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Interview mit Mark Bellinghaus
[369]

"Verballhornung einer amerikanischen Ikone"

Der in Los Angeles lebende deutsche Schauspieler Mark Bellinghaus gilt als einer der führenden Sammler von Original-Memorabilia der am 5. August 1962 verstorbenen Schauspielerin Marilyn Monroe. Im Interview mit GeoWis äußert er sich zu seiner Karriere und Sammler-Leidenschaft.

GeoWis: Herr Bellinghaus, Sie haben in Deutschland in den 1980er und 1990er Jahren veritablen Erfolg auf der Bühne und im Fernsehen gehabt, standen beispielsweise in Brechts 'Leben des Galilei' oder Tankred Dorsts 'Heinrich, oder die Schmerzen der Phantasie' auf der Bühne und anderserseits als Knut Sonntag unter anderem neben Grit Böttcher, die am 10. August 70 wird, in der Serie 'Immer wieder Sonntag' vor der Kamera. Wie kam es zu den unterschiedlichen Ausrichtungen?

Mark Bellinghaus: Harte Arbeit. Noch während meiner Schauspielausbildung in München wurde ich nach einem Vorsprechen am Residenztheater (Bayerisches Staatsschauspiel) engagiert und spielte dann in mehreren Produktionen mit. Während dieser Theater-Engagements ging ich zu Film-und Fernseh-Castings und erhielt erste Rollen. Nach Abschluss der dreijährigen Schauspielausbildung nahmen die Dinge weiter ihren Lauf. Meine erste Fernseh-Hauptrolle war neben Camilla Horn, einer damals lebenden Filmlegende, die das Gretchen in Murnaus 1925er Faust-Verfilmung spielte, in ihrem letzten Film 'Die Spinnen'. Camilla und ich pflegten eine Freundschaft bis zu Ihrem Tode. Sie war immer wunderschön.

GW: 1986 spielten Sie in der Bernd-Eichinger-Produktion unter Jean-Jacques Annoud in der Verfilmung von Umberto Ecos Roman 'Der Name der Rose' neben Film- und Theatergrößen wie Sean Connery, F. Murray Abraham und Helmut Qualtinger Jorges Novize. Wie gestalteten sich aus Ihrer Sicht die Dreharbeiten? Woran erinnern Sie sich besonders gern, woran lieber nicht?

 MB: An die Eiseskälte unter dem originalen Mönchsgewand lieber nicht. Doch an Sean Connerys Rüge, die er uns jungen Schauspielern erteilte - in langen Unterhosen -, nachdem wir etwas zu sehr im Flur gelärmt hatten. Am ersten Drehtag, als ich eine Szene mit Connery drehte, rutschte mir fast mein Herz in die Hose. Ich dachte, er würde sich mir - als wir Hände schüttelten - mit den berühmten Worten vorstellen: 'Bond, James Bond.' Er ist nach wie vor einer der größten, besten und professionellsten Schauspieler der Filmgeschichte. F. Murray Abraham war total locker. An Nikolaus kam er mit einer Christbaumkugel am Ohr zum Dreh und wünschte allen einen schönen Nikolaustag. Das war zum Brüllen komisch. Ich bewundere seine Arbeit in 'Amadeus', einer meiner liebsten Filme. Helmut Qualtinger, der große österreichische Schauspieler und Kabarettist, sang spät nachts, als wir durch den kleinen Ort Richtung Hotel gingen. Er war betrunken, aber absolut klar. Leider verstarb er kurz nachdem der Film fertiggestellt war.

GW: Sie sagten, 'Amadeus' sei einer Ihrer Lieblingsfilme. Erzählen Sie doch mal, weshalb?

