GEOWIS Logo
GeoWis ONLINE-MAGAZIN
11. Dezember 2017
Home |  Login | Kontakt | Verlag | Links   
Download-Archiv
eBook/eText Downloads
Science & Technology
Selected Portraits
Artikel & Reportagen
Deutsche Sprache
Meinungen
Musik
Rezensionen
Unterhaltung
- Wissenschaft/Sachbuch
Film
Interviews
Schnellsuche
 
Verwenden Sie Stichworte, um einen Beitrag zu finden.
Erweiterte Suche
Ankündigung

Kostenlose Downloads (Auswahl)

Demographie: Que sera, sera. The future's not ours to see. Die BBR-Bevölkerungsprognose in Konfrontation mit der Realität. Von Hansjörg Bucher und Claus Schlömer

Stefan Z. Dmochowski - The Olowo of Owo

Klaus von Bröckel - Djibouti: 18. März 1987

Lesetipps

Tourismus

Wohin geht die Reise? >>

Reisen im Geburtsland Makesis >>

China-Reportagen

Chongqing - Stadt im Nebel >>

Chongqings Altstadt Ciqikou >>

Carrefour in China >>

Diaoyucheng, Hechuan >>

Beijing by Bike >>

Der chinesische Traum 1 >>

Der chinesische Traum 2 >>

Der chinesische Traum 3 >>

Spanien-Reportagen

Paxe Ryanair, Iberia! >>

High Speed Tag und Nacht >>

Der Tod kommt zweimal >>

Tarragona - Baila conmigo >>

Málaga - Glut des Südens >>

Japan-Reportagen

Hakone >>

Hakone Open Air Museum - Im Reich der Skulpturen >>

Frankreich-Reportagen

Nizza - Zwischen Arm und Reich >>

Vence - Kultort der Kultur ... >>

Nizza - Champagner muss sein >>

Côte Basque - Saint-Jean-de-Luz >>

Mauerfall-Reportagen

"Ich werd' bekloppt!" >>

"Keine Ahnung, wie die lebten" >>

"Wir wollen die D-Mark!" >>

Weitere Beiträge:
Pynchon, Thomas: Bleeding Edge. Rezensiert von Wolfgang Krner
Krner, Wolfgang: Nowack. Rezensiert von Jochen Henke
Bottlnder, Reinhard: Infam - und tdlich. Rezensiert von Wolfgang Krner
Michener, James A.: Texas. Rezensiert von Tom Geddis
Earle, Steve - I'll Never Get Out Of This World Alive. Rezensiert von Hansjrg Bucher zum 90. Geburtstag von Hank Williams
Queen, Ellery: The American Gun Mystery. Empfohlen von Liz Bremer
einzlkind: Gretchen. Rezensiert von Wolfgang Krner
Treeck, Dieter: "und wieder zieht das Elchgespann" - das wahn-sinnige Weihnachtsbuch. Mit Zeichnungen von Henryk Bzdok. Rezensiert von Mariam Backes
Schramm, Julia: Klick mich. Bekenntnisse einer Internet-Exhibitionistin. Rezensiert von Hubertus Molln
Niven, John: Kill Your Friends. Rezensiert von Wolfgang Krner
Thompson, Hunter S.: Kingdom of Gonzo. Interviews. Rezensiert von Wolfgang Krner
Leuthner, Roman: Nackt duschen streng verboten. Die verrcktesten Gesetze der Welt. Rezensiert von Maja Neldner
Laing, Ronald D.: Liebst du mich? Rezensiert von Jochen Henke
Bittermann, Klaus: Mbel zu Hause, aber kein Geld fr Alkohol. Rezensiert von Uwe Goerlitz
Denart, Klaus: Mr. Globetrotter - Meine Reisen, mein Leben. Rezensiert von Tom Geddis
Bittermann, Klaus: The Crazy Never Die - Amerikanische Rebellen in der populren Kultur. Rezensiert von Hubertus Molln
Korman, Gordon: Born to Rock. Rezensiert von Silke Reinhardt
Kunstler, James Howard: The Witch of Hebron. A World Made by Hand Novel. Rezensiert von Uwe Goerlitz
Ghre, Frank: Der Auserwhlte. Rezensiert von Klaus Berthold
Karinthy, Ferenc: Das goldene Zeitalter. Rezensiert von Mariam Backes
einzlkind: Harold. Rezensiert von Wolfgang Krner
