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GeoWis-Reportage Spanien, Teil 05: Málaga - Glut des Südens
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Glut des Südens

Málaga gilt als eine der schönsten Großstädte Südspaniens. Doch ist dort nicht alles eitel Sonnenschein. Heiß aber ist es allemal.

Von Uwe Goerlitz und Antonio Morales (2009-08-20)

Zwei Stunden und 40 Minuten dauert es mit den Hochgeschwindigkeitszug AVE für die um 600 Kilometer lange Strecke von Madrid-Puerta de Atocha bis zu Málagas Hauptbahnhof Estación de María Zambrano. Fast zu schnell, um von der überfüllten und stickigen Hauptstadt Spaniens in die andalusische Perle an der Costa del Sol zu geraten, wo es zwar auch heiß ist, immerhin aber ein Lüftchen vom Mittelmeer aufs Land weht.

 Zentraler Anlaufpunkt für Touristen ist das Centro Histórico, die Altstadt, zu der man vom Bahnhof aus in wenigen Minuten bequem mit dem Bus fahren und an der Alameda Principal unweit des Hafens aussteigen kann.

Die Fußgängerzone der Altstadt besteht aus gepflegtem Kopfsteinpflaster und Marmorfliesen und ist teilweise mit halbopaken Spannlaken überdacht (siehe Titelfoto), die vor der Glut des Südens - hier ist die Sonneneinstrahlung gemeint - schützen und Schatten spenden. So bleibt das Flanieren erträglich und beschert auch den Terrassenrestaurants Kundschaft, die sich - prallte die Sonne durch - sonst kaum an den Tischen niederließe.

Auch die exquisiten Geschäfte hätten ohne die Übertuchung unter ausbleibender Kundschaft zu leiden, obwohl sie durchweg über leistungsstarke Klimaanlagen verfügen, die einem angenehme Kühle bereiten. Doch wer ginge bei dieser Hitze überhaupt in die Altstadt, flanierte, gäbe es in ihr keinen Schatten?

Im Zweifel könnte man sich auch als Nicht-Hutträger einen luftigen, preiswerten Strohhut oder einen etwas teureren, exklusiven sombrero aus Bast oder anderem feinen Flechtwerk kaufen und würde es durchstehen, sofern auch die anderen Parameter stimmen: geschlechterspezifisch luftiges Hemd oder luftige Bluse - nur kein T-Shirt -, kurze oder lange, unbedingt aber leichte/r Baumwollhose oder -rock, - nur nicht mit Kunstfasern versehen -, Schlappen oder Sandalen.

 Damit darf man sich auch an den Tischen so hervorragender Restaurants wie dem El Rescoldo oder dem Strachan einfinden, ohne die umsichtigen Ober und Kellnerinnen zum Naserümpfen zu veranlassen und als Folge davon etwa lange aufs Essen warten zu müssen oder sonstwie weniger aufmerksam als man es vielleicht gewohnt ist, behandelt zu werden.

Uns fällt auf, dass die meisten Leute, durchaus nicht nur Touristen, diese den klimatischen Bedingungen angepasste, unkomplizierte Kleider- und Stoffwahl sozusagen verinnerlicht haben, wobei einige dabei auch auf Eleganz Wert legen, indem sie sich so kleiden, wie sie es sich schickt, wenn man des Sommers über zu besten Lokalen am Ort ausgeht. In Badehose oder -shorts haben wir in den besseren Restaurants der Altstadt von Málaga niemanden angetroffen.

Ginge es nach den Stadtoberen und Bürgermeister Francisco de la Torre, dann würde Málaga im Jahr 2016 Kulturhauptstadt. Allerdings ist allein die spanische Konkurrenz um den begehrten Titel enorm - was auch Konzept ist, denn schon der Plan, sich zu bewerben, bringt Stadtentwicklungsprojekte in Gang. Dreizehn Bewerber gibt es nach jetzigem Stand, darunter auch die von Palma de Mallorca angeführten Balearen.¹

Einen Teil der Kriterien erfüllt Málaga - mit rund 1,2 Millionen Einwohnern nach Sevilla die zweitgrößte Metropolitanregion Andalusiens und die sechstgrößte Spaniens - bereits durch seine historisch gewachsene Altstadt sowie architektonischen und archäologischen, teils ausgezeichnet erhaltenen Relikte und Bauwerke aus der Zeit der Turdoli, Lusitanier, Phönizier und Römer. 

Dazu gehört etwa die Alcazabar, eine unter dem im frühen Mittelalter in Granada residierenden Berberkönig Badis bin Habús (1030-75) erbaute Festung oberhalb des Römischen Theaters, mit dessen Bau im ersten Jahrhundert vor Christi begonnen wurde und das erst 1951 im Zuge von Ausgrabungen freigelegt werden konnte. An der Rückseite der Alcazabar, entlang der Calle Alcazabilla, wird unter der Verantwortung von Carmen Peral und Manuel Corrales Aguílar noch immer gebuddelt.

 Andernorts in der Stadt, in der zwischen dem 8. und 15. Jahrhundert über 700 Jahre lang die Mauren geherrscht hatten, wird ebenfalls kräftig gegraben, jedoch ist man nicht auf der Suche nach archäologischen Relikten, sondern treibt Tunnel für die zweite U-Bahnlinie durchs Erdreich. Und das "seit Jahren", wie die Journalistikstudentin Pilar zu berichten weiß.

Sie könne sich gar nicht mehr erinnern, wann "das angefangen" habe, sie sei noch ein Kind gewesen, sagt die Zweiundzwanzigjährige, die wir bei 37 Grad im Schatten zu einem Mineralwasser eingeladen haben.

