GEOWIS Logo
GeoWis ONLINE-MAGAZIN
24. April 2017
Home |  Login | Kontakt | Verlag | Links   
Download-Archiv
eBook/eText Downloads
Science & Technology
Selected Portraits
Artikel & Reportagen
Deutsche Sprache
Meinungen
Musik
Rezensionen
Film
Interviews
Schnellsuche
 
Verwenden Sie Stichworte, um einen Beitrag zu finden.
Erweiterte Suche
Ankündigung

Kostenlose Downloads (Auswahl)

Demographie: Que sera, sera. The future's not ours to see. Die BBR-Bevölkerungsprognose in Konfrontation mit der Realität. Von Hansjörg Bucher und Claus Schlömer

Stefan Z. Dmochowski - The Olowo of Owo

Klaus von Bröckel - Djibouti: 18. März 1987

Lesetipps

Tourismus

Wohin geht die Reise? >>

Reisen im Geburtsland Makesis >>

China-Reportagen

Chongqing - Stadt im Nebel >>

Chongqings Altstadt Ciqikou >>

Carrefour in China >>

Diaoyucheng, Hechuan >>

Beijing by Bike >>

Der chinesische Traum 1 >>

Der chinesische Traum 2 >>

Der chinesische Traum 3 >>

Spanien-Reportagen

Paxe Ryanair, Iberia! >>

High Speed Tag und Nacht >>

Der Tod kommt zweimal >>

Tarragona - Baila conmigo >>

Málaga - Glut des Südens >>

Japan-Reportagen

Hakone >>

Hakone Open Air Museum - Im Reich der Skulpturen >>

Frankreich-Reportagen

Nizza - Zwischen Arm und Reich >>

Vence - Kultort der Kultur ... >>

Nizza - Champagner muss sein >>

Côte Basque - Saint-Jean-de-Luz >>

Mauerfall-Reportagen

"Ich werd' bekloppt!" >>

"Keine Ahnung, wie die lebten" >>

"Wir wollen die D-Mark!" >>

Weitere Beiträge:
Portrait: Fielding's The World's Most Dangerous Places - Robert Young Pelton, Coşkun Aral, Wink Dulles und andere haben einen Reiseführer verfasst, der bislang alle anderen in den Schatten stellt
Portrait: Blind Pilot
Portrait: Airbag - Die norwegische Band wird als erstklassiger Nachfolger von Pink Floyd gehandelt
Portrait: Tame Impala - Psychedelischer Nostalgie-Rock updated
Portrait: Der Mann aus Martinique - Frantz Fanon, Protagonist aller Kolonisierten, Unterdrückten und Marginalisierten
Portrait: Köln 78 - Ein ehemaliger Verlag und sein Macher Joachim von Mengershausen
Portrait: Tina Modotti - Tragische Revolutionärin und grandiose Fotografin. Teil 4
Portrait: Tina Modotti - Tragische Revolutionärin und grandiose Fotografin. Teil 3
Portrait: Tina Modotti - Tragische Revolutionärin und grandiose Fotografin. Teil 2
Portrait: Tina Modotti - Tragische Revolutionärin und grandiose Fotografin. Teil 1
Portrait: Der Telök - Seit 25 Jahren Deutschlands Antwort auf Monty Python, Benny Hill und Jango Edwards mit Dadarett pur
Portrait: Camila Morgado. Ob Olga, Malu, May oder Cacilda - die brasilianische Schauspielerin ist eine der vielseitigsten ihres Fachs
Portrait: Yu Onoe - A Woman in full. Teil 2
Portrait: Yu Onoe - A Woman in full. Teil 1
Portrait: Der polnische Architekt Zbigniew Roman Dmochowski hat Nigerias traditionelle Bauweisen festgehalten. Hinter ihm lag bereits ein bewegtes Leben. Es sollte ein noch bewegteres folgen
Portrait: Hape Kerkeling - Weltstar aus Recklinghausen
Portrait: Johnny Depp - Hunters bester Freund
Portrait: Berufsförderungswerk Dortmund in neuem Anzug
Portrait: Teresa Saponangelo - Italiens erotischste Komödiantin
Portrait: Wolfgang Körner - Bekennender Macho
Portrait: Elena Poniatowska - 75 und kein bisschen leise
Portrait: Ashley Judd - "Ich trage keine Pelze"
Portrait: Vanessa Bauche - Die starke, mutige Mexikanerin
Portrait: Anne Hathaway - Die Konsequente


