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"Auf Zukunft gebaut"

Mit der am vergangenen Mittwoch erfolgten symbolischen Schlüsselübergabe an den Geschäftsführer endeten die baulichen Modernisierungs- und Erweiterungsarbeiten im Dortmunder Berufsförderungswerk (BFW). Anschließend fand eine Afterbauparty statt. Ein Portrait.

Von Uwe Goerlitz (2008-05-31)

27,1 Millionen Euro öffentlicher Gelder haben die Umbau-, Modernisierungs- und Neubaumaßnahmen im BFW Dortmund gekostet (siehe Tabelle). 1999 sei mit ersten Gesprächen begonnen worden, so Ludger Peschkes, Geschäftsführer und Direktor des BFW Dortmund, während der von WDR-Moderatorin Steffi Neu begleiteten Pressekonferenz vom vergangenen Mittwochmorgen. Motto der Veranstaltung: Auf Zukunft bauen.

Kostenträger/Investoren der Umbau-,  Erweiterungs-  und Modernisierungsmaßnahmen im bfw Dortmund
Förderer/Institution Betrag Mio. €
Bundesagentur für Arbeit
4,831.708
BM für Arbeit und Soziales
4,603.154
Eigenmittel bfw Dortmund
4,090.336
Deutsche Rentenversicherung Westfalen
4,026.424
Deutsche Rentenversicherung Rheinland
4,026.424
EU-Fonds für regionale Entwicklung (EFRE)
2,300.814
Ministerium f. Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW
1,278.230
Landschaftsverband Westfalen-Lippe
 1,022.584
Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung
0,920.326
Gesamt:
 27,100.000
Quelle: bfw Dortmund (2008). Tabelle: GeoWis.

In zunächst drei Bauabschnitten sollte das 1971 inaugurierte BFW Dortmund, das damals mit 60 Rehabilitanden an den Start gegangen war und heute mit rund 1100 zu den bundesweit größten Einrichtungen für berufliche Rehabilitation zählt, modernisiert und mit An- und Neubauten erweitert werden.

Ein vierter Bauabschnitt war aufgrund veränderten Bedarfs im Bereich der Internatsplätze und des Medizinischen und Psychologischen Dienstes zeitnah in das Gesamtkonzept integriert worden.

Mehrere Architekten, Planer und Ingenieure machten sich ans Werk, nachdem die fachlichen Prüfungen der beantragten Mittel von der Oberfinanzdirektion Münster, der zuständigen Behörde, positiv beschieden worden waren und in der Folge laut bfw die Bewillungsbescheide der "Zuwendungsgeber" eintrafen.

So das Büro Weicken Architekten (Unna), Wörmann Architekten (Ostbevern), die Gesellschaft für Ingenieurplanung (Münster), das DATIV Ingenieurbüro Pomrenke (Dortmund), das für die Geodäsie zuständig war, oder das Erdbaulaboratorium Essen, Ingenieurgesellschaft für Geotechnik (Essen), das die Baugrunduntersuchungen durchführte.

Unter der Projektleitung von Goebel Architekten Assoziierte bzw. Goebel Projektsteuerung Airport Consulting (Münster), war sodann mit dem ersten Bauabschnitt im Juli 2002 begonnen worden, der sich wesentlich auf die Häuser 1, 2 und 3 konzentrierte.

 Der Umbau der Großküche, die "Neuorganisation der Speisenzubereitung und -ausgabe", die Modernisierung der Kantine, die heute kaum noch als solche bezeichnet werden kann, da sie eher ein lichtdurchfluteter Speisesaal ist, der 400 Menschen ausreichend Platz zum Essen bietet, und die auf den neusten Stand zu bringenden haustechnischen Installationen wurden in dieser ersten Phase realisiert.

Ebenfalls in den ersten Bauabschnitt fielen die Modernisierung der weitläufigen Eingangshalle, der Umbau von Büros für die Verwaltung, die Einrichtung einer 200 qm großen, teilbaren Mehrzweckhalle, die Implementierung eines Bistros mit einigen Internetplätzen. 

Im zweiten Bauabschnitt widmete man sich dem Neubau eines weiteren Schulungsgebäudes mit 2500 qm Nutzfläche.

Das neu errichtete Gebäude sollte den veränderten Anforderungen ans Lernen und Ausbilden, insbesondere im Hinblick auf Methodiken, gerecht werden und wurde daher mit moderner Technik ausgestattet. Vor allem PC-gestützte Arbeits- und Ausbildungsplätze wurden eingerichtet.