Wiemer, Carl: Der Literaturverweser. Ein Stck ber Vernichtungsgewinnler. Rezensiert von Klaus Berthold
Brook, Timothy: Vermeers Hut. Rezensiert von Wolfgang Krner
Tosches, Nick: Hellfire - Die Jerry Lee Lewis Story. Rezensiert von Hansjrg Bucher
Osborn, David: Jagdzeit (Open Season). Rezensiert von Hubertus Molln
Robbins, Tom: B Is for Beer. Rezensiert von Wolfgang Krner
Wenner/Seymour (Hg.): Gonzo: The Life of Hunter S. Thompson. Rezensiert von Liz Bremer
Zippert, Hans: Die 55 beliebtesten Krankheiten der Deutschen. Rezensiert von Klaus Berthold
Perry, Paul: Das sagenhafte Leben des Hunter S. Thompson. Rezensiert von Mariam Backes
Bunker, Edward: Lockruf der Nacht. Rezensiert von Hubertus Molln
Welt, Wolfgang: Doris hilft. Rezensiert von Klaus Berthold
Roncagliolo, Santiago: Roter April. Rezensiert von Hubertus Molln
Maier, Corinne: No Kid. Rezensiert von Wolfgang Krner
Pynchon, Thomas: Gegen den Tag. Rezensiert von Uwe Goerlitz
Walser, Martin: Ein liebender Mann. Rezensiert von Susanne Alberti
Sorokin, Vladimir: Der Tag des Opritschniks. Rezensiert von Wolfgang Krner
Steen, Marguerite: Die schwarze Sonne. Rezensiert von Hubertus Molln
Walker, Michael: Laurel Canyon. Rezensiert von Hansjrg Bucher
Schramm, Georg: Lassen Sie es mich so sagen ... Rezensiert von Mariam Backes
Faldbakken, Matias: Macht und Rebel. Rezensiert von Niels Baumgarten
Pincio, Tommaso: Die Auerirdischen. Rezensiert von Frank Simonis
Ratte, Gnter: Der Grass. Rezensiert von Klaus Berthold
Dunning, John: Das Geheimnis des Buchhndlers. Rezensiert von Simone ten Breck
Lange, Sascha: DJ West Radio. Rezensiert von Maja Neldner
Havaii, Kai: Hart wie Marmelade. Rezensiert von Mariam Backes
Brunig, Werner: Rummelplatz. Rezensiert von Mariam Backes
Reinerov, Lenka: Das Geheimnis der nchsten Minuten. Rezensiert von Mariam Backes
Lem, Stanislaw: Solaris (Hrspiel). Rezensiert von Martin Jasper
Pierre, DBC: Bunny und Blair. Rezensiert von Wolfgang Krner
Sittenfeld, Curtis: Eine Klasse fr sich. Rezensiert von Mariam Backes


Schramm, Georg: Lassen Sie es mich so sagen ... Rezensiert von Mariam Backes
[284]

"Letzter Platz Indien"

Georg Schramm, begnadeter Politkabarettist, hat sein erstes Buch geschrieben. Wie in seinen Bühnendarbietungen, nimmt er kein Blatt vor den Mund.

Von Mariam Backes (2007-12-10)

Als im April 2006 bekannt wurde, er werde im Mai darauf nach mehr als sechs Jahren Zugehörigkeit seinen letzten Auftritt in der ARD-Sendung Scheibenwischer haben, wurde viel gemutmaßt. Senderseits hatte es geheißen, man habe zwischen den Beteiligten Bruno Jonas, Mathias Richling, der Redaktion und ihm, Georg Schramm, keine Einigung über die inhaltliche und strukturelle Gestaltung der Sendung im Hinblick auf deren geplante Sendezeitausdehnung von 30 auf 45 Minuten erzielen können.

Fortan schwieg Schramm weitestgehend über die Gründe. Betrachtet man den Nach-Schramm-Scheibenwischer, fällt auf, daß die beiden Platzhirsche Jonas und Richling trotz ihrer mehr oder weniger wechselnden Bühnengäste etwas eingerostet wirken. Auch das hektische Rollenspiel Richlings, stets begleitet von überstrapazierten präpubertären Stimmbändern, nutzt sich ab. Daß einer wie Schramm damals Änderungswünsche hatte, liegt heute näher als jemals zuvor.

