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Die kalifornische Firma 23andMe will eine umfassende Datenbank zum Erbgut jedes Einzelnen erschaffen und kleidet dieses Vorhaben in Prosa. Ein 'soziales Netzwerk' soll die Erbgut-Datenbank werden. Google ist dabei behilflich.

Von Liz Bremer (2009-03-07)

Sie ist Biologin und hat nach ihrem Abschluß an der Yale University (New Haven, Connecticut, USA) im Jahr 1996 zehn Jahre lang im Bereich Investment mit Fokus auf Biotech-Firmen gearbeitet, bevor sie sich 2006 mit ihrer Linda Avey selbständig machte und 23andMe (Mountain View, Kalifornien) gründete. 

 Die Rede ist von Anne Wojcicki (*1973), die sich 2007 mit Google-Mitbegründer Sergej Brin auf den Bahamas vermählt hat. Wie Lars Reppesgaard in seinem im September 2008 im Murmann Verlag erschienenen Buch Das Google-Imperium schreibt, habe sich Brin in die Biologin verliebt. Ausgangspunkt sei die Garage der Schwester Wojcickis gewesen, die sie an "an eine Horde abenteuerlicher Software-Entwickler" vermietete, "die gerade ihre Räume in der Stanford University verlassen hatten, um ein Unternehmen zu gründen." Kurz darauf entstand Google.

Wojcicki hat russisch-polnische Wurzeln, Brin, gleichaltrig, ist in Moskau geboren, aber beides dürfte nur ein Aperçu im Hinblick auf ihre Verbindung sein. Die beiden Intelligenzien, Brin als Mathematiker, Wojcicki als Biologin, verstehen es, auch beruflich zu synergieren.

Brin hat im Verbund mit Larry Page neben seinen Fähigkeiten als Programmierer auch unter Beweis gestellt, daß er ein Multimilliarden-Dollar-Unternehmen leiten kann. Seine geschäftstüchtige Gattin versucht dies seit 2006 mit 23andMe.

Die Firma bietet jedem, der sich auf ihrer Webseite registriert, gegen Bezahlung eine Genanalyse an. Anfangs kostete diese zwischen 999 und 2500 US-Dollar. Aufgrund gestiegenen Wettbewerbs und effizienterer Analysemethoden ist sie zur Zeit schon ab 399 US-Dollar zu haben. Etwa "600.000 Datenpunkte", sogenannte Marker, werden bislang (Stand: August 2008) aus jeder Speichelprobe untersucht.

Der registrierte Nutzer bekommt nach Überweisung des Betrags ein Kit zugesendet, in dem sich unter anderem ein Kunststoffröhrchen befindet, in das er mindestens 2,5 Milliliter seines Speichels einbringen und es dann an 23andMe schicken muß. Jeden Morgen steht auf der Welt irgendein Idiot auf, der sein Geld für Dinge ausgibt, deren Dimensionen er nicht gänzlich überblickt.

Die Geschäftsidee von 23andMe geht laut Reppesgaard auf Avey zurück, die viele Jahre als Managerin in Biotech- bzw. Pharmaunternehmen gearbeitet hat - darunter Affymetrix (Santa Clara, Kalifornien), ein Unternehmen, das in Gentechnik macht, und Perlegen Sciences, das zu Affymetrix gehört und sich unter anderem dem Brustkrebs widmet -, aber Avey "fehlten Kapital und ein Computersystem, das leistungsfähig genug" gewesen wäre, "die anfallenden Massendaten zu verarbeiten."

 Gemäß Googles strategischer Ausrichtung, alle Informationen dieses Planeten unter einen Hut zu bekommen - und Informationen zur DNA sind höchst individuelle Informationen -, ließ sich Brin von den beiden Damen gerne 2,6 Millionen Dollar aus der Tasche ziehen, um das Start-up zu unterstützen. Im Mai 2007 habe Google seine Beteiligung an 23andMe auf knapp vier Millionen Dollar aufgestockt, so Reppesgaard.