"Der Mehrbedarf für neue Berufe, Belegungsspitzen und für die Sicherung der ganzheitlichen handlungsorientierten beruflichen Rehabilitation Erwachsener erforderte eine entsprechende Ausweitung der Ressourcen und eine Umgestaltung zu zeitgemäßen Qualifizierungsorten", schreibt Jürgen Schonhoff, Verwaltungsdirektor des BFW Dortmund, im Bericht zu den Modernisierungsmaßnahmen (2000-2008).

 Tatsächlich war das BFW Dortmund zuvor in die Jahre gekommen. Nachdem 1962 der Verein 'Nordrhein-Westfälisches Berufsförderungswerk e. V.' von den Landesversicherungsanstalten Westfalen und Rheinprovinz mit der Zielsetzung gegründet worden war, ein Berufsförderungswerk zu errichten, das "berufliche Rehabilitationsmaßnahmen für den Personenkreis von gesundheitlich eingeschränkten Menschen" durchführen sollte, habe man 1967 unter der Leitung des Dortmunder Architekten Willi Schwarz mit dem Bau erster Gebäude begonnen, die 1970 fertiggestellt worden seien, so die Chronik des BFW Dortmund.

Fünf Jahre später begannen die Baumaßnahmen zu Erweiterungen, die 1977 abgeschlossen waren. In diese Zeit fällt die statistisch ermittelte Kennzahl '950', die im Mittel "auch heute noch Bestand" habe, wie Heinz Krumnack, alternierender Vorsitzender des bfw Dortmund, gegenüber GeoWis äußerte. Sie beschreibt den mittleren Bedarf an beruflichen Rehabilitationsplätzen für das BFW Dortmund.

25 Jahre später hatten sich die Anforderungen an zielgerichtete Ausbildung und Unterbringung von Rehabilitanden gründlich verändert.

In Phase drei wurden daher die meisten Internatszimmer (Apartments) umgebaut und modernisiert, die zuvor mit Balkonen versehen waren. Diese wurden, abgesehen jener von - intern so genannten - Haus 5, rückgebaut, so daß die Zimmer heute mehr Platz bieten.

 "20 qm" habe ein Apartment, so Peschkes. Beinahe doppelt so groß - Stichwort: barrierefrei - sind die rollstuhlgerechten Zimmer, wie die Besichtigung ergab. 16 dieser Zimmer gebe es gegenwärtig, sagte Rolf Lantermann, Leiter des Vermittlungs- und Beratungsdienstes, gegenüber GeoWis. Zwei davon seien Reserve.

Auch das Mobilar habe man ausgetauscht, die Betten mit neusten orthopädischen Matratzen ausgestattet und einige andere praktische wie gestalterische Verbesserungen vorgenommen.

Ein weiterer wichtiger Bereich auf dem 60000 qm großen Gelände, das neben dem Rombergpark auch direkt an den Dortmunder Tierpark angrenzt, wurde im vierten und letzten Bau- und Modernisierungsabschnitt angegangen.

Gemäß den Anforderungen der Arbeitswelt und des Beschäftigungsmarktes nahm man sich nun die technischen Einrichtungen in den Werkstätten vor, gleichwohl auch die räumliche Umgestaltung und Erweiterung.

Doch nicht nur dies. Auch das Gebäude für den Medizinischen und Psychologischen Dienst (Haus 8) wurde vollständig modernisiert. Nebst einer Turnhalle, die jeden Vergleich mit schulischen Hallen dieser Art bestünde.

 Oberste Gebote der Bau- und Modernisierungsmaßnahmen seien laut BFW Dortmund Funktionalität und anforderungsgerechte Nutzung gewesen, um "der Änderung der Teilnehmerstruktur und ihren Beeinträchtigungen Rechnung zu tragen." So gehört modernstes Gerät zur Ausstattung, was besonders bei Begehung des Hauses 8 sofort deutlich wird.

Neben Sauna, ambulanten Behandlungsräumen und teils klinischer Medizintechnik gibt es für an orthopädischen Krankheiten leidenden Rehabilitanden eine ERGOS.

Eine voluminöse Apparatur, mit der festgestellt werden kann, für welche "Berufe Rehabilitanden physisch geeignet - oder nicht geeignet" - wären, wie Dr. Ralf Priebe, Leiter des Medizinischen Dienstes und Mitglied der Geschäftsleitung des BFW Dortmund, erläuterte.

28 Berufsförderungswerke gibt es inzwischen in Deutschland, darunter auch welche für stark Sehbehinderte und Blinde, bespielsweise in Düren. Allein im Dortmunder bfw haben seit 1971 um 18.000 Rehabilitanden eine Umschulung in einen neuen Beruf erfolgreich absolviert.