 Der Aderlaß wurde umso offensichtlicher, als Schramm acht Monate später mit seinem kongenialen Kollegen Urban Priol im ZDF das zur Zeit Bissigste startete, was im deutschen Fernsehen an politischem Kabarett auf Sendung ist: Neues aus der Anstalt.

Jüngst erschien sein Buch Lassen Sie es mich so sagen ..., das inzwischen in vierter Hardcover-Auflage vorliegt. Als seine Figur Lothar Dombrowski deutet Schramm nun die Zeichen der Zeit.

Er "könnte mit einer Anekdote beginnen, etwas Leichtem, Persönlichem, mit etwas, das sich »hinter den Kulissen« abgespielt hat (...)", leitet er es ein. Doch "mein erstes und - dessen können Sie gewiss sein - einziges Buch damit beginnen, ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern?"

Nicht mit ihm. Sein Erfolg beruhe "doch zum beträchtlichen Teil darauf, eben nicht zu plaudern", schreibt er weiter. Dombrowski zu lesen, bedeutet ihm zuzuhören, in gleicher Weise, als säße man im Publikum. Er beginnt einigermaßen milde, steigert sich aber mehrfach auf den unmißverständlichen Ton, den auch ein breiteres (!) Publikum von ihm spätestens seit der großen Abwatsche vor drei Jahren kennt. Damals zog er einen seiner berüchtigten kohärenten Graphen, der als Pißrinnen-Zitat verbreitet wurde:

"Interessensverbände machen die Politik. Die ziehen die Fäden, an denen politische Hampelmänner hängen, die uns auf der Bühne der Berliner Puppenkiste Demokratie vorspielen dürfen. Diese Politfiguren dürfen dann in den öffentlich-rechtlichen Bedürfnisanstalten bei den Klofrauen Christiansen und Illner ihre Sprechblasen entleeren. Und wenn bei der intellektuellen Notdurft noch was nachtröpfelt, dann können sie sich bei Beckmann und Kerner an der emotionalen Pissrinne unter das Volk mischen.

Der Satz habe sich als "richtiger kabarettistischer Abschiedsgruß" (zu Dieter Hildebrandts Abschied aus dem Scheibenwischer) erwiesen, gesteht der Autor freimütig. Er habe ihm "Glücksmomente" beschert, "die als Wegzehrung bleiben."

Auf 14 Kapiteln bietet Schramm Dombrowski-Zeitzeichendeutungen, die einem mitunter kolossal das Zwerchfell strapazieren, mal für stilles Kopfschütteln oder Nicken sorgen. Mit scheinbarer Leichtigkeit läßt er Ereignisse der jüngeren und nicht mehr ganz so jungen deutschen Geschichte Revue passieren, nimmt sich dem "preußischen Erbe" ebenso an wie der "Bedeutung der Militärmusik bei den Scharmützeln im badischen Raum anno 1848" oder Umweltkatastrophen, wie sie in Bhopal oder Tschernobyl geschahen.

Nationalismus, vor allem falsch verstandener, und Militarismus, vor allem richtig verstandener, sind aus seinem Repertoire nicht wegzudenken. Da kommt auch der Offizier zur Reserve in ihm reichlich zu Wort, freilich immer mit feinsinniger Ironie aus der Distanz und geschichtsfest, Heckler-Liedverse inbegriffen. "Wenn die Soldaten durch die Stadt marschieren, dann öffnen die Mädchen die Fenster und die Türen, Ei warum? - Ei, darum!"

Schramm zertrümmert Dogmen und Hörensagen-Weisheiten, und manchmal auch touristische Attraktionen. So den Berliner Gendarmenmarkt, ein in jedem Reiseführer ausgewiesener Spot. Der sei "nicht besonders schön", sei "aber - für uns unsichtbar - in seiner Glanzzeit ein Treffpunkt der aufgeklärten Elite Europas" gewesen. Im Zuge dieser Beschreibung gibt er bzw. Dombrowski gleich eine Reihe von Empfehlungen ab, die veritabler als jede Reiseführerprosa sind.

"Gehen Sie einmal über den Platz, klappern Sie die im Reiseführer genannten Sehenswürdigkeiten und Gedenktafeln ab, fotografieren Sie meinetwegen das Schiller-Denkmal vorm Nationaltheater, und dann setzen Sie sich kurz hin mit Blick auf die Wein- und Sekthandlung Lutter & Wegner." Es ist der Blick fürs Detail, den Schramm beherzigt, vor allem das skurrile, so oft auch politisch wie gesellschaftlich seltsame Kleinod, das am Wegesrand hockt und nicht mit seiner Entdeckung rechnet.

