GEOWIS Logo
GeoWis ONLINE-MAGAZIN
24. April 2017
Home |  Login | Kontakt | Verlag | Links   
Download-Archiv
eBook/eText Downloads
Science & Technology
Selected Portraits
Artikel & Reportagen
- Afghanistan
- Angola
- Argentinien
- Australien
- Austria
- Auto-Legenden
- Bangladesh
- Burma
China
- Deutschland
- Dnemark
- EU
- Frankreich
- Georgien
- Griechenland
- Haiti
- Honduras
- Indonesien
- International
- Italien
- Japan
- Kuba
- Liechtenstein
- Literatur/Kunst/Musik/Medien
- Mexiko
- Niederlande
- Nigeria
- Paraguay
- Peru
- Polen
- Schweden
- Schweiz
- Serbien
- Spanien
- Sport
- Syrien
- USA
- Venezuela
- Vietnam
- Zimbabwe
- thiopien
Deutsche Sprache
Meinungen
Musik
Rezensionen
Film
Interviews
Schnellsuche
 
Verwenden Sie Stichworte, um einen Beitrag zu finden.
Erweiterte Suche
Ankündigung

Kostenlose Downloads (Auswahl)

Demographie: Que sera, sera. The future's not ours to see. Die BBR-Bevölkerungsprognose in Konfrontation mit der Realität. Von Hansjörg Bucher und Claus Schlömer

