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Portrait: Johnny Depp - Hunters bester Freund
[449]

"This is Bat Country"

Nur wenige US-amerikanische Schauspieler setzen all ihren Filmen in herausragender Weise so ihren Stempel auf wie Johnny Depp dies zu tun vermag. Kaum einer auch, der sich so identifikatorisch in seine Rollen vertieft.

Von Hubertus Molln (2009-04-11)

Gelegentlich kokettiert er - so die Legende - mit seinem Nachnamen, wenn es um dessen Bedeutung im Deutschen geht. Neben deutschen Vorfahren, soll der in Owensboro, Kentucky, 1963 geborene Schauspieler auch hugenottische, irische und urgroßmütterlicherseits indianische (Cherokee) haben. Was sein Nachname auf Deutsch bedeutet, weiß jeder deutsche Muttersprachler.

 Knapp 4,8 Milliarden Dollar (Stand: März 2009) haben die bisher ans Box Office gelangten Filme umgesetzt, in denen er mitspielte. Etwa drei Milliarden davon gehen auf das Konto der drei Pirates of the Carribean-Produktionen, in denen er den durchgeknallten Piraten Jack Sparrow verkörpert.

2012 soll der vierte Film hierzu in die Kinos kommen. Ohne Zweifel gehört Depp längst zur Beletage der männlichen amerikanischen und Hollywood-Schauspieler.

Begonnen hat seine Filmkarriere in Wes Cravens Horrorfilm A Nightmare on Elm Street vor bald 25 Jahren, in dem der berühmt-berüchtigte Serienkiller Freddy Kruger (John Englund) sein Unwesen treibt. Damals noch in einer Nebenrolle als Glen Lantz, lieferte Depp bereits eine ordentliche Leistung ab und fiel anderen Produzenten und Filmemachern auf.

Er erhielt eine Hauptrolle in George Bowers Private Resort (1985) und eine kleine in Oliver Stones Platoon (1986). Dann viel Fernsehen, aber vier Jahre fast gar nichts auf Zelluloid, bis er in John Waters' Film Cry-Baby (1990) die Rolle des Wade Walker erhielt und im gleichen Jahr von Tim Burton als Edward Scissorhands (dt.: Edward mit den Scherenhänden) besetzt wurde. Dieser Film wurde zur Grundlage für die künftige Zusammenarbeit zwischen Burton und Depp und brachte dem Schauspieler seine erste Golden Globe-Nominierung ein.

Depp hatte früh - mit 20 - die Make-up-Stylistin Lori Anne Allison geheiratet, die ihn mit dem zum Francis Ford Coppola-Clan gehörenden Schauspieler Nicolas Cage bekannt machte. Die Ehe dauerte knapp zwei Jahre.

Zu jener Zeit, als John Waters mit ihm drehte, war er bereits nicht mehr mit der Schauspielerin Sherilyn Fenn zusammen, mit der teils während, und vor allem nach seiner Ehe mit Allison, vier Jahre lang eine Beziehung führte, sondern war bereits eine Liaison mit der jungen Schauspielerin Winona Ryder eingegangen, mit der er 1993 auseinandergehen sollte, um danach mit dem damals noch nicht schlagzeilenträchtigen, blutjungen britischen Model Kate Moss loszulegen.

Mit 29 erhielt Depp seine erste Charakterrolle in Emir Kusturicas Film Arizona Dream (1993), in dem er einen zögernden Träumer spielt, der sich in eine ältere Frau - gespielt von Faye Dunaway - verliebt.

Auf der Berlinale 1993 gewann der Film den Silbernen Bären. Für den noch jungen Johnny Depp war das Jahr 1993 somit erfolgreich eingeläutet. Es sollte ein Meilensteinjahr in seiner Karriere werden.

Jeremiah Chechik gab ihm die Hauptrolle in Benny & Joon. In dieser Liebeskomödie, in der Mary Stuart Masterson die weibliche Hauptrolle spielt, kommt vor allem Depps zuvor schon in Arizona Dream angedeutetes komödiantisches Talent zum Vorschein, das er fortan in vielen seiner Filme immer wieder facettenreich darbot. Arizona Dream sollte jedoch kaum mehr als eine Viertelmillion Dollar einspielen und gehört zu den kommerziell größten Flops Depps.

