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Napoleoni, Loretta: Die Zuhälter der Globalisierung. Rezensiert von Simone ten Breck
[425]

"Globaler Virus Demokratie"

Mit ihrem neuesten auf Deutsch erhältlichen Buch Die Zuhälter der Globalisierung (Original: Rogue Economics) hat Loretta Napoleoni eine kritische Bestandsaufnahme weiterer Schattenseiten der Globalisierung vorgelegt.

Von Simone ten Breck (2009-02-26)

Die Korrelation zwischen Demokratie und Sklaverei sei eine Folge der Schurkenwirtschaft, eines in der Geschichte immer wiederkehrenden Phänomens, das oft rasche und unerwartete Umbrüche begleite, schreibt die gebürtige, in den USA lebende Römerin Napoleoni, die vor fünf Jahren mit ihrem im Kunstmann Verlag auf Deutsch erschienenen Buch Die Ökonomie des Terrors (Original: Terror Inc.) ihren ersten internationalen Bestseller landete.

Sie ist der begründeten Meinung, daß sich in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts ein globaler Virus, die Demokratie, verbreitet habe, nachdem erst die Berliner Mauer, dann die Sowjetunion und der restliche ehemalige Ostblock zerfallen waren. "Mit der Demokratie verbreitete sich auch die Sklaverei", schreibt sie und hebt auf weltweite Zusammenhänge wie auf regionale Besonderheiten ab.

Eines der Themen ist dabei der internationale Frauen- und Mädchenhandel, der bereits zu Beginn der 1990er Jahre hochorganisierte Formen annahm, als massenhaft Sexsklavinnen vor allem aus dem Ostblock und dem Balkan nach Westeuropa geschleust wurden, und ein Milliarden-Euro-Geschäft ist.

Doch das "neue Geschäft mit dem Sex war nur die Spitze des Eisbergs", sagt Napoleoni. "Die Globalisierung brachte die Ausbeutung von Sklavenarbeit auf ein industrielles Niveau, sie erreichte ein Ausmaß, das es bis dahin nie gegeben hatte, nicht einmal im transatlantischen Sklavenhandel."

Es ist kein Buch über Sklaverei, obwohl sich dieser Begriff mal direkt, mal umschrieben, mal beiläufig, mal gänzlich unsichtbar wie ein Roter Faden durch das Buch zieht. Auch sei es kein "Antiglobalisierungshandbuch", wie die Autorin heraushebt, sondern eines, das dazu gedacht sei, "die Verbraucher zu stärkem mit Wissen über die Welt, in der wir leben."

 Dennoch: wir erfahren, daß mexikanische Erntehelfer in den Sonnen- und agrarisch orientierten Staaten der USA unter bewaffneten Bewachern arbeiten; daß in afrikanischen Staaten, die Agrarprodukte für den Weltmarkt produzieren - Kakao, Obst -, ArbeierInnen und Jugendliche unter strengsten Bedingungen zu Hungerlöhnen ausgebeutet werden; daß in China und Südostasien ArbeiterInnen ein ähnliches Schicksal erleiden.

Pauschal betrachtet, erfahren politisch aufmerksame Leser nicht allzuviel Neues, was dies betrifft. Hingegen weniger mit dieser Thematik Vertraute dürften einen kolossalen Eindruck bekommen.

Doch auch den Aufmerksamen sei dieses Buch kräftige Lektüre, zumal Napoleoni die Dimensionen klarmacht, auf unsere Mitverantwortung hinweist und auf die strukturellen Mechanismen global operierender Unternehmen, deren Hauptquartiere oft, aber nicht nur im Westen liegen.

Die Autorin nimmt dabei keine strikte Gegenüberstellung der politischen Systeme vor, etwa Kapitalismus versus Sozialismus oder Kommunismus. Damit wäre das Buch zu angreifbar, schließlich ist Ausbeutung ein systemunabhängiges Phänomen, wie die Weltgeschichte beweist. Sie beruht auf ihren Akteuren. Davon ist ein ehemaliger Kolchoseleiter ebensowenig ausgenommen wie ein kalifornischer Rebenzüchter, ein chinesischer Jeansproduzent oder ein deutscher Erpelbauer.

"Schurkenwirtschaft" ist der Autorin, die neben einem Doktor in Ökonomie, erlangt an der Universität von Rom, und einen Master of Philosophy der London School of Economics hält, analog zur globalen Sklaverei in ihren unterschiedlichen Ausprägungen ebenso ein Anliegen. Folgt man Napoleonis Text, fallen jede Menge Branchen in diese Klassifizierung.