Stefan Z. Dmochowski - The Olowo of Owo

Klaus von Bröckel - Djibouti: 18. März 1987

Lesetipps

Tourismus

Wohin geht die Reise? >>

Reisen im Geburtsland Makesis >>

China-Reportagen

Chongqing - Stadt im Nebel >>

Chongqings Altstadt Ciqikou >>

Carrefour in China >>

Diaoyucheng, Hechuan >>

Beijing by Bike >>

Der chinesische Traum 1 >>

Der chinesische Traum 2 >>

Der chinesische Traum 3 >>

Spanien-Reportagen

Paxe Ryanair, Iberia! >>

High Speed Tag und Nacht >>

Der Tod kommt zweimal >>

Tarragona - Baila conmigo >>

Málaga - Glut des Südens >>

Japan-Reportagen

Hakone >>

Hakone Open Air Museum - Im Reich der Skulpturen >>

Frankreich-Reportagen

Nizza - Zwischen Arm und Reich >>

Vence - Kultort der Kultur ... >>

Nizza - Champagner muss sein >>

Côte Basque - Saint-Jean-de-Luz >>

Mauerfall-Reportagen

"Ich werd' bekloppt!" >>

"Keine Ahnung, wie die lebten" >>

"Wir wollen die D-Mark!" >>

Weitere Beiträge:
China: Regionalentwicklung - New Plan on Urban Development
GeoWis-Reportage China 2014, Teil 4: Chongqing - Megastadt mit Flair
GeoWis-Reportage China 2014, Teil 3: Laoban - Ein Ausflug auf den Berg der Sichuan Agricultural University
GeoWis-Reportage China 2014, Teil 2: Ya'an, Stadt der Gelassenheit
GeoWis-Reportage China 2014, Teil 1: Beim Friseur in Ya'an
China und Indien streiten weiter um Territorium in der Kaschmir- und Aksay-Qin-Region
China: In Fenghuang, Provinz Hunan, erhebt die Regionalregierung neuerdings Eintritt zum Weltkulturerbe. Im Netz formierte sich Protest. Doch es gibt auch Zustimmung
China zelebriert Lei-Feng-Day
GeoWis-Reportage China, Teil 5: Beijing by Bike, aber nicht by Bicycle. Komfortabler sitzt es sich auf dem oder im Gespann der Chang Jiang 750, vor ber 70 Jahren BMWs Krad-Flaggschiff
Automobilindustrie: Volvo erleidet herbe Absatzverluste in China. Offenbar frbt das Image von Mehrheitseigner Geely negativ auf die renommierte Marke ab
GeoWis-Reportage China, Teil 4: Diaoyucheng in Chongqing hat Weltgeschichte geschrieben. Der Ort in Hechuan war die dauerhafteste Verteidigungslinie gegen die Mongolen
GeoWis-Reportage China, Teil 3: Carrefour hat sich neben Wal-Mart in China an die Spitze auslndischer Lebensmittelmrkte gesetzt
GeoWis-Reportage China, Teil 2: Chongqings Altstadt Ciqikou
GeoWis-Reportage China, Teil 1: Chongqing - Ein Blick auf die angeblich grte Stadt der Welt
China: White Paper lutet Justizreform ein
China: Neue Umweltstandards verteuern Seltene Erden
China: Flucht aus den Stdten - Mit Beginn des Frhlingsfestes sind Abermillionen Chinesen auf dem Weg in ihre Drfer, um das Jahr des Hasen zu feiern
China: Hainan soll sich zum Luxusresort wandeln. Ob das im Sinne der sozialen Entwicklung der Insulaner ist, muss bezweifelt werden
China: Exportreduktion fr Seltene Erden kein diplomatisches Verhandlungsinstrument
China: Mondfest hat begonnen. Zeit, Kuchen zu essen
Bausparen in China: Schwbisch Hall wollte in groem Stil Bausparvertrge und Hypothekendarlehnen in China zeichnen. Noch ernhrt man sich dort von Peanuts
China: Erdbeben in Qinghai: Nach und nach zeigt sich das Ausma des Erdbebens von Yushu. Die Rettungsmannschaften sind im Wettlauf mit der Zeit.
China: Die katastrophale Drre im Sden und Sdwesten des Landes hlt an und treibt die Wasserpreise in lndlichen Regionen in unerschwingliche Hhen. Regional gibt es erste Anzeichen einer Hungersnot. Das westliche Ausland sieht tatenlos zu
China: Google liegt weiterhin im Clinch mit chinesischen Behrden und versucht nun, die ffentliche Meinung hinter sich zu scharen. Damit begibt sich das Unternehmen in die Sphren der Politik
China: Der Sdwesten Chinas leidet unter anhaltender Drre. Besonders betroffen ist die Provinz Guizhou
EU weitet Handelshemmnisse und Protektionismus gegen China aus. China wehrt sich
Architektur: Chinas Architekten - Trend und Setting
China: Die Hinrichtung des Briten Akmal Shaikh wegen Drogenschmuggels wirft ein Licht auf die Problematik, der sich China ausgesetzt sieht
Ernhrung: China untersttzt Entwicklungslnder bei Hybridreisproduktion. Zum Leidwesen von Saatgut-Konzernen, zur Freude des Erfinders dieser Reissorte, Yuan Longping
China will Offshore-Gasfeld im Sdchinesischen Meer ausbeuten und setzt dabei auf auslndische Hilfe
China: Ein-Kind-Politik soll auf den Prfstand
Taiwan: Chen Shui-bian bleibt weiterhin in Haft
Obama beginnt Handelskonflikt mit China
Hainan: US-Spionage vor Chinas Haustr ist kein Zufall
China: Beijing und Tianjin vernetzen sich weiter
China trauert - weltweit
China: Erdbeben in Sichuan: Chinesen rcken zusammen
Brckenbau in China: Superlative Hangzhou Bay Bridge erffnet
Architektur: Olympiastadion Beijing
Tibet: Wie westliche Medien Bilder manipulieren
China: Widersprchliche Berichterstattungen
Selbstbewute Chinesinnen ziehen blank
China: Moderates Wachstum im Jahr der Ratte?
China, Vogelgrippe: Infektion auch im Mutterleib mglich?
Wei, Wang: China drohen Drren und berschwemmungen
Wei, Wang: China fhrt neues DVD-Format ein
Goerlitz, Uwe: Ignoranz des Westens
Wei, Wang: Ende der Maydays
China kappt diplomatische Beziehungen zu St. Lucia
Wei, Wang: Chinas Wirtschaft wchst weiter


China trauert - weltweit
[340]

Trauer und Trauma

Eine Woche nach dem mächtigen Erdbeben in der chinesischen Provinz Sichuan steht die Nation ob des unfaßbaren Leids der betroffenen Mitmenschen unter Schock. Die Gefahr neuer Beben bleibt allgegenwärtig.

Von Hao Feng, Uwe Goerlitz und Maik Mensing (2008-05-20)

Es ist eine Tragödie enormen Ausmaßes, was sich seit dem Erdbeben vom vergangenen Montag und der darauf gefolgten vielen Nachbeben in Sichuan abspielt.

 Überlebende wollen nicht von ihren toten Angehörigen ablassen - besonders, wenn es sich um Kinder handelt -, obwohl längst deren Verwesung eingetreten ist. Helfer, so gut wie pausenlos im Einsatz, geraten an die Grenzen ihrer physischen und psychischen Belastbarkeit. Mütter drehen durch, küssen und drücken ihre toten, aschfahlen Kinder.