Auch Filmmogul Harvey Weinstein hat Kapital gegeben, und sich testen lassen. Risiko- bzw. Beteiligungskapital erhielt 23andMe auch von den Risikokapitalgesellschaften New Enterprise Associates (NEA; Baltimore, Maryland) und Mohr Davidow (MDV; Menlo Park, Kalifornien), wie auch von der Firma Genentech (San Francisco, Kalifornien). Letztere ist seit mehr als 30 Jahren in diesem Business unterwegs. Insgesamt kamen knapp 9 Millionen US-Dollar für das bald drei Jahre alte Start-up zusammen. Inzwischen beschäftige 23andMe 45 Mitarbeiter, heißt es auf deren Webseite.

Der Firmenname 23andMe steht für die 23 Chromosomenpaare, die den DNA-Basisstrang eines jeden Menschen ausmachen, und der individuellen Neugier ('and me'), für die es sicherlich auch ein Gen gibt. Auf dieses Neugier-Gen setzen die DNA-Business-Damen und ihre Beteiligungs- und Risikokapitalgeber.

Sie sind der nicht unbegründeten Ansicht, daß sich ausreichend Menschen finden lassen, die über ihr genetisch vorgegebenes Erbgut Bescheid wissen wollen. Etwa dergestalt, wie hoch das Risiko ist, an Krebs zu erkranken und zu sterben. Oder das Risiko, nicht ausreichend intelligente oder nicht gesunde Kinder bekommen zu können. Letzteres kann schon seit mehr als zwei Jahrzehnten bei Männern durch ein spermatologisches Gutachten prognostiziert werden.

Dennoch: die Geschäftsidee von 23andMe, die auch eine Reihe andere US-amerikanische und außerhalb der Vereinigten Staaten angesiedelte Unternehmen schon reichlich vor 2006 hatten - so deCode in Island -, ist hinsichtlich des Netzwerkes von Wojcicki/Avey nicht ohne Brisanz, zumal Google deutlich an der Firma beteiligt ist.

Sergej Brin - der sich ebenso wie seine Gattin und deren erst wenige Monate alter Säugling dem DNA-Screening unterzogen hat - scheint die ihm erstellte Prognose, derzufolge er eine 20-zu-80-Chance hat, an Parkinson zu erkranken (sein Sohn hat eine von 50-zu-50), locker zu nehmen. Er mache sich keine Sorgen darüber, wie Anita Hamilton in einem Artikel für Time Online schreibt. 

In "zehn Jahren" werde es "normal sein, über unsere Gene Bescheid zu wissen", so Brin. Und auch Harvey Weinstein scheint sorglos zu sein, zumindest über seine Beteiligung. "Ich glaube, es ist ein gutes Investment. Es ist strikt medizinisch und geschäftlich vielversprechend."

Autor Reppesgaard glaubt, Googles Beteiligung bei 23andMe sei wichtig, "weil die Genauswerter ein Territorium erschließen, das Google bislang verschlossen war: das menschliche Erbgut." Ähnlicher Ansicht ist auch Kevin Kelleher, der in seinem Blog sagt: "Wenn Google wirklich alle Informationen der Welt zusammentragen will, braucht es auch die DNA, die persönlichste aller Information."

Streit und Irritationen mit Zulassungsbehörden hat es um den DNA-Test für jedermann (DTC-Direct-to-Consumer-Test) bereits gegeben. Einer im Juni 2007 veröffentlichten Untersuchung des an der Johns-Hopkins University angesiedelten Genetic and Public Policy Centers zufolge seien DNA-Tests nach kalifornischem Recht nur in spezifischen Bereichen zulässig.

 Etwa bei Schwangerschaften, Zucker- und bestimmten Blutkrankheiten. Die Tests müssen von der Food & Drug Administration (FDA) zugelassen sein. Over-the-Counter-Angebote für die Öffentlichkeit, also ein DNA-Screening für jeden, der wissen will, was mit seinen Genen los ist, sei nicht erlaubt. DTC-Angebote seien laut der kalifornischen Gesundheitsbehörde nur eingeschränkt zulässig.

Dumm nur, daß 23andMe ihre Kunden zunächst glauben ließ, es verfügte über eine Zulassung. Dumm auch, daß das Unternehmen nicht berücksichtigte, daß nach kalifornischem Recht nur zugelassene Ärzte Gentests in Auftrag geben dürfen. Das galt zumindest bis Sommer 2008. Danach sei 23andMe laut New York Times (v. 19.08.2008) eine Lizenz erteilt worden.

