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GeoWis-Reportage Spanien, Teil 01: Paxe Ryanair, Iberia!


GeoWis-Reportage Spanien, Teil 01: Paxe Ryanair, Iberia!
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Null Service und banges Warten

Elf Tage waren GeoWis-Redakteure in Spanien unterwegs. Daraus entstand eine mehrteilige Reportage. Im ersten Teil geht es um Erlebnisse mit den Fluglinien Iberia und Ryanair.

Von Uwe Goerlitz und Antonio Morales (2009-07-24)

Für viele Reisende war der 11. Juli kein guter Tag zum Fliegen. Zumindest nicht mit der spanischen Airline Iberia oder dem irischen Billigtransporteur Ryanair. Eine Stunde und vierzig Minuten beträgt die Standardflugzeit von Barcelona nach Santiago de Compostela, wenn man beispielsweise morgens um 6.30 Uhr mit den Iren mit Flug FR 2113 abheben kann. Es kann aber auch ganz anders kommen und viel länger dauern.

 Bei Ryanair, dem angeblichen Billigflieger, kosten Hin- und Rückflug zwischen € 205,19 und € 210,54, darin enthalten sind € 10,70 für die Online-check-ins¹ und € 49,51 bis € 49,84 an Steuern und Gebühren. Iberia bietet die Strecke hin- und zurück für € 238,98 (IB 5282/IB 5283) an, fliegt aber ab Barcelona, während Ryanair vom 110 Kilometer südlich der katalanischen Metropole gelegenen Regionalflughafen Reus abhebt.

Am 11. Juli startete Flug FR 2113 zwar recht pünktlich von Reus, kam aber bereits eine Stunde später in Valladolid wieder herunter, gut 350 Kilometer vor Santiago de Compostela, wo Ryanair wegen dichten Nebels angeblich nicht landen konnte. Ob es für die Piloten unmöglich war, nach Instrumenten (IFR) zu landen und ob die erforderliche Landebahnmindestsicht in Santiago nicht gegeben war, wurde nicht bekannt gegeben.

Nach einer guten Stunde wurde den Reisenden endlich mitgeteilt, dass der Flug in Valladolid ende. Auf Englisch, denn das Bordpersonal war weder des Spanischen noch des Katalanischen oder Galizischen mächtig. Was für Empörung sorgte und aufzeigt, wie wenig sprachliche Qualifikation ausreicht, um bei Ryanair eingestellt zu werden.

Nun konnte man spotten, dass womöglich die Flugkünste der Piloten nur bis Valladolid reichten, wo auch noch die Sonne schien. Viele Passagiere, bei Airline-Beschäftigten nur Paxe genannt, fragten sich, weshalb der rigide Carrier nicht auf dem nur etwa 60 Kilometer von der galizischen Pilgerstadt entfernten Flughafen von Á Coruña landete?

 Die Antwort konnte man eine Woche später beispielsweise in der katalanischen Tageszeitung Diari finden. Valladolid sei der nächstgelegene Flughafen zu Santiago de Compostela, auf dem Ryanair operiere, so das Blatt unter Berufung auf Ryanair.

Natürlich hätte der vorgebliche Billigheimer laut Luftfahrtrecht auch in Á Coruña landen dürfen, doch wären hier ordentliche Lande- und Startgebühren fällig geworden.

Gleiches gilt für Vigo, 100 Kilometer von Santiago entfernt. Tatsächlich herrschte in allen drei Städten bzw. über deren Flughäfen Nebel, wie der aus der Universität Michigan entstandene Wetterdienst Weather Underground ausweist. In Santiago de Compostela von 4.00 Uhr bis 11.15 Uhr; in Á Coruña von 5.30 Uhr bis 9.00 Uhr; in Vigo von 8.30 Uhr bis 13.00 Uhr.

Nach längerem Warten wurden die Reisenden in Busse verfrachtet, die für die 350 Kilometer bis Santiago sieben Stunden benötigten. Nachfragen nach Verpflegung, die jedem Fluggast auf Kosten der Airline zusteht, wenn sich das Erreichen des Ziels um mehr als zwei Stunden verzögert, blieben erfolglos. Richtig sauer wurden die Reisenden dann, als sich auch noch das Personal von Ryanair aus dem Staub machte.