Ganz China und Chinesen in aller Welt trauern - und sind geschockt, was sich in Sichuan, auf das von im Norden lebenden Chinesen bislang gerne manchmal auch abschätzig herabgesehen worden war, ereignet hat.

Die Programm-Software von ICTV, dem Internetfernsehen von China Television (chinesischsprachig), wurde seit dem Beben vom letzten Montag so oft heruntergeladen, daß beinahe dessen Server schlappmachten. Chinesen überall auf der Welt wollen informiert sein.

Seit Tagen schwappt eine Welle der Anteilnahme und Hilfsbereitschaft durch das 1,3-Milliarden-Volk. Nichts ist gegenwärtig wichtiger und interessiert die Chinesen mehr als die Situation in Sichuan. Vom äußersten Norden bis nach Hong Kong gehen sie zur Blutspende, bringen Sachgüter zu Sammelstellen und spenden Geld. Und weinen.

China Television berichtet rund um die Uhr aus Sichuan und lobt - wie auch die vielen Print- und Onlinemedien - neben den eigenen auch die ausländischen Helfer aus Japan, Nord- und Südkorea, Singapur oder Russland.

Am Samstagabend (17.05.2008) trafen französische Teams ein, die Zelte, Schlafsäcke, Steppdecken, Trinkwasseraufbereitungs- und Medizin-Kits brachten.

Am vergangenen Freitag trafen Militärmaschinen aus Pakistan ein, die Decken und Zelte mitbrachten, dazu Trinkwasser in Flaschen, wie die Nachrichtenagentur Xinhua meldete, die hunderte Kollegen in die Krisenregion abgeordnet hat. Auch Spanien und die Philippinen helfen mit Medikamenten, Nahrungsmitteln, Trinkwasser, Gerät und Personal.

 Wie groß die Not ist und wie sehr Hilfe aus dem Ausland willkommen ist, läßt sich auch daran ablesen, daß China erstmals seit 1949 US-amerikanische Militärmaschinen ins Land ließ.

In Chengdu landeten am Sonntag Militärtransporter, die Medikamente, Nahrungsmittel, Trinkwasser und Gerät mitbrachten. Auch Berlin hilft. Die vordergründige Zuständigkeit liegt beim Auswärtigen Amt (AA).

Wie GeoWis heute vom AA erfuhr, hat das Außenministerium seine Soforthilfe von einer halben Million um eine Million Euro auf 1,5 Millionen aufgestockt. Diese humanitäre Hilfe erfolgt zunächst in Form der Überführung eines mobilen Krankenhauses des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in die Krisenregion und wird dort dem Chinesischen Roten Kreuz übergeben werden.

Wie GeoWis heute weiter erfuhr, sei der Transportflug des DRK für kommenden Donnerstag geplant. Am Freitag dann soll das mobile Krankenhaus in Chengu landen, wo laut offiziellen Angaben in den vergangenen Tagen bis zu vier Millionen Menschen auf den Straßen genächtigt haben.

Außenamtschef Steinmeier gehörte nach Auskunft des Auswärtigen Amts zu den ersten Kondolierenden und Anbietern von Hilfe. Die chinesische Regierung habe sich aufrichtig bedankt und dies wohlwollend zur Kenntnis genommen. Wie es heißt, greife China vor allem auf jene Hilfe zurück, bei der das Land an seine Kapazitätsgrenzen stoße.

 So habe China der Welt - auch der UN - schon früh eine Anforderungsliste zukommen lassen, die sich nach Notwendigkeit und Bedarf richte, wie GeoWis vom Auswärtigen Amt erfuhr.

Will heißen: Was das Land selber leisten kann, braucht es nicht von außen. Doch was es nicht leisten kann, oder wo es aufgrund des Außmaßes der Naturkatastrophe an seine Grenzen gelangt, wird mit Priorität in den chinesischen Luftraum gelassen, um in der Krisenregion zu landen.

Das deutsche THW (Technisches Hilfswerk) stehe auf Abruf bereit, so das Auswärtige Amt. Seit Tagen ruft China sinnvollerweise nach und nach zunächst die Hilfsangebote geographisch näher gelegener Länder ab.

Die nationale Katastrophe wäre nach altem Muster - Beispiel Tangshan 1976 - zwar zu regeln, angesichts moderner Satellitenaufnahmen und den Internetmedien nicht aber mehr tagelang zu verbergen gewesen. Das Land befindet sich nicht mehr im Jahr 1976, wenngleich manch alter Kader das bedauernswert fände. Doch auf die alten Kader kommt es in China nicht mehr so sehr an.