Tatsächlich erstickt die Stadt außerhalb des historischen Zentrums im Verkehr, auch bedingt durch Absperrungen zu Baustellen wegen der Erweiterung des U-Bahnnetzes. Allein für die knapp 20 Kilometer zum Badeort Torremolinos benötigt Pilar mit dem Bus eine Dreiviertelstunde, und mit dem Auto geht es auch kaum schneller, ist aber teurer, denn der Bus kostet nur € 1,35 pro Strecke. Meistens gehe sie an einem der Stadtstrände schwimmen, die nicht so überlaufen seien.

Am U-Bahnbau haben sich viele auf unlautere Weise die Taschen vollgemacht und machen sie sich weiter voll, erfahren wir, und mit der Bewerbung zur Kulturhaupstadt sei das nicht anders, schließlich werde gebaut, und wo gebaut werde, fließe Geld, viel Geld. Es sei eine spanische Krankheit, die in alle Welt getragen worden sei, und man laufe ihr stets hinterher, finde kein Mittel, um sie erfolgreich zu bekämpfen.

Auf Akzentuierung und Bewahrung der Altstadt werde seitens der Stadt sehr viel Wert gelegt, doch was habe bitteschön das von dem deutschen Bekleidungskonzern C & A betriebene Geschäft hier zu suchen, vor dem auch noch eine Baustelle sei? Habe das etwas mit Málaga oder mit Andalusien zu tun? Der passe doch gar nicht hierhin, so ein Laden.

 In der metropolitanen Region Málagas haben weitere deutsche Einzelhändler Filialen eröffnet, etwa der Heimwerkermarkt Bauhaus und die Lebensmittel-Discounter Aldi und Lidl. Unsere Gesprächspartnerin weiß das und kauft gelegentlich dort ein. Die Qualität sei in Ordnung und als Studentin müsse sie "ein wenig" auf die Preise achten.

Ob sich die Weltwirtschaftskrise auch hier bemerkbar mache, wollen wir wissen. "Seht euch doch mal um!" sagt Pilar. Hier sei im Vergleich zu den Vorjahren geradezu nichts los.

Nie habe sie die Altstadt im Juli so leer gesehen, was ja einseits angenehm sei, da man als Einheimische beinahe ungestört flanieren und auch zu reduzierten Preisen einkaufen könne. Andererseits sei es für den Einzelhandel, die Gastronomie und die Einnahmen der Stadt eine mittlere Katastrophe.

Zum Glück habe man den Hafen, der noch genügend abwerfe, aber der Flughafen verzeichne auch Umsatzeinbrüche. Im Moment sei der Wirtschaftsteil von Diario Sur² eine Ansammlung von Hiobsbotschaften, weshalb sie ihn kaum noch lese.

Viele Malagueños könnten schon jetzt nicht mehr ihre Rechnungen bezahlen, weil sie überschuldet seien. Zwar habe es dieses Problem auch schon vor der Wirtschaftskrise gegeben, aber es habe sich rasant verschärft, sagt Pilar. "Die Banken interessiert es nicht, weshalb man seine Hypotheken nicht mehr bedienen kann", sagt sie lächelnd mit einer elegant verpackten, unüberhörbaren Portion Verärgerung in der Stimme.

Wir ordern alkoholfreie Cocktails, verweilen noch mit Pilar, die auf die Schnelle kurz anreißt, dass "dieses ganze Kulturhauptstadt-Programm" zwar im Endeffekt für die Stadt vorteilhaft sei, wenn irgendwann einmal die zweite U-Bahnlinie auch fertig werde und die teils desolaten Zustände in den barrios, jenen Stadtteilen abseits des touristischen Auges, beseitigt worden seien, sich aber jede Menge Leute durch die dadurch aus Brüssel und Madrid fließenden Mittel auch ungerechtfertigt bereichern würden. Der uns leibhaftig erschienenen Glut des Südens hatten wir diesbezüglich und angesichts des fortgeschrittenen Abends nichts entgegenzusetzen.

Weshalb es nicht mehr dazu kam, mit Pilar die Situation Málagas während des Spanischen Bürgerkriegs zu erörtern, in dem auch Hitlers Fliegerstaffeln abseits der baskischen Stadt Guernica, die von der Legion Condor in Schutt und Asche gebombt worden war, eine Rolle spielten.

 Heute ist außerhalb der Friedhöfe kaum noch etwas davon zu sehen, dass in Málaga 1937 italienische und marokkanische Truppen zu denen des Diktators General Francisco Franco (1892-1975) stießen und die republikanischen Spanier bzw. Andalusier in der Schlacht von Málaga aufrieben und aus der Stadt vertrieben.

Hitlers Fliegerbarone der Legion Conder bombardierten sie und trugen so zum Massaker von Málaga bei, während dem mehr als 10.000 Menschen, darunter etwa die Hälfte Kinder, zu Tode kamen. Unsere aufgeweckte Gesprächspartnerin hätte uns sicherlich ihre Sicht der Dinge mitgeteilt.

© Uwe Goerlitz; Antonio Morales

© GeoWis (2009-08-20)

¹ Spanische Bewerber sind die Städte Tarragona, Cáceres, Córdoba, Cuenca, Pamplona, Burgos, Donostia (San Sebastián), Segovia, Alcalá de Henares, Santander, Zaragoza; die Region Asturien mit dem Städteverbund Gijón, Oviedo, Áviles; die Inselgruppe Balearen.

² Diario Sur ist eine Tageszeitung, die in Málaga und Andalusien erscheint, mit Regional- bzw. Lokalausgaben etwa in den Städten Marbella, Axarquía, Campo de Gibraltar, und der spanischen Exklave Melilla.

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