So machte der Billigheimer, der eigenen Angaben zufolge mittlerweile knapp 58 Millionen Passagiere (2008) mit Boings der 737er Baureihe durch die Gegend fliegt - und manche davon mit Bussen fährt -, seinem Namen alle Ehre. Packt sie rein, äh ... . Und die Airline, die von Michael O'Leary geführt wird, ist sich auch sonst für nichts zu doof, meint, auch noch gegen ganz andere als die 'Verpflegungsgesetze' verstoßen zu können.

 Zwei Tage vor dem von völliger Inkompetenz begleiteten Flug FR 2113 startete Ryanair auf seiner deutschen Webseite eine Umfrage zum Thema "Stehplätze auf Kurzstreckenflügen". Der Carrier will so herausfinden, ob es eine "Kundennachfrage nach vertikalen Sitzen" gebe, "sollten diese im Vergleich zu Sitzplätzen kostenfrei oder zumindest nur halb so teuer sein." 

Am 22. Juli jauchzte Stephen McNamara von Ryanair, "80.000 Passagiere würden stehend fliegen" wollen. Geiz scheint immer noch geil zu sein, und umsonst fliegen zu können - auch auf die Gefahr hin, wie ein Guantánamo-Häftling eingepfercht zu sein - offenbar obergeil. Erwarten uns demnächst vielleicht Umfragen wie 'Wer will nackig fliegen? (um Gewicht zu sparen)' oder 'Wer will liegend fliegen? (in Etagenbetten, um mehr Paxe mitnehmen zu können)'.

So viel Unsinn verzapft Iberia nicht. Doch auch die altehrwürdige Fluglinie hat schwer abgebaut, nicht nur Personal, sondern auch Service. Immerhin hebt sie noch nicht von irgendwo in der Knüste gelegenen Provinz- oder Ex-Militärflughäfen ab oder landet dort und hat die Idee von der Toilettengebühr (Ryanair) oder die Abschaffung der Check-in-Counter bisher nicht übernommen.

Ansonsten liegt bei Iberia, die ihrem Mutterflughafen Barajas (Madrid) ein schönes, neues Terminal verpasst hat (T-4), genug im Argen. Konsequente Überbuchung scheint bei der 1927 gegründeten Fluggesellschaft inzwischen System zu haben. An den Check-in-Countern der Airline, etwa in Düsseldorf, hatten die Bediensteten jedenfalls alle Hände voll zu tun, um die Warteschlangen abzuarbeiten.

 Geduldig hatten sich vor allem jene Reisenden zu erweisen, die mit online gebuchten Tickets im DIN-A-4-Format an die Schalter traten. Ihnen wurde gesagt, sie hätten zwar ein gültiges Ticket nebst Reservierung, aber man müsse leider erst telefonieren, ob noch Platz sei, da man sie zunächst auf Stand-bye gesetzt habe. Auch nicht schlecht. Für die meisten gab es dann doch noch einen Sitzplatz, zumindest auf Flug IB 3523 von Düsseldorf nach Madrid.

Was man der Airline nicht anlasten kann, sind die verschärften Sicherheitskontrollen zum Beispiel am Flughafen Düsseldorf. Vielflieger kennen sie und bereiten sich bereits in der Warteschlange darauf vor, schnallen ihre Hosengürtel ab, entledigen sich sämtlicher Metall- und anderer Gegenstände in ihren Taschen, ziehen Jackett und Jacke aus, nehmen ihre Laptops aus den Rucksäcken oder Aktenkoffern und haben erst gar keine Flüssigkeits- oder Creme-Behältnisse dabei.

Für Verzögerungen sorgen jene, die in den vergangenen sieben Jahren wohl keine Nachrichten gesehen, gehört oder gelesen haben. Ganze Sortimente an Sonnenschutzmitteln und Hygieneartikeln werden von den Kontrolleuren herausgefischt und wandern in den Müll, ebenso wie PET-Saft- und Mineralwasserflaschen, der Stahlflachmann oder das Schweizermesser. Auch das Zippo darf nicht mit an Bord, wenn die benzingesättigte Watte zuvor nicht entnommen wurde.