MB: Ich liebe seit meiner Kindheit Klassische Musik. Meine Mutter spielte bevorzugt Beethoven, Mozart, Tschaikowski und ich bevorzuge diese Musik ebenfalls. Mozarts Leben ist ein Geniestreich gewesen. Es war so kurz und doch so erfüllt, so perfekt. Die Milos-Forman-Verfilmung, besonders durch die Leistung von F. Murray Abraham, war eine Glanzleistung und als ich ihn dann während der Dreharbeiten für 'Der Name der Rose' persönlich kennen lernte, wuchs meine Bewunderung für den Film noch. F. Murray Abraham hatte den Oscar für seine Darstellung des Salieri daher vollkommen verdient. Er ist ein Vollblutschauspieler und er liebt die Bühnenarbeit.

GW: Helmut Qualtinger verstarb fünf Tage nach der US-Premiere des Films und erlebte die Deutschland-Premiere nicht mehr; F. Murray Abraham drehte ebenso weiter fleißig Filme wie Sean Connery, und der damals 16jährige Christian Slater in der Rolle des Adson von Melk erlebte anschließend trotz einiger Exzesse eine glänzende Filmkarriere als Action- und Thrillerheld. Was hat Sie daran gehindert, nicht ebenso im Film durchzustarten wie Slater?

MB: Meine Rolle als Jorges Novize war eher eine kleine. Jean-Jacques ist ein großartiger Regisseur. Er ließ sich wohl von der amerikanischen Casting-Agentin Mary Jo Slater überzeugen, ihren Sohn mit der Hauptrolle zu betrauen. Zumal Adson von Melk Österreicher, also deutschsprachig ist. So läuft es viel zu oft, vor allem hier in Hollywood. Klar ist aber, dass sich aus einer solchen Hauptrolle heraus eine Filmkarriere besser angehen lässt.

GW: Welche Filme haben Sie denn noch nachhaltig beeindruckt?

MB: Ich habe kurz nach meiner Übersiedlung nach Amerika, 1995, den Film 'Baraka' gesehen und kann ohne Übertreibung sagen, dass er mein Leben veränderte.

GW: Wie das?

MB: Kein gesprochenes Wort, nur Musik und Bilder. Über die Erde, das Leben, Religionen, Menschen, Tiere, Spiritualität, einfach alles. Ich schaue mir diesen Film häufig an. Er beantwortet - zumindest mir – Fragen, die das Leben stellt. Ich kann ihn nur empfehlen. Ein wenig habe ich mich selber in dem Klassiker 'Mr. Smith goes to Washington' gefunden. Das war eine der Glanzrollen von James Stewart. Und 'The Misfits', mein bevorzugter Monroe-Film. Ansonsten ist die Liste meiner Lieblingsfilme sehr lang. Damit will ich niemanden langweilen.

GW: Was war der Grund, was die Motivation für Ihren Wechsel nach Kalifornien?

 MB: Change, Wechsel, Erneuerung. Marilyn Monroe ging während des Höhepunkts ihrer Karriere zurück zur Schule, um sich weiterzubilden. Sie war ein Anreiz für mich, das gleiche zu tun. Ich wusste damals allerdings nicht, dass das Lee Strasberg Theatre Institute nichts anderes ist als eine Klappsmühle für Studenten aus der ganzen Welt.

GW: Mariyln Monroe hatte in Lee Strasbergs Actors Studio Schauspielunterricht genommen.

MB: Vielleicht hätte ich nach New York, ins Actors Studio, gehen sollen. Das hiesige Theatre Institute ist reines Business. Möglicherweise hätte ich auch niemals aus Deutschland weggehen sollen.

GW: Klingt, als bedauerten Sie Ihre Entscheidung.

MB: Wie man's nimmt. Es war zum Beispiel eine wunderbare Erfahrung, als ich fast alle meine materiellen Dinge verkaufte. Es war befreiend. Jeder sollte das mal im Leben machen. Ich kam mit zwei Koffern in L.A. an.

