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Molln, Hubertus: US-Falken im unkontrollierten Sturzflug

US-Falken stürzen weiter ab

Nun hat auch Weltbank-Präsident Paul Wolfowitz die Rache des politischen Schicksals erreicht. Von der deutschen Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul wurde er zur persona non grata erklärt. Nun hat er seinen Rücktritt erklärt.

Von Hubertus Molln (2007-05-16)

"Paul ist tot, kein Freispiel mehr" sang der Frontmann Peter Hein von der Düsseldorfer Band Fehlfarben Anfang der 1980er. Das Lied, zumindest diese Textzeile, trifft zur Zeit auf niemanden mehr zu als auf den Weltbank-Präsidenten und politischen Hardliner Paul Dundes Wolfowitz.

Gegen eine ihm innewohnende Dummheit kann sich ein Dummer nicht wehren, sagt die Psychoanalyse. Wissenschaftlicher Konsens. Paul D. Wolfowitz galt bisher nicht als dumm, aber seit Jahrzehnten als Falke und NeoCon. Und er galt als einerseits beharrlicher, andererseits flexibler Polit-Stratege. Als Botschafter unter der Reagan-Administration in Jakarta, Indonesien, hatte er sich recht schnell Indonesisch angeeignet und war ein Freund des damaligen indonesischen Diktators Suharto. Es ging gegen Ost-Timor.

Als einer der Baumeister des 2. Golfkriegs - Desert Storm - unter der Regierung des Vaters des gegenwärtigen amerikanischen Präsidenten ersann er sodann das Konzept des Präventivsschlags, lange bevor in New York im Jahr 2001 die Twin-Towers des Welthandelszentrums von Terroristen erfolgreich attackiert wurden. Sein Konzept wurde jüngst ohne Not vom deutschen Innenminister Wolfgang Schäuble übernommen. Wie so oft, hinkte oder rollte die deutsche Innenministerialität der der USA hinterher.

Gemeinsam mit Richard Cheney und Donald Rumsfeld gehörte Wolfowitz zum fossilen, von Papa Bush vermachtem Erbe des aktuellen US-Präsidenten, seit der im Jahr 2000 unter dubiosen Umständen die Wahl gewann. Der grauwangige Donald Rumsfeld, ehemals Verteidigungsminister unter der noch regierenden Bush-Administration, ist längst - wenn auch zu spät - zurückgetreten. Lediglich der alte Haudegen Richard - Dick - Cheney hockt noch auf seinem Posten.

Obwohl auch Richard Cheney nach wie vor eine politisch fragliche Figur ist, ist nicht zu erwarten, daβ er wegen was auch immer seinen Hut nähme. Er gehört der US-Regierung an, die sich in der Kunst des Schweigens übt und Papa Dick nicht missen mag. Cheney scheint den geeigneten Klebstoff unterm Allerwertesten zu haben. Wolfowitz auch.

Und doch ist es beim armen Paul etwas anders. Der hat zwar einen herausragenden Posten inne, unterliegt aber anderen Gesetzmäβigkeiten als etwa Papa Dick. Schutz der US-Regierung greift nur bedingt, denn die Weltbank hat - anders als die US-Administration, der lediglich eine parteipolitische Opposition Front bietet - ein Kontrollgremium, das zwar aufgrund US-amerikanischen Einflusses einiges durchgehen läβt, doch irgendwann die Faxen dicke hat, wenn ihre Angestellten es zu weit treiben.

Wolfowitz, gewohnt, Direktiven zu geben, wird Schwierigkeiten gehabt haben, zu erkennen, daβ de jure gegenüber seines vorherigen Jobs sein Beschäftigungsverhältnis anderen, auch arbeitsrechtlichen Strukturen unterliegt - weswegen er sich seit Wochen in der Kritik befindet und jämmerlich windet. Doch - alte Weisheit: Wer bettelt, der kriegt nichts.

Was in inhabergeleiteten Betrieben kein Problem ist, nämlich seine Muse, Schwester, Mutter etc. zu protegieren, gilt - zum Glück - de jure nicht für Konzerne oder von Steuerzahlern finanzierten Institutionen. Die Weltbank ist steuerfinanziert. So auch das Gehalt von Wolfowitz und Anverwandten.

Doch Wolfowitz, renitent, offenbar auch mit einen Adhesiv unterm Hintern behaftet, klebt an seinem Stuhl. "Schmutzkampagnen" würden gegen ihn gefahren. Selbst wenn dies stimmte: Da sieht er mal, wie das ist, wenn Behauptungen aufgestellt werden, die erst noch ihrer Verifizierung bedürfen. So mancher im Irak lebte vielleicht noch, hätte nicht Paul Wolfowitz seinen 'strategischen' Senf vor Kriegsbeginn abgegeben.

Japan - wer auch sonst von den Industriestaaten? - hält ihm die Stange. Seitdem in Nagasaki und Hiroshima Atombomben niedergegangen waren, läβt Nippon gemäβ alter Samurai-Tradition nichts auf seinen Herrn und Gebieter kommen. Nordostasiatische Hingabe!

Allerdings: die deutsche 'Rote Heidi' ist keine Samurai und lebt auch nicht in Japan. Heidi W-Zeul orientiert sich offenbar nicht an deratigen Bücklingen -, die den USA seit Jahrzehnten aus Tokio entgegenkommen - und kaum am mediokren Politikverstand von SPD-Chef Kurt Beck, der bisher keine Meinung zum Vorgang verlauten lieβ. Hut ab!

Einer der Vorgänger von Paul Wolfowitz an der Spitze der Weltbank, der ehemalige Chef des deutschen Sparkassenverbandes - Horst Köhler -, heute der Bundespräsident Deutschlands, hatte sich zumindest nicht dem niederen Gewerbe der Vetternwirtschaft hingegeben (soweit bisher bekannt).

Das neue Maβ zwischen zwei Fettnäpfchen wird in Europa nicht mehr in 'Kohl' gemessen (in Anlehnung an den langjährigen deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl), sondern in 'Wolfowitz'. Der Präsident der Weltbank ist unglaubwürdig geworden und hat daher auf internationalen Symposien und Konferenzen nichts mehr zu suchen. Als Falke bleibt ihm nur, seinen Sturzflug abzubremsen und sich ein anderes Revier zu suchen. Schafft er dies nicht, matscht er auf den Acker. Am 30. Juni 2007 wird er sein Amt einem anderen übergeben.

© Hubertus Molln

© GeoWis (2007-05-16; 20:00:10), Updated: (2007-05-18, 09:25:13)

© Foto: Weltbank

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