Portrait: Wolfgang Körner - Bekennender Macho
[267]

Bekennender Macho

Wolfgang Körner gehört zur Generation jener deutschen Autoren, die die hiesige Verlagsszene aus dem Effeff kennen. Knapp 40 Bücher hat er bisher veröffentlicht und zur erfolgreichen Vorabend-Serie der 1980er Jahre Büro, Büro 26 von 82 Drehbüchern geschrieben. Am 26. Oktober feiert er runden Geburtstag. Zeit für eine kleine Werkschau und ein Frühstück mit ihm.

Von Uwe Goerlitz (2007-10-25)

Vom Heiraten halte er nicht viel. Lärmende Kinder seien ihm ein Greuel. Beides zusammen erscheine ihm als eine der ultimativen irdischen Katastrophen, die aus der Zusammenkunft gegengeschlechtlicher Partner entstehen können. Feministinnen mag er ebenso wenig wie Weicheier, George Bush, Wladimir Putin, Joschka Fischer, das deutsche Wetter oder sich häutende Zwiebeln.

"Mädels wollen brüten", sagt er. "Früher oder später. Das ist so, ganz gleich, was sie dir erzählen". Sollen sie. Doch bitte nicht durch ihn befördert. Es ist keine allzu neue Erkenntnis, aber der Autor lebt, was er sagt. Er hat es geschafft, kinderlos und unverheiratet zu bleiben.

 Seit Mitte der 1950er Jahre tief verwurzelt in Dortmund und durchaus dem anderen Geschlecht zugeneigt, ging und geht er eigener Aussage zufolge kaum Kompromisse ein. Er beschäftigt eine Haushälterin, die er aufgrund ihrer Akuresse schätze und die seit Jahrzehnten aus dem Gröbsten heraus sei. Er sei bescheiden, brauche nicht viel, und der wenige Luxus, den er sich nicht nur leiste, sondern auch gönne, sei, die Sonne so oft als möglich zu genießen.

Für die Sonne lässt er gerne seinen in die Jahre gekommenen, noch wie neu aussehenden Golf, der keine 70.000 Kilometer auf dem Tacho hat, stehen und fliegt zu jedweder Jahreszeit dorthin, wo sie scheint.

Auf die Kanaren, wo er sich "wunderbar entspannen" könne, nach Chicago, wo er "die meiste Zeit zwar in Buchhandlungen" verbringe, aber "es zur Sommerszeit kaum Vergleichbares gegenüber dem Blick auf den Michigan-See" gebe; nach Venedig, Prag, oder Rom, wo es gelte "für die Übersetzung von Romanen auch mal nachzurecherchieren" und dabei "die Orte zu genießen".

In diesem Jahr sei er häufiger in Italien, vorzugsweise in Rom, gewesen. Ob aus privaten oder beruflichen Gründen, lässt er offen und sich auch auf Nachfrage nicht entlocken. Naheliegend ist, dass er für die Übersetzung eines weiteren Romans der Krimi-Autorin Franca Permezza - es wäre die dritte - unterwegs war.

Permezza ist jene Autorin, die den gemächlich vorgehenden venezianischen Commissario Trattoni erfunden hat und ihn 2005 im Krimi Prosciutto die Parma (Parmaschinken) seinen ersten Fall ermitteln ließ, dessen deutsche Version von Körner stammt und beim inzwischen inexistenten Europa Verlag veröffentlicht wurde.

 Auch den Folgeroman Partitura di Praga, in dem es um eine "rätselhafte Mozartpartitur" (Klappentext) geht, hat der Jubilar übersetzt. Aufgrund des Konkurses des einst zur Senator Film GmbH gehörenden Europa Verlags unter der Leitung der umtriebigen wie skurrilen Verlegerpersönlichkeit Vito von Eichborn wurde der Roman sonach beim Rotbuch Verlag aufgelegt.

