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Architektur: Chinas Architekten - Trend und Setting
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Trend und Setting

Von kaum jemandem werden Stile und Trends so schnell aufgegriffen und miteinander verwoben wie von chinesischen Architekten. Längst gewinnen sie auch internationale Wettbewerbe. Doch nirgendwo scheint ihr Gestaltungsspielraum so groß zu sein wie im eigenen Land.

Von Hao Feng und Uwe Goerlitz (2008-01-07) update (2010-01-04)

1,3 Milliarden Dollar sollen die Kosten betragen haben, wenn wie geplant im Jahr 2010 die kanadaische Stadt Missisauga, die etwa die Größe und Einwohnerzahl Dortmunds hat und im Bundessaat Ontario liegt, ein neues Stadtzentrum erhält, das gleichzeitig den Charakter eines Wahrzeichens aufweisen dürfte.

 Ein Ensemble von fünf bis zu 167 Meter hohen - zwei davon um 360 Grad geschwungen - Wohn- und Bürotürmen werden dann das Absolute World South Tower-Zentrum bilden (s. Titelfoto).

Angelehnt ist die Form der Türme an den vom Spanier Santiago Calatrava im schwedischen Malmö errichteten Turning Torso, einem 264 Meter hohen Apartmentturm mit kantigem, verwundenem Antlitz.

Daß es zu dieser Ausprägung des neuen City Centers von Missisauga kommen wird, liegt an den Architekten Ma Yansong, Yosuke Hayano, Dang Qun vom Büro MAD Architects in Beijing.

Sie hatten den Wettbewerb gewonnen und sich gegen die Entwürfe so renommierter Kollegen wie beispielsweise die Italiener Luca Donner und Claudio Nardi, den Amerikaner Leonard Bertaux oder den Franzosen Cyril Pillard durchgesetzt.

MAD Architects, erst 2003 gegründet, steht inzwischen für ein ausgesprochen kunstvoll-funktionales Design und für teils herausragend futuristische Entwürfe. Man stehe am Beginn einer neuen Ära, leiten sie ihre noch leicht kryptische Philosophie ein, nachzulesen auf ihrer Webseite. Sie reflektiere die architekturale Erforschung der Gegenwartskunst und die Transformation von Lebensstilen und Multimediaformaten in Chinas Städten von heute.

 Die Visionäre sind globalisiert. Ma studierte in Yale, unterrichte in New York, London und Beijing, arbeitete bei Eisenman Architects in New York und beim renommierten Büro Haha Hadid Architects in London; Dang studierte in Zhengzhou und an der Iowa State, unterrichtete dort wie in Rom als Assistenz-Professorin; Hayano studierte in Tokio, und in London, wo er bei Zaha Hadid als Projektleiter arbeitete.

Sie arbeiten mit Deutschen ebenso zusammen wie mit Japanern, Italienern oder Amerikanern. Vor allem aber arbeiten sie mit inzwischen über 30 Mitarbeitern in China. In kaum einem Land können Visionen von Architekten, Städtebauern und Landschaftsplanern derzeit so gut umgesetzt werden wie im Reich der Mitte.

MADs Entwurf für monströse, 400 Meter in den Himmel ragende Zwillingstürme in der südchinesischen Perlenflußmegastadt Guangzhou, Provinz Guangdong, zeugen genauso davon wie ihr Blick auf Beijing 2050. Dann dürfte China aller Wahrscheinlichkeit nach die den Globus beherrschende Macht sein.

 Das form-radikale Team, das in einem lichtdurchfluteten Büro mit einst ungeschminkten, nun geweißten Backsteinwänden in Beijings Zentrum residiert und arbeitet, gewinnt nationale und internationale Architekturauszeichnungen en masse. Weltweit sind Ma, Dang und Hayano mittlerweile unterwegs, um über Architektur zu referieren oder Workshops zu leiten.

Im November vergangenen Jahres hatten sie in Kopenhagen ihre eigene Ausstellung (MAD IN CHINA), im September führte Ma einen Workshop in Frankreich durch, im August hielt er ein Referat in Kuala Lumpur, Malaysia, im Mai unterrichtete er in Spanien, und im April eröffnete das umtriebige Team eine Dependance in Tokio.