In Lasse Hallströms im selben Jahr erschienenem Drama What's Eating Gilbert Grape (dt.: Gilbert Grape - Irgendwo in Iowa), in dem auch Juliette Lewis und Leonardo DiCaprio ihr ganzes frühes Können an den Tag legten, brillierte Depp.

In diesem Film zeigte er nicht nur, wie sich die Tugenden Geduld, Verständnis, Verantwortungsbewußtsein und Beharrlichkeit darstellen lassen, sondern auch Gleichmut, Monotonie und Konsequenz.

Obwohl an den Kinokassen einigermaßen verreckt, gehört Gilbert Grape zweifelsohne zu den Highlights der US-amerikanischen Cinematographie, und zu einem der vielen besten Filme Johnny Depps. Daß der Film vor allem in den USA floppte, mag auch daran gelegen haben, daß er ein Spiegelbild der US-amerikanischen Unterklasse ist, die in den 1990ern kaum deutlicher auf kommerziellem Zelluloid festgehalten wurde.

 Die mehrere Zentner schwere, unschön anzusehende Mutter Gilberts, die ohne Hilfe nicht aus ihrem Sofa kommt, der schwachmatische Arnie (Leo DiCaprio), der nur liebes dummes Zeug im Kopfe hat und auf Gilbert fixiert ist, zwei bemühte Schwestern, einige provinzielle Freunde und eine Großmutter mit ihrer Enkelin als im Mobile Home daherkommende Restfamilie beschreiben in diesem Film aufs Trefflichste den in der amerikanischen Provinz nie angekommenen American Dream als Illusion.

Anti-Helden, das war zu diesem Zeitpunkt veritablen Regiseurren und Casting-Agenturen klargeworden, sind Johnny Depps Sache. Weshalb es nicht verwunderte, daß der Schauspieler gern die Hauptrolle des Edward Wood in Ed Wood (1994) übernahm, zumal Tim Burton Regie führte. Es ist die Geschichte eines der umstrittensten B-Movie-Regisseure der USA, der 1978 im Alter von 54 Jahren verstarb und mittlerweile Kultstatus genießt. Burton drehte in Schwarzweiß.

Auch dieser Film floppte in den USA und kam, anders als Gilbert Grape, gar nicht erst in die deutschen Kinos. 1995 folgen Don Juan DeMarco, Dead Man und Nick of Time (dt.: Gegen die Zeit). Während Don Juan DeMarco das Regiedebüt von Jeremy Leven war und weltweit mehr als 22 Millionen Dollar einspielte - nicht zuletzt, weil er massentauglich war und Marlon Brando mitspielt -, ansonsten aber kein herausragender Depp-Film ist, zeigt der Mime in Jim Jarmuschs kafkaeskem, auf schwarzweiß gedrehtem Halbwestern Dead Man (Box Office: ca. 1,2 Mio Dollar) seine Vorliebe für Drama und Independent-Projekte.

 Das Jahr 1996 hat Depp filmisch ausgelassen, sieht man von Richard Martinis Cannes Man ab, in dem er sich in einer Nebenrolle selbst spielt. Kassenerfolg erzielt er ein Jahr später an der Seite von Al Pacino als Donnie Brasco im gleichnamigen Film (Regie: Mike Newell; Box Office rd. 56 Mio Dollar), in dem er einen verdeckten FBI-Ermittler gibt, der sich als Juwelenhändler in die Mafia einschleust.

Im selben Jahr gab er sein Regiedebüt mit The Brave. Das Drehbuch dazu hatte er mit seinem Bruder geschrieben und gleich noch die eine Hauptrolle mit sich, die andere mit Marlon Brando besetzt. Er spielt einen mit seiner Familie im Müll wohnenden Indianer - pures, ausgegrenztes indianisches Lumpenproletariat - und sieht keine Möglichkeit, jemals aus dem Dreck herauszukommen.

Bis ihm ein ungewöhnliches Angebot gemacht wird. Er soll für 50.000 Dollar in einem Snuff-Film mitspielen, sich foltern und töten lassen. Er sagt zu, weil er glaubt, damit seine Familie aus der Deprivation holen zu können.