Rotbuch, bis Ende 2006 in der Hand der Europäischen Verlagsanstalt, wurde inzwischen an die Eulenspiegel-Gruppe verkauft. "Offenbar hat die Farbe Rot die Ossis gelockt", so Körner schmunzelnd.

Er könnte aus dem Nähkästchen referieren, nimmt es aber lieber gelassen. Es ist die Gelassenheit eines Mannes, der sich auskennt in der Branche. Immerhin hat er im Laufe seines bisherigen Autorenlebens bei einer Reihe von Verlagen veröffentlicht, von denen manche erstens nicht mehr existieren oder zweitens aufgekauft wurden.

So bei Karl Rauch, Wulff, Concept, Fackelträger, Peter Hammer, Paulus, Fischer, Goldmann, Marion von Schröder, Econ, Rowohlt, Piper oder Königsfurt. Zwei Jahrzehnte lang hatte er eine literaturpolitische Kolumne im Branchenmagazin Buchmarkt. Mit dessen Verlagschef Christian von Zittwitz ist er befreundet.

"Ich habe es Zeit meines Lebens vorgezogen, den Menschen, insbesondere den Verlagsmenschen, freundlich zu begegnen und bin damit meistens recht gut gefahren", so Körner. Genüsslich ergänzt er augenzwinkernd: "Was nicht heißt, dass einige lieber vor die Wand laufen mochten, bevor sie mit mir umgänglichem Mensch eine Konversation durchzustehen gedachten."

Er hat Bücher geschrieben, die sich gut verkauften, dennoch keine Bestseller wurden, obwohl manche das Potential dazu hatten. Vielleicht mochten die unterschiedlichen Verlage seine Unbeugsamkeit gegenüber Konventionen nicht würdigen, um seinen Büchern ein ordentliches Marketing zukommen zu lassen. "Überzogene Vorschüsse habe ich nie gefordert", so Körner. Wieder schmunzelt er. "Man muss dem Verlag ja noch etwas Geld für Werbung übriglassen. Aber nicht alle haben es dann auch dafür verwendet."

 Sein Œuvre ist umfangreich und vielschichtig. Nur wenige deutsche Autoren wanderten erfolgreich in derart unterschiedlichen Genres, wie der in Breslau (Wrozlaw) geborene Körner, der über die Stationen Görlitz, West-Berlin und Hamburg mit knapp 17 Jahren 1954 nach Dortmund kam.

Die eigene Geschichte der Flucht aus Oberschlesien hat er in der Trilogie Der Weg nach drüben (1976) festgehalten, ein Werk, das im damaligen Westdeutschland nicht die Beachtung fand, die es verdient hätte, Übersetzungsrechte allerdings in die USA verkauft wurden und in Dänemark Eingang in die Schulbuchliteratur fand.

Bereits mit 24 ging der Autor in die Literatur. Als 1961 vom Dortmunder Bibliotheksdirektor Fritz Hüser die Gruppe 61 ins Leben gerufen wurde - eine Namensgebung, die an die Gruppe 47 angelehnt war -, waren neben anderen Max von der Grün und Körner dabei.

"Es war kein Verein, wir hatten keine Mitglieder, also auch keine Mitgliedsbeiträge", so Körner. "Es war eine Plattform. Die Idee war, jungen Autoren - ich war ja auch einer -, vorzugsweise aus dem Ruhrgebiet und Nordrhein-Westfalen, ein Forum zu bieten." Einer, der sich der Gruppe anschloss und sich zeitig der Öffentlichkeit vorstellen konnte, war Günter Wallraff. "Günter ging schon bald in die Werkkreisbewegung, begann sich der Arbeiterliteratur zu widmen."

 Das Sozialkritische war lange Jahre auch Körners Thema. Wann genau er sich dem Persiflierenden, Satirischen und dem beißenden Humor zu widmen begann, kann er nicht aufs Jahr genau zurückbestimmen. Irgendwann zu Beginn der 1980er Jahre müsse es gewesen sein. "Das kam so und liegt mir eigentlich schon ein recht etliches Weilchen zurück."