Jüngst wurden es damit beauftragt, für das Tokyo Island zum WORLD-Projekt vor Dubai Entwürfe zu liefern. Kaum ein chinesisches Architekturbüro, zumal vor noch nicht mal fünf Jahren gegründet, verfolgt so konsequent eine stringente modernistische Linie wie MAD Architects.

Deutlicher kann man dem ehemals Großen Vorsitzenden Mao, der mit seiner 'Kulturrevolution' wie ein gigantischer Rasenmäher übers Land gezogen war und mit kreativer Uniformität alle in Blaumänner gesteckt hatte, keine posthume Ohrfeige verpassen.

Städtebau betreiben sie zwar weniger, doch ihre Entwürfe, so sie realisiert werden, sind städtebaulich prägend, verändern einerseits im Detail, andererseits im Gesamten den Blick auf eine Stadt. Bestes Beispiel hierfür sind die Absolute Towers in Missisauga, die schon jetzt vom Volksmund einen Spitznamen bekommen haben und als 'Marilyn Monroe Towers' bezeichnet werden.

 In der Branche genießen MAD Architects allein durch das Projekt in Missisauga inzwischen einen hervorragenden Ruf und sind Ansporn für hunderttausende chinesische Architekturstudenten, aber auch für ungezählte außerhalb Chinas. Auch weitere ausländische Bauherren haben sie entdeckt.

So sind sie mit dem Entwurf für Kopenhagens neue Kunsthalle beauftragt worden; in diesem Jahr werden sie den Dänemark Pavillion fertigstellen; und für die Al Rostamani Headquarters in den Vereinigten Arabischen Emiraten liefern sie ihre Vorstellungen.

Sofern sie ihre Visionen zu Beijing 2050, in denen sie auch die "Zukunft der Hutongs", Beijings traditionelle Wohnviertel, von denen zur diesjährigen Olympiade eine nur noch in Bildbänden zu sehen sein werden, auch nur ansatzweise postulieren, verwirklichen könnten, stünde China in punkto Modernität wohl an allererster Stelle.

Doch es gibt noch andere Baumeister in China, die weniger aufs Futuristische, indessen aufs Landschaftsverträgliche setzen. Einer davon ist Chang Yung Ho, Chef des Ateliers Feichang Jianzhu in Beijings westlichem Stadtteil Haidian. Chang setzt eher auf Harmonie, auf landschaftsintegrative Entwürfe und Designs, und auf Bauten, die weniger spektakulär sind, worunter auch manches Projekt von Privatleuten als Bauherren zu finden ist.

 So hat er für eine Familie aus Beijing auf einem 4800 Quadratmeter großen Grundstück unweit Beijings die Villa Shizilin errichtet, ein kleines Ensemble von Haupt- und Nebenunterkünften, das ein wenig wie moderne Blockhütten wirkt.

Chang, der schon lange im Geschäft ist, in Berkeley studiert hat, am MIT einen Lehrstuhl für Architektur bekleidet, Gründungsdirektor und Professor am Beijing University Graduate Center of Architecture ist,unter anderem an der Ball State University in Michigan, in Berkeley und in Harvardunterrichtet hat, kann auch anders.

In Shijiazhuang, Hauptstadt der Provinz Hebei, hat er vor drei Jahren für 37 Millionenen Yuan (damals ca. 3,7 Mio. Euro) ein allen modernen Ansprüchen genügendes, ausreichend Sonne hineinlassendes 12-geschossiges Verlagshaus hingestellt.

Das Verlagsgebäude an sich wäre eigentlich mit nur drei Geschossen ausgekommen, so Chang in der Beschreibung. Die gestiegenen Grundstückskosten veranlaßten den Bauherren aber, in die Höhe zu bauen, um ausreichend Büro- und Konferenzraum, Ausstellungsfläche, Unterkünfte, Gastronomie und sogar ein Kunstmuseum und ein Indoor Basket Ball-Feld unterzubringen.

 Letztlich sei aus dem Anfangsentwurf ein Ensemble aus drei voneinander unabhängigen Gebäuden mit dem geforderten Innen- und einem ausgewogenem Außenraumangebot geworden.

