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Tourismus: Wohin geht die Reise?

Wohin geht die Reise?

Erst beutelte der Tsunami vom Dezember 2004 die Tourismusbranche, nun muss sie auf die evidenten und prognostizierten Klimaveränderungen reagieren. Den Groβen des globalen Geschäfts fällt dabei wie bereits in der Vergangenheit erneut eine Taktgeberfunktion zu. Darüber hinaus wird die Branche nicht umhinkommen, eingefahrene Strukturen auf den Prüfstand zu stellen.

Von Uwe Goerlitz (2007-05-23)

Zu Beginn des Massentourismus' und der 'Neckermannisierung' des Urlaubens standen Konservation und Nachhaltigkeit nicht zur Debatte. Hatte sich Papi samt Gattin, Kindern, Teddybär, Grill, Zelt und Luftmatratzen in den 1950ern in seine Isetta oder den DKW gequetscht und war nach Rimini, Capri oder dem Lago Maggiore aufgebrochen, wo alle die Pracht der Natur noch uneingeschränkt genieβen konnten, war das in den 1960ern, als Wohnwagen an die PKW gekoppelt wurden, objektiv schon nicht mehr so.

Benidorm, Spanien, 2004. GNUAuf einmal hatten massenhaft Deutsche und Niederländer das Reisen entdeckt. Geld dafür war auf Grund gestiegener Einkommen vorhanden. Die Veranstalter reagierten und zogen eilig Hotels an der italienischen Adria, im Golf von Genua und an der spanischen Mittelmeerküste in zweckmäβiger, rein funktionaler Architektur hoch, so genannte Bettenburgen, wie auch in Acapulco, Mexiko.

Weder hatten sich seinerzeit offenbar die Genehmigungsbehörden in den Zielgebieten tiefergehende Gedanken zu den durch die Hochhaus-Architektur entstehenden städtebaulichen Veränderungen gemacht, noch die Bauherren. Umweltschutz war ein Fremdwort, der eklektische Club of Rome noch nicht gegründet, und der erste Bericht an ihn sollte erst noch kommen¹.

Abwässer aus den kaum einen Steinwurf vom Meer entfernt errichteten Hotels wurden ungeklärt ins Meer eingeleitet, Abfälle oft irgendwo im Hinterland wild abgekippt und Service war zu jener Zeit ein Begriff, mit dem man kaum etwas anfangen konnte.

Mit den seit den 1970er Jahren entstandenen neuen Leitbildern zur Umwelt² - der Club of Rome hatte sich bereits konstituiert, erste Berichte und Studien lagen nun vor - diffundierten langsam erste Veränderungen ins Bewusstsein aller am Massentourismus Beteiligten. Überquellende Mülltonnen mochte vor allem die deutsche Kundschaft nicht mehr hinnehmen, ebenso wenig Baulärm, ungenieβbares, als Trinkwasser deklariertes Nass oder unzureichende sanitäre Anlagen.

TUI-Resort (Studie)Auch radebrechendes Deutsch oder Englisch von sich gebende Reiseleiter oder Hotelmanager begannen die auch nicht gerade flieβend die Landessprache des Urlaubsortes beherrschende westeuropäische Kundschaft zu nerven. Klagen gegen die Veranstalter häuften sich, Grundsatzurteile folgten. Die Nachfrage nach Komfort und Service zu erschwinglichen Preisen stieg.

Als in den 1980ern an den spanischen, italienischen und französischen Mittelmeerküsten Alarm ob der gesunkenen Wasserqualität gegeben worden war, setzte deutliches Umdenken bei Behörden und Reiseveranstaltern ein, vor allem, weil Massenmedien darüber berichteten.

So waren hinsichtlich des Massentourismus' recht schnell fünf Dinge zusammengekommen und nachgefragt worden, aus denen vor allem die groβen Reiseveranstalter zu lernen hatten: Qualität und Komfort der Unterkunft zu günstigen Preisen, guter Service, gut ausgebildete Reiseleitung, der städtebauliche Aspekt und die Verschmutzung der Umwelt. Allem hatten sie Rechnung zu tragen.