Jedenfalls schrieb er nach einer groben Vorstellung von Manfred F. Vogel, Michael von Mossner und Irmhild La Nier-Kuhnt die Drehbücher zur Pilotstaffel von Büro, Büro, die von Reinhard Schwabenitzky, der damals 36 war, inszeniert worden waren.

Hermann Ebeling (1928-2000) und Thomas Kubitsch (Die Verbrechen des Professors Capellari) kamen dabei auch maßgeblich zum Zuge, die Drehbücher zur ersten Serien-Comedy, die ins deutsche Fernsehen kam, erfolgreich zu gestalten und Büro, Büro als Mutter aller deutschen Comedys in die deutsche Fernsehgeschichte eingehen zu lassen. Gut 20 Jahre später erinnert die preisgekrönte Pro7-Serie Stromberg an Büro, Büro.

"Das waren durchweg gute Schauspieler, die Büro, Büro geprägt hatten", sagt Körner im Frühstücksgespräch, während er genüsslich ins Brötchen beißt. "Joachim Wichmann, der ja nun bald 90 wird, Arthur Brauss, der etwas älter als ich ist, Iris Berben, das Küken, das so gut wie alles spielen kann, oder Tilo Prückner, der prädestinierte und wohl weltbeste Nebendarsteller Deutschlands. Gute Leute."

 Er sei, wie einige seiner Kollegen, auch nach all den Jahren an Vielfältigkeit und Veränderung interessiert, in der Literatrur und auch im richtigen Leben. Schon immer sei es so gewesen. Erfolg sei dabei essentiell, denn sonst könne man sich seinem beruflichen Naturell kaum konsequent widmen, ohne beim Sozialamt vorstellig zu werden.

"Die Freiheit des Wortes braucht ökonomische Absicherung". Aber nicht jeder, der schreibe, schreibe auch gut genug, geschweige denn marktfähig. "Man kann über den Pudding philosophieren, aber wie er schmeckt, weiß man erst, wenn man ihn probiert hat."

"Wie man es dreht und schiebt, neurotische Eltern haben selten gesunde Kinder", lautet der Eingangssatz zu Sequenz 49 - Friedrich der Große, Der doppelt kranke Preußenkönig - in Körners endgültige Geschichte der Deutschen. Dem hat die Wissenschaft bis heute kaum Faktisches entgegenzureichen. Die bissige Satire piekst in das offizielle Selbstverständnis der Deutschen.

In seinem Buch Aus dem Leben eines empfindsamen Chauvinisten (1996) nimmt er Bereiche der Gesellschaft süffisant auf die Schippe. Zitat (S. 136): "Wie den meisten aufgeklärten Zeitgenossen erscheint es auch uns wichtig, Ärzten nicht einfach blind zu vertrauen, sondern die Verantwortung für die Gesundheit unbedingt selbst zu übernehmen." Wie Recht er damals schon hatte. Zwar gab es schon Abrechnungsskandale deutscher Ärzte während den 1980er Jahren, doch wer hatte sie in den 1990ern noch auf dem Schirm? Oder gar zuvor aufs Korn genommen?

Was aber seinerzeit in satirischer Weise von Körner pointiert wurde, ist heute zum Teil bittere Realgesundheitspolitik - Abrechnungsskandale nicht ausgeschlossen. Dazu passt die spitze Sequenz, die sich durchaus an Thomas Manns Satzungetümen aus Der Erwählte oder Hartmann von Aues Gregorius messen lassen kann (ab S. 144):

 "Also ich will das mal so sagen: In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist, und ein gesunder Körper kann arbeiten und bringt Profit, während ein kranker und untrainierter Körper nicht nur keinen Profit bringt, sondern auch noch Geld kostet, und wenn wir nicht regelmäßig Olympische Spiele veranstalten, so ist das nicht mehr als recht und billig, ja es ist sogar von Zeit zu Zeit notwendig, damit allen regelmäßig klar wird, wie man die richtigen Leistungen erbringt, nämlich allein und in Konkurrenz gegen alle anderen und nicht mit Solidarität und solchen Sachen, und weil doch alle ... (...). Ich will das mal so sagen: Ich laufe hier und laufe, und meine Lungen hängen mir zum Hals heraus (...)".