Chang, der sein Büro 1993 gründete und mehr als 20 Leute beschäftigt, baut strikt integral im Inland, ohne sich neuen Ideen zu verschließen. Er setzt auf Nachhaltigkeit und Freiraum, bezieht die vorzufindende natürliche oder bereits bebaute Umwelt mit ein.

Er hält viel von Traditionen, vertritt die These, daß Architektur trotz ihrer internationalen Einflüsse immer auch auf die jeweilige Region, in der sie verwirklicht werde, Rücksicht zu nehmen habe.

Seine Arbeit sehe er als ein "kulturelles Bestreben", das es erlaube, durchaus Grenzen zu überschreiten und interdisziplinär zu arbeiten. Die chinesische Kultur komme bei ihm dabei keineswegs zu kurz.

Weniger futuristisch als vielmehr naturverbunden lautet Changs Credo. Gärten sind ihm ein Anliegen und auch Philosophie. Gärten, in den Gurken gezogen würden, Erbsen, Tomaten und Sonnenblumen wüchsen.

Gewissermaßen einem architekturalen Tai-chi folgend, setzt Chang erfolgreich auf Ruhe und Einklang in seinem Metier, eingefügt in eine ruhige Umwelt. "Am Ende überlagert die Arbeitsgewohnheit den Lebensstil", so Chang. Ausgleich sei notwendig.

Auch Yu Kongjian, Chef des 1997 gegründeten, gut 170 Mitarbeiter starken Turenscape Design Institute in Beijing, ebenfalls ansässig im Stadtteil Haidian und somit Changs Nachbar, baut weniger repräsentativ oder superlativ als integrativ.

 Er verbindet das Traditionelle mit dem 21. Jahrhundert, wie es auch Chang zu verbinden vermag, geradezu mit extravertiertem Enthusiasmus und einer gehörigen Portion Empathie.

Legendär ist seine Grundsteinsetzung des Campus der Shenyang Architectural University, Provinz Liaoning.

In einem Bassin ließ er 2003 von Studenten Setzlinge eingeben, aufmerksam mitverfolgt von deren Kommilitonen.

Ein Jahr später konnte man abseits der klaren, kreuzförmig angelegten Wege die Pflanzenfelder im Wachstum bewundern, und ein weiteres Jahr darauf saßen bereits Studierende auf Bänken umgeben von Gräsern (s. Foto oben), als befänden sie sich irgendwo im Mais- oder Weizengürtel der USA.

Kein Campus in Deutschland kann sich mit einer derartigen Idylle rühmen. Was schade ist und grundsätztliche Fragen aufwirft. Etwa jene, welchen Einfluß Plattenbauten-Universitäten wie die in Bochum, Dortmund, Duisburg-Essen oder Düsseldorf auf den Lernerfolg von Studenten haben. Bundesdeutsche Selbstmordstatistiken zu Studenten mit einbezogen.

 Yus Philosophie müßte Bhudda und Konfuzius, doch auch so ziemlich alle Esoteriker des Planeten erfreuen. Sie drückt sich in seiner Architektur und Landschaftsplanung deutlicher aus als europäische oder angelsächsische Kollegen es je zu formulieren wagten.

Völlig unpolitisch, hingegen bestimmt. Tu, die Erde, die - gemäß Yu - Basis allen Lebens sei, symbolisiere die Leben und Geister die in uns wohnen oder in denen wir wohnen.

Die Menscheit (Ren) strampele und mühe sich ab, doch "unsere Ahnen" hätten bereits "die Horizonte des Landes mit den hochragenden Geheiligten Drei Bäumen gesehen (...)".

Auch wenn es unmodern erscheinen mag, ist Yus Philosophie handlungsorientiert. Keineswegs weltfremd, sondern verankert im 21. Jahrhundert. Er setzt sie um. Täte er es nicht, wäre sie vergleichbar einer Pflanze, die ohne die Möglichkeit, wurzeln zu können, schnell einginge. Doch das Verwelken ist unter chinesischen Baumeistern keine Option. Ihre Philosophie ist aufs Leben ausgerichtet, aufs Sein jetzt und in Zukunft.

