andere Bedeutung.

© Tom Geddis

© GeoWis (2007-02-19)

© Fotos: Ziggy Fratta (Zócalo); Alejandro Treviño (Laura Hidalgo); Alejandro Ramírez (La Que Vuela)

 

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