 Die Vermittlungsquote in den ersten Arbeitsmarkt liege heute bei durchschnittlich etwas über 70 Prozent, so Ludger Peschkes.

In manchen Berufszweigen, vor allem im Bereich der Werkstoff- und Materialprüfer und Qualitätsassistenten DGQ (Deutsche Gesellschaft für Qualitätssicherung), liege sie bei über 90 Prozent, sagte Rolf Lanfermann.

Den beruflichen Rehabilitanden stehen eine Fülle von Ausbildungsberufen zur Auswahl, für die es seitens der freien Wirtschaft, aber auch der öffentlichen Verwaltung Bedarf an Fachleuten gibt. In beinahe sämtlichen kaufmännischen Berufen wird ausgebildet.

Darüber hinaus werden neben den bereits genannten Technische Zeichner und CAD-Programmierer zu unterschiedlichen Branchen, Medien- und Technische Produktdesigner, Einrichtungsberater, Refa-Techniker, IT-Systemelektroniker, Fachinformatiker oder Elektroniker für Automatisierungstechnik ausgebildet.

Etwa 70 Prozent der Rehabilitanden haben physische Beeinträchtigigungen, häufig orthopädischer Natur, beispielsweise Wirbelsäulenschädigungen (Rehabilitanden-Jargon: "Ich hab Rücken"). 30 Prozent kämpfen mit psychischen Beeinträchtigungen. Wobei die Bandbreite groß ist. Nicht stets kann beispielsweise auf Anhieb festgestellt werden, ob bei den Probanden eine Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) vorliegt.

 Grundsätzlich durchlaufen alle potentiellen Rehabilitanden ein Reha-Assessment unter der Leitung von Dr. Stefanie Siebeneick.

So werde festgestellt, für welchen Beruf eine Person im Hinblick auf ihre gesundheitliche Beeinträchtigung geeignet sei, oder ob sie überhaupt für eine berufliche Rehabilitation zum gegenwärtigen Zeitpunkt infrage komme, wie Rolf Lanfermann im Gespräch mit GeoWis erläuterte.

Neben der "Abklärung der beruflichen Eignung" (Siebeneick), finde etwa eine Eruierung der psychischen Vorerkrankungen statt. Ebenso erfolgten arbeitsmedizinische Untersuchungen und psychologische und physische Eignungsdiagnostik.

Sobald ein Reha-Kandidat das Assessment durchlaufen und eine positive Prognose erhalten hat, beginnt für ihn in der Regel ein dreimonatiger Reha-Vorbereitungslehrgang (RVL).

Dieser diene dazu, die Rehabilitanden in bestimmten Fächern zu unterrichten - etwa Mathematik, Deutsch, Englisch, Methodik - bzw. deren Kenntnisse darin aufzufrischen, und sie mittels Klausuren auch abzuprüfen, wie von Peter Riepe, Leiter der Reha-Vorbereitung, zu erfahren war.

 Für die Umsetzung und das Gelingen gemäß der Anforderungen seitens der Träger und der gesteckten Ziele hinsichtlich der beruflichen Neuorientierung der Rehabilitanden zeichnet Winfried Pfeiffer, Leiter Qualifizierung und Ausbildung, verantwortlich.

Aufgrund effizienter und überschaubarer Hierarchie-Ebenen steht er in ständigem Austausch mit den im bfw Dortmund verantwortlichen Team- und Bereichsleitern. 

"Wichtig is auf'm Platz", wie Fußballtrainer Otto Rehagel einst zu sagen pflegte. Will heißen: die Rehabilitanden brauchen nach erfolgreich absolvierter Ausbildung eine Anstellung.

Die überwiegende Mehrzahl bekommt sie. Daß die Vermittlungsquoten in den ersten Arbeitsmarkt derart hoch seien, liege auch an der vielschichtigen und intensiven Kooperation mit der Industrie, so Rolf Lanfermann. 

Ein herausragendes Projekt im BFW Dortmund ist das intern und unter den beteiligten Dozenten kurz SAJE genannte. In der Langform heißt es 'Sonderprogramm "100 zusätzliche Ausbildungsplätze für behinderte Jugendliche"'. Abgesehen davon, daß der Terminus 'behindert' längst nicht mehr zeitgemäß ist - so mancher Auszubildende echauffiert sich hierzu gelegentlich (zu Recht), erhalten innerhalb dieses Projekts Jugendliche und junge Erwachsene, die nicht unter der Prämisse 'berufliche Rehabilitation' fallen, die Chance auf eine Ausbildung.

 Diese erfolgt - gefördert mit EU-Mitteln - dual, wobei der theorische Teil, mithin der Unterricht, einerseits im bfw Dortmund und in den entsprechenden Berufsschulen erteilt wird.

