Klevere Masche
Während seit zwei Jahren weltweit Banken mit schier unglaublich hohen Summen gerettet werden, hat der kanadische Künstler Paul Grignon sich Gedanken über das Bankensystem gemacht und im Herbst 2007 die animierte Dokumentation Money as Debt auf den Markt gebracht.
Von Jochen Henke (2009-05-23)
Er hatte schon früh die Nase voll von der Stadt und reiste mit Rucksack und Lebensgefährtin per Daumen auf die kleine Insel Gabriola, die zwischen Vancouver Island und dem Festland der kanadischen Pazifikküste liegt und zum Bundesstaat British-Columbia gehört. Erst wohnten die beiden im Zelt, dann in einer Hütte, und später - als vier Kinder da waren - im selbstgebauten Haus.
Er sei nicht den üblichen Finanzierungsweg gegangen, zumal er kein regelmäßiges Einkommen gehabt habe, so Paul Grignon (*1948). Jahrelang habe er als saisonaler Baumpflanzer in der kanadischen Holzindustrie gearbeitet, bevor er sich so verletzte, daß er die Tätigkeit nicht mehr ausüben konnte. Danach habe er jeden nur denkbaren Job angenommen und sich der Landschaftsmalerei gewidmet. Dem monetären System stehe er seit seiner Jugend skeptisch gegenüber.
Eine Erbschaft ermöglichte es Grignon 1997, sich professionell mit Videoprojekten zu beschäftigen. Meist waren es kleinere Clips für Organisationen und Werbung. Fünf Jahre später erhielt er von der Organisation United Financial Consumers den Auftrag, einen Film über die "räuberischen Praktiken von Banken" zu machen, wie er auf seiner Webseite schreibt.
Herausgekommen ist eine denkbar kritische, erhellend wie erheiternde, gleichermaßen auch erschreckende Dokumentation von gut 45 Minuten Länge, die vor allem das Zins- und Verschuldungssystem und die damit einhergehende Erschaffung von Geld kritisch erläutert. Dabei setzt Grignan rigoros Animationen ein, die von einer Stimme aus dem Off - von seinem Nachbarn Bob Bossoms - begleitet werden und mit Untertiteln versehen sind.
Die Kernbotschaft lautet: "Ohne Schulden gäbe es überhaupt kein Geld." Ohne Geld allerdings gibt es Schulden.
Eine Bank kann - vereinfacht - das Mehrfache ihres Stammkapitals verleihen. Aus diesem mit wenigen Fingerbewegungen auf der Tastatur generierten virtuellen Geldreservoir schöpfen Kreditgeber kellenweise neues virtuelles Geld, das Kreditnehmer dann ebenso virtuell oder in Papierform erhalten.
Längst nehmen sich angesichts der globalen Finanz- und Wirtschaftssystemkrise allerlei Medien und Politiker dieser Zinsknechtschaft und ungezügelten Geldwirtschaft an, indes es mangelt an gut verständlicher, anschaulicher Darstellung ebenso wie an frühzeitiger, ideologiefreier Aufklärung in den Schulen.
Grignon begegnet diesem Mangel, indem er mit seinem Film den Sachverhalt auf seine Kernelemente reduziert und die Parabel vom Goldschmied (The Goldsmith's Tale) erzählt, dem Vorläufer des Bankwesens wie wir es kennen. Der findige, für die Münzprägung zuständige Goldschmied hat zum Problem, daß er sein Gold sicher aufbewahren muß. Also baut er einen Tresor, in dem er gegen Quittung bald auch das Gold seiner Mitbürger lagern darf.
Als er herausfindet, daß seine Mitbürger sich nicht ständig und vor allem nicht gleichzeitig danach erkundigten, ob ihr Gold noch im Tresor sei und Papier als Geld akzeptierten, beginnt er es in Papierform zu verleihen und dafür eine Gebühr zu nehmen, den Zins. Sein Trick, dem ihm die Regierung zugesteht, ist dabei, mehr zu verleihen als er an Gold als Gegenwert im Tresor hat.
Daß immer mehr Menschen an klarer, allgemeinverständlicher Erläuterung des Weltfinanzsystems Interesse haben, zeigen die inzwischen im Netz verfügbaren Downloads, die fleißig genutzt werden.
Mehr als zwei Millionen sollen es bisher sein. Auf Grignons Webseite sind "unautorisierte " Links zu Versionen mit deutscher, spanischer, russischer, italienischer, niederländischer, slowenischer und tschechischer Untertitelung gesetzt.
Bis jetzt gibt es den auch als Unterrichtsmaterial bestens geeigneten Film nur auf Englisch und Französisch. Kommerzielle Versionen mit spanischem und deutschem Ton seien in Vorbereitung.
© Jochen Henke
© GeoWis (2009-05-23)
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