Auch wenn Kreti und Pleti es mitunter nicht genau zu formulieren wussten - die Tourismusindustrie reagierte. Neue Konzepte für den Massentourismus mussten her. Nicht aber irgendwelche, sondern die Zeichen der Zeit und das jeweils Landesspezifische eines touristischen Zielgebiets berücksichtigende. Eine schwierige und kostenintensive Aufgabe, aber zu bewerkstelligen, wie man heute sehen kann.

Sonnenbadende am Strand von Cancun, Quintana Roo, Mexiko, 1999. Foto: U. GoerlitzEs gab Orientierungspunkte. Was wohlhabende Reisende schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts nachfragten, zum Beispiel einladende Resorts und exzellenten Service, und auch der Club Med seit den 1950ern vormachte, griffen die Massentouristiker nun auf.

Zunächst zaghaft, dann umfassend. Architekten von touristischen Anlagen hatten neuerdings Stadt- und Landschaftsplaner, Geoökologen oder Biologen hinzuzuziehen.

Von manchen Reiβbrettprojekten, wie etwa das mexikanische Cancún eines ist - ein zwar ertragreiches, doch überholtes, hingegen die Massen noch immer anziehendes touristisches Konzept, -, nahmen vor allem die europäischen Mega-Touristiker und deren beauftragte Architekten und Planer erst intellektuellen, dann auch kreativen Abstand.

Ihre Entwürfe gingen nicht mehr nach oben, sondern in die Fläche. Rund um die Welt entstanden familiengerechte Ferienanlagen sämtlicher Preislagen. Beim Bau von Unterkünften und Resorts wurde von nun an auf das landschaftliche Gesamtbild geachtet und auf die Natur Rücksicht genommen.

Lodges im Matopo-Nationalpark, Simbabwe, 1994. Foto: Georg HeckensIm Busch stehen heute Lodges oder Haciendas unterschiedlicher Kategorien zur Verfügung, die noch in den 1970ern schier unerschwinglich für den Facharbeiter aus Hamburg oder Berlin gewesen wären.

Auch die Reisepakete zu Atollen, kleinen Inseln und dort ins seichte Wasser gebauten Unterkünften - zum Beispiel auf den Malediven - sind vorwiegend Normalverdienern geschuldet. An felsigen Küsten integrierten Investoren und Bauherren so manchen Brocken ins Resort, auf den man sich zu 'Special Offer'-Arrangements jederzeit hocken und auf die Weite des Meeres blicken kann.

Fast alle gewichtigen Player der Branche reagierten in den vergangenen Jahren auf das gestiegene Umweltbewusstsein von Reisenden. So hat etwa der TUI-Konzern vor einigen Jahren ein konzernweites Umweltmanagement-System als Längsschnittbereich eingerichtet, das laut Konzernangaben von einem Team aus Biologen, Geowissenschaftlern und Planern von Hannover aus gesteuert wird.

TUI-Zentrale in Hannover, DeutschlandAls Leitbild dient dem Hannoveraner Konzern das vor 15 Jahren auf der Umweltkonferenz von Rio de Janeiro definierte Prinzip der 'nachhaltigen Entwicklung', dem er sich verpflichtet hat. Dass dies keine modale Veranstaltung ist, lässt sich an einer Vielzahl von Projekten ablesen, die der Konzern finanziell mitunterstützt, initiiert oder komplett trägt.

Kaum eine Branche ist so abhängig von einer intakten Umwelt wie die Reisebranche. Wie ernst dieser Längsschnittbereich bei Europas gröβtem Touristiker (Konzernumsatz 2006: 14,1 Mrd. Euro) deshalb genommen wird, zeigt sich auch an dessen Umweltmonitoring.

Sämtliche TUI-Beteiligungsgesellschaften müssen laut Konzernangaben einmal pro Jahr Rechenschaft über ihre 'Umweltperformance' ablegen. Das gilt auch für die 279 eigenen Hotels, die weltweit rund 165.000 Betten bereitstellen.

La Paz, BCS, Mexiko, 1996.Aus dem Activity Report 2006 der Tour Operators Initiative, einem Zusammenschluss von rund 20 Reiseveranstaltern, darunter Studiosus, TUI, LTU, Accor (Frankreich), VASCO (Türkei) oder Premier (USA), geht - wenn auch nicht umfassend - hervor, dass die Touristiker besonders hinsichtlich umweltrelevanter Themen mit Fachleuten und Behörden in touristischen Zielgebieten kooperieren.

