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Fußball: Kevin allein nach Haus, Löw unnachsichtig beleidigt
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Mut der Verzweiflung

Nationalspieler Kevin Kuranyi sorgte erst für einen Affront und bereut nun seinen Rücktritt. Bundestrainer Joachim Löw erklärt in üblicher Manier und versucht davon abzulenken, daß zum Dissens immer mindestens zwei gehören.

Von Jochen Henke (2008-10-13)

Wer kein Glück hat, bekommt auch noch Pech hinzu. Nachdem der ehemalige Fußballnationalspieler Kevin Kuranyi, der beim Gelsenkirchener Klub FC Schalke 04 sein Geld als Kicker verdient, am vergangenen Samstag während der Halbzeit des WM-Qualifikationsspiels Deutschland - Russland (2:1) seinen Tribünenplatz verlassen hatte, um allein (?) nach Hause zu fahren und irgendwann am Abend noch Zeit fand, seinen Rücktritt aus dem DFB-Team zu verkünden, bereute er heute diesen Schritt, indem er seine Situation zu relativieren versuchte.

Das verwunderte insofern, als er doch ein Zeichen gesetzt hatte. Wie verschiedene Medien am Morgen unter Berufung auf Aussagen Kuranyis und offenbar informierter Kreise aus dem Umfeld des DFB meldeten, habe Kuranyi Fußballbundestrainer Joachim Löw bereits am Samstagmittag, nachdem der Stürmer erfahren hatte, weder im Aufgebot zu stehen, noch auf der Ersatzbank zu sitzen, indessen auf der Tribüne des Westfalenstadions (Signal-Iduna-Park) Platz zu nehmen habe, gefragt, ob er nicht lieber zu Hause bleiben könne.

 Löw habe verneint, und man kann sich unschwer denken, daß Kevin Kuranyi darin keine Logik erkannte. Schließlich kann jemand, der auf der Tribüne oder sonstwo unter den gemeinen Zuschauern verweilen muß, nicht eingewechselt werden.

Die Entscheidung Kuranyis - immerhin ein Stürmer, der bisher in 211 Bundesliga-Fuballspielen 82 Tore schoß, in 44 Europapokalspielen 16 und in 50 Länderspielen 19, und damit zu den erfolgreichen Stürmern der deutschen Fußballnationalmannschaft gehört -, sich stiekum aus dem Dortmunder Stadion und aus der Nationalmannschaft zu verabschieden, wurde bisher hauptsächlich zu des Stürmers Lasten gewürdigt.

Wohl auch deshalb ließ er, der sein erstes Tor für die DFB-Elf auf den Tag seines Verschwindens genau während des DE-RUS-Spiels im Jahr 2003 gegen Island geschossen und der Löw-Elf am 22. August 2007 in London ein 1:1 gesichert hatte, sich zu einer Pressekonferenz hinreißen, die er gar nicht mehr nötig gehabt hätte. 

Denn die oft zitierte Philisophie des doch eher dünnhäutigen Joachim Löw, die weit von Hegel oder Kant entfernt ist, allerdings um einiges simpler, griff bei Kuranyi, der - das muß erwähnt werden - neben seinem Broterwerb bei seinem Arbeitgeber auch als Familienvater in der Verantwortung steht, am vergangenen Samstag nicht.

Kuranyi ist demnach wie viele andere Nationalspieler mit 26 kein dummer Junge und braucht sich auch nicht als solcher behandeln zu lassen. Er ist ein Berufsfußballer, und als Stürmer wird er daran gemessen, was er an Torchancen verwertet. Er ist aber auch darauf angewiesen, was ihm an Bällen zugespielt wird.

Das hat mit Taktik und Spielstrategie zu tun, natürlich auch mit den auf den Punkt bereiten, richtig einzusetzenden Extremitäten, die man zum Fußballspiel benutzen darf, und mit dem Kopf, vor allem dem denkenden, nicht nur den Ball ins Tor zu versuchen bringenden. Für die Taktik und die Spielstrategie ist Löw verantwortlich, wenn auch nicht immer zuständig.

Stürmer sind keine Roboter. Sie treffen nicht in jedem Spiel (siehe Lukas Podolski, Mario Gomez, Miroslaw Klose), zumal dann nicht, wenn recht häufig das System gewechselt wird. Der Anspruch von Spielern an die Trainer ist heute höher als noch zu Turnvater Jahns, Sepp Herbergers oder Jupp Derwalls Zweiten.