Körner nimmt im Gespräch, wie auch in seinen Büchern, kein Blatt vor den Mund. Kostprobe: "So zwiespältig der Eindruck ist, den viele Großstadtzentren hinterlassen - zwischen den Metropolen wirkt Amerika wie die Wohnung einer Hausfrau mit Waschzwang." (Aus: Körners endgültige Entdeckung Amerikas, S. 97). "Die USA sind längst nicht mehr das, wofür sie früher gehalten wurden, im Prinzip aber noch nie waren."

Sind die Dinge zu wichtig, um sie noch ernst zunehmen? "Aber ja", entgegnet der Autor. Manches sei sogar so wichtig, dass man nicht mal mehr einen Gedanken, geschweige denn einen Abend daran zu verschwenden brauche. Es gebiete sich, diesen Gedanken, besser noch den Abend einer schönen Frau zu widmen."

Ein Thor, wer hier Nihilismus zu entdecken glaubte. Körner ist pur. Geradeheraus. Stets zu einer bissigen, immer auch amüsanten Pointierung bereit. Er regt sich zuweilen darüber auf, was es mit den Einreisebestimmungen nach den USA oder Großbritannien auf sich hat, schmunzelt aber auch über das, was sich im deutschen Literaturbetrieb mitunter tut, wer mit Preisen bedacht wird, wer mit wem kopuliert. "Ich bin keine hübsche junge Frau und ich gehe nicht mit Männern ins Bett."

 Das Geschriebene öffentlich vorzutragen, lehnt er ab. "Lesereisen sind nichts für mich. Es gibt ja kaum Schlimmeres als Autoren ihre Texte vortragen zu lassen." Manche Autoren hätten das drauf. Wahrscheinlich hätte das Publikum bei Körner-Texten mehr davon, wenn ein ausgewiesener Comedian diesen Part übernähme.

Man stelle sich vor, Oliver Pocher läse aus Wolfgang Körners 'einzig wahren' Ratgebern oder 'endgültigen' Sachsatiren. Der Leseabend könnte einer Late-Night-Show glatt die Schau stehlen. Einen Versuch wäre es allemal wert.

"Ich schreibe", sagt Körner, "das ist das, was ich kann." Er macht es klassisch. "Bevor ich mich hinsetzte und beginne, habe ich oft eine Weile gebraucht, das Thema, den Plot oder die einzelnen Kapitel gedanklich zu strukturieren." Dann setze er sich an den PC, der vor Jahrzehnten seine alte Olympia abgelöst habe, und verfasse eine Outline, dann ein Exposé.

Es gebe Texte von ihm, für die er monatelang recherchiert habe. Für das Buch Meine Frau ist gegangen (1979) hat er unzählige intensive Gespräche mit von ihren Partnerinnen verlassenen Männern geführt. Das Buch ist eine im Stil der oral history verfasste, teils erschütternde Studie über den Umgang der Sitzengelassenen mit ihrer Situation. Und ein Longseller.

Körner setzt neben klassischen Vorgehensweisen auch sonst auf Bewährtes, weshalb kaum verwundern kann, dass er zu wesentlichem Teil noch eine altertümliche Version von Word Perfect im DOS-Modus verwendet. "Eines der besten Textverarbeitungsprogramme, das jemals erfunden wurde."

 Das habe er schon für seine Drehbücher zu Büro, Büro eingesetzt, sagt er, grinst und sticht die Gabel in den Frühstückssalat. Anfangs habe er nicht gewusst, wie ein Drehbuch zu schreiben sei.

Auf seiner Webseite kann man nachlesen, wie die ersten Versuche scheiterten, nachdem Hans Prescher, ehemaliger Leiter der Abteilung Fernsehspiel beim Hessischen Rundfunk (Mainz), und Bernt Rhotert, ebenda Chefdramaturg, ihn auf der Frankfurter Buchmesse (1966) am Stand des Paulus Verlags aufsuchten.