 Das eine und andere Gedicht - manches selbst kreiert, manches zitiert, manches im Idiom des Badischen - finden wir in diesem kurzweiligen und viel zu dünn geratenen (270 Seiten) Buch. Etwa Atomtod, Du, gleich zu Anfang. Ganz klassisch aufgebaut. "Früh kommst Du, kalter Freund, Kein Auge kann Dich sehen (...)." Schiller läßt grüßen. Oder kommt es Goethe gleich?

Nachdem das Preußische bis und mit Kapitel 6 durchgeknetet ist, kommt "der Sozialdemokrat - eine aussterbende Spezies" dran. Es ist dem Duktus des Autors anzumerken, daß er den Niedergang der "Sozen", wie Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl die Wähler und Mitglieder der SPD immer genannt hatte, kopfschüttelnd begleitet (hat). Was Dombrowski nicht daran hindert, auch ihnen Watschen zu verpassen.

Er spricht ihnen glatt das Etymon ab, heutzutage sozialdemokratisch zu sein, gar zu handeln. Und das unternimmt er auf vorzügliche Art und Weise. "Wir erleben das Ende eines äußerst erfolgreichen Gesellschaftsvertrages, der auf Wachstum und Vollbeschäftigung basierte. Wir ahnen, dass Vollbeschäftigung nur eine kurze Episode der Industriegesellschaft gewesen ist und Massenarbeitslosigkeit ihr Normalzustand."

Ahnen? Wohl mehr als das. Doch da spricht auch 'Schrammbrowski', ein Analyst und Mahner, ein Mann, der an das Gute und an die Politik glaubt, allerdings nicht an Politiker und schon gar nicht an deren Berater, von denen nicht ganz so wenige im Rentenvertragsrang eines Staatssekretärs oder Leitenden Ministerialdirektors pupen.

Er nimmt sie, die Phalanx aus Begünstigenden und Günstlingen, und auch die Folgen ihrer Entscheidungen, auseinander (- irgendwann im 20. Jahrhundert oblag diese Aufgabe mal dem selbsterklärten deutschen Nachrichtenmagazin Der Spiegel -), und delektiert sich auch skrupellos an den Boliden sportlicher Ertüchtigung. Auf recht anschauliche Weise.

Dabei kommen auch Sportmoderatoren nicht gut weg. Lorbeerkranzträger Klaus-Dieter Poschi Poschmann ganz bestimmt nicht. Aber er steht nicht allein auf der Abkanzel 'Schrammbowskis'. Die Struktur der Sportberichterstattung wird geohrfeigt. "Diese endlosen Vorberichte", die "Geisteshaltung in den Redaktionen", die das "eigentliche Ärgernis" seien. Und die "idiotische Nationenwertung", die "mit sportlichen Wettkämpfen gar nicht zu tun habe. 'Schrammbrowski' führt eine eigene, plausiblere Exceltabelle an als die Redaktionen der Sportberichterstattung sie je auf dem Schirm hatten. Und entlarvt die Sportredaktions-Sippe.

"Wenn diese (...) Sportexperten nur den Dunst vom Schimmer einer blassen Ahnung davon hätten, dass der ursprüngliche Geist der modernen Spiele gerade gegen diesen Hahnenkampf der Nationen gerichtet war, dann hätten sie (...) einen Medaillenspiegel gezeigt, der die Zahl der Medaillen auf je 10.000 Einwohner des betreffenden Landes widergibt."

'Schrammbrowski' als Demograph, als Statistiker? Er rechnet und zieht logische Schlüsse, und zwar nach den Gesetzen der Mathematik. "Sieger der olympischen Nationenwertung wäre dann: die Bahamas! Deutschland und die USA abgeschlagen und China Vorletzter. Letzter Platz Indien, eine Silbermedaille auf 800 Millionen Einwohner."

Ein wunderbares Buch.

© Mariam Backes

© GeoWis (2007-12-10; 19:38:37)

Georg Schramm: Lassen Sie es mich so sagen ... Dombrowski deutet die Zeichen der Zeit. Hardcover, 272 S., ISBN 978-3-89667-348-0, Blessing, München, September 2007.

 

Anzeige