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Onishi/Voitsekhovich/Zheleznyak (Hg.): Chernobyl - What Have We Learned? Rezensiert von Maik Mensing
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Ordentliche Ohrfeige

Zum 20. Jahrestag der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl erschienen Unmengen von Titeln. Nur wenige lieferten eine so umfassende Untersuchung zur Kontamination von Böden, Gewässern und Nahrungsmitteln wie die nun auch in Deutschland vorliegende Studie Chernobyl - What Have We Learned?.

Von Maik Mensing (2008-01-16)

Zur Erinnerung: Nachdem die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl (26. April 1986) nach wenigen Tagen von der damaligen Sowjetunion nicht mehr länger geheim gehalten werden konnte und gegenüber dem Westen eingestanden wurde, war die freigesetzte radioaktive Wolke längst von Windströmungen und -zirkulationen weitergetragen worden. Wetterkundler aller Länder gerieten zur zeitweilig wichtigsten Berufsgruppe.

Die Bevölkerungen des europäischen Kontinents bekamen auf Grund der Nachrichtenlage Angst. Mancher bis dahin industrie-, vor allem atomindustriefreundliche Politiker revidierte seine eingeübte Rhetorik und erkannte, dass allem Politischen zum Trotz die Realität oft anders aussieht. Manch einer auch wird sich damals geschämt haben, Breschen für den Energiespender Atomkraft geschlagen zu haben.

 Während etwa Westdeutschland oberhalb der Mainlinie, die BeNeLux-Staaten, Dänemark, der größte Teil Frankreichs und die Südspitzen Schwedens und Norwegens offiziell nur geringen oder gar keinen radioaktiven Fallout zu befürchten hatten, erwischte es deren Mitte und den Norden, das südliche Drittel Finnlands, die Kola-Halbinsel (Russland), Weißrussland, das Baltikum, Polen, die damalige Tschechoslowakei, die Ukraine, Ungarn, Österreich, Griechenland und den Südosten Westdeutschlands deutlich.

Neben vielerlei radioaktiven Stoffen, die meisten davon mit schnellen Verfallszeiten oder geringen Halbwertzeiten, wie die Autoren dieses Buches sie auflisten, waren es vor allem die langlebigen Stoffe Cäsium 137 (Cs137) und Strontium 90 (Sr90), die in die Nahrungskette gelangten.

Der Absatz von Obst, Pilzen und Gemüse aus den betroffenen Regionen schwand rapide, Güterzüge mit Molke standen wochenlang herum, Kuhmilch versauerte in den Bottichen der Molkereibetriebe, die Bevölkerung stieg auf Trockenmilchpulver um.

Die Exporte dieser Produkte aus Afrika und anderen zunächst oder gar nicht vom Fallout betroffenen Regionen stiegen. In den fruchtbaren Regionen des südlichen Afrikas, etwa Simbabwe, wurden holsteinische Kühe gemolken. In Lappland wurden Ren- und andere Nutztiere zu Zehntausenden gekeult.

Es war nach der Kernschmelze von Tschernobyls Block 4 der Agrargau für die europäische Landwirtschaft. Alle blickten auf die Wolke, während in der Ukraine, damals noch zur UdSSR gehörend, die Kontamination bei Menschen direkte letale und in der Landwirtschaft mittel- bis langfristige Auswirkungen haben sollte.

Letztere beschreibt die Studie erschreckend ausführlich. Wesentlicher Untersuchungsgegenstand ist das Dnjepr-Becken (Dnieper Basin) mit seinem zentralen Flusssystem um den Dnjepr, von dem direkt und indirekt mehr als 20 Millionen Menschen ihr Trinkwasser beziehen und ein erheblicher Teil der agrarischen Nutzflächen von seinem Wasser abhängig ist, und darin eingebettete Oberflächenwasserreservoirs.

 Eine Fläche von der Größe der ehemaligen Bundesrepublik Deutschland, ca. 260.000 qkm, war in der Ukraine von der sukzessiven radioaktiven Kontamination betroffen - und ist es zu Teilen noch -, weil das Kraftwerkskonglomerat von Tschernobyl in nur 30 Kilometern Entfernung zum unweit der weißrussischen Südgrenze gelegenen Dnjepr-Zufluss Pripjat gebaut wurde, in den kontaminiertes Kühlwasser zuhauf eingeflossen war. Zusätzlich ging außerhalb der Ukraine, in Weißrussland und Russland, radioaktiver Fallout in Pripjat und Dnjepr ein.