Was von DNA-Tests, wie sie 23andMe und vergleichbare Unternehmen durchführen, zu halten ist, sagt laut Anita Hamilton etwa der Direktor des Nationalen Büros für Öffentliche Gesundheit, angesiedelt beim Center for Disease Control and Prevention (CDC, Atlanta, Bundesstaat Georgia), Dr. Muin Khoury: "Die Unsicherheit ist zu groß." 

Es sei zudem "falsch, die Leute für vorläufige und unvollständige Daten zur Kasse zu bitten", sagt Khoury. 23andMe läßt sich dadurch nicht beeindrucken. Pressesprecherin Esther Dyson verkündete, es sei auf "gewisse Weise paternalistisch, die Leute zu bevormunden (...)."

DNA- und Gentech-Start-ups sind im Silicon Valley seit wenigen Jahren der letzte Schrei. Von keinem Thema versprechen sich Risikokapitalgeber inzwischen mehr Profit, als von Unternehmen, die das individuelle Genom des Menschen in Datensätze zu verpacken in der Lage sind. Vorübergehender Protest von Kritikern wird - da in Businessplänen angesprochen - in Kauf genommen.

Hier setzt man auf Erfahrung aus anderen Bereichen. In Deutschland - etwa - gab es großangelegte Proteste und Demonstrationen, als es Mitte der 1980er Jahre um die Einführung des maschinenlesbaren Personalausweises gegangen war. Genutzt hat es wenig, denn inzwischen gibt es den biometrischen Paß.

Das Unternehmen 23andMe, auf der Höhe der Zeit, schmückt sich im Beirat mit einer Reihe US-amerikanischer Koryphäen aus der Bio-, Gen- und Computer-Technologie, die als Professoren, Assistenz-Professoren und promovierte Mitarbeiter an den Universitäten Stanford, Harvard, Berkeley, Chicago oder Los Angeles Dienst schieben. Vor allem Stanford ist stark vertreten, jene Uni, an der auch die Google-Gründer Larry Page und Sergej Brin studierten und zu promovieren versuchten.

Was geschieht mit den DNA-Daten, die 23andMe - aber auch andere Unternehmen - generieren und wofür die Individuen auch noch bezahlen? Sie werden weitergereicht an Pharma-Unternehmen und Forschungsinstitute, die personalisierte Medikamente entwickeln könnten. Gegen Bezahlung, natürlich. Das gibt 23andMe unverblümt mit ein wenig Prosa auch zu.

1951 erschien vom US-amerikanischen Science-fiction-Autor Ray Bradbury (*1920; Autor von Fahrenheit 451) der Kurzgeschichtenband The illustrated Man. Darin gibt es die Geschichte The City. Eine Gruppe von Astronauten landet auf einem fernen Planeten, der ausgestorben zu sein scheint. Wie sich bald herausstellt, ist er das nur oberflächlich. Nach und nach verschwinden die Astronauten, kommen ums Leben. Unter der Oberfläche werden sie Stück für Stück von Maschinen ausgeweidet, seziert und genetisch bestimmt. Es ist eine prächtige Fabel auf das, was ein gutes halbes Jahrhundert später auch ohne Skalpell möglich geworden ist.

Google-Mitgründer Brin, der angeblich über seine DNA in Kenntnis ist und somit in der Position wäre, daraus Schlüsse zu ziehen, ist der Realität wohl endgültig entrückt und womöglich größenwahnsinng geworden. Er gibt ein gutes Negativ-Beispiel für das ab, was in einem Menschen vorgehen kann, der eine 20-zu-80-Chance auf eine bestimmte Krankheit durch einen Gen-Test erhalten hat.

© Liz Bremer

© GeoWis (2009-03-07)

Mehr Informationen, und Quellen:

Kevin Kelleher: Google, Sergey and 23andMe (...) >>

Anita Hamilton: The Retail DNA Test >>

Jason Kincaid (The Washington Post): Cease and Desist >>

23andMe >>

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