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Molln, Hubertus: China-Bashing en vogue

China- Bashing en vogue

Neuerdings wird dem Global Player China die Zuschauerrolle zugewiesen. Weshalb das so ist, versucht recht kläglich ein Chinese ausgerechnet im deutschen Nachrichtenmagazin Spiegel darzulegen

Von Hubertus Molln (2007-05-31)

Weia, China! Wie ist es einzuordnen, wie soll man es behandeln? Ihm ergeben sein oder es schmähen? Das deutsche Mainstream-Nachrichtenmagazin Der Spiegel weiβ in seiner Online-Ausgabe vom Tage wieder einmal - zweifelhaften - Rat, indem es den in Beijing geborenen Germanisten Shi Ming dazu recht indifferenziert Position beziehen läβt.

Dabei müβte der in der chinesischen Haupstadt Geborene die politischen Stege und deren mitunter glitschige Stufen doch kennen. Aber nein, er meint, agitieren zu müssen, indem er dem Mainstream des Spiegel - oder der Linie dessen Chefs (?) - Stefan Aust - recht simpel folgt.

China schere sich nicht um "Menschenrechte, Klimaschutz, Patentrechte", weiβ Shi Ming zu berichten. Aber hallo! China geht seit etwa vier Jahren rigoros gegen Patentverletzungen vor und fragt längst nach deutscher Technik und deutschem Know-how zum Umweltschutz nach. Dies zur Kenntnis zu nehmen, lautet die Devise.

Mitnichten Shi Ming. Er versucht in seinem 'Kommentar' einen politischen Spagat. Sein Herz pocht für Beijing, sein Verstand tickt Mainstream-germanisch. Doch so geht es nicht. Shi Ming sieht sein Heimatland hinsichtlich des kommenden G-8-Gipfels im zu Meck-Pomm gehörenden Heiligendamm in einer Beobachterposition.

Jaja, naja. China ist zu diesem Gipfel nicht eingeladen worden. Wenn das mal kein Bumerang wird (!). Indien, das neben dem Kontinent Afrika als Armenhaus der Welt gilt, sehrwohl. Fragt man sich, was Indien mit seinem striken Kastensystem auf dem G-8 zu suchen hat. Und davon abgesehen: wird in Indien etwa nicht auf Teufel-komm-raus alles kopiert, was sich nur kopieren läβt? Und sind in diesem Land nach heutiger Sicht soziale Unterschiede nicht auf immer und ewig festgezurrt?

China-Bashing scheint en vogue geworden zu sein. Zumindest beim Spiegel. Mag das Magazin die Zeichen der Zeit noch nicht so recht erkannt haben, sei darauf hingewiesen: China, eine der fünf Mächte im UN-Weltsicherheitsrat, hat einen langen Atem. Angst vor dem Westen, wie Shi Ming suggeriert, ist dem Land wesensfremd. Anzunehmen ist eher, daβ der Westen sich vor China fürchtet.

Wenn, dann ist das gar nicht so abwegig. Der Realität muβ man aber auch ins Auge schauen können, ohne in Panik zu geraten. Die - politische - Flucht nach vorn aus eurozentrierter Perspektive kann nur schaden. Der langgediente Anti-Chambreur Henry Kissinger, ein Freund Chinas, ein Freund gepfegter Geschäftsabkommen, wird sicherlich nicht die Wald-und-Wiesen-Meinung Shi Mings oder des Spiegel teilen, wenn es um die Wichtigkeit des bald wichtigsten Landes des Globus geht.

© Hubertus Molln

© GeoWis (2007-05-31; 17:30:40)

© Foto: Xinhua

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