Körner hatte zuvor das Buch Versetzung bei Paulus veröffentlicht, was den HR-Leuten gefiel, weshalb sie ein Fernsehspiel daraus machen wollten und den Autor als Drehbuchschreiber verpflichteten. Das ging schief. Rhotert reparierte das Drehbuch soweit, dass daraus ein 70-minütiges Fernsehspiel produziert werden konnte, das 1968 gesendet wurde.

Alsdann machte sich der Autor daran, das Drehbuchschreiben zu erlernen, ohne seine Schriftstellerei zu vernachlässigen. Bevor er 1969 er den Roman Nowack veröffentlichte, hatte er 1968 die Radio-Erzählung Ich gehe nach München beim Westdeutschen Rundfunk (Köln) untergebracht und anschließend das Manuskript zum ZDF (Mainz) geschickt, wo es auf Zuspruch traf.

 Körner bekam einen 'Stoffentwicklungsvertrag' und ging wie inzwischen gelernt - Exposé, Treatment, Drehbuch - vor. 1974 kam die Geschichte als 90-minütiger Fernsehfilm ins ZDF-Programm. 1977 erschien sie, vom Autor verfasst, als Roman.

Die Zeit zwischen Drehbuch und Fernsehproduktion nutzte der Autor kreativ. 1970 veröffentlichte er den Erzählband Die Zeit mit Harry. Danach zwei Kinderbücher, kritische Beiträge und Essays.

Er ist fürwahr ein Vielschreiber, hat aber längst Prämissen für sich formuliert. "Ich setzte mich nicht hin und schreibe einen kompletten Roman oder ein Sachbuch. Nichts 'on spec' (Anm. d. Vf.: auf gut Glück)." Ein ordentliches Exposé, vielleicht auch eine straffe Outline müsse reichen. Dass er zu schreiben verstehe, sei ja bekannt. "Kann man doch nachlesen."

Wenn er gerade einmal nicht schreibt, liest er. Vorzugsweise englischsprachige Literatur, aber auch die wesentlichen Neuerscheinungen des deutschen Romanmarkts. "Wer nicht liest, ist wohl kaum in der Lage, zu schreiben", so seine Überzeugung. Außerdem gelte es, sich informiert zu halten.

 Sein Tag sei strukturiert wie ein normaler Arbeitstag. Spätestens um neun Uhr morgens beginne er mit der Arbeit. Vor wenigen Jahren noch war es um acht, etwas weiter zurück um sieben Uhr - was gelegentlich noch vorkomme.

Das Schöne an seinem Beruf sei doch, dass man seine Arzttermine nicht mit seinem Auftraggeber abstimmen müsse. Man sei Herr seiner Zeit, könne Verabredungen treffen. Das Wichtigste aber sei, einmal zugesagte Termine auch einzuhalten. Das beherzige er.

Klingt nach 'Körners endgültige Geschichte zur Zuverlässigkeit', die er freilich noch nicht geschrieben hat. Kann ja noch geschehen. Mindestens einmal pro Woche sucht er seine Stammlokale in Dortmund auf. Dazu gehören das Las Salinas in der Kleppingstraße, wo er gerne einen Cappuccino genießt, der ihm stets mit einem Glas Leitungswasser kredenzt wird, und das Chiller's.

Sein Mittagessen nimmt er gerne im Maredo Steakhouse ein, nicht in jenem, das in der Fußgängerzone am Westenhellweg liegt, sondern in dem in der Balkenstraße. "Da herrscht eine angenehmere Atmosphäre." Gelegentlich komme auch das Karstadt-Restaurant infrage, wo es "inzwischen ausgezeichnete Menüs" gebe.

Er ist ein genügsamer Mensch, hält von Extravaganz, Luxus oder sichtbarer Extravertiertheit wenig. Seinen runden Geburtstag werde er in Schottland verbringen. "Da war ich noch nicht." Mit einem Augenzwinkern fügt er an: "Vermutlich könnte es mich zu etwas Neuem inspirieren."

© Uwe Goerlitz

© GeoWis (2007-10-25)

Fotos zu Büro, Büro, Versetzung und Ich gehe nach München mit freundlicher Genehmigung von Wolfgang Körner (Archiv).

Anzeige