Unsinniges hatte schon Franz Beckenbauer als Spieler unter Bundestrainer Helmut Schön (1912-86) erkannt, und gegen die altväterliche Haltung des DFB im Verbund mit dem'Bomber der Nation', Gerd Müller, und den Young Rebels Paul Breitner (damals Marxist) und Uli Hoeneß (damals wie heute Betriebswirt und Metzger) artikuliert.

J oachim Löw, der in 52 Bundesligaspielen 7 Tore, und in 252 Zweitligaspielen immerhin 81 Tore erzielte, nimmt Kuranyi dessen Verhalten vom vergangen Samstag krumm und bekam ausreichend Gelegenheit, dies medial zu transportietren. Heute wurde gemeldet, daß er die "Kuscheldecke" wegziehe (Spiegel Online). Als ob es beim DFB je kuschelig gewesen wäre.

Löw, der sich in Phalanx mit dem Ex-Nationalstürmer und DFB-Manager Oliver Bierhoff befindet, einem Mann, der als Stürmer auch durch Höhen und Tiefen gegangen war, letztlich aber zum Europameisterschaftsheld im Endspiel gegen Tschechien in Wembley 1996 avanciete, ist wohl objektiv kein guter Fußballeher.

Den "Konkurrenzkampf anheizen" (Löw), verlautet aus des Bundestrainers Wortschwällen bereits, seit er das Amt inne hat. Nichts Neues. Alle Bundestrainer verfolgten diese simplifizierte Strategie bisher, und die meisten Bundesliga-Klubs tun dies ebenso. Das sollte mal ein Arbeitgeber in der realen Wirtschaft so formulieren. Sofort rückten ihm Betriebsrat und Gewerkschaft auf die Pelle.

Das Konzept 'Konkurrenzkampf anheizen' kommt langsam in Verruf, läßt es doch durchaus die Unterstellung zu, daß Planlosigkeit herrscht. Durchaus auch bei Löw, der postmodern Sepp Herberger und Turnvater Jahn vertritt. Er hat bislang - im Vergleich zu früheren Bundestrainern (Herren) - ein wenig über dem Durchschnitt Erfolg, duldet Kritik jedoch bestenfalls, ohne mit ihr wirklich souverän umgehen zu können.

Seine offenbar erzieherischen Prämissen unterliegenden Handlungen und Reaktionen sind so, wie er sie transportiert, schlicht nicht angebracht, wenn er es nicht mit Jugendlichen zu tun hat. Kevin Kuranyi ist kein Jugendlicher. Und abgesehen von dessen gestandener Persönlichkeit, die ihm Joachim Löw mit seiner kalten, unsubstantiierten Oberlehrerschaft über die Medien geradezu abzusprechen versuchte, pölte der Schalker Stürmer die Pille in der Bundesliga dort hinein, wohin sie gehört.

Nüchtern betrachtet, hat Kuranyi mit seinem als Fauxpax bezeichneten Schritt vom Samstagabend folgerichtig gehandelt. Der Bundestrainer müßte dies wissen. Pädagogisch wertvoll wäre es, wenn er, der Bundestrainer, auch sein eigenes Verhalten überdächte und nicht auf autoritäre Relikte Wert legte. Auch Ausbilder - Löw ist einer - machen Fehler. Jeden Tag, immerzu. Dies zuzugeben zeugt von Souveränität.

Löw hingegen reklamiert nun den Rauswurf Kuranyis für sich, obwohl der Schalker Brasilianer, der zuvor jahrelang beim VFB Stuttgart Tore geschossen hatte, ihm mit seinem Rücktritt zuvorgekommen war. Eins zu Null für Kuranyi.

Doch Löw diktierte in die Mikrophone: "Die Entscheidung ist so gefallen." Er (Löw) habe nichts zurückzunehmen. Vielleicht aber mal darüber nachzudenken, ob er ein geeigneter Fußballehrer ist, zumal für die Nationalmannschaft. Da ist normalerweise keine A- bis D-Jugend mehr unterwegs. Kevin Kuranyi war konsequent. Zumindest am vergangenen Samstag.

© Jochen Henke

© GeoWis (2008-10-13)

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