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Wieczorek, Thomas: Die verblödete Republik. Wie uns Medien, Wirtschaft und Politik für dumm verkaufen. Rezensiert von Mariam Backes
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"Geistiger Wohnsitz im Märchenland"

In seinem neuen Buch veranschaulicht der Journalist und Parteienforscher Thomas Wieczorek das perfide Geschäft deutscher Politiker und ihrer medialen Unterstützer.

Von Mariam Backes (2009-10-29)

Wer jüngst der gestelzten, mitunter peinlichen, weil an Schwülstigkeit nur schwer zu überbietenden Lobhudelei des Kulturchefs der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), Frank Schirrmacher, lauschte, die er für den ZDF-Chefredakteur und einst begnadeten Journalisten Nikolaus Brender vom Blatt ablas, konnte einen Eindruck davon gewinnen, wie schwachmatisch Laudatoren sein können - wissentlich, willentlich oder ohne es zu merken.

Schirrmacher stand schwadronierend hinter seinem Stehpult wie ein neunmalkluger Oberschüler ohne das Talent zur freien Rede und gab ein prächtiges Beispiel für jene Journo-Spezies ab, die für eine klassenbewusste obere Mittelschicht eintritt, die sich partiell einen Dreck darum zu scheren scheint, mit welchen sozialen Problemen ihr untergeordnete Schichten zu kämpfen haben, aber immer feste draufhaut.

Davon, doch bei weitem nicht nur, handelt Thomas Wieczoreks Buch Die verblödete Republik. Er nimmt darin das Gehabe elitärer Gruppen ebenso auseinander wie deren mediale Transporteure und Protagonisten. Er durchleuchtet jene hochbezahlte Willfährigkeit von Journalisten und journalistischen (Radio- und TV-)Moderatoren, die wie ein Abszess am Hintern der unabhängigen, investigativen und allen Irrationalitäten trotzenden journalistischen Aufklärung wuchert.

Man könnte es Nestbeschmutzung nennen, was der Autor in Teil III ("Indoktrination") seines Buches betreibt, und sicherlich mögen es Angesprochene so empfinden. Man kann es aber auch als eine Diagnose betrachten, die ein Licht auf das Krankende im deutschen (Mainstream-)Journalismus wirft. Denn was immer Politiker - und somit Entscheider - über das Wohl- und Unwohlergehen der Bevölkerung beraten oder aushecken und anschließend verkünden oder in Gesetze gießen wollen: es bedarf medialer Transporteure, vorzugsweise solcher, die eine Grundregel ihrer Berufsausbildung, nämlich das kritische Hinterfragen des zu Transportierenden, ausblenden.

Wieczorek seziert das Übel in allgemein verständlichem, teils erfreulich saloppem Deutsch, so dass auch weniger Belesenen klar werden kann, wie über sie seitens der Konzernmedien und der gewählten Repräsentanten des Volkes gedacht wird. Es ist eine berechtigte Fundamentalkritik an der Art des Umgangs mit der dem Volk und dem deutschen Ich-protegiere-dich-,-du protegierst-mich-System, einem Kamarilla-Prinzip, das strukturell dem des italienischen und deutschen Faschismus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kaum nachsteht.

Auch damals waren es vor allem gut ausgebildete Redakteure und Journalisten, die sich in den Dienst zunächst der Mittel- und Oberschicht gestellt hatten und dann zu Gesinnungsjournos der faschistischen Intelligenzija mutiert waren. Von deren Volksverblödungskonzepten haben viele ihrer Nachfolger - die man in allen Mainstream-Medien findet - mitunter bestenfalls nur semantisch Abstand genommen.

Denn heute stellen sich die Konzern- und Mainstream-Journos - besonders schlecht weg kommen Spiegel, Spiegel Online, FAZ, faz.net, die Springer-Medien - ebenso wie damals in den Dienst des Kapitals und den von ihm ausgehaltenen politischen Akteuren und Entscheidern. Ihr gemeinsamer Feind - folgt man Wieczorek - ist das Volk, vor allem das angeblich minderbemittelte.

Gekonnt knapp analysiert der Autor das Konzept der Aufhetzung, das "manche pädagogisch mäßige, aber intrigenbegabte Lehrer ebenfalls beherrschen". Strebsame gegen Faulpelze, "Jungen gegen Mädchen, die gesamte Klasse gegen die Parallelklasse" lautet das Prinzip, das sich in der Erwachsenenwelt in Erwerbstätige gegen Arbeitslose wiederspiegelt oder Kurzhaarige gegen Langhaarige, Weißkragen gegen Blaumänner, Workaholics gegen 40-Stunden-Wöchler, Stahlstandort Duisburg gegen Stahlstandort Dortmund, und so weiter.