 Das China von heute, immer noch vertreten von der KP, bekennt sich schon länger zu Heil und Unheil, wägt aber ab. Und demonstriert eindrucksvoll, ohne Zynismus, den manch westliche Medien, die an - längst überkommene - Muster der Vergangheit gewöhnt sind, immer noch ins Spiel bringen (z. B. Spiegel Online), daß es sich um die Bevölkerung kümmert.

Premier Wen Jiabao war bereits Stunden nach dem Erdbeben im Katastrophengebiet und hat Kinder zu trösten versucht (Wô yéyé shì wen; dt.: Ich bin Opa Wen). Keiner der Zwerge hätte etwas damit anfangen können, wenn sich der Premier als zweitwichtigster Mann der Nation vorgestellt hätte.

Insofern hat Wen bisher nicht nur Anteilnahme und Präsenz gezeigt, sondern auch den richtigen Ton getroffen. Ganz anders als etwa US-Präsident George W. Bush, der sich Tage Zeit ließ, bis er sich in der von Hurricane Katrina (2005) zerstörten Golf-Region der USA blicken und dann nicht mal präsidiale Größe durchschimmern ließ.

Mehr als 100.000 Soldaten sind bisher im Erdbebengebiet im Einsatz, das auch die Provinzen Tibet, Gansu, Chongqing, Yunnan und Shaanxi - wenn auch, soweit es meßbare Schäden betrifft, marginal - traf. Doch hat es auch in diesen Provinzen viele Tote und zigtausende Verletzte gegeben.

 Soldaten und zivile Helfer sind bis zur physischen und körperlichen Erschöpfung im Einsatz. Manche schaffen es noch, sich irgendwie zu betten, andere fallen einfach um und schlafen abrupt dort ein, wo sie eben noch jemanden - ob tot oder lebendig aus den Trümmern geholfen hatten.

Menschlich wie physich - und auch seismisch - hat China mit dem Beben von Sichuan eine bislang "endlose Erschütterung" (Elena Poniatowska) heimgesucht, wie sie in diesem Ausmaß in den vergangenen knapp drei Jahrzehnten schon mehrere Nationen heimgesucht hatte.

Beispielsweise Mexiko City am 19. September 1985. Ein Beben, das die mexikanische Nation vor die gleichen Herausforderungen gestellt und eine Solidarität unter der nicht betroffenen Bevölkerung mit der betroffenen ausgelöst hatte, wie es nun in China der Fall ist.

Die Historie lindert nicht die Not im Aktuellen. Nun ist China erneut betroffen und das Leid scheint nicht nachzulassen. Heute wurden Xinhua zufolge 200 Helfer von Murenabgängen begraben. Seit dem verheerenden Beben vom vergangenen Montag, 6.28 Uhr Ortszeit, gab es hunderte von Nachbeben, viele davon über dem Richter-Skala-Wert 4,5. Vorgestern erreichte eines dieser Nachbeben einen Wert von 6,2 und löste zwischenzeitliche Panik aus.

Allerorts versuchen Helfer - Soldaten, Rotes Kreuz, Private - zu den Betroffenen sellbst in schwierigstem Gelände durchzukommen und - sobald sie Überlebende gefunden haben, sie zu versorgen. Mittlerweile treffen sie vorwiegend auf völlig ramponierte und verweste Leichen.

 Inzwischen sind gut eine Milliarde Euro an Spendengeldern eingangen, ein beachtlicher Teil stammt auch aus dem Ausland, und hiervon zumeist von im Ausland lebenden Chinesen.

Sie leiden und trauern mit. Und schicken Geld, meist online. Auch das Inland ist ergriffen. Allein gestern Abend kamen bei einer TV-Veranstaltung von China TV etwa 150 Million Euro (1,5 Mrd. Yuan) zusammen.

Vor den Augen der Welt tut sich aus China etwas auf, das neu und beispielhaft ist. Alle Polemik ob des Olympia-Fackellaufs ist zunächst verstummt; alle pro-tibetischen Demonstrationen ebenso. Seit dem 12. Mai 2008 gibt es Übergreifendes.

Eine zuvor bestenfalls durch den Tsunami von Weihnachten 2004 gekannte internationale Anteilnahme, mit dem Unterschied, daß China hier den größten Teil der Hilfe aus eigener Kraft leistet, während beim Tsunami 2004 Indonesien, Sri Lanka, Indie, Thailand und weitere Anrainerstaaten ihre Misere nur bedingtt aus eigener Kraft bewerkstelligen konnten.