Die praktische Ausbildung erfolgt überwiegend in Kooperationsbetrieben. Auch hierin ist der Medizinische und Psychologische Dienst involviert.

Doch nicht alle im Rahmen der beruflichen Rehabilitation angebotenen Berufsrichtungen kommen für diese Gruppe in Betracht.

Man achte darauf, daß "die jungen Leute" in Berufe entsprechend ihres Leistungsvermögens gebracht würden, so Detlef Klos, Leiter dieses Projekts. Man meide aber Unternehmen, die im Ruf für wenig qualifizierte praktische Ausbildung stünden.

"Die sind im Prinzip alle ganz lieb", befindet Klos über seine jungen Leute. Einige wenige seien etwas disziplinlos, aber das habe man im Griff. Klos, langgedienter bfw-ler und ein Mann mit sonorer Stimme und ergrauter Haarpracht mit Pferdeschwanzfrisur, wird von den jungen Leuten nicht nur respektiert, sondern auch geachtet. 

Man habe "den Zeitplan eingehalten", sagte Ludger Peschkes während der Pressekonferenz vom vergangenen Mittwoch nicht ohne Stolz. Leicht schmunzelnd, dennoch ernst gemeint, fügte er an, daß man auch die "heutige Veranstaltung" bereits in der Planungsphase berücksichtigt hatte.

 Die Veranstaltung konnte sich sehen lassen. Verantwortliche aus der Trägerschaft und aus der Landespolitik kamen.

Einige hielten kurze, prägnante Reden, wie beispielsweise Wilfried Gleitze (siehe Titelfoto), alternierender Vorstand des BFW Dortmund, und lagen durchweg unter der ihnen zugestandenen Redezeit.

Was ja selten vorkomme, wie WDR-Moderatorin Steffi Neu mit einem Lächeln in die Zuhörerschaft sagte und später den Kunstbegriff 'Afterbauparty' erfand.

Gegen 12 Uhr erschien Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales in der NRW-Landesregierung, in Begleitung seiner Mitarbeiterin Sabine Hellmann-Flocken, die am Morgen bereits der Pressekonferenz beiwohnte.

Laumann hielt eine wohlbetonte, sich nicht in parteipolitische Komparative einlassende Rede. Er brachte zum Ausdruck, daß eine gute berufliche Ausbildung das A und O seien, um ein "normales Leben" fuhren zu können, "weil man mit einer guten Ausbildung" in der Regel auch einen "gut bezahlten Job" bekomme.

Er erteilte im Zuge seiner Rede jenen Leiharbeitsfirmen, die sich im Niedriglohnsektor tummelten, eine Absage. Für gute Arbeit müsse es auch gutes Geld geben. Laumann, dessen entspannte Grundmimik eher grimmig wirkt, sobals er aber lächelt, wie ein Sonnyboy erscheint, lobte die gelungene Reformierung des BFW Dortmund dann in höchsten Tönen.

 Anschließend überzeugte er sich persönlich davon, indem er sich zum Beispiel den Werkstattbereich und die CAD-Räume zeigen ließ. Wer gedacht hatte, der Minister reise durch, wurde enttäuscht. Laumann verschmähte weder das dargebotene Kulinarische, noch verweigerte er sich einem Pils.

Neben den 300 geladenen Gästen waren auch die meisten der 230 Mitarbeiter des BFW Dortmund, sowie viele Rehabilitanden anwesend, die sich die einem Sommerfest gleichkommende 'Afterbauparty' nicht haben entgehen lassen wollen.

Peschkes, der durchhielt, bis auch der letzte Gast gegangen war, hatte am Morgen nach dem Fest bereits ins Flugzeug nach Berlin steigen müssen, um dort an einer Sitzung der BFW-ler teilzunehmen.

Fast zeitgleich traf eine kleine Regierungsdelegation aus Sofia, Bulgarien, unter der Leitung von Pravda Ignatova, Chefin des auf bulgarischer Ministeriumsebene angesiedelten International Cooperation, Programs and European Integration Directorate, im BFW Dortmund ein, die sich über Ausbildungs- und Assessmentmethoden und dazugehörige Einrichtungen informierte.

Etwa 2500 Leute innerhalb mehrerer Delegationen kämen jährlich, um sich zu informieren, so Rolf Lanfermann. Er schmunzelte. Was wohl auch so zu deuten war, daß sich Peschkes auf seine Leute in Dortmund, eingespielte und 'delegationserfahrene' Teams, auch diesmal wieder verlassen konnte. 

© Uwe Goerlitz

© GeoWis (2008-05-31)

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