Weshalb Yu auch dafür sorgt, daß seine Pflanzen ausreichend Licht und Wasser bekommen und vor allem auf fruchtbarem Boden gedeihen. Eines seiner ambitionierten Projekte war der Floating Gardens-Yongning River Park in Taizhou City, Provinz Zhejiang. Auftraggeber für das zu gestaltende, 21 Hektar umfassende Areal war die Regionalregierung des Huanyan Districts zu Taizhou City.

 Für Yu und sein Team muß es geradezu erleuchtend gewesen sein, ein rohes, zuvor beinahe verkommenes Areal am Yongning-Fluß gestalten zu können.

Herausgekommen sind die Fließenden Gärten am Yongming River Park, ein landschaftsarchitektonisches, vorbildliches Kleinod, das von den Taizhouern rege genutzt wird. Und Beachtung verdient.

Yu und Chang, und mit ihnen tausende von Architekten und Planern, setzen auf Nachhaltigkeit und prägen das moderne China künftig möglicherweise mehr als es die Baumeister der dem Bevölkerungswachstum geschuldeten reinen Massen-Wohnarchitektur während der letzten 50 Jahre vermocht haben.

Wer die Chance hat, im Ausland Architektur, Städtebau, Stadt-, Raum- oder Landschaftsplanung zu studieren, nimmt sie wahr. Da wird die Kollekte durch die komplette Verwandschaft gereicht, damit die Tochter oder der Sohn in Europa oder den USA studieren kann.

Die meisten kehren früher oder später zurück und bringen neben ihren Abschlüssen vor allem ihre Erfahrungen und Erkenntnisse mit. Nicht selten zum Wohl und Stolz Chinas, nicht immer national, häufiger regional oder lokal. Je nach dem, woher man kommt.

Es geht ihnen dabei zwar um einen guten Job oder ums Geschäft - wie es überall in der Welt um gute Jobs und ums Geschäft geht -, allerdings auch, und das nicht zu wenig, um Ehre und Stolz, um Einlösung von Versprechen, Rückzahlung von Familien-, Verwandten- oder Bankdarlehen, und - das vor allem - um Patriotismus. Das muß man wissen.

 Es gibt wahrscheinlich kaum ein Volk mit größerem Patriotismus als das der Chinesen. Auch das sollte bei aller Kritik, die sich an der Nation äußern ließe, verstanden werden. Wenn sie aus der Fremde zurückkommen, haben sie Neues mitzuteilen.

Sie sind normalerweise nicht zum Vergnügen ins Ausland gegangen, sondern um etwas zu lernen, um sich umzusehen, und um das Gelernte und Gesehene später in der Heimat auf irgendeine Weise zu verwerten. Das ist wie in der Geschichte von Gullivers Reisen. Beispiel: MAD Architects.

Gefragt sind auch die Entwürfe und Arbeiten des von Liu Jiakun 1999 in Chengdu, Provinz Sichuan, gegründeten Büros Jiakun Architects.

Liu, 51, baut und unterrichtet vor allem in China. Auch am MIT in Bosten hat er Seminare gegeben. Einige seiner Arbeiten wurden in international anerkannten Fachpublikationen wie Bauwelt, AV oder Architectural Record vorgestellt. Etwa das Xiyuan Leisure Camp, das Luyeyuan Stone Sculpture Art Museum oder das "The Red Era" Entertainment Center.

Der geerdete Liu, der auch das Motorola Software Center in Chengdu entworfen und gebaut hat, vertritt die Auffassung, sich "positiv mit allen aufkommenden sozialen Konflikten auseinanderzusetzen, die durch (Chinas) Entwicklungsprozeß" entstehen.

Zu seinen imposanten Projekten gehört der knapp 23.000 Quadratmeter große Times Rose Garden in Guangzhou. Die Idee dieses Projekts sei gewesen, "öffentlichen, kulturellen Raum in ein Wohngebiet zu injizieren", so Liu in seiner Darstellung.

 Während der Niederländer Rem Koolhaas - der in Beijing neben anderen Projekten den eine halbe Milliarde Euro teuren China Central Television Mediapark mit neuem Hauptquartier des CCTV baut, und in Guangzhou das Opernhaus - den Entwurf für ein Kunstmuseum auf dem Dach eines der Wohnhäuser realisiert, gestalten Jiakun Architects die Gartenlanschaft mit Teichen und bauen ein bereits existierendes Gebäude zu einem "Ort der Kommunikation" um.