Das muß man sehen. Genauso muß man sehen, daß Myanmar von Regierungsseite nicht nur nicht ausreichend für die durch den Zyklon von vor fast drei Wochen betroffene Bevölkerung tut, sondern auf ausländische Hilfe geradezu verzichtet.

 Die Myanmar-Junta unterstreicht mit diesem Verhalten geradezu ihre in der internationalen Gemeinschaft als überkommene Dogmen praktizierte Politik. China müßte hier - trotz aktueller eigener Probleme - endlich auf den Putz hauen.

Rund 4,8 Millionen Menschen sind der Nachrichtenagentur Xinhua zufolge aufgrund des Bebens betroffen, die meisten davon nun obdachlos. Langsam scheint sich auch die vor wenigen Tagen offiziell prognostizierte Zahl der Toten zu bewahrheiten. Mit 50.000 wird gerechnet. Bis zum Abend (Ortszeit Beijing) waren es um 34.000.

Immer wieder sind in den letzten Tagen kleine Wunder geschehen, meist ausgelöst durch Suchhunde, beharrliche Überlebende, die die Helfer anhielten, hie und dort nach Angehörigen zu suchen, und Luftlöcher unter den Trümmern, die ein Überleben zuließen.

So wurde die dreijährige Song Xinyi in Beichuan 40 Stunden nach dem Beben am 14./15. Mai fast unversehrt gerettet. Dem Küken wurde - wie all den anderen geretteten Kindern - so gut es ging eine Erstversorgung in Nahrungsaufnahme geleistet, meistens Milch.

Legt man die prognostizierten 50.000 Toten als Rechengröße zugrunde und die durchschnittliche Anzahl von Kindern, die ihre Eltern unter den Toten irgendwann zu realisieren haben, kann davon ausgegangen werden, daß China innerhalb einer Woche mindestens 50.000 Waisen bekommen hat, um die es sich kümmern muß. Wenn die Versprechungen von Opa Wen nicht nur mediales Tamtam waren, dann steht er mit seinem Namen von nun an in der Pflicht.

China, das jetzt und auch in den folgenden Wochen noch trauert, bekennt sich zu etwas, das lange nur parteipolitische Phrase war: Solidarität und Mitmenschlichkeit. Möglicherweise auch im Bewußtsein des Bebens von Tangshan (28. Juli 1976), das der Welt tagelang verheimlicht worden war. Vielleicht - so die Mutmaßung -, weil Mao bereits aufs Ende seines Lebens zuging (Mao verstarb am 9. September 1976).

Unter Geo- und Seismologen herrscht indessen Einigkeit darüber, daß das Beben, dessen Epizentrum zwischen 10 (GFZ/Geoforschungszentrum Potsdam) und 19 Kilometern (USGS/United States Geological Survey) unter der Erdoberfäche lag, von der Indischen Platte ausgegangen war. Die "drücke an die Eurasische", so Franz Ossing vom GFZ gegenüber GeoWis.

Tatsächlich liegt die von diesem Erdbeben so schwer getroffene Region in einer brisanten seismischen Zone, zu welcher die Longmenshan-Verwerfung gehört. Von der Indischen Platte ausgehend, die sich unter die Eurasische in Richtung Chinas Osten und Südosten schiebt (Subduktion), bewegt sich das Tibet-Plateau langsam gegen das Sichuan-Becken.


Der Himalaya als oberflächlich beeindruckendstes Dokument der Resultate aufeinandertreffender Kontinentalplatten hat sich erst in den letzten Jahrmillionen ob der steten Drift der Oberfächenmassen der Erdkrusten gebildet. So sehr er das Weltklima beeinflußt, so sehr steht er auch für eine Tektonik, die auf Menschen und ihre Siedlungen keine Rücksicht nimmt.

Da die Kontinente sich weiterhin in Drift befinden, kann man nicht davon ausgehen, daß das desaströse Beben von Sichuan das ultimative war. Daß ein Erdbeben einer Magnitude, wie sie am am 12. Mai auftrat, schon in absehbarer Zeit bevorstehe, hatten chinesische Seismologen bereits vor zwei Jahren prognostiziert.

 Paul Tapponnier vom Institut de Physique du Globe de Paris (IPGP) prognostierte - bereits eingetretene - "viele Nachbeben".

Eine Prognose jedoch, wann ein weiteres Beben mit einer Magnitude oberhalb von 7 zu erwarten wäre, kann kein seriöser Seismologe liefern.

© Hao Feng, Uwe Goerlitz, Maik Mensing

© GeoWis (2008-05-20; 06:33)

Weitere Berichte zu China finden Sie hier >>

Anzeige