Unterstützung erfahren sie dabei auch vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und der UNESCO. Konservation und Nachhaltigkeit werden dabei längst groß geschrieben.

TUI sei bei Projekten, bei denen der Konzern als Investor auftrete, bereits in der Planungsphase maβgeblich dabei, um die gesetzten Standards gemäβ eigenem Umweltmanagment-System realisiert zu sehen, so der Pressechef des Konzerns, Robin Zimmermann, gegenüber GeoWis. Auch als Betreiber und vor Unterzeichnung von Verträgen mit Kooperationspartnern achte man darauf, dass dem Prinzip der Nachhaltigkeit Rechnung getragen werde.

Vorgemacht hatten es den Groβen die Kleinen, von denen manche inzwischen recht groβ sind. Etwa der Münchner Veranstalter Studiosus - gegründet von Werner Kubsch -, der jahrelang ohne ein nach auβen getragenes Umweltmanagement-System ausgekommen war, dies dann aber beispielhaft nachholte. 2006 setzte er mit mehr als 91.000 Gästen knapp 204 Millionen Euro um.

Hotel Melia Cancun, Oro., Mexiko, 1995.Von 1993 bis 2005 hatte das Unternehmen eigenen Angaben zufolge "weltweit Projekte zur Verbesserung der Lebensverhältnisse, zum Schutz der Natur und zum Erhalt des kulturellen Erbes in den Gastgeberländern" unterstützt. Insgesamt 75. Weitere 17 wurden im vergangenen Jahr bewilligt. Seit 2005 wird die Projektförderung von der Studiosus Foundation e. V. koordiniert.

Die Münchner wiederum, seit 1954 bekannt dafür, das bildungsbereite Publikum mit Kultur-, Studien- und exkursionsartigen Reisen durch die Welt zu führen, begannen mit so genannten 'taylor-made tours' nebst umweltschonendem Anspruch und lernten dabei von sich selbst und von den Besuchten.

1971 habe man Abstand davon genommen, Einheimische zu fotografieren, so Studiosus-Pressesprecher Klaus Dietsch zu GeoWis. Stattdessen habe man sich mit ihnen befasst. Anderen Veranstaltern habe man "das Land geöffnet".

Da ist was dran. Doch nicht alle Veranstalter hatten damals jene Sensibilität an den Tag gelegt, wie die Leute aus München. Die auf behutsamem Reisen basierende Linie des Unternehmens machte trotzdem Schule. Heute beschäftigt es 265 Mitarbeiter und hat eine Auszubildendenquote von 8%. 620 Reiseleiter, meist mit Hochschulabschluss oder umfangreicher Erfahrung, stehen auf seiner Payroll.

Samalayuca, Chihuahua, Mexiko, 1999.Alle aber hatten auch vom Individualtourismus gelernt, der kreativsten, wohl auch gröβten Unbekannten im Reisegeschäft, braucht ein Individualtourist doch bestenfalls Bahn, Bus oder Flugzeug, um in sein grob gerastertes Zielgebiet zu gelangen, und einen Schlafsack, ein Zelt oder ein Billighotel zum Übernachten. Vielen dieser Reisenden geht es meist um historische Eckpunkte. Oder um verborgene Gegenden und Strände, in und an denen zuvor meist nur Geodäten waren. Oder ums Abenteuer. Oder ...

Wie man in Reiseführern, oft vom Typ Lonely Planet, recht schnell nach der Entdeckung solcher remote areas nachlesen kann, kommen dann leider - aus Sicht der Indidividualisten - die Massen. Indes, es sind jene - insofern naiven - Individualisten, die die 'versteckten Spots' publik machen. Das 'Ponderosa-Prinzip' folge dann, lassen sich manche post-kolumbischen Entdecker exotischer Idyllen - in Anlehnung an den Ansturm auf die Ponderosa-Ranch der Westernserie Bonanza der 1960er und 1970er Jahre - vernehmen.

Individualtouristen, Exkursions- und Kulturbeflissene, sowie wohlhabende Reisende, wiesen jenen Veranstaltern, die hunderte oder zehntausende Beschäftigte haben, ohne es zu wollen insofern den Weg abseits der erschlossenen Strände.