Das vorliegende Buch, verfasst auf Englisch, versehen mit einer Fülle von Berechnungsgrundlagen - gut erläutert -, wartet mit aussagekräftigen Tabellen und Grafiken auf, die geeignet sind, einen Gutteil des wohl auf immer unbekannten wahren Ausmaßes der direkten und indirekten Folgen des bisher größstmöglichen industriellen Unfalls der Weltgeschichte ins Bewusstsein des Lesers zu katapultieren.

Die herausgebenden Autoren Yasuo Onishi (Washington State Universität), Oleg V. Voitsekhovich (Ukrainisches Hydrometeorologisches Institut), Mark J. Zheleznyak (Ukrainisches Zentrum für Umwelt- und Wasserprojekte) und weitere 14 Autoren unterschiedlicher wissenschaftlicher Fachrichtungen, Fakultäten und Einrichtungen fördern auf knapp 300 Seiten erstaunliche Ergebnisse zu Tage.

Im Vergleich zu anderen zentralen Flüssen innerhalb Europas fließt der 2201 Kilometer lange Dnjepr einigermaßen gemächlich aus geringer Ausgangshöhe (220 m über Normalnull) ins Schwarze Meer. Seine mittlere Abflussmenge beträgt gerade 1670 km³ pro Sekunde. In der Ukraine wird er von sechs großen Staudämmen stetig verlangsamt.

Zum Vergleich: Der Rhein hat eine durchschnittliche Abflussmenge von 2330 km³/s (Einzugsgebiet: ca. 200.000 qkm), die Donau (2858 km Länge, Einzugsgebiet ca. 796.000 qkm) mit im Mittel 6700 km³/s gut das Vierfache des Dnjepr und immerhin noch knapp dem Dreifachen des Rheins. Beide Flüsse fließen schneller.

Vergleichsweise gemächlich konnte sich damals das aus dem Pripjat in den Dnjepr fließende kontaminierte Wasser in die Stauseen und Irrigationssysteme fortbewegen. Die Resultate für die Land- und Fischwirtschaft, so lässt sich dem Buch entnehmen, haben es in sich.

 So ziemlich alles, was sich an Nahrungsmitteln anpflanzen und aus Gewässern fischen lässt, unterlag der Kontamination durch die langfristig wirkenden radioaktiven Stoffe Cs137 und Sr90.

Die Autoren machen sich zu des Lesers Erkenntnis oder Schrecken die Mühe, die am meisten betroffenen Agrarprodukte und Speisefische umfangreich aufzulisten. An fachlicher wie sachlicher Kommentierung lassen sie es dabei nicht mangeln.

Das Buch, integriert in die seit 1999 bestehende Reihe 'Environmental Pollution' des in Heidelberg ansässigen Springer-Verlags, ist eine ordentliche Ohrfeige an Atomkraftswerksbetreiber und -investoren.

Es ist ideologisch wertfrei. Es liefert nichts weiter als das ungeheuerliche Ausmaß von Kontamination in die zu allererst ukrainische Nahrungskette.

Nach der Lektüre müsste nun selbst den für sachliche, wissenschaftlich fundierte Argumente bisher resistenten Verfechtern einer von atomaren Brennstoffen be- und getriebenen Energiepolitik der Atem ein wenig stocken. Nicht ohne Grund fragen die Autoren, was wir gelernt haben?

Im umfangreichen Kapitel sechs befassen sie sich mit dem Management der Süßwasserumgebung in der Tschernobyl-Region. Zunächst geben sie einen Überblick zum Gewässerschutz vor der Katastrophe, vertiefen ihren Blick auf die Aktivitäten der Zeit unmittelbar nach dem Gau und evaluieren die bis heute unternommenen Maßnahmen.

Auch Schutzmaßnahmen zum Grundwasser werden untersucht und methodologisch dargelegt. Insbesondere die Migration des hochgiftigen Sr90 wird modelliert. Zudem unternehmen die Autoren interessante Kosten-Nutzen-Analysen hinsichtlich der Grundwasserkontamination und des Gewässerschutzes.

© Maik Mensing

© GeoWis (2008-01-16)

Die hier eingesetzten Abbildungen sind nicht Bestandteil des Buches.

Yasuo Onishi, Oleg V. Voitsekhovich, Mark J. Zheleznyak (Hg.): Chernobyl - What have we Learned? The Successes and Failures to Mitigate Water Contamination over 20 Years. Mit zahlreichen Abbildungen, Grafiken und Tabellen. Harcover, 290 S.; ISBN 978-1-4020-5348-1. Springer, Heidelberg, 2007.

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