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Komödiantin mit traurigen Augen

In Deutschland weitgehend unbekannt, in Italien ein Begriff: Maria Teresa Saponangelo

Von Jonas Littfers (2008-04-20)

Sie hat bisher in 24 Kino-und neun Fernsehfilmen mitgespielt, dazu in 14 Theaterproduktionen. Reüssiert hat die aus Apulien stammende Aktrice 1995 in Neapel am ehrwürdigen Teatro Cilea di Napoli in dem Stück Ce penza mammà, inszeniert von Giacomo Rizzi. Noch als Studentin des Corso die formazione teatralo trat sie 1988 in Dentro la cronica, dentro la storia (dt. etwa: In der Chronik, in der Geschichte) auf. Ihr in Deutschland bekanntester Film ist Am Anfang war die Unterhose (In principio erano le mutande, 1998).

 In diesem Film, in Szene gesetzt von Anna Negri nach dem Roman von Rossana Campo, gibt sie eine enorme Kostprobe ihrer schauspielerischen und komödiantischen Kraft, die an Roberto Benigni (Down by Law) erinnert, in dessen Fußstapfen sie vor allem mimisch anzusiedeln wäre.

Sie spielt eine Mittzwanzigerin (Imma), die an die große Liebe glaubt, seit sie als Kind ihren Schlüpfer an einen Luftballon hängte und diesen mit dem Wunsch aufsteigen ließ, sich zu verlieben. Ihrer Freundin Gina (Stefania Rocca) geht es ähnlich.

Imma lebt in einem heruntergekommenen Apartment in Genua. Ihr bester Freund ist ihr schwuler Nachbar (Debüt: Filippo Timi. Mit ihm steht Saponangelo fünf Jahre später in dem Stück Camere Separate auf der Bühne). Sie schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch.

Genauso häufig wie Imma ihre Jobs wechselt, meistens, weil sie rausgeschmissen wird, wechselt sie ihre Liebhaber. Ständig auf der Suche nach der wahren Liebe küßt sie nicht nur viele Frösche, sondern steigt auch mit ihnen ins Bett.

Ihre Bemühungen bringen ihr Enttäuschung. Erst als sie aufgrund einer defekten Gastherme im Badezimmer ihrer Bruchbude fast ums Leben kommt und sie von der Feuerwehr gerade noch gerettet werden kann, scheint sich ihr Wunsch zu erfüllen. Sie verknallt sich in ihren Retter Michele (Bebo Storti).

Vor lauter Hingerissenheit vergißt sie, ihn nach seinem Namen zu fragen und macht sich fortan auf die Suche nach ihm. Zunächst erfolglos. Zwischendurch nehmen sie und Gina die skurrilsten Jobs an. So im Frau-Antje-Outfit, mit gelber Zopfperücke und einem Korb ausgestattete als Promoterinnen für holländischen Käse. Ausgerechnet im Käse-Land Italien.

Derartige Komik kann wohl nur aus Italien kommen, zumal sich in dieser Sequenz Tragik und Komik treffen, wie man es besser nicht hätte schreiben und dirigieren können. Die voller Energie und Liebeshungrigkeit steckende Imma streicht für einen Moment die Segel, will schon aufgeben.

 Als das ungeliebte Geschöpf nach leidlich getaner Arbeit an der Hauptfeuerwache vorbeikommt, sieht es eine Möglichkeit, seinen Feuerwehrmann vielleicht zu finden.

Schnurstracks verfüttert sie den Käsekorb an dessen Kumpels, in der Hoffnung, daß irgendwann ihr Prinz von seinem Einsatz zurückkommt. Stattdessen kommt der Hauptmann und wirft sie raus.

Doch Imma bleibt unbeirrt. Kurzerhand steckt sie ihr Sofa an und ruft die Feuerwehr. Zum Glück, denn plötzlich brennt ihre Wohnung. Diesmal aber gehört Michele nicht zum Löschtrupp.

Irgendwann aber steht er doch vor ihr. Die Liebe nimmt ihren Lauf, Imma wird schwanger und Michele verdünnisiert sich nach Sizilien.

Imma bleibt dran, fährt mit dem Zug nach Sizilien, um den Vaterschaftsflüchtling zu suchen, doch Michele ist schon wieder auf dem Weg zurück. Imma will das Kind, und beschließt, es allein großzuziehen. Dann kommt Michele. Und alles wird gut.

In Italien war der Film, der 1999 im Programm der Berlinale war, ein Kinokassenschlager und machte Saponangelo, die bis dahin bereits durch acht Kinorollen, ein wenig Fernsehen und - regional - durchs Theaterspielen bekannt war, zum Star.