Während The Brave 1997 in Cannes für die Goldene Palme nominiert wurde und vorwiegend gute Kritiken in Europa erhielt, fiel er bei der Kritik in den USA durch. Depp zeigte für die US-Kritiken wenig Verständnis und weigerte sich, den Film in den USA in die Kinos zu bringen. Bis heute. Lediglich als DVD ist er dort erhältlich.

Darauf 2005 in einem Interview mit Steve Head angesprochen, antwortete Depp unter anderem: "(...) Bei der Premiere des Films (Anm. d. Vf.: in Cannes) war der Empfang jenseits meiner Erwartungen.  Ich hatte keine Ahnung, daß ich da Bertolucci oder Antonioni meinen Film sehen würde. Dann gab es unglaublichen Applaus für meinen Film. Und am nächsten Tag verreißt ihn die Mehrheit der amerikanischen Presse. (...). Ich mußte diesen Film machen."

Depp, der seine Rollen sorgfältig danach auswählt, "nicht auf einen Typus festgelegt zu werden", wie er im Interview mit Steve Head sagte und dies damit begründet, "wie ein Zigeuner aufgewachsen" zu sein, weil seine Eltern ständig umgezogen seien, gehört sicherlich zu den wandlungsfähigsten Schauspielern seiner Zeit.

Und zu den europäischsten unter den männlichen US-Akteuren seines Alters. Er nimmt sich Freiheiten, wie sie das enge Korsett Hollywoods anderen Stars nur wenig gestattet. Deshalb - auch - lebt er dort nicht. Er könne nichts damit anfangen, wenn jede Woche in irgendeinem Blatt verbreitet werde, wer gerade in sei, wer out, und wer letzte Woche in gewesen sei, sagte er Head.

Seine Paraderolle bekam er als Raoul Duke im 1998 in die US-Kinos gekommenen Roadmovie Fear and Loathing in Las Vegas, in dem er den 2005 verstorbenen US-Gonzo-Journalisten und Schriftsteller Hunter S. Thompson auf eine Weise darstellt, wie sie authentischer kaum hätte dargestellt werden können.

Der von Terry Gilliam (Jabberwocky; Time Bandits; Brazil; Twelve Monkeys) gedrehte Film beruht auf Thompsons gleichnamigem, 1971 erschienenem Roman und ist eine einzige Odyssee durch das Reich der Drogen, die Duke und sein ihn begleitender Anwalt Dr. Gonzo - gespielt von Benicio del Toro - sich einfahren, während Duke über das unweit von Las Vegas stattfindende berühmte Mint 400-Offroad-Motorradrennen berichten soll.

Sie sind nur wenige Tage in Las Vegas, zellen die Preche, nein, prellen die Zeche in den Hotels, in denen sie unterkommen, verwüsten die Zimmer so, wie es kein Rockstar bisher geschafft hat, sind abwechselnd auf Horrortrips und wollen sich gegenseitig umbringen, betrügen, lügen, blicken nicht mehr durch.  Und Duke schafft es, kaum eine Zeile zu schreiben. Es ist der ultimative Bürgerschreckfilm, der inzwischen weltweit Kultstatus genießt.

Bevor Gilliam die Regie übernahm und Depp die Rolle bekam, waren einige bedeutende Akteure ins Auge gefaßt worden. Jack Nicholson etwa für Duke und Marlon Brando für Gonzo. Beide aber waren bereits zu alt. Wie auch John Malkovich für Duke.

Es war Thompson, der sich für Depp entschied. Die beiden hatten sich 1995 in Aspen, Colorado, unweit von Thompsons Wohnort Woody Creek kennengelernt und waren Freunde geworden.

In der 'oral biography' Gonzo: The Life of Hunter S. Thompson, herausgegeben 2007 von Jann Wenner und Corey Seymour, schreibt Depp in seiner Einleitung über ein Telefongespräch mit Thompson: "Johnny ... Hunter. Höz zu! Wenn sie einen Film über mich machten, ... wärst du interessiert? Würdest du mich spielen wollen?"

Als Regisseure sollen sich auch Martin Scorsese und Oliver Stone um den Stoff bemüht haben, blieben aber erfolglos. Rhino Films, eine zu Universal gehörende Produktionsfirma, besaß eine Option auf die Verfilmung, kam aber nicht aus den Hüften. "Aber Optionen bezahlten mir die Miete", wird Thompson vom Journalisten J. D. LaFrance zitiert.

Das Buch galt jahrelang als unverfilmbar. Bis Gilliam kam - und die (Co-)Produzentin Laila Nabulsi, die das Buch seit Jahren verfilmt sehen wollte. "Raoul Duke und Dr. Gonzo sind zwei Anti-Helden, die durch die Hölle gehen, den magischen Keks essen, gegen die Windmühlen kämpfen, und überleben - und wir gehen mit ihnen auf diese Reise", läßt sie sich auf dem Footage der DVD zitieren.

Seit Ende der 1970er Jahre war Nabulsi Thompsons rechte Hand - und etwas mehr. "Ich bin nun mal Hunters Hund. Wenn er sagt: Bell!, dann belle ich", wird sie von Paul Perry zitiert, der 1992 die erste unauthorisierte Biographie über den rastlosen Gonzo-Journo schrieb.

Duke und Gonzo aßen sich satt an magischen Keksen, Pilzen und deren Äquivalenten. Nabulsi weiter: "Das ist beängstigend und witzig, und was in den 70er Jahren zutraf, stimmt heute noch genauso. Dem Buch gelingt es, diesen letzten Zeitabschnitt einzufangen, bevor es bergab ging. Es ist der letzte Trip."

 Terry Gilliam sei jahrelang schon an der Verfilmung interessiert gewesen, so Nabulsi, habe aber nie die Zeit dafür gefunden. Tatsächlich kann im Rückblick gesagt werden, daß Gilliam wohl der einzige ist, der ein solches Buch hatte verfilmen können. Er kannte sich ja seit Jahren mit dem puren Irrsinn aus.

Für Johnny Depp begann mit Fear and Loathing eine Zeitenwende. Jedem Produzenten war fortan klar: der kann alles. Der kann das Böse, die Verrücktheit, Romantik, Eloquenz, Abgedrehtheit, den Horror und den Drecksack verkörpern. Er ist die eierlegende Wollmilchsau des US-amerikanischen Films. Und doch immer Johnny Depp.

Denn er scheint sich aufs Genüßlichste auszuleben in den Rollen, die er annimmt. Er bekam erstklassige Angebote und brachte sich bestens ein. So in Sleepy Hollow (1999) von - wieder einmal - Tim Burton. In diesem gelungenen Horrorfilm, in dem der große britische Schauspieler Michael Gambon einmal mehr sein Können zeigt und Christina Ricci eine prächtige Leistung abliefert, ist Depp wieder in einer unaufgeregt dramatischen Rolle, wie er sie habituell bereits in Dead Man verkörperte.

Richtig fies spielt Depp in The Astronaut's Wife (dt.: Die Frau des Astronauten) neben Charlize Theron, die die weibliche Hauptrolle hat. Der Plot allerdings ist flach: Astronaut Spencer und sein Kumpel kommen aus dem Weltraum zurück und sind nicht mehr dieselben, sondern Aliens im Körper der beiden. Sie schwängern ihre Frauen, die entsprechende Nachkommen zur Welt bringen sollen. Egal. Box Office: 11 Millionen Dollar.

 Ohnehin scheint sich Depp seit Fear and Loathing nur professionell - und dabei überaus erfolgreich - die Zeit bis zur nächsten Verfilmung eines Thompson-Buches vertrieben zu haben.

So mit Tim Burtons Sleepy Hollow (B.O.: 208 Mio Dollar), Roman Polanskis The Ninth Gate (B.O.: knapp 60 Mio Dollar; dt.: Die neun Pforten), Lasse Hallströms Chocolat (B.O:: 153 Mio Dollar), Julian Schnabels Before Night falls (B.O.: 9 Mio Dollar), From Hell von den Hughes Brothers (B.O: 32 Mio Dollar), Ted Demmes Blow (B.O.: 84 Mio Dollar), ein Film, der Franka Potente in den USA nach Lola rennt ein großes Publikum verschaffte, oder mit Robert Rodriguez' Once upon a Time in Mexico (B.O.: ca. 100 Mio Dollar.).

In Blow spielt Depp George Jung, jenen legendären Dealer, der gegen Ende der 1970er in den frühen 1980er Jahren die Ostküste der USA erst mit Marihuana, dann mit Kokain überschwemmte und damit soviel Geld machte, daß er kaum mehr wußte, wo und wie er die Stapel an Scheinen lagern sollte.

Obwohl der Plot ein gänzlich anderer ist, erinnert die Darbietung Depps an die von Sean Penn in John Schlesingers 1985 in die Kinos gekommenen Film The Falcon and the Snowman (dt.: Der Falke und der Schneemann), in dem Penn den Kokain-Dealer Daulton Lee spielt. Wie Blow, basiert auch dieser Film auf einer wahren Geschichte.

Es folgten die Pirates of the Caribbean 1-3 unter Gore Verbinski und sein kommerziell erfolgreichster Kinofilm abseits der Jack-Sparrow-Filme, Tim Burtons Charly and the Chocolate Factory (B.O.: knapp 500 Mio Dollar; dt. Charly und die Schokoladenfabrik).

 In den Jahren dazwischen leistete es sich Depp mehrfach, eigenes und fremdes Geld zu vernichten, was seinem Ruhm nichts anhaben konnte. Cineastische Highlights wie The Source (dt.: Die Beat Generation - Wie alles anfing), in dem er den Beatnik-Autor Jack Kerouac darstellt, oder The Man who cried (dt.: In stürmischen Zeiten), zeugen davon.

Daß Depp an Low-budget-Projekten nach wie vor seine Freude hat, beweist seine Rolle als Erzähler in Alex Gibneys Dokumentation Gonzo: The Life and Work of Dr. Hunter S. Thompson (2008). Mehr als zehn Jahre nach Fear and Loathing in Las Vegas konnte der vielseitige Schauspieler in eine Rolle schlüpfen, die ihm am Herzen liegt.

Wie auch bei The Rum Diary, Thompsons vor 60 Jahren verfaßtes Manuskript, das erst 1998 verlegt wurde. Immer wieder waren in den vergangenen Jahren Ankündigungen gemacht worden, das Buch würde verfilmt. Letzten Informationen zufolge begannen die Dreharbeiten Ende März 2009 in San Juan, Puerto Rico. Johnny Depp produziert den Film und spielt unter der Regie von Bruce Robinson ('Jennifer Eight') Paul Kemp alias Hunter Stockton Thompson.

Inzwischen hat Sweeney Todd (2007) gut 150 Millionen eingespielt - Regie erneut: Tim Burton -, Finding Neverland (2004) von Marc Foster ähnlich viel. Bis 2012 ist Depp durchgebucht. In Frankreich tankt er bei seiner Familie Kraft für seine Vielfilmerei.

Dort besitzt er gemeinsam mit seiner Frau Vanessa Paradis bei Plan-de-la-Tour, das zehn Kilometer von dem Küstenort Ste. Maxime im Maurenmassiv liegt, klugerweise ein Weingut - keine Whiskey-Brennerei, wie Thompson es wohl gut gefunden hätte.

Gelegentlich schauen auch Freunde aus dem Film- oder Musikgeschäft bei Depp-Paradis in Frankreich vorbei. Zu ihnen zählen - neben weiteren - Sean Penn, John Cusack, John Malkovich, Kate Winslet, Leo DiCaprio, Tom Petty, Nicholas Cage, Mick Hucknell (Simply Red), Keith Richards, Shane MacGowan (The Pogues).

Depp, ein Troubadour des Films, spielt selbst Gitarre und hat bereits mit seiner Band P und mit Shawn MacGowan ein paar Songs eingespielt. Blockbuster, so scheint es, sind ihm offenbar nur Mittel zum Zweck.

© Hubertus Molln

© GeoWis (2009-04-11)

Paul Perry: Angst und Abscheu. Das sagenhafte Leben des Hunter S. Thompson >>

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