Etwa die Lebensmittelindustrie samt der Fast-Food-Ketten. So erfahren wir, daß rund ein Sechstel der Todesfälle in den USA auf Übergewicht und Fettleibigkeit zurückzuführen seien, und daß nicht zwingend Fett daran Schuld trägt, sondern fettarme Produkte mit reichlich Kohlehydraten. Genauso erfahren wir von der Abkehr des Staates, seine Bürger vor Schurkenwirtschaft zu schützen, weil er die Schurken nicht ausreichend kontrolliert.

Er reglementiert sie beispielsweise nicht dahingehend, nur noch gesunde Lebensmittel zu produzieren oder in den Handel zu bringen. Liest man dieses Kapitel in Napoleonis Buch, könnte man zu dem Schluß kommen, der Staat lasse alle Lebensmittel zu, die nicht giftig seien oder deren Verzehr nicht direkt zum Tode führten. Ungefähr so verhält es sich jedoch. Weltweit.

Die freche, inzwischen auch einflußreiche Römerin, die mit diesem Buch ein Kaleidoskop finsterster Seiten der Globalisierung und nationalstaatlicher - teils gewollter - Inkompetenz vorlegt, hat noch mehr in petto. Etwa die globale Fälschungsindustrie, ein Multimiliarden-Euro-Markt. Mehrere Millionen Arbeitsplätze hängen inzwischen von ihm ab, vor allem in China, der Türkei, Mexiko und anderen Ländern, deren Bevölkerungen in der Fläche und Summe bisher vom erwirtschafteten Bruttoinlandsprodukt weitestgehend abgekoppelt sind, aber der Wohlstand einiger weniger Akteure in urbanen Zentren unerhört zu ihren Lasten steigt.

Unzählige Arbeitsplätze hängen auch von den realen Schattenökonomien etwa der kalabrischen Mafia 'Ndrangheta und vergleichbaren Mobsters ab, genauso wie von Drogenbaronen und den Oligarchen russischer Energie- und Mineralienkonzerne. Napoleoni beleuchtet auch diesen Part der Globalisierung, wenngleich nicht tief genug. Das ist im gesetzten Rahmen dieses Buches auch schwer möglich.

Nicht zwingend, doch für des Lesers Auge und dessen schnelle Erfassung durchaus von Vorteil, wären einige Schaubilder und/oder Tabellen, auf die die Autorin leider verzichtet, was die Aussagekraft des Textes nicht schmälert. Man könnte ob dieses Mangels allerdings geneigt sein, anzunehmen, hier habe sich die Autorin etwas Arbeit ersparen wollen.

Wohl bemerkt: könnte. Loretta Napoleoni (54), die schon jetzt auf ein umtriebiges Wissenschafts- und Journalistenleben zurückblicken kann, ist keine Naomi Klein, die mit ihrem Buch The Shock Doctrine den Aufstieg des Katastrophenkapitalismus beschrieb und Position bezog. Napoleoni ist auf andere Weise unterwegs, nicht nur in Krisengebieten.

Amerikanische Autoren populärwissenschaftlicher und journalistisch verfaßter Sachbücher, selbst wenn die Autoren europäischen Ursprungs sind, neigen dazu, die Dinge auf den Punkt zu bringen, textlich, ohne viel Aufhebens um Schaubilder zu machen. Das kann wohl als eine Art ökonomischen Schreibverständnisses verstanden werden. Deutsche Autoren neigen zunehmend auch dazu.

Loretta Napoleoni ist Mitglied des Club of Madrid, einer honorigen Versammlung von ehemaligen Staats- und Regierungschefs, die sich die Verbreitung der Demokratie ohne die damit einhergehende, von der Autorin gescholtene, Sklaverei und Ausbeutung auf die Fahne geschrieben zu haben, und Waffengänge als Mittel zur Verbreitung dieses Politikmodells vorzugsweise ablehnen. Die Autorin ist Chefin der Abteilung Countering Financing Terrorism. Sie gibt bereitwillig etwa Amy Goodman vom linksdemokratischen (US)-Online-Sender Democracy Now! ein Interview.

Unabhängig ihres institutionellen Engagements und ihrer mitunter zum Vorschein kommenden konservativen Einstellung: im Kern scheint Napoleoni eine Vollblutjournalistin zu sein. Ihr vorliegendes Buch jedenfalls gibt Anlaß dazu, dies anzunehmen. Schon das Original - Rogue Economics - ist in rasantem Duktus geschrieben. Die deutsche Ausgabe steht dieser rasanten, gut verständlichen Schreibe dank der hervorragenden Übersetzung von Heike Schlatterer und Ursel Schäfer in nichts nach.

© Simone ten Breck

© GeoWis (2009-02-26)

Loretta Napoleoni: Die Zuhälter der Globalisierung. Über Oligarchen, Hedge Fonds, 'Ndrangheta, Drogenkartelle und andere parasitäre Systeme. Hardcover, 384 S., ISBN 978-3-570-50090-3. Riemann Verlag, München, 2008.

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