 Anders als etwa Benigni, der sich nach seinem mit Down by Law (Regie: Jim Jarmusch) zumindest in Deutschland erlangten Durchbruch weiterhin international wie national versuchte und in manchen von der Kritik, vor allem der deutschen, gelobt wurde, allerdings mitunter mäßige Filme ablieferte, konzentriert sich die Saponangelo auf Italien.

Das außergewöhnliche Angebot aus Hollywood kam für sie noch nicht. Hingegen schon kurz nach der 'Unterhose' für ihre aus Turin stammende Kollegin Stefania Rocca, die in Anthony Minghellas Der talentierte Mister Ripley (1999) ihre internationale Karriere startete und seitdem mal in Los Angeles, mal in Italien arbeitet.

Vom Clownesken wechselt Saponangelo regelmäßig ins Dramatische und Tragikomische, und scheute sich auch nicht, in Anton Tschechovs Heiratsantrag auf der Bühne zu stehen (it.: L'Orso e Domanda di Matrimonio). Aus dem Theaterspielen resultiere ihre schauspielerische Kraft auch für Film und Fernsehen, äußerte sie in einem Interview mit der italienischen Zeitschrift La Repubblica.

Immer wieder spielt Teresa Saponangelo, die seit 1994 in Rom lebt und eine ausgeprägte Affinität zu Neapel hat, in Independent-Produktionen mit und tritt in One-Actor-Stücken auf die Bühne. Beispielsweise mit Monologo dell'Intellettuale Giana in atto di Fellatio (2004). Dazu gehört Mut, und Handwerk. Beides besitzt sie. Ovationen sind ihr stets sicher, wenn sie etwa in Neapels Teatro Stabilo di Napoli, im Cilea oder in Roms Teatro Eliseo auftritt.

Anders als viele ihrer Branche läßt sie sich nicht auf ihr komödiantisches Spiel festlegen. Vielmehr nimmt sie bewußt Rollen an, die zu Kontroversen führen. Beispielsweise im Film Attacco allo Stato (2006; dt. etwa: Angriff auf den Staat), in dem es um die Rückkehr der Roten Brigaden geht, einer terroristischen Organisation, die Italien während der 1970er und 1980er Jahre durch Entführungen und Anschläge in Bann hielt und traumatisierte.

 2005 gehörte sie aufgrund ihrer Rolle der Maura in Valia Santellas Film Te lo leggo negli occhi (dt. etwa: Ich kann es nicht in deinen Augen sehen) zu den vier Nominierten für den 'Preis der besten Nebendarstellerin' (Nastri d'Argento/Silbernes Band) beim Filmfest in Triest.

Ihre Konkurrentinnen waren Monica Belucci zum Film Die Passion Christi, Giovanna Mezzogiorno zum Film L'amore ritorno (dt. etwa: Die Liebe kehrt zurück) und Vincenza Modica zum Film Vento di terra (dt. etwa: Verkaufte Erde). Den Preis gewann Mezzogiorno.

In diesem Film spielte sie an der Seite der großen Stefania Sandrelli, die in der Kategorie italienischer Filmikonen - Sophia Loren, Claudia Cardinale oder Gina Lollobrigida - einen festen Platz hat. Mit Sandrelli ist sie befreundet.

Saponangelo, die gerne über ihr Alter schweigt, obwohl sie erst knapp 40 zu sein scheint, geht auch ins Thema Rassismus und Integration. Bianco e Nero (2007; dt. etwa: Weiß und Schwarz) von Cristina Comencini ist so ein Film, in dem sie die Esmeralda spielt - eine Nebenrolle zwar, doch eine wichtige. Im Januar 2008 kam er in die italienischen Kinos.

Ihre Filmographie weist sie bisher als Wanderin zwischen den beiden Genres Drama und Komödie aus, Genres, in denen sie sich zu Hause fühlt. Manchmal nimmt sie sich auch zurück und besetzt Rollen, die weniger als Nebenrollen sind. So in Tutta la Vita Davanti (2007) von Paolo Virzi. Ein Film, in dem es um DrückerInnen geht, die den Dummen im Volk Waschmaschinen per Telefon verkaufen wollen.

 Mit diesem Thema ist sie seit vergangenen Donnerstag in dem Stück Il Mondo Deve Sapere nach dem Buch von Michaela Murgia, an dem sie die Rechte erwarb, auch auf der Bühne zu sehen.

Gemeinsam mit David Emmer und Gianluca Greco schrieb sie das Bühnenstück und wählte für die Uraufführung das Teatro Mercadante in Neapel, wo es bis zum 27. April gespielt wird. Vom 28. April bis zum 4. Mai kommen die Römer in den Genuß (Teatro Eliseo).

Stars des Films sind Isabella Ragonese und die zuvor durch italienische Freizügigkeit bekannt gewordene Sabrina Ferilli. Saponangelo besetzt eine Nebenrolle, zieht sich aber nicht aus. Obwohl sie das Sich-Ausziehen beherrscht, wie sie in 'Unterhose' szenenhaft unter Beweis stellte.

