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Maier, Corinne: No Kid. Rezensiert von Wolfgang Körner
[346]

Erfahrungen einer frustrierten Mutter

Corinne Maiers literarische Schmähschrift No Kid – 40 Gründe keine Kinder zu haben hat Charme

Von Wolfgang Körner (2008-06-04)

Vor drei Jahren stürmte in Frankreich das schmale Büchlein Bonjour Paresse (Gallimard) der französischen Autorin Corinne Maier die Bestsellerlisten. In Deutschland 2006 bei Goldmann unter dem Titel Die Entdeckung der Faulheit - Von der Kunst, bei der Arbeit nichts zu tun veröffentlicht, regte das wütende Pamphlet der 1964 geborenen Volkswirtin, Politologin und Psychoanalytikerin nicht weniger auf. Kein Wunder!

Die Autorin, im mittleren Management eines französischen Konzerns tätig, schilderte schonungslos die Arbeitsbedingungen in den Büros großer Unternehmen, die fehlende Sicherheit des Arbeitsplatzes - besonders für junge Angehörige der Generation Praktikum - und plädierte dafür, unter solchen Umständen zwar größten Fleiß vorzutäuschen, dabei aber Anstrengungen geschickt zu vermeiden.

Sich unter die ausgebeuteten, schlecht bezahlten und bei schlechter Konjunktur unverzüglich entsorgten so genannten Leistungsträger zu begeben, zahle sich nicht nur keinesfalls aus, sondern sei gesundheitsschädlich.

 Willkommen sind derart realistische Bestandsaufnahmen in Frankreich ebensowenig wie hierzulande. Der Arbeitgeber versuchte die Autorin loszuwerden. Nur unter dem Druck der Öffentlichkeit - in Frankreich erfreuen sich Autoren noch beachtlichen Ansehens - wurde die Kündigung des Beschäftigungsverhältnisses zurückgenommen.

Nunmehr veröffentlichte der Rowohlt Verlag die deutsche Lizenzausgabe des vor einem Jahr bei Éditions Michalon in Paris erschienenen Titels No Kid. Quarante raisons de ne pas avoir d’enfant. Eine zornige Warnung vor eigenen Kindern, die das Leben ihrer Eltern keinesfalls bereicherten, sondern vielmehr jegliche Lebenssqualität zerstörten.

Weit davon entfernt, dieser durchaus zutreffenden Aussage widersprechen zu wollen, kann ich gestehen, daß es mich überraschte, eine solche Schrift ausgerechnet aus der Feder einer französischen Autorin zu lesen.

In Frankreich, das entnehmen wir jedenfalls manch deutschen Medien, habe der Staat mit einem Bündel familienpolitischer Maßnahmen - Krippenplätze, Familienbeihilfen, erhebliche Vergünstigungen für junge Eltern - für die höchsten Geburtenraten in Europa gesorgt.

In Deutschland, so führt die Autorin in ihrem Vorwort der deutschen Ausgabe an, sei der soziale Druck zur Mutterschaft, der in Frankreich auf jede Frau ausgeübt werde, unter dem Eindruck der 'Sprungprämien' und Mutterkreuze der Nazizeit erfreulicherweise ausgeblieben. Bis vor kurzem ausgeblieben, möchte man ergänzen. Denn die Einführung des Elterngeldes, das Versprechen von mehr Kindertagesstätten und die ständige Vorführung unserer Familienministerin und ihrer riesigen Kinderschar in den Massenmedien sind der französischen Autorin keinesfalls entgangen.

"Seid ja auf der Hut und denkt an all die Nachteile, die Kinder für uns in Frankreich so mit sich bringen ...", warnt sie die deutsche Leserin wie den deutschen Leser, und listet die erheblichsten Nachteile sorgfältig auf. Die Entbindung schildert sie - durchaus zutreffend - als Foltermethode. Daß Kinder der sexuellen Lust ihrer Eltern ein schnelles Ende bereiten, daß sie sehr viel Geld kosten, daß sie pausenlos nerven und quengeln, dürfte jede Mutter kleiner Kinder bestätigen, wenn sie denn ehrlich wäre.

In vierzig kurzen Kapiteln bereitet Corinne Maier die Situation junger Eltern auf. Überpointiert meist und manchmal nahezu zynisch. Doch im achtunddreißigsten Kapitel läßt sie ihre Betroffenheit aufscheinen. So sehr das Kind in Frankreich zu einer bewunderungswürdigen Lichtgestalt stilisiert werde - aus einem Kind werde später ein Jugendlicher, und dem zeige die Gesellschaft dann ihr wahres Gesicht.

 "Siebenundachtzig Prozent der Jugendlichen", führt die Autorin an, "haben einen prekären Arbeitsvertrag, also einen Scheißjob. Sie sind ärmer als ihre Eltern, als die in ihrem Alter waren, auch wenn sie viel mehr Diplome haben." Alles in allem eine gelungene Darstellung des gegenwärtigen Zustands der Familie in den turbokapitalistischen Industriegesellschaften Europas.

Die Autorin, selbst Mutter zweier Kinder, argumentiert insgesamt überzeugend, allerdings - wie sollte es anders sein - durchgängig rational. Daß der Wunsch der meisten Frauen nach Mutterschaft nicht nur von ideologischen, sondern auch von genetischen Programmen gesteuert erscheint, übersieht sie, bringt es jedenfalls nicht zur Sprache.

Allerdings, von den Französinnen, die jetzt die Wechseljahre durchleben, sei nur jede zehnte kinderlos geblieben. In Italien und Spanien seien es vierzehn Prozent, in Deutschland dreißig Prozent und, bei deutschen Akademikerinnen, sogar fünfundvierzig Prozent der Frauen, denen vor der Pamperswelt graut und die sich gegen eigene Kinder entscheiden. Ist das ein Grund, jetzt mit vom Stolz geschwellter Brust glücklich "Ich bin Deutschland" zu jubeln? Ich bin mir da nicht sicher.

Da war Arthur Schopenhauer schon vor fast zweihundert Jahren viel weiter. "Dem allen zufolge gewinnt es den Anschein, als müßte bei Abschließung einer Ehe entweder das Individuum oder das Interesse der Gattung zu kurz kommen", meint er in seinem Hauptwerk Die Welt als Wille und Vorstellung. Recht hatte der Mann!

Seit Einführung staatlicher Rentenkassen, die erwerbsunfähigen Alten den Lebensunterhalt sichern, sind eigene Kinder für das Individuum keine zwingende Notwendigkeit mehr. Unter wirtschaftlichen, rationalen Gesichtspunkten spricht nichts für sie. Daß es dennoch Menschen gibt, die sich Kinder nicht nur wünschen, sondern notfalls von einer Fruchtbarkeitsklinik zur nächsten reisen, daß es Frauen gibt, die sich dort klaglos den unwürdigsten Befruchtungsversuchen unterziehen und dafür horrende Preise zahlen, steht auf einem anderen Blatt.

Man kann das für Liebe halten, oder für die Vorstellung, man könne mit eigenen Kindern dem unvermeidlichen Tod etwas entgegensetzen. Oder für das Bedürfnis, am eigenen Stammbaum neue Zweige sprießen zu lassen. Rational ist das alles nicht.

© Wolfgang Körner

© GeoWis (2008-06-04)

Corinne Maier: No Kid - 40 Gründe, keine Kinder zu haben. Übersetzt aus dem Französischen von Kerstin Krolack. Taschenbuch-Tradecover mit Prägedruck, 144 S.; ISBN 978-3-499-62387-5, Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg. Erschienen im Juni 2008.

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