Mismaloya, Puerto Vallarta, Jalisco, Mexiko, 1998. Denn nicht alle Pauschalreisenden igeln sich in den Resorts ein, sondern unternehmen Ausflüge und Exkursionen, um 'a broader vision' - eine umfassendere Sicht - von den Verhältnissen abseits der Hotelanlage zu bekommen. Das ist durchaus eine Art von Fortschritt.

Und genauso wie es kaum noch eine Region gibt - ob Wüste oder Eis -, in die nicht auch von Reiseveranstaltern organisiert gereist werden kann, gibt es in der Branche keinen Major Player mehr, der nicht umfassende Kultur- oder Exkursionsprogramme im Angebot hat.

Dabei wird in der Regel auf örtliche Veranstalter zurückgegriffen, die zuweilen auch die Dickleibigsten ins Rafting-Schlauchboot pressen oder auf Skier stellen. Was nicht immer zum Segen der Beteiligten ausgeht.

Der monströse Tsunami vom 26. Dezember 2004, der die erste globale Katastrophe der Neuzeit begründete und auf dessen Konto gut 300.000 Todesopfer und hunderttausende Verletzte gehen, entwickelte so viel Energie, dass sich unser unruhiger Planet seitdem schneller dreht, wenn auch nur im Millibereich messbar, wie die amerikanische Geological Survey (USGS) publiziert. Er bescherte dem Tourismus 2005 regional vorübergehend eine Delle, wie es sie zuvor bestenfalls nach den Terroranschlägen auf das New Yorker Welthandelszentrum gegeben hatte.

Lodges - vor Dezember 2004 - auf Baros-Atoll, MaledivenDie Malediven seien nicht so stark betroffen gewesen, so TUI-Sprecher Zimmermann. Man habe die Beschädigungen schnell repariert und inzwischen auch neue Unterkünfte hinzugebaut. Etwa auf dem Baros-Atoll, das vor dem Tsunami nur in eine Richtung ins Sediment gebaute Lodges aufwies, nun aber auch weitere "auf der anderen Seite" habe.

In anderen Regionen, etwa auf Sri Lanka, wo die Hannoveraner - wie auch anderswo - Hilfsprojekte finanzieren, oder im thailandischen Khao Lak, verschwanden die Strandhotels teils komplett von der Bildfläche. So mancher ausländische, etwa aus Deutschland stammende Unterkunftsbetreiber verlor seine Existenz, hatte den Tod seines Personals oder den von Freunden zu beklagen und besann sich dann - notgedrungen - auf seine Heimat.

So auch der Essener Joachim Bach. Dessen 40-Betten-Hotel, das er gemeinsam mit seiner amerikanischen Geschäftspartnerin betrieb, wurde vom Tsunami zerstört. Seine Partnerin und viele der 120 Mitarbeiter kamen ums Leben. Bach, der sich zum Zeitpunkt des Geschehens auf Reisen in China befand, doch "eigentlich schon zurück in Khao Lak" sein sollte, gehört heute zu den Unterstützern des von ihm mit ins Leben gerufenen Vereins Khao Lak Friends e. V., der vor Ort mit Spendengeldern Selbsthilfeprojekte und Familien finanziert.

Mancherorts haben Betreiber und Behörden kaum etwas aus der Katastrophe gelernt und errichteten beinahe an gleicher Stelle wieder Unterkünfte. Nicht nur das. Dem thailändischen Konsulat in Essen schrieb der Verein einen Brief, in dem er deutlich die Skrupellosigkeit von Immobilienspekulanten und das Zinsgebaren von Banken in den betroffenen Regionen kritisiert.

Beaver Creek, Colorado, USA, Winter 1998.Andernorts, wo Tsunamis fern sind, hingegen schon mal eine Lawine abgehen könnte, reichen die Pisten bald bis in die Schlafzimmer. Doch nicht nur in den vom Klimawandel hochgefährdeten oder bereits betroffenen Wintersportgebieten der Alpen, ganz gleich ob zu Frankreich, Italien, Österreich oder der Schweiz gehörend, wird auf Gedeih und Verderb weitergemacht, obwohl dort, beispielsweise in Galtür (1999), schon so manches Unglück geschah.

Auch in den Rocky Mountains scheinen Betreiber im Verbund mit Kommunen eher dem geowissenschaftlichen Sachverstand eines Ökonomen zu vertrauen als dem eines Mannes oder einer Frau vom Fach. Kein Wunder, ist man doch auch dort versichert. Genau dies ist das Problem.