Die Art Galerie ist gleichzeitig das Kernstück des von multigeschossigen Wohntürmen umgebenen Areals. Liu hat den Anspruch, mit dem Times Rose Garden die eher "geschlossene Wohngemeinde mit dem öffentlichen Raum in Beziehung zu setzen."

Im Ergebnis erzielte er damit soziale Wirkung. Die Wohnbevölkerung bliebe untereinander nicht mehr anonym. Der neu entstandene öffentliche Raum stünde prinzipiell allen Guangzhouern zur Verfügung.

Wie viele andere Baumeister auch, geht Liu mit diesem Projekt den Weg der städtischen sozialen Nachhaltigkeit (Urban social stustainability¹). Aber auch den der ökologischen, da der Raum bereits zur Verfügung steht und nun umgenutzt wird. Wer die eine oder andere Metropole systematisch unter die Lupe nimmt, entdeckt Brachen und Verbauungen, die das Herz von Gestaltern höher schlagen lassen müssen.

 Eine optimale, ökologisch nachhaltige Raumnutzung ist in China genauso notwendig und umsetzbar wie in anderen Ländern. Der schweizer Regionalplaner Mathis Wackernagel hat hierzu mit seinen Berechnungen zum ökologischen Fußabdruck (Ecological Footprint²), den jeder Mensch auf der Erde hinterläßt, festgestellt, daß jedem durchschnittlich 2,2 Hektar nutzbare Bodenfläche zur Verfügung stehen (2002).

Hierin miteinbezogen sind die Flächen, die zur Produktion seiner Konsumgüter, Nahrungsmittel, Baustoffe, Verkehrsinfrastruktur, Abfallbeseitigung usw. benötigt werden. Pro Kopf beanspruchen Chinesen weltweit 1,8 Hektar des zur Verfügung stehenden Raums, Deutsche 4,4, Franzosen 5,6, Amerikaner 9,7. China weist demzufolge noch eine Positivbilanz auf.

Planern und Baumeistern fällt somit eine überaus wichtige Rolle zu, den vorhandenen Raum effizient, ökologisch und sozial nachhaltig zu gestalten. Oder umzugestalten. Dazu gehört auch der Einsatz von Materialien mit günstiger Energiebilanz.

In China, wo traditionell Wohnungen und Einfamilienhäuser lieber gekauft als gemietet werden, sind die Künste von Baumeistern gerade auch dort gefragt, wo das Flächenangebot knapp ist. In den urbanen Zentren also. Zirka 100 Kilometer östlich von Shanghai, in Suzhou, Provinz Jiangsu, ist das kleine Shanghaier Büro Atelier Z+ mit der Errichtung eines Einfamilienhaus-Ensembles beauftragt, das zur Tianya Wateracape Town gehört.

 Die über 2500 Jahre alte, inzwischen 6 Millionen Einwohner zählende Stadt (Agglomeration) liegt im südlichen Deltabereich des Yangtse (Changjiang Sanjiaozhou) zwischen dem Taihu- und dem Xiangcheng-See - umgeben von einer Vielzahl kleinerer Seen - und in einer der wasserreichsten Regionen Chinas. Flächen für Neu- besonders für Individualbauten sind knapp.

Das Atelier Z+ unter deren Inhabern Zhang Bin und Zhou Wei hat 468 m² zur Verfügung, auf die sie für 3 Millionen Yuan 687 m² Bruttowohnfläche auf drei Geschossen errichten.

Ihre Entwürfe waren umstritten und mehrfach zurückgewiesen worden, unter anderem weil sie aus Sicht der Bauherren (Suzhou Tianya Real Estate Development Ltd.) "zu wenig Privatsphäre ließen", so die Architekten.

Doch die kleine Truppe um Zhang und Zhou kann Vielerlei und kümmert sich darum, zu prosperieren. Zu den Projekten von Zhang und Zhou gehören der bunte China Welfare Institute Kindergarden in der Jiangwan New Town, Shanghai, das Xianyang Qianxi Business Centre in Qingpu, ebenfalls Shanghai, oder das Chinesisch-Französische Zentrum in der Tongji-Universität zu Shanghai, das sie komplett neu gestaltet haben.

