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Denn plötzlich sind sie tot: Helmpflicht für alle Abfahrer?
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Der Tod fährt immer mit

Seitdem der thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus in einen schweren Ski-Unfall verwickelt ist, bei dem eine slowakische Skiläuferin zu Tode kam, mehren sich die Stimmen nach einer Helmpflicht. Doch es gibt auch andere Fragen, deren Beantwortung noch aussteht.

Von Silke Reinhardt (2009-01-02)

Der tragische Tod der 41-jährigen slowakischen Skifahrerin, die am Neujahrstag 2009 mit dem thüringischen Ministerpräsidenten Althaus in den österreichischen Alpen kollidierte, findet in der slowakischen Presse nur mäßige Berücksichtigung. Zu sehr ist das Land mit dem Feiern der Zugehörigkeit zur Euro-Zone beschäftigt, vor allem aber die slowakische Presse.

Wer die Frau war und wie sie heißt, ist inzwischen bekannt: Beata C. Sie trug keinen Helm. Die Kollision muß ausgesprochen heftig gewesen sein, denn sonst hätte Althaus - der laut steiermarkschen Polizeiangaben einen Helm getragen habe - nicht derart schwere Schädelverletzungen davongetragen; sonst wäre die Slowakin wohl auch nicht gestorben. Vielleicht wäre Althaus ebenfalls gestorben, hätte er keinen Helm getragen.

Der Deutsche Skiverband empfiehlt seit langem, beim Abfahren einen Helm zu tragen, ganz gleich, ob es sich um Skifahrer oder Snowboarder handelt. Die Geschwindigkeiten, die mitunter über 100 km/h betragen können, sind schon mit Helm geeignet, sich den Hals zu brechen. Bei Snowboardern kommt regelmäßig noch eine Portion akrobatischen Leichtsinns hinzu und potenziert das Risiko, im Rollstuhl oder im Sarg zu enden.

Etwa "8.000 deutsche Skifahrer" verunglückten jährlich, so Michael Berner heute in der WDR-2-Radiosendung 'Mittagsmagazin". Berner ist Sicherheitsexperte des Deutschen Skiverbandes. Zwar sieht er eine Abnahme des Risikos eines Ski-Unfalls und beziffert sie es mit 0,14 Prozent (!), doch empfiehlt er zur Reduzierung "schwerer Verletzungen" Helmpflicht.

Indes, man tut sich schwer, auch den Gesetzgeber davon nachhaltig zu überzeugen. Auch die Gesetzgeber der Deutschen liebster Wintersport-Länder tun sich schwer damit, die Helmpflicht für etwa Skisportler und Snowborder einzuführen. Weniger lebensbedrohliche oder tödliche Unfälle würden sich auf Profit ausgerichtete Rettungsorganisationen insbesondere in Österreich und der Schweiz dann ja nicht gerade produktiv auswirken.

Was im Bereich Motorrad/Krad in Deutschland seit dem 1. August 1980 gilt, nämlich die Helmpflicht, ist 29 Jahre danach im alpinen Ski- und Snowboardsport noch immer nicht angekommen. Selbst einfachste Regelungen, wonach die gesetzliche Krankenversicherung für freizeitorientierte Risikosportarten aus der Haftung genommen würde, lassen sich bis dato nicht durchsetzen.

Das kostet die in Deutschland ansässigen Steuerzahler jährlich einige Milliarden Euro und trägt mit dazu bei, daß die gesetzlichen Krankenkassen ihre Leistungen straffen. Dieter Althaus kostet seine Krankenkasse - und wohl auch den Steuerzahler - richtig Geld, und ebenso treiben all jene, die aus Spaß an der Freud auf Kosten der Allgemeinheit ihren risikoreichen Sportspaß haben und dabei verunglücken die Kosten in die Höhe.

Auf die Idee, einen Helm zu tragen, kommen die meisten Wintersportler dümmlicherweise nicht. Das Phänomen scheint nicht nur intellegenzbedingt, sondern auch länderübergreifend. Und plötzlich sitzen sie im Rollstuhl oder sind tot.

Althaus trug einen Helm. Des Ministers unfallträchtiges Problem war, daß in der wirren EU längst nicht das durchgesickert ist, was vonnöten wäre: Helmpflicht in den europäischen Skigebieten. Und das ist bisher nur eines von vielen Versäumnissen. Er hat überlebt, sie ist tot. Ohne Helmpflicht - das ist prominent klar geworden - geht es nicht.

© Silke Reinhardt

© GeoWis (2009-01-02)

Update (2009-01-03): Inzwischen ist Dieter Althaus aus dem Koma erwacht. Routinemäßig, wie es heißt, ermittle die zuständige Staatsanwaltschaft gegen ihn wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung.

Update (2009-01-06): Inzwischen ist der Nachname des Opfers bekannt geworden. Mehrere Nachrichtungenagenturen und Online-Medien, darunter der Deutsche Depeschendienst (DDP) und stern.de, verbreiteten, das durch Beteiligung von Dieter Althaus zu Tode gekommene Opfer heiße Beata Christandl.

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