Das kalkulierte Risiko erscheint auf Grund von Versicherungspolicen überschaubar, zumal die Global Player der Versicher und Rückversicherer ihrerseits Risikoabschätzungen vornehmen, die auf den Erkenntnissen und Prognosen von bei ihnen im Gehalt stehenden Geowissenschaftlern beruhen. Die wiederum stehen vor dem Gewissens-Dilemma, dass sie zwar oft richtig liegen mit ihren Prognosen, lokale und regionale Behörden aber meist nur auf die Kosten statt auf Sicherheit achten.

Alle 100 Jahre ein Mega-Tsunami? No way. Die Intervalle werden kürzer. Alle neun Jahre eine signifikante Lawine? Auch hier gilt: die Intervalle werden kürzer. Alle sechs Jahre ein relevantes Erdbeben? Forget it! Man kann froh sein, wenn es nicht im Jahresrhythmus stattfindet. Nunmehr jedes Jahr ein bis acht verheerende Hurricanes, Taifune oder Orkane? Hier gilt: Beware! Seit den letzten Jahren kleiner werdende Intervalle des El-Niño-Phänomens kein Grund zur Besorgnis? Oh doch!

Kreuzfahrt in der Antarktis.Solange Risiken und Versicherungsprämien für Veranstalter, Betreiber und Behörden einer gesunden kaufmännischen Rechnung standhalten, Naturkatastrophen zudem nationalen und internationalen Anklang finden, der für Wiederaufbauhilfen und Spenden Voraussetzung ist, darf noch der dümmste Snowboarder ungestraft auf einem gesperrten Schneebrett surfen oder ein Hotelbetreiber seine Lodges oder Resorts in Spuckweite zum Strand bauen.

Nun plagt die Branche neuerdings eine Debatte, die geradezu subsumiert, was den globalen Tourismus bisher an Geo-Phänomenen ereilt hat. Das Klima. Neuerdings wieder - wie schon in den 1980ern - en vogue.

Als seien die Erwärmung der Tropo- und Atmosphäre ('Treibhauseffekt', bekannt seit 40 Jahren), die daraus folgenden Polschmelzen und die damit verbundene Erhöhung des Meeresspiegels etwas Neues. Die Gletscherschmelze in den Alpen und auch im Himalaya ist sogar seit mindestens 70 Jahren bekannt.

Früher als politische Entscheider horchten vor allem die Big Player im Tourismusgeschäft auf und spielten bereits Szenarien durch, bevor der UN-Klimabericht im März 2007 publiziert wurde. Dennoch fiel etwa die 'Umwelt'-Bilanz von TUI im Jahr 2006 gegenüber den beiden Vorjahren in einigen Bereichen zurück. Beispielsweise beim Ausstoβ von Kohlenstoffdioxid, der im Vergleich zu 2005 mit knapp 16,5 Millionen Tonnen beinahe doppelt so hoch war.

Strand von Yalong Bai, Hainan, China, 2002.Schon jetzt gehört die Tourismusbranche weltweit zu den umsatzstärksten Wirtschaftszweigen, wie eine jüngst erschienene Studie ausweist, und beschäftigt allein in Deutschland noch 2,8 Millionen Menschen - mehr als die deutsche Stahl- und Autoindustrie in Lohn und Brot haben.

Betrugen die Ausgaben zu touristischen Zwecken im Jahr 2002 noch 485 Milliarden Dollar, waren es 2004 bereits 623 Milliarden, wie die World Tourism Organisation im Dezember 2005 mitteilte. In ein, zwei Jahren könnten sie die Billionengrenze erreichen. Wenn das Klima mitspielt.

Wohin aber geht die Reise, wenn vom Tourismus abhängige Länder und Inselstaaten Land unter vermelden müssen? Schon jetzt ist absehbar, dass der steigende Meeresspiegel Jahr für Jahr Land und Strand ins Wasser holt. In der Nordsee von den Halligen und Sylt genauso wie von Inseln und Atollen in der Südsee.