 An Bord der Mittelstreckenflüge Düsseldorf-Madrid (2:30 h), Berlin-Madrid (3:05 h), Frankfurt/M-Madrid (2:30 h) und München-Madrid (2:40 h) nähert sich Iberia in der Economy-Klasse allerdings zunehmend Ryanair-Niveau. Heißgetränke - etwa Kaffee oder Tee - und Snack sind im Flugpreis nicht mehr enthalten. Erfrischungsgetränke kosten zwei bis drei Euro, eisgekühlte gummiartige Baguettes oder Sandwiches je nach Belag sechs bis sieben, Kaffee oder Tee zwei Euro.

Darauf kann angesichts der geringen Flugzeit wohl verzichtet werden. Aufs Gepäck nicht. Genau das vermissten aber am 11. Juli einige hundert Reisende nach ihrer Ankunft in Madrid-Barajas, nachdem sie sich an den Gepäckausgabebändern eine Stunde lang die Füße plattgestanden hatten und lange nicht darüber informiert worden waren, dass es sich noch am Abflugsort befand.

Mindestens vier Iberia-Flüge kamen an diesem Tag ohne oder nur mit einem Teil des Gepäcks ihrer Passagiere in Madrid an: Flug IB 3523 (aus Düsseldorf), IB 3551 (aus Berlin), IB 211 (aus Málaga), IB 151 (aus Jerez de la Frontera). Am Lost-Luggage-Informationsschalter herrschte sodann Hochbetrieb, der von vier MitarbeiterInnen bewältigt werden musste.

Kinder quängelten und schrien vor Müdigkeit oder Durst; Eltern, Paare und Einzelreisende, meist in leichter Sommerkleidung, verloren mitunter die Geduld; manche Gepäcklose rauchten Kette in der Raucherzone. Zwar versprach Iberia, das Gepäck so schnell wie möglich an die Unterkunft, das Hotel oder wohin auch immer nachzuliefern, indes machte das lediglich für jene Sinn, die eine Unterkunftsadresse angeben konnten.

Für Geschäftsreisende oder Journalisten, die nur in Madrid gelandet waren, um von dort mit dem Auto oder dem Zug weiterzureisen und daher keine Hotelbuchung vorgenommen oder nötig hatten, sah es düster aus, wie auch für jene, die mit dem Nachtzug zum Beispiel nach Á Coruña oder Lissabon wollten. Deren bereits online bezahlte Tickets oder die Reservierungen waren plötzlich wertlos.

Wer nun glaubte, das Gepäck käme mit der nächsten Maschine, lag falsch. Es sei wegen Überladung der Maschinen nicht mitbefördert worden und komme "frühestens morgen Abend" (IB 3523, DUS-MAD) an, so die Auskunft. Vier Maschinen später! Zwangsläufig mussten Durchreisende sich ein Hotelzimmer für mindestens zwei Nächte in der spanischen Hauptstadt nehmen. Auf eigene Kosten, denn Iberia übernehme diese nicht. Ein klarer Verstoß gegen des seit Februar 2005 geltende Montreal-Abkommens.

 Entscheidungen zu Kostenübernahmen konnte nicht mal die Chefin des Lost-Luggage-Services treffen. Sie drückte den in Madrid zwangsläufig Festsitzenden den gleichen Flyer in die Hand, wie ihn hunderte Geschädigte zuvor erhielten, und wies auf eine darauf abgedruckte Rufnummer (902341342) hin. Ob es die Nummer eines Callcenters sei, wollten wir wissen und gaben uns als Journalisten zu erkennen. "Ja", sagte die Dame.

Doch da irrte sie oder sagte wissentlich die Unwahrheit. Es ist die Nummer eines Sprachcomputers (Spanisch/Englisch), der naturgemäß zu Kostenentscheidungen nichts sagen konnte. Und auch sonst nichts Nützliches. Ob das Chaos und der schlechte Service von Iberia im Sinne des neuen Chefs der Fluggesellschaft, Antonio Vázquez Romero, ist, der am 9. Juli den Posten von seinem Vorgänger Fernando Conte García übernahm, bleibt abzuwarten. 

Anders als angenommen, lieferte Iberia zumindest unser Gepäck am nächsten Vormittag ins Hotel, das wir vorsichtshalber für zwei Tage gebucht und bezahlt hatten. Fliegen, soviel steht fest, ist nicht mehr bequem.

¹ Bis zu € 40 pro Check-in zahlt, wer dies nicht online vornimmt.

© Uwe Goerlitz; Antonio Morales

© GeoWis (2009-07-24)

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