 Die noch vergleichsweise jungen Baumeister kennen - wie die meisten anderen Baumeister in China - die traditionellen und modernen Stile, haben die städtebaulichen Meister der Welt studiert.

Die Arbeiten von Le Corbusier sind ihnen genauso vertraut wie die eines Ludwig Mies van der Rohe, Hans Scharoun, Oskar Niemeyer, Rem Koolhaas, Frank Gehry, Mario Botta oder Antoni Gaudí. Bewährte Muster zum Städtebau ebenso.

Von den Möglichkeiten, Städte durch Architektur zu prägen, gar neue Städte zu entwerfen, gibt es gegenwärtig nirgendwo so viele wie in China. Die Abkehr von Wohnsilos wird mit jedem Jahr deutlicher.

Das in der Architektur und im Städtebau bekannte Muster von der 'sozialistischen Stadt' hat ausgedient, wie auch das rigorose, einst sowjetische Modell der Industriestadt zunehmend auf der Abfalldeponie der Geschichte landet.

Das Christallersche Vernetzungsprinzip zwischen den Zentren³ tritt seit langem in China in den Vordergrund, ohne auf die Moderne in Architektur und Städtebau zu verzichten. Auch wenn es unter Nicht-Fachleuten noch nicht wahrgenommen wird und sie sich auf Allgemeinplätze zur Umweltverschmutzung einlassen: In China wird in großem Stil nach ökologischen Aspekten gebaut.

 Zig tausende von Architekten und Städtebauern gibt es in China. Sie bauen Museen, Schulen, Verwaltungsgebäude, Ein- und Mehrfamilienhäuser, gestalten Parks, Leisure Spots, Kinos, Produktionsstätten.

Sie versuchen, auf die unterschiedlichen geologischen und geographischen Gegebenheiten und die Verbesserung der architekturalen Wohn- und Lebensqualität zufriedenstellende städtebauliche Antworten zu finden. Rational. Funktional. Sozial.

Viele haben das berühmteste Geschwindigkeitsparameter im Städtebau vor Augen: Den Bau Brasilias nach dem Entwurf Lúcio Costas.

Die (westliche) Welt blickt mit offenem Mund auf China. Mitunter noch naiv. Es gibt keinen Grund dafür, daran zu zweifeln, daß die Manpower Chinas künftig nicht auch im Wirtschaftssegment 'Architektur' global Zeichen setzen wird. Und es gibt auch keinen Grund dafür, daß ausländische Baumeister und Planer im Reich der Mitte bereits dominant wären.

Für sie wird es auch künftig genügend Arbeit geben. Angesichts des Modernisierungsbedarfs und der Notwendigkeit weiterer Entlastungsstädte zu den Großstädten, angesichts auch der Erneuerung von vorhandenen Industriegebieten, der Errichtung von Wohn-Gewerbe-Mischgebieten und der Notwendigkeit einer effizienten Bebauung von Brachen werden für ausländische Baumeister auch künftig prächtige Krümel abfallen.

¹ Alfonso Estebán Alonso, Javier Curiel Díaz, Salvador Perelló: Urban Social Development. In: Nolberto Munier (Hg.): Handbook on Urban Sustainability. S. 89 ff., Springer Verlag, 2007.

² Mathis Wackernagel et al: An ecological footprint: Reducing human impact on Earth. New Society Publishers, 1996.

³ Walter Christaller (1893-1969) hat wesentlich zur Struktur des Siedlungswesens (in Deutschland) beigetragen, indem er das Zentralörtliche Städtesystem (Wabenschema!) entwickelte, das auf die von Johann Heinrich von Thünen (1780-1853) aufgestellten 'Thünenschen Ringe' zum Markt- und Stadtsystem in die moderne Geographie und deren Stadtsysteme einging und sie weiterentwickelte.

© Hao Feng und Uwe Goerlitz

© GeoWis (2008-01-07; 17:33:59)

Abbildungen mit freundlicher Genehmigung u. a. von MAD Architects, Atelier Z+, Jiankun Architects, Turenscape Design Institute, Atelier Feichang Jianzhu.

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