In den vergangenen 100 Jahren stieg der Meeresspiegel um rund 20 Zentimeter, bedingt durch Gletscherschmelzen und Abschmelzen des Eises an den Polen und in Grönland. Auch die Ausdehnung der Ozeane durch steigende Temperaturen der Oberflächen- und Tiefenwässer veränderten die Küstenlinien. Vom Klimawandel sind Thailands und Indonesiens Küsten genauso bedroht wie die Bangladeshs oder Hollands.

Kaum ein Klimaforscher oder Meteorologe bezweifelt zudem noch die zunehmende Verheerungswirkung von sich über dem Atlantik bildenden Hurricanes und über den Pazifik rotierenden Taifunen, sobald diese Land erreichen. Regelmäβig verwüsten etwa Taifune Küstengebiete in China, den Philippinen oder Vietnam.

Hotel La Paz, Baja California, Mexiko, 1996.Die absehbaren, sich auch betriebswirtschaftlich auswirkenden Folgen der Klimaveränderung werden die Reisebranche veranlassen, weiterreichende Konzepte und Maβnahmen zu verfolgen. Mit dem gegenwärtigen Instrumentarium der Umweltmanagment-Systeme kann künftig kaum den sich verändernden Bedingungen entgegengetreten werden.

Vor allem die großen Pauschalreise-Touristiker spielen ständig 'best- und worst case'-Szenarien hinsichtlich zum sich im Fluss befindenden Klimawandels durch, um nicht heute neue Resorts in die Katastrophengebiete von morgen zu planen. Doch nicht nur die Zielgebietsplanung unter sich verändernden Umweltbedingungen spielte jetzt wie auch künftig eine Rolle. Überlegungen struktureller Natur wären ebenso angebracht.

Darunter fällt das 'All-Inclusive-Konzept', das zum sinnlosen Überkonsum geradezu frevelhaft einlädt. Da isst der bereits Satte mehr als ihm gut tut und der bereits Betrunkene kippt noch einige Biere, Cocktails oder Weine in sich hinein, bis er von den Animateuren oder Kellnern aufs Zimmer getragen oder die Ambulanz gerufen werden muss.

Ein, zwei oder drei Wochen lang stopfen und kippen die Touristen sich so voll, als gäbe es am Tag darauf nichts mehr. Dem Personal, meist aus Einheimischen rekrutiert, kommt Derartiges nicht nur fremd und abstoβend vor. 'All-Inclusive' verringert auch seit Jahren ihr Einkommen, da die sich der Üppigkeit Hingebenden kaum Trinkgeld geben. Meist sieht sich diese Art von Urlaubern zudem weder in der Region noch im Land um.

In dubio pro summarum - im Zweifel für die Masse und den Umsatz - ist das Bigotte, das den Mega-Playern des Tourismus' anhaftet, wenn sie den Rechenschieber nehmen und zu der Erkenntnis gelangen, dass Umdenken und strukturelle Veränderungen Kosten erhöhten, Umsätze senkten und Gewinne mindern könnten. In the long run, wie die Amerikaner es nennen, doch kaum beherzigen, kommt es letztlich genau darauf an.

Die Kerosinkosten werden steigen; die Flugkosten ebenso. Reisen werden sich künftig zwar nicht wieder nur Wohlhabende leisten können, sondern immer auch die Massen. Aber es wird - und muss - teurer werden. Schon allein deshalb, damit dem Reisen wieder mehr Wertschätzung beigemessen wird und nicht wie allmorgendliches Kaffee- oder Teetrinken im Alltag versinkt.

Schaffen die Big Player einen strukturell nachhaltigen Wandel, brauchen sie sich nach jetzigem Kenntnisstand langfristig wenig Sorgen um ihr Geschäft zu machen. Auch Senegalerinnen werden sich dann kaum scheuen, sich für eine Momentaufnahme zur Verfügung zu stellen (siehe Titelfoto).

¹ Der erste 'Bericht an den Club of Rome' wurde 1972 von den Autoren Donella und Dennis Meadows und Jørgen Randers unter dem Titel Die Grenzen des Wachstums vorgestellt.

² Die erste Umweltkonferenz der Vereinten Nationen fand 1972 in Stockholm statt.

© Uwe Goerlitz

© GeoWis (2007-05-23)

© Photos: TUI; GeoWis; Bruce Herman; Frank Kitzelmann (Titel), Georg Heckens; Uwe Goerlitz; J. A. Guerrero Mora (Samalayuca; Melía Cancún)

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