GW: Wenn man als deutscher Schauspieler nach Los Angeles kommt, muss man früher oder später bekanntlich genauso zu Castings gehen wie amerikanische Schauspieler, die nicht zu den so genannten Superstars gehören. Wie war das bei Ihnen? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

MB: Ich ging zu mehreren Castings und musste ständig als 'Nazi' vorsprechen. Das macht natürlich nicht so viel Spaß, besonders wenn du lernst, dass jüdisches Blut in deinen Adern fließt. Sobald Amerikaner einen Akzent hören, besonders, wenn es ein deutscher ist, folgen dumme Witze garantiert. Dabei ist Amerika ist ein Land voller Akzente, Kulturen, und das ist gut so.

GW: Ihrer Schauspieler-Karriere haben Sie mit Ihrem Umzug nach Los Angeles praktisch ein Ende bereitet, um sich Ihrer Leidenschaft 'Marilyn Monroe' zu widmen?

MB: Ja, so könnte man es sehen. Ich war ja schon seit meiner Kindheit begeistert von Marilyn Monroe und vertiefte das ganze, ging zu einer ersten Auktion und war fasziniert von Ihrem Geschmack und Ihren persönlichen Gegenständen. Nach und nach ersteigerte ich jene, die mir besonders gefielen, vor allem einen Großteil ihres mexikanischen Mobilars, Dekoration- und Kunstgegenstände aus ihrem Haus in Brentwood, Accessoires und Kleidungsstücke, die sie getragen hat.

GW: Etwa den berühmten weißen Bademantel.

MB: Auch das orangene Shirt, von Emilio Pucci entworfene Shirt oder das schwarze Kleid aus irischem Leinen. Kleidungsstücke, in denen sie nicht nur ausgesprochen natürlich und attraktiv aussah, sondern auch glücklich.

GW: Sie gelten in Sachen Marilyn Monroe auch als 'Debunker', als Enthüller, der unter Einsatz persönlicher Mittel schon mal Ausstellungen aufmischte, auf denen Sie angebliche echte Exponate als Fälschungen entlarvten. Wieso machten Sie das?

 MB: Aus mehreren Gründen: Unechte Exponate in einer Ausstellung auszustellen ist Betrug, und der ist bei Marilyn-Monroe-Memorabilia unglaublich groß. eBay ist ein Schleudermarkt für gefälschte oder unechte Exponate. Wenn man sein Vermögen in echten Memorabilia anlegt, sollte man auch das Recht besitzen, seine Sammlung zu verteidigen. Fälschungen, Kopien und auch die Verballhornung einer amerikanischen Ikone - wie die Monroe eine ist – auf Eierbechern, Kaffeetassen, oder anderem Kleinkram können natürlich den Wert einer Sammlung mindern. In diesem Bereich sind Anna Strasberg, die Witwe Lee Strasbergs, und die CMG Worldwide unterwegs.

GW: Anna Strasberg verfolgt Ihrer Ansicht nach rein kommerzielle Interessen mit dem Namen 'Marilyn Monroe', wie Sie in vielen Ihrer Artikel und Blogs behaupten. Sie habe "Marilyn auf Salz- und Pfefferstreuer gebracht", sagten Sie in einem Gespräch mit mir. Können Sie das etwas datailierter beschreiben?

MB: Anna Strasberg hat unzählige Millionen Dollar durch Marilyn Monroe gemacht. Die Produkte, die Strasberg fürs Merchandising genehmigte, sind unter aller Würde. Sie hat nicht eine einzige Blume als Dank an Marilyn Monroes Gedenkstätte gebracht. Sie ist extrem gierig und geizig, zahlte zum Beispiel keinen Pfennig der Arztkosten für ihre an Krebs sterbende Stieftochter Susan Strasberg in 1998/1999. Als Susan im Januar 1999 letztendlich verstarb, gab Anna Strasberg Grünes Licht für den Verkauf der Marilyn Monroe-Habseligkeiten, des privaten Besitzes, Memorabilia. Totale Vermarktung. Ein Museum wie es Frida Kahlo in Mexico City hat, wäre möglich gewesen. Allein 1999 machte sie $13.5 Millionen mit der Auktion bei Christie's New York.