Daß sie der italienischen Theaterszene und der italienischen Linken nahesteht, ist offensichtlich. Hierin steht sie Roberto Benigni in nichts nach. Mehr noch als er sucht sie nach Rollen - und belegt sie -, in denen sie ihr dramatsiches und tragikomisches Potential nicht nur einbringen, sondern auch entfalten kann.

So wie in Silvana Majas Film Ossidiana (2006). Hierin spielt Saponangelo die Figur der jungen napolitanischen Malerin Maria Palliggiano in der Zeitspanne 1957 - 1969, die in die anti-eklektische Kunstszene der 1960er Jahre eintauchte und mit Malereien aufwartete, die ihrer Zeit voraus waren.

Als wäre ihr die Rolle auf den Leib geschrieben, füllt Saponangelo sie aus. Sehnsüchtig und leidenschaftlich bringt sie Maria Palliggiano, die mit Emilio Notte, damals Direktor der napolitanischen Akademie der Schönen Künste, verheiratet war und einen Sohn mit ihm hatte, sich aber leider 1969 das Leben nahm, dem Zuschauer nahe.

 Wie schon in ihrer Rolle der Imma, in der Saponangelo aufs Beste komödiantische Kunst bot, gelingt ihr in Ossidiana Dramatik auf höchstem Niveau.

Als Maria Palliggiano muß sie ihre Malerei und ihren Anspruch ans eigene Künstlerische mit ihrer Rolle als Ehefrau und Mutter darstellerisch unter einen Hut bringen - in einer Zeit der politischen und gesellschaftlichen Umwälzung. Saponangelo glänzt in dieser Rolle, und es ist schade, daß dieser Film bisher nicht in Deutschland erschien.

Wie sehr die Charakterdarstellerin an Themen der Zeit interessiert ist, läßt sich auch daran ablesen, daß sie der Teresa in Alina Marazzis Dokumentarfilm Vogliamo anche le rose (dt. etwa: Wir wollen auch Rosen), der vor drei Wochen in die italienischen Kinos kam, ihre Stimme leiht.

Es ist das Italien der 1960er und 1970er Jahre, das sich seinerzeit nur marginal von der damaligen Bundesrepublik unterschied. Es war muffig, man war mit dem Aufbau beschäftigt, die Frauen gehörten an den Herd, und die Intellektuellen an die Hochschulen.

Doch auch nach Italien waren erste Wellen der sexuellen Revolution und des Feminismus aus den USA herübergeschwappt und das Fernsehen berichtete darüber, wie es in Mailand, Rom, Bologna und anderen Großstädten zuging.

Die auf den Tagebüchern dreier junger Frauen - Anita, Teresa, Valentina - beruhende Dokumentation reflektiert nicht nur das Patriarchat des Italiens jener Zeit, sondern erlaubt auch einen Vergleich mit der heutigen. Alle drei kommen als Zeitzeugen zu Wort und beschreiben ihre Erlebnisse.

 Während die Mailänderin Anita sich aus ihrer streng katholischen Familie und von ihrem sie beherrschenden Vater zu befreien versucht, ist die militante Feministin Valentina hin- und hergerissen zwischen der sozialen Bewegung und der Liebe.

Teresa wiederum kommt aus der italienischen Provinz, wo sie in bescheidenen Verhältnissen lebte und bereits eine illegale Abtreibung hinter sich hatte. Sie läßt sich von der sozialen Revolution anstecken.

Neben Sozial- und Arbeiterdramen, Liebeskomödien, neben Stücken von Brecht, Roadmovies, z. B. Compagna di Viaggio (1995; dt. etwa: Reisegefährtin), nimmt sie sich auch der Themen Gewalt und Mafia an.

Das zeigt sich etwa im Stück 10 Comandamenti (2003) von Mario Martone, in dem das durch die Camorra infiltrierte gesellschaftliche Leben in Neapels behandelt wird.

Seit wenigen Wochen geht die 1,62 große Akteurin, die laut Angaben ihrer Agentur NCE Italiana bereits mindestens 12 Film-, Fernseh- und Theaterpreise eingesammelt hat, in Neapel als Polizistin Alessia Marciano in der vom italienischen Fernsehen RAI produzierten Crime-Serie La Nuova Squadra (44 Folgen) auf Mafiosijagd.

Die Stadt liege ihr am Herzen, sagte sie italienischen Magazinen. Offenbar liegen ihr auch die Coverversionen der französischen Nouvelle Vague nahe. Zumindest hat sie ihre Webseite musikalisch mit den Bossa-Nova-Versionen von Joy Divisions Love will tear us apart und Depeche Modes Just can't get enough unterlegt.

© Jonas Littfers

© GeoWis (2008-04-20)

Webseite von Teresa Saponangelo >>

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