Genüsslich zerpflückt Wieczorek, Autor etwa von Die Dilettanten und Die DAX-Ritter, die in allen Mainstream-Medien breiten Raum genießenden "Experten", von denen etliche in mit öffentlichen Mitteln komplett oder teilfinanzierten Institutionen arbeiten und deren Aussagen entweder neokonservativen und neoliberalen Inhalts sind oder erst gar keinen verlässlichen haben. Vor die wirklich Sachkundigen haben sich Wieczorek zufolge viele gedrängt, die entweder mit neoliberalen Ideen oder fundiertem Halbwissen aufwarten.

Der Leser erfährt in diesem Buch, dass etwa die sogenannte Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), eine von Arbeitgebern und deren Verbänden finanzierte wirtschaftspolitische Pressure group sei, es immer wieder schaffe, von den Redaktionen der TV-Sender in Talkshows eingeladen zu werden, um ihr marktradikales Portfolio an Millionen Bürger zu bringen.

Besonders feste vor die Wand gelaufen erscheinen dabei jene Wirtschaftsfachleute, für die die Weltwirtschafts- und Finanzkrise offenbar wie der plötzliche Ausbruch einer Seuche über die Menschheit gekommen ist. Sodann meldeten sie sich im Wochentakt mit immer hanebücheneren Wachstumsprognosen zu Wort. Oder mit abstrusen Vorschlägen der Art, wie sie jüngst der "Hamburger Wirtschaftsexperte Thomas Straubhaar" in Spiegel Online wieder zum Besten gab, indem er für eine Anhebung der Mehrwertsteuer und eine Senkung der direkten Steuern eintrat.

Von Pseudosozialstaat, Gerechtigkeitsfalle, Pseudorechtsstaat, Klassenjustiz, Pseudoumweltschutz, Ablenkung, Pseudofriedenspolitik, Sachzwängen, gekauften und lancierten Meinungen ist die Rede. Begriffe, die Wieczorek anhand von Beispielen trefflich mit Sinn füllt und gleichwohl rigoros zu Ungunsten des Mainstreams entlarvt und auf diese Weise zeigt, wie vorbildlicher Journalismus funktionieren müsste.

Gleich zu Beginn des Buches räumt er mit einer Reihe von Mythen auf, etwa dem Mythos der "rationalen Wahlentscheidung", dem des "Volkswillens" oder dem der aufs Gemeinwohl orientieren Politiker, der zu allererst seine Karriere und das Fortkommen innerhalb seiner Partei im Blick habe, weshalb der freie Wille unter den uns in den Parlamenten vertretenden Politikern schon dadurch gehemmt, mittels Fraktionsdisziplin aber oft vollends in die Bedeutungslosigkeit verdrängt wird.

"So drohte der damalige SPD Generalsekrtär Franz Müntefering bei den Abstimmungen 2001 zum Mazedonienkrieg und 2003 zur Gesundheitsreform den 'Abweichlern' mit der künftigen Verweigerung eines guten Listenplatzes und damit dem Ende ihrer politischen Karriere", schreibt Wieczorek beispielsweise. Über dieses demokratiefeindliche Drohinstrument verfügen alle Parteien und sie wenden es regelmäßig an.

Die in höchstem Maße fortgeschrittenen Auswirkungen des strukturellen Klassenkampfes seitens der Macht-, Kapital- und Wissenschaftseliten gegenüber dem großen Rest der Bevölkerung/en werden als "gewollt" beschrieben; die massenhafte Verblödung erscheint im Lichte einer konzertierten Aktion gut vernetzter Akteure und Institutionen mit der Zielsetzung, die totale soziale und wirtschaftliche Kontrolle über den nur als solchen titulierten mündigen Bürger zu erhalten. Denn wer verblödet ist, merkt nicht, wie unfrei er in seiner Entscheidungsfindung und seinen Entscheidungen ist.

Wie sehr der einst im Ausland so bewunderte (west)deutsche Sozialstaat und die damit einmal verbundene soziale Marktwirtschaft den Bach hinabgeflossen sind, wird an den Themen Arbeit, Arbeitslosigkeit und Sozialversicherungen deutlich. Wieczorek veranschaulicht, warum es eine künstliche Verknappung der Arbeit gibt und wodurch sie herbeigeführt wird. Er nimmt sich jene Mechanismen vor, die zur millionenfachen Ausgrenzung von Erwerbsfähigen - und damit in die Arbeitslosigkeit und Sozialhilfe - führen, und benennt Akteure, die dafür verantwortlich sind.

Wieczorek leistet mit diesem Buch einen wichtigen Beitrag zur politischen Aufklärung. Ähnlich wie die US-Enthüllungsjournalistin Naomi Klein und der frühe Michael Moore führt er dem Leser vor Augen, wie umfassend die grundgesetzlich garantierte Demokratie und freie Willensbildung unterwandert und ausgehöhlt werden. Von den Politikern und Medien unseres Vertrauens.

© Mariam Backes

© GeoWis (2009-10-29)

Thomas Wieczorek: Die verblödete Republik. Wie uns Medien, Wirtschaft und Politik für dumm verkaufen. Tb, 320 S., ISBN: 978-3-426-78098-5, Knaur, München, 2009.

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