 GW: Sie haben damals mit Ihren Käufen dazu beigetragen.

MB: Ein großer Teil war natürlich auch von mir, aber ich wollte so viel als möglich retten. Es zusammenhalten, da mir immer die Errichtung eines Marilyn Monroe-Museums oder eine umfassende Ausstellung vorschwebte. Ich glaube, dass Marilyn Monroe in 2000 Jahren noch ein Begriff sein wird.

GW: Vielleicht gerade wegen der Salz- und Pfefferstreuer.

MB: Hoffentlich nicht. Anna Strasberg sah bald nach der Auktion ein, dass sie einen Fehler gemacht hatte und beauftragte dann Mark A. Roesler - den 'Lizenz-Anwalt' und CEO von CMG Worldwide - damit , eine Kopie von der Christie's Auktion vorzubereiten. Zusammen mit Robert W. Otto, June DiMaggio, Mary Jane Popp und vielen anderen wurde so binnen fünf Jahren ein gewaltiger Ausstellungsbetrug vorbereitet.

GW: Konnten bzw. können Sie das belegen?

MB: Ja.

GW: Sie gelten inzwischen als einer der weltweit bekanntesten und bedeutendsten Sammler und Experten von Original-Memorabilia aus dem Nachlass von Marilyn Monroe. Ihrer Webseite kann man entnehmen, dass Sie Ihr Haus mit einer Fülle davon eingerichtet haben. Wie es heißt, hätten Sie Ihr gesamtes Vermögen für Ihre Sammlung 'The Mark Bellinghaus Collection' ausgegeben, rund 1,5 Millionen Dollar. Stimmt das?

MB: Für mich haben diese persönlichen Gegenstände einen weitaus wichtigeren Wert, als dass man ihn monetär beziffern könnte.

GW: Haben Sie tatsächlich mit Ihrem Beruf abgeschlossen oder könnten Sie sich vorstellen, noch mal einzusteigen?

MB: Einmal Schauspieler, immer Schauspieler, das hat mir Camilla Horn damals gesagt. Und so sehe ich das auch. Ich habe in den letzten 13 Jahren so viel über Menschen und das Leben im Allgemeinen gelernt, dass es für die Arbeit als Schauspieler nur nützlich wäre.

GW: Fühlen Sie sich denn nach all Ihrem Engagement in Sachen 'Marilyn Monroe', das Sie ja - folgt man Ihren Blogs und Threads im Internet - recht emotional angegangen sind, noch gewappnet für die Schauspielerei?

MB: Aber natürlich. Ich glaube, um ganz ehrlich zu sein, dass ich diesen harten Kampf niemals gewonnen hätte, wenn ich nicht meine Taktik, meine Strategie und meine Erfahrungen, die ich als Schauspieler gelernt habe, über viele Jahre hinweg eingebracht hätte. Emotionen sind wichtig, gehören zum Repertoire eines Schauspielers.

GW: Ist Ihnen die Bühne näher als die Kamera?

MB: Die Frage ist etwas unfair. Es ist fast, als würden Sie mich fragen: Wer ist Ihnen denn näher, Ihr Vater oder Ihre Mutter? Ich liebe beide.

GW: Könnten Sie sich vorstellen, wieder in Deutschland Ihrem Beruf nachzugehen, sozusagen einen Neuanfang zu wagen?

MB: Absolut.

GW: Dann hieße der nächste Schritt ja, sich in Deutschland einer Agentur anzuvertrauen.

MB: Das wäre der notwendige nächste Schritt.

GW: Herr Bellinghaus, wir danken Ihnen für das Interview.

Das Interview führte Uwe Goerlitz zwischen dem 2. und 4. August 2008.

Das Titelbild 'Marilyn Monroe blue' wurde von Mark Bellinghaus entworfen.

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