"Voreilig und nicht gerechtfertigt"
Im vergangenen Herbst wurde Zhang Danhong von der chinesischen Redaktion der Deutschen Welle suspendiert. Seit Wochen liegt ein umstrittenes Gutachten vor, das die Journalistin rehabilitiert.
Von Hao Feng (2009-05-05)
Tendenziöse, zu chinafreundliche Berichterstattung im Hinblick auf die Regierungspartei (KPCh) wurde der chinesischen Redaktion, vor allem deren stellvertretender Chefredakteurin Zhang Danhong den Sommer 2008 über vorgehalten. Der Sender, der eigenen Angaben zufolge wöchentlich 86 Millionen Hörer weltweit erreicht, geriet unter Druck und suspendierte Zhang zunächst (GeoWis berichtete).
Einige chinesische Intellektuelle und der 'Autorenkreis der Bundesrepublik' forderten in 'offenen Briefen' den Deutschen Bundestag auf, die chinesische Redaktion bzw. deren RedakteurInnen auf Mitgliedschaft in Chinas KP zu überprüfen. DW-Intendant Erik Bettermann beauftragte daraufhin den ehemaligen Tagesthemen-Moderator und Journalisten Ulrich Wickert mit der Prüfung der Anwürfe gegen die Redaktion.
Auch nach inzwischen mehreren Wochen liegt Wickerts Ergebnis immer noch nur in Auszügen¹ vor. In seltener Deutlichkeit kommt er zu dem Schluß: "Die Vorwürfe tendenziöser Berichterstattung gegen die journalistische Arbeit der chinesischen Redaktion bei der Deutschen Welle entbehren jeder Grundlage."
Mit dieser Feststellung dürfte klar, sein, daß die chinesischen RedakteurInnen, insbesondere die in den Mahlstrom der Mainstream-Medien geratene Zhang Danhong, zu Unrecht angegangen wurden. Verantwortlich hierfür macht er auch den Medienbetrieb, von dem er laut TAZ einen "niederschmetternden Eindruck" habe.
Auch Politikern stellt Wickert in diesem Zusammenhang ein miserables Zeugnis aus. Diese hätten die Vorwürfe, die seinerzeit hauptsächlich aus Kreisen chinesischer Dissidenten und eines Berichts zweier Journalisten in die Öffentlichkeit gelangten, "ungeprüft aufgegriffen". Intendant Bettermann habe dann "voreilig und nicht gerechtfertigt Personalentscheidungen getroffen." Wickert kommt zudem zu der Einschätzung, dies sei aufgrund öffentlichen und politischen Drucks erfolgt.
Demgegenüber halten manche Politiker Wickerts Bewertung der Anwürfe für "ein starkes Stück" (Stefan Eisel, CDU) oder bescheinigen ihm "Realitätsferne" (Uschi Eid, Grüne), nachdem er sich vor anderthalb Monaten in der Süddeutschen Zeitung geäußert hatte.
Ob zur journalistischen Rehabilitation noch Zhangs Rückkehr auf ihre Position als stellvertretende Chefredakteurin der chinesischen Redaktion erfolgt, erscheint eher unwahrscheinlich. "Geplant ist da gegenwärtig nichts", erfuhr GeoWis auf Nachfrage bei der Deutschen Welle. Zhang sei damals "aus disziplinarischen Gründen" versetzt worden. Zur Zeit arbeitet sie als Redakteurin im Wirtschaftsressort des Senders.
¹ Eine vollständige Veröffentlichung ist noch nicht erfolgt. Das komplette Gutachten liegt nach Auskunft der Presseabteilung der DW Intendant Bettermann vor.
© Hao Feng